Man sieht eine erkältete Frau, die eine Teetasse hält und sich die Nase putzt.
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Viel trinken bei Erkältung: Sinnvoll oder nicht?

Den Ratschlag kennt vermutlich fast jeder: Erkältung? Da hilft viel trinken! Aber stimmt das auch?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Viel trinken bei Erkältung?

Bei akuten Atemwegsinfekten wie einer Erkältung oder Bronchitis mehr zu trinken als gewöhnlich erscheint auf den ersten Blick nicht so abwegig. Denn theoretisch verliert der Körper durch Beschwerden wie Fieber mehr Flüssigkeit als sonst. Auch über die Atemwege verdunstet unter Umständen mehr Wasser als normalerweise. Zudem hilft Flüssigkeit dabei, die Schleimhäute feucht zu halten, Schleim zu verflüssigen und zu lösen.

Möglicherweise ungünstig bei Infekten der unteren Atemwege

Wie es sich auf den Verlauf einer Atemwegsinfektion auswirkt, viel Wasser zu trinken, ist nicht wirklich gut untersucht. Es gibt allerdings Hinweise, dass sich mehr als gewöhnlich zu trinken während eines Infekts nachteilig auswirken könnte – etwa bei Infektionen der unteren Atemwege wie einer Bronchitis oder einer Lungenentzündung.

In solchen Fällen kann es unter Umständen vorkommen, dass der Körper einen bestimmten Botenstoff (das antidiuretische Hormon, ADH) vermehrt ausschüttet. Als Folge bindet der Körper mehr Flüssigkeit im Körper und scheidet weniger über den Urin aus.

Wird jetzt viel mehr als gewöhnlich getrunken, kann das zu einem Natriummangel führen, der grundlegende Körperfunktionen beeinträchtigen kann. Mögliche Symptome sind Kopfschmerzen, Verwirrung oder Krampfanfälle. Ob das auch bei Infekten der oberen Atemwege (wie Schnupfen, Nasennebenhöhlen- oder Rachenentzündung) der Fall ist, lässt sich zurzeit nicht sicher sagen.

Mangelware: Gute Studien zum Thema

Um daraus eine allgemeingültige Empfehlung abzuleiten, sind die bislang vorhandenen Studien nicht aussagekräftig genug. Bis es hierzu verlässliche Ergebnisse gibt, empfehlen Wissenschaftler deshalb, mit dem Ratschlag "bei Atemwegsinfekten viel zu trinken" lieber vorsichtig zu sein. Insbesondere, wenn es sich um Infekte wie eine Lungenentzündung oder eine Bronchitis handelt.

Video: Erkältungsmythen im Check

Fazit: Ob sich viel trinken bei Atemwegsinfekten positiv auswirkt, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Viel mehr als gewöhnlich zu trinken, könnte sich unter bestimmten Umständen möglicherweise gesundheitlich nachteilig auswirken.

Wichtiger als eine erhöhte Trinkmenge mag es bei Erkältungskrankheiten jedoch sein, ausreichend zu trinken – also darauf zu achten, den täglichen Flüssigkeitsbedarf zu decken. Dieser liegt bei etwa anderthalb bis zwei Litern pro Tag.