Man im Hintergrund Obst und ein Glas Orangensaft, im Vordergrund liegen verschiedene Tabletten.
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Nahrungsergänzungsmittel

Nahrungsergänzungsmittel erhält man fast überall. Braucht man sie wirklich, um gesund durchs Leben zu kommen? Oder reicht nicht auch die normale Ernährung?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Überblick

Ob als Kapsel, Tablette, Dragee, Pulver oder auch flüssig: Nahrungsergänzungsmittel gibt es in vielen Darreichungsformen. In Deutschland zählen sie zu den Lebensmitteln und können ergänzend zur täglichen Ernährung eingenommen werden.

Die Palette der Nahrungsergänzungsmittel ist dabei groß – Inhaltsstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe oder Spurenelemente, aber auch Aminosäuren, Ballaststoffe oder Pflanzenextrakte sollen sich positiv auf den Körper auswirken.

Welche Inhaltsstoffe hier erlaubt sind, regelt dabei die Nahrungsergänzungsmittel­verordnung (NemV). Vorschriften zu den enthaltenen Höchstmengen gibt es jedoch in Europa bislang nicht.

Anders als normale Lebensmittel müssen Nahrungsergänzungsmittel auch als "Nahrungsergänzungsmittel" ausgewiesen sein. Als weitere Angaben sind vorgeschrieben:

  • die empfohlene tägliche Verzehrmenge
  • ein Warnhinweis, die empfohlene Verzehrmenge nicht zu überschreiten
  • ein Hinweis, dass Nahrungsergänzungsmittel eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung nicht ersetzen können
  • ein Hinweis, das Nahrungsergänzungsmittel so aufzubewahren, dass kleine Kinder dieses nicht versehentlich essen können

Außerdem dürfen die Inhalte der Nahrungsergänzungsmittel keine pharmakologische Wirkung, sondern nur physiologische Effekte haben, da es sich andernfalls nicht mehr um ein Nahrungsergänzungsmittel, sondern um ein zulassungspflichtiges Arzneimittel handelt. Dieses müsste ein entsprechend aufwendiges Zulassungsverfahren bestehen.

Unter einer physiologischen Wirkung versteht man die Effekte, die bei Nahrungsaufnahme im Körper entstehen. Sobald ein Stoff im Körper mehr Wirkung hat als das, was physiologisch auch durch die Nahrungsaufnahme geschieht, ist die Wirkung als pharmakologisch anzusehen.

Es ist verboten, auf der Verpackung von Nahrungsergänzungsmitteln Informationen aufzubringen oder mittels Werbung zu verbreiten, laut denen das Produkt Krankheiten beseitigt, lindert oder verhütet. Erlaubt ist es jedoch, zu sagen, dass das Produkt möglicherweise das Risiko für eine Erkrankung verringern kann. Die Regeln für solche Angaben legt die sogenannte Nährwert-Kennzeichnung des Europäischen Parlaments fest.

Nahrungsergänzungsmittel in der Ernährung

Nahrungsergänzungsmittel gibt es in Supermärkten, Drogerien und Apotheken an jeder Ecke und in großer Zahl. So könnte man schnell zum Schluss kommen, dass die normale tägliche Ernährung vielleicht keine ausreichende Nährstoffzufuhr gewährleistet.

Das ist jedoch ein Trugschluss, denn wer sich ausgewogen und abwechslungsreich ernährt, versorgt seinen Körper mit allen wichtigen Nährstoffen. Die meisten Menschen benötigen daher keine Nahrungsergänzungsmittel.

Wann sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll?

Sinnvoll können Nahrungsergänzungsmittel aber sein, wenn man durch eine einseitige oder auch unzureichende Ernährung nicht genug lebensnotwendige (essenzielle) Nährstoffe aufnimmt. Außerdem gibt es bestimmte Personengruppen, bei denen zusätzliche Nährstoffe sinnvoll sein können. Dazu gehören:

  • Schwangere oder stillende Frauen: Während der Schwangerschaft oder der Stillzeit benötigt der Körper einige Nährstoffe in größeren Mengen als sonst.
  • Ältere Menschen: Senioren sind manchmal mit essenziellen Nährstoffen unterversorgt, weil sie zum Beispiel Probleme beim Kauen oder Schlucken haben oder weil sie appetitlos sind und deshalb weniger Nahrung aufnehmen.
  • Chronisch Kranke: Menschen mit chronischer Erkrankung benötigen unter Umständen mehr essenzielle Nährstoffe als Gesunde.

Laut Studien nehmen nue einige wenige Teile der Bevölkerung vereinzelte Nährstoffe nicht in der Menge auf, wie es die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt (z.B. Vitamin D, Calcium, Folsäure, Jod). Dies heißt jedoch nicht automatisch, dass die betroffenen Personen mit dem jeweiligen Nährstoff gleich unterversorgt sind oder gar einen Mangelzustand haben. Aber für manche Menschen kann der Einsatz von Nahrungsergänzungsmittel dann durchaus Sinn machen – etwa zusätzliches Calcium bei Personen, die keine Milchprodukte zu sich nehmen.

Nahrungsergänzungsmittel in der Schwangerschaft

Wer schwanger werden will oder bereits schwanger ist, dem empfiehlt der Frauenarzt in der Regel die zusätzliche Einnahme eines bestimmten Vitamins: der Folsäure. Denn Folsäure als Nahrungsergänzungsmittel senkt für den Embryo das Risiko, dass es in der Embryonalentwicklung zu Fehlbildungen des Nervensystems wie einem "offenen Rücken" (Spina bifida) kommt.

Wechselwirkungen bedenken

Wer schwanger werden will oder bereits schwanger ist, dem empfiehlt der Frauenarzt in der Regel die zusätzliche Einnahme eines bestimmten Vitamins: der Folsäure. Denn Folsäure als Nahrungsergänzungsmittel senkt das Risiko, dass es in der Entwicklung des Embryos zu Fehlbildungen des Nervensystems wie einem "offenen Rücken" (Spina bifida) kommt.

Kein Ersatz für ausgewogene Ernährung

Wer sich normal ernährt und regelmäßig Obst und Gemüse isst, tut in der Regel genug, um seinen Körper mit Nährstoffen zu versorgen. Es gibt bisher keine Hinweise, dass Nahrungsergänzungsmittel gesunde Menschen noch gesünder machen.

Nahrungsergänzungsmittel können außerdem kein vollwertiger Ersatz für eine ausgewogene Ernährung sein. Denn während ein Nahrungsergänzungsmittel meist nur einen einzelnen Nährstoff oder eine Kombination aus wenigen Nährstoffen enthält, finden sich in Obst und Gemüse zum Beispiel Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe in der Regel gleich im Rund-um-Paket.

So stecken in einem Apfel beispielsweise neben sieben Vitaminen auch noch sieben Mineralstoffe, abgesehen von zahlreichen sekundären Pflanzenstoffen. Vitamine und Mineralstoffe in Form von Nahrungsergänzungsmitteln sind zudem oft für den Körper nicht in gleichem Maße gut verwertbar wie die entsprechende Substanz als Teil eines Lebensmittels.

Klären Sie eine längerfristige Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln am besten immer mit dem Arzt ab. Vor allem, wenn neben den Nahrungsergänzungsmitteln gleichzeitig noch Medikamente eingenommen werden. Denn es ist nicht auszuschließen, dass diese die Medikamente in ihrer Wirkung beeinflussen – also etwa die Wirkung verstärken oder auch abschwächen.

Zu viel kann schädlich sein

Wer ohne einen bestehenden Nährstoffmangel Vitamine oder Mineralstoffe als Nahrungsergänzung zu sich nimmt, tut sich nicht immer etwas Gutes. Denn bestimmte Nährstoffe können überdosiert die Gesundheit beeinträchtigen.

So kann eine dauerhafte hochdosierte Einnahme von Magnesium etwa die Aufnahme von Calcium und Zink aus der Nahrung stören und zu einem Mangel an diesen Stoffen führen. Bei der Einnahme von Magnesiumpräparaten können zudem auch Nebenwirkungen wie Durchfall, Müdigkeit oder Schwindel auftreten.

Zu große Mengen an Vitamin D dagegen können den Calciumspiegel erhöhen und eine Hyperkalzämie hervorrufen, die auf Dauer Herz, Niere und Lunge schädigen kann.

Auch Vitamin A kann überdosiert zu Vergiftungserscheinungen führen und unter anderem Symptome wie Haarausfall, raue Haut oder Juckreiz hervorrufen. Und das sind nur einige Beispiele.