Frau mit Fieber im Bett.
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Fieber: Ab wann und richtig messen

Wenn der Körper gegen einen Infekt ankämpft, kann sich die Körpertemperatur bis auf über 40 Grad Celsius erhöhen. Vor allem bei Babys und Kindern kommt Fieber häufig vor. Wie man es am besten misst, wann man mit Fieber ärztlichen Rat einholen sollte und mit welchen Mitteln es sich senken lässt, erfahren Sie hier.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Häufige Fragen zu Fieber

Von Fieber spricht man bei Erwachsenen, wenn die Körpertemperatur über 38 Grad Celsius steigt.

Bei Kindern spricht man von Fieber, wenn die Temperatur über 38,5 Grad Celsius liegt.

Ärztlichen Rat sollten Erwachsene suchen, wenn das Fieber mehrere Tage anhält oder über 40 Grad Celsius steigt. Bei Kindern sollte bereits nach einem Tag oder wenn andere Beschwerden hinzukommen, eine ärztliche Praxis aufgesucht werden. Neugeborene Babys mit Fieber sollten sofort in einer ärztlichen Praxis vorgestellt werden.

Ab wann hat man Fieber?

Die Körpertemperatur liegt bei gesunden Menschen bei etwa 37 Grad Celsius. Leichte Schwankungen um bis zu ein Grad Celsius sind normal und lassen sich häufig auf die Umgebungstemperatur, körperliche Anstrengung, oder bei Frauen auf den Menstruationszyklus zurückführen.

Überschreitet die Körpertemperatur 38 Grad Celsius, ist das jedoch meist ein Anzeichen für eine Erkrankung, oft verursacht durch eine Infektion mit Viren oder Bakterien.

Als Fieber bezeichnet man bei Jugendlichen und Erwachsenen eine Körpertemperatur über 38 Grad Celsius (38° C).

Bei Kindern liegt die Schwelle etwas höher:

  • 38° C = erhöhte Temperatur
  • 38,5° C = Fieber
Ab 39 Grad Celsius Fieber sollte man als Erwachsener ärztlichen Rat suchen. Bei Babys und Kindern kann ein Arztbesuch auch schon bei leichtem Fieber notwendig sein, wenn der Gesundheitszustand insgesamt besorgniserregend ist oder das Fieber seit mehreren Tagen anhält.

Video: Fieber-Fragen – die wichtigsten Fakten im Überblick

Symptome, die mit Fieber einhergehen

Fieber tritt meist in Verbindung mit folgenden Symptomen auf:

Fieber richtig messen

Die Körpertemperatur lässt sich mit einem Fieberthermometer messen. Am gebräuchlichsten sind elektronische Fieberthermometer, die man zur Messung in den Po, in die Achselhöhle, ins Ohr oder unter die Zunge steckt.

Am genauesten ist die Messung im Po – Fachleute sprechen von der rektalen Messung. Da diese oft unangenehm ist, entscheiden sich viele Menschen für eine andere Stelle zur Messung. Bei jeder Variante gibt es einige Regeln zu beachten:

  • Messung im Po (rektal): Spitze des Thermometers reinigen, dann dünn mit einer fetthaltigen Creme beschichten und etwa ein bis zwei Zentimeter tief in den Po einführen. Anschließend Thermometer und Hände sorgfältig mit Seife waschen.
  • Messung im Mund: Thermometer vorher gründlich reinigen und kurz vor der Messung keine kalten oder heißen Getränke zu sich nehmen. Spitze des Thermometers unter die Zunge stecken und den Mund geschlossen halten. Für Kleinkinder ist das oft schwierig. Daher ist die Messung unter der Zunge erst ab einem Alter von vier Jahren empfehlenswert.
  • Messung im Ohr: Spezielle Infrarot-Thermometer erfassen die vom Trommelfell abgegebene Wärme. Damit das Thermometer genau in Richtung Trommelfell zeigt, muss der Gehörgang möglichst gerade sein. Dazu kann es notwendig sein, das Ohr bei der Messung leicht nach oben und/oder hinten zu ziehen.
  • Unter der Achsel: Dafür muss man den Arm an den Körper pressen und sich möglichst wenig bewegen. Kindern gelingt das häufig nicht. Diese Art der Messung ist am ungenauesten.

Abgesehen von der rektalen Messung liefern alle Methoden Werte, die meist leicht unter der tatsächlichen Körpertemperatur liegen. In der Regel bewegen sich die Abweichungen im Bereich von 0,3 bis 0,5 Grad Celsius. Die Messung in der Achsel kann sogar um bis zu zwei Grad Celsius unter dem richtigen Wert liegen.

Neben den klassischen Fieberthermometern gibt es seit einigen Jahren auch sogenannte Stirnthermometer mit Infrarotmessung. Diese sind jedoch recht fehleranfällig und somit für eine genaue Messung ungeeignet.

Fieber senken - aber wie?

Wenn es Betroffenen abgesehen von dem Fieber gut geht, er*sie ausreichend trinkt und sich ausruht, sollte das Fieber nicht gesenkt werden, da es ein wichtiger Bestandteil der Infektabwehr ist. Es geht von selbst zurück, sobald die ursächliche Erkrankung abklingt.

Wenn die erkrankte Person unter dem Fieber oder dessen Begleiterscheinungen leidet oder die Körpertemperatur auf über 39 Grad Celsius ansteigt, kann es notwendig werden, die Temperatur medikamentös zu senken, etwa mit Ibuprofen oder Paracetamol.

Auch Acetylsalicylsäure (ASS) wirkt fiebersenkend, kann jedoch bei Babys und Kindern zum sogenannten Reye-Syndrom führen. Medikamente, die ASS enthalten, sind daher für Kinder und Babys ungeeignet. Fachleute verordnen sie Kindern unter zwölf Jahren nur in bestimmten Fällen und wenn kein anderes fiebersenkendes Mittel ausreichend wirkt.

Fieber senken mit Hausmitteln?

Beliebte Hausmittel gegen Fieber sind kühle Wadenwickel und nasse Umschläge. Diese kühlen den Körper von außen und können die Körpertemperatur kurzfristig senken. Das Fieber geht dadurch allerdings nicht dauerhaft zurück.

Viel wichtiger ist Trinken: Bei Fieber schwitzt man, wobei der Körper viel Flüssigkeit verliert. Damit der Körper nicht austrocknet, sollten Betroffene daher etwa jede halbe Stunde etwas trinken, am besten Wasser oder Tee.

Fieber bei Babys, Kleinkindern und Kindern

Bei neugeborenen Säuglingen sollte Fieber immer ärztlich abgeklärt werden. Denn in den ersten Monaten nach der Geburt ist der Körper oft noch nicht dazu in der Lage, auf einen Infekt mit Fieber zu reagieren. Bei Babys äußern sich selbst schwere Infekte oft nur durch leicht erhöhte Temperatur (38 Grad Celsius). Mitunter erhöht sich die Körpertemperatur auch überhaupt nicht.

Bei Babys ab etwa drei Monaten, Kleinkindern und älteren Kindern hingegen schwankt die Körpertemperatur allgemein stärker als bei Erwachsenen. Fieber ist bei ihnen also nicht unbedingt Hinweis auf eine schwere Erkrankung.

Ein Besuch in einer kinderärztlichen Praxis ist notwendig, wenn das Fieber

  • auf über 39 Grad Celsius steigt,
  • länger anhält (länger als ein Tag bei Babys, länger als drei Tage bei Kindern),
  • in Schüben auftritt,
  • sich nicht mit Ibuprofen oder Paracetamol senken lässt und/oder
  • mit Fieberkrämpfen einhergeht.

Auch wenn das Kind neben dem Fieber noch weitere Beschwerden hat, die auf schwere Infekte hindeuten, ist ärztlicher Rat notwendig. Dazu zählen vor allem

Fieber und Fieberkrampf bei Kindern

Bei Kindern kann Fieber zu sogenannten Krampfanfällen führen, sogenannten Fieberkrämpfen. Dabei handelt es sich um epileptische Anfälle, die meist weniger als 15 Minuten andauern. Fieberkrämpfe können bei Kindern im Alter von 6 Monaten bis 5 Jahren auftreten – in dieser Altersgruppe sind 3 bis 4 von 100 Kindern davon betroffen.

In den meisten Fällen sind Fieberkrämpfe harmlos. Wenn der Fieberkrampf nach 15 Minuten nicht von selbst aufhört, sollte unbedingt ärztlicher Rat gesucht werden.

Ursachen für Fieber

Für die Wärmeregulation des Körpers ist ein bestimmter Bereich im Gehirn zuständig, der Hypothalamus. Er sorgt dafür, dass die Körpertemperatur konstant bei etwa 37 Grad Celsius bleibt. Denn bei dieser Temperatur, dem sogenannten Sollwert, können die meisten Körpervorgänge optimal ablaufen.

Fieber entsteht entweder, wenn die Wärmeregulation nicht mehr richtig funktioniert (z. B. bei extremer Hitze und Flüssigkeitsmangel oder Schilddrüsenüberfunktion), oder wenn der Sollwert nach oben verstellt wird. Das geschieht häufig bei Infektionskrankheiten: Bei der Abwehr der Krankheitserreger sammeln sich im Körper Stoffe an, die auf das Temperaturzentrum im Gehirn wirken und den Sollwert erhöhen.

Dabei handelt es sich zum einen um Bakteriengifte oder Bestandteile von Viren oder anderen Krankheitserregern, zum anderen um körpereigene Stoffe, die sich im Kampf gegen die Erreger bilden – etwa Teile zerstörter Körperzellen. Der Überbegriff für fieber-erzeugende Stoffe lautet Pyrogene (griech. pyr = Fieber, gennan = erzeugen).

Welchen Sinn Fieber hat, ist nicht ganz geklärt. Fachleute vermuten, dass sich Bakterien und Viren bei erhöhter Temperatur nicht so schnell vermehren können und das Immunsystem besser arbeiten kann.

Die häufigsten Auslöser von Fieber sind:

Auch viele Kinderkrankheiten gehen mit Fieber einher, zum Beispiel:

Klassische Reise-Fieberkrankheiten sind unter anderem:

Darüber hinaus kann es zu Fieber kommen, wenn das Immunsystem zu heftig auf Erreger oder andere Reize reagiert und irrtümlicherweise körpereigenes Gewebe angreift. Dazu kommt es vor allem bei der Sepsis (Blutvergiftung) sowie bei Autoimmunkrankheiten wie der Sarkoidose und beim rheumatischen Fieber. Auch bei einem geschwächtem Immunsystem, zum Beispiel bei AIDS, kann Fieber auftreten.

Fieber durch andere Erkrankungen

Auch bei Krebs können Pyrogene entstehen, die Fieber hervorrufen. Man spricht vom Tumorfieber. Zum einen setzen Krebszellen Pyrogene frei, zum anderen sterben bei bestimmten Tumorerkrankungen vermehrt Körperzellen ab, deren Bestandteile ebenfalls pyrogen, also Fieber erzeugend, wirken können. Vor allem bei Leukämie oder Lymphomen kann es zu Fieber kommen.

Seltenere Ursachen für Fieber sind

  • hormonelle Störungen, etwa bei einer Schilddrüsenüberfunktion,
  • extremer Flüssigkeitsmangel bei Kindern und Säuglingen (sog. Durstfieber) sowie
  • Arzneimittel, Gifte oder Drogen ("Drug Fever").

Fieber kann auch durch eine zentrale Störung im Temperaturzentrum bedingt sein, etwa verursacht durch ein Schädel-Hirn-Trauma.

Diagnose bei Fieber

Um die Ursache des Fiebers ermitteln zu können, wird nach zusätzlichen Beschwerden gefragt, wie:

Auch Antworten auf folgende Fragen können wichtige Anhaltspunkte für die mögliche Ursache des Fiebers liefern:

  • Sind weitere Familienmitglieder oder Menschen im Umfeld erkrankt?
  • Gab es kürzlich einen Auslandsaufenthalt?
  • Bestehen Vorerkrankungen?
  • Bestand Kontakt zu möglicherweise erkrankten Tieren?
  • Sind Allergien bekannt?
  • Wurden kürzlich Medikamenten eingenommen?

Zudem ist es hilfreich, zu erfahren, wann genau das Fieber begonnen hat und wie es sich entwickelt hat. Denn der Verlauf des Fiebers ist häufig charakteristisch für die ursächliche Erkrankung:

Fieber charakteristisch
durchgehendes Fieber (Fieber-Kontinua, Continua febris) über Tage und Wochen anhaltendes Fieber mit Temperaturschwankungen bis zu 1°C (z. B. bei infektiöser Endokarditis)
remittierendes Fieber zeitweise abfallendes Fieber, ohne dass die normale Körpertemperatur erreicht wird (z. B. bei Harnwegsinfektionen)
intermittierendes Fieber tägliche starke Fieberschwankungen, die periodisch abfallen und sich mit Unter- oder Normaltemperatur abwechseln (z. B. bei einer Sepsis)
undulierendes Fieber langsam ansteigendes, länger anhaltendes Fieber mit fieberfreien Intervallen (z. B. bei Tumoren, Morbus Hodgkin)
rekurrierendes Fieber in kurzen Perioden auftretendes Fieber, welches von einem oder mehreren fieberfreien Tagen unterbrochen wird, z. B. bei Malaria

Je nachdem, welche Ursache in der ärztlichen Praxis vermutet wird, können noch weitere Untersuchungen nötig sein, beispielsweise eine Blutuntersuchung, eine Urinuntersuchung oder in seltenen Fällen (etwa bei Verdacht auf einen Tumor) Untersuchungen mithilfe bildgebender Verfahren wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT).