Junge Frau mit Fieber im Bett.
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Pfeiffersches Drüsenfieber: Krank durch Küssen

Pfeiffersches Drüsenfieber betrifft vor allem Jugendliche und junge Erwachsene. Zu den typischen Symptomen zählen Fieber, Halsschmerzen und Lymphknotenschwellungen. Erfahren Sie, wie die Ansteckung erfolgt, wie lange die Erkrankung dauert und wie die Behandlung aussieht.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Die häufigsten Fragen zum pfeifferschen Drüsenfieber

Zu einer Ansteckung mit dem Epstein-Barr-Virus kommt es hauptsächlich durch Übertragung durch Speichel bei Mund-zu-Mund-Kontakt. Deswegen ist das pfeiffersche Drüsenfieber umgangssprachlich auch als Kusskrankheit oder "kissing disease" bekannt.

Typischerweise ist das Epstein-Barr-Virus während der akuten Phase des pfeifferschen Drüsenfiebers sowie über mehrere Monate danach im Speichel infizierter Menschen nachweisbar. In dieser Zeit besteht Ansteckungsgefahr für Menschen, die nicht immun gegen das Epstein-Barr-Virus sind.

Was ist das pfeiffersche Drüsenfieber?

Pfeiffersches Drüsenfieber (auch infektiöse Mononukleose genannt) ist eine Erkrankung des lymphatischen Gewebes, die überwiegend harmlos verläuft. Auslöser ist eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV). Nach einer EBV-Infektion bleibt man normalerweise lebenslang immun, kann sich also nicht erneut mit pfeifferschem Drüsenfieber anstecken.

Pfeiffersches Drüsenfieber tritt vor allem bei jüngeren Menschen zwischen 15 und 30 Jahren auf. Bis zum 30. Lebensjahr hat sich fast jeder in der Bevölkerung (über 95 Prozent) mit dem ursächlichen Erreger infiziert.

Der Name pfeiffersches Drüsenfieber geht auf den deutschen Internisten und Kinderarzt Emil Pfeiffer (1846-1921) zurück, der die Krankheit 1889 erstmals beschrieb. Pfeiffer selbst nannte sie "Drüsenfieber", angelehnt an zwei der Hauptsymptome Lymphdrüsen- bzw. Lymphknotenschwellung und Fieber.

Symptome beim pfeifferschen Drüsenfieber

Bei pfeifferschem Drüsenfieber treten in der Regel zuerst starke Halsschmerzen und Schluckbeschwerden auf. Dann können sich weitere Symptome zeigen, wie:

Allerdings bricht die Infektion bei etwa jedem zweiten infizierten Menschen gar nicht aus. Betroffene tragen den Erreger also in sich, erkranken aber nicht.

Seltene Symptome bei pfeifferschem Drüsenfieber

Eher selten äußert sich pfeiffersches Drüsenfieber durch Symptome wie:

  • Lebervergrößerung: In etwa zwei von zehn Fällen vergrößert sich die Leber (sog. Hepatomegalie). Betroffene können hierbei eine Druckempfindlichkeit im rechten Oberbauchspüren und manchmal färbt sich die Haut gelb (sog. Ikterus). Die Leberwerte im Blut sind erhöht.

  • Hautausschlag: Bei weniger als einer von zehn Betroffenen tritt ein Hautausschlag (Exanthem) auf. Die Haut verändert sich dabei unterschiedlich: Es entwickeln sich zum Beispiel kleine Rötungen oder Einblutungen in der Haut. Möglich sind auch großflächige Veränderungen, die stark jucken.

  • Lyell-Syndrom: Nehmen Betroffene im Verlauf des pfeifferschen Drüsenfiebers bestimmte Antibiotika ein (z. B. Ampicillin), kann das in seltenen Fällen das Lyell-Syndrom auslösen, auch Syndrom der verbrühten Haut genannt. Bei dieser allergischen Reaktion auf das Antibiotikum bilden sich große Blasen auf der Haut, die ähnlich wie schwere Verbrühungen oder Verbrennungen aussehen. Die Oberhaut löst sich großflächig ab, ohne dass eine wesentliche Entzündung erkennbar ist. Das Lyell-Syndrom kann auch die Schleimhaut innerer Organe befallen und lebensbedrohliche Ausmaße annehmen.

EBV-Infektion bei Kindern

Im frühen Kindesalter treten bei einer Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus meist keine Symptome eines pfeifferschen Drüsenfiebers auf. Nur gelegentlich kommt es zu erkältungsähnlichen Beschwerden wie Husten, Halsschmerzen und Übelkeit.

Zeigt sich pfeiffersches Drüsenfieber beim Kleinkind doch durch Symptome, sind diese oft allgemeiner Natur und ähneln dadurch häufig eher einer Erkältung.

EBV-Infektion bei älteren Menschen

Auch bei älteren Menschen zeigt sich das pfeiffersche Drüsenfieber häufig eher untypisch durch allgemeine Symptome wie:

Was ist die Ursache für pfeiffersches Drüsenfieber?

Ursache für das pfeiffersche Drüsenfieber ist eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV), das zur Familie der Herpesviren zählt.

Nach der Ansteckung vermehrt sich das Virus im Körper und befällt vor allem lymphatisches Gewebe. Jugendliche haben ein erhöhtes Risiko, eine symptomatische Infektion zu bekommen.

Inkubationszeit

Vom Zeitpunkt der EBV-Infektion bis zum Auftreten der ersten Symptome (sog. Inkubationszeit) vergehen etwa zwei bis sieben Wochen.

Diagnose des pfeifferschen Drüsenfiebers

Pfeiffersches Drüsenfieber wird häufig schon allein an den typischen Symptomen erkannt.

Eine sichere Diagnose lässt sich jedoch erst stellen, nachdem bestimmte Blutwerte untersucht wurden. Denn Beschwerden wie Fieber, geschwollene Lymphknoten und Mandelentzündung sowie Müdigkeit können auch im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen auftreten, beispielsweise bei einer durch Bakterien verursachten Mandelentzündung (Angina tonsillaris).

Erhöhte Lymphozyten

Typischerweise zeigt sich bei pfeifferschem Drüsenfieber im Blutbild eine Vermehrung der Lymphozyten (sog. Lymphozytose). Lymphozyten sind eine Form der weißen Blutkörperchen und wichtig für die Immunabwehr. Eine Blutuntersuchung ist sinnvoll, um eine Verwechslung mit einer bakteriellen Mandelentzündung und eine überflüssige Einnahme von Antibiotika zu vermeiden.

Heterophile Antikörper

Daneben gilt der Nachweis bestimmter Antikörper (sog. heterophile Antikörper) gegen das Epstein-Barr-Virus im Blut als Beweis für das pfeiffersche Drüsenfieber (sog. Henle-Test).

EBNA-Nachweis

Nimmt das pfeiffersche Drüsenfieber einen untypischen Verlauf, erschwert das die Diagnose. Gewissheit bringen zusätzliche Antikörperbestimmungen, zum Beispiel Antikörper gegen EBNA (= EBV-spezifisches nukleäres Antigen). Zum Nachweis gibt es EBV-Schnelltests. Die Antikörper treten erst sechs bis 12 Wochen nach Krankheitsbeginn auf, weshalb die Schnelltests zu Beginn der Infektion negativ sein können. Ein EBNA-Nachweis deutet auf ein kürzlich überstandenes pfeiffersches Drüsenfieber hin.

Ultraschalluntersuchung

Eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums empfiehlt sich, um die Größe von Leber und Milz einzuschätzen.

Therapie bei pfeifferschem Drüsenfieber

Für pfeiffersches Drüsenfieber gibt es bislang keine ursächliche Behandlung. Man muss es daher dem Körper überlassen, die Virusinfektion zu bekämpfen. Viel Ruhe und Schlaf fördern die Heilungsprozesse. Betroffene sollten sich in der Genesungsphase körperlich schonen und für drei bis vier Wochen intensive körperliche Belastung vermeiden.

Sofern notwendig, lassen sich jedoch die Symptome lindern. Gegen Schmerzen und Fieber helfen beispielsweise Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR), zum Beispiel Ibuprofen. Da Paracetamol die Leber belastet, sollte es bei einer Mononukleose nicht eingenommen werden. Auch Hausmittel zur Fiebersenkung wie Wadenwickel können angewendet werden.

Liegt eine vergrößerte Milz oder Leber vor, sollten Betroffene bis zum Abklingen der Schwellung keinen Sport treiben. Das verringert das Risiko, dass das vergrößerte Organ reißt.

Verlauf und Spätfolgen beim pfeifferschen Drüsenfieber

Pfeiffersches Drüsenfieber verläuft in der Regel unkompliziert. Die Virusinfektion dauert meist zwei bis drei Wochen und heilt von selbst und ohne Folgen aus. 

Die Epstein-Barr-Viren können sich jedoch in einer anderen Form der Immunzellen (den B-Gedächtniszellen) ansiedeln und dort vor dem Immunsystem verbergen. So verbleiben sie lebenslang im Körper. Die Erkrankung kann daher immer wieder einmal ausbrechen, wenn das Immunsystem gerade geschwächt ist. Dann zeigen sich jedoch in der Regel keine oder nur leichte Symptome.

Bei pfeifferschem Drüsenfieber kommt es nur in seltenen Fällen zu Komplikationen. Sofern diese auftreten, war das Immunsystem meist bereits geschwächt, etwa durch eine andere Erkrankung.

Seltene Komplikationen, die bei pfeifferschem Drüsenfieber auftreten können

  • Herz: Am Herz kann sich der Herzbeutel (Perikarditis) oder der Herzmuskel (Myokarditis) entzünden.

  • Lunge: Die Atmung kann sowohl durch Lymphknotenschwellungen behindert sein als auch durch eine Lungenentzündung.

  • Gehirn: Komplikationen im Gehirn äußern sich als Gehirnentzündung (Enzephalitis) oder einer zusätzlichen Hirnhautentzündung (Meningoenzephalitis).

  • Mandeln: Bei einem ausgeprägten Krankheitsverlauf, bei dem sich die Mandeln so stark vergrößern, dass die Atmung lebensbedrohlich erschwert wird, kann es in seltenen Fällen notwendig sein, die Mandeln zu entfernen (Tonsillektomie).

  • Immunsystem: Aufgrund einer vorübergehenden Einschränkung der Immunabwehr können zusätzliche Infektionen mit Bakterien oder Viren auftreten.

  • Milz: In sehr seltenen Fällen kann es zu einem Riss der vergrößerten Milz kommen. Im Fall eines Milzrisses ist eine sofortige Operation notwendig.

  • Lymphome: Bei Menschen mit Immundefekten wie zum Beispiel bei einer HIV-Infektion, einer unterdrückten Immunabwehr (Immunsuppression) nach Organtransplantation oder bei angeborenen Immundefekten, können sich sogenannte Lymphome entwickeln. Lymphome sind Geschwulste aus veränderten weißen Blutkörperchen (Lymphozyten). Bei ungünstigem Verlauf entarten die Lymphome später bösartig.

  • Blutwert-Veränderungen: Im Blut kann die Zahl der roten Blutkörperchen (sog. Blutarmut), der weißen Blutkörperchen (sog. Leukozytopenie) und der Blutplättchen (sog. Thrombozytopenie) abnehmen.

Spätfolgen durch chronischen Verlauf

Sehr selten verläuft das pfeiffersche Drüsenfieber chronisch und zeigt sich von den Symptomen her eher untypisch. Beschwerden wie Fieber, Erschöpfung und Lymphknotenschwellung bestehen bei Betroffenen dann über mindestens sechs Monate. Ein Zusammenhang mit dem chronischen Erschöpfungssyndrom (ME/CFS) ist nicht sicher belegt, wird aber diskutiert. In solchen Fällen ist im Blut die Zahl der Antikörper gegen das Epstein-Barr-Virus oft stark erhöht.

Kann man pfeifferschem Drüsenfieber vorbeugen?

Pfeifferschem Drüsenfieber kann man nicht direkt vorbeugen. Es gibt bislang keine Schutzimpfung oder Medikamente, die eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus verhindern könnten.

Um einer EBV-Infektion vorzubeugen, sollte man den Kontakt zu Menschen meiden, die gerade akut an pfeifferschem Drüsenfieber erkrankt sind, beziehungsweise einige Dinge beim Kontakt beachten: Epstein-Barr-Viren werden über Speichel übertragen. Deshalb sollte man zum Beispiel das Küssen, aber auch das gemeinsame Benutzen von Gläsern oder Besteck erst einmal unterlassen.

Allerdings tragen die meisten erwachsenen Menschen das Epstein-Barr-Virus bereits in sich. Selbst wer bislang kein pfeiffersches Drüsenfieber hatte, hat also mit hoher Wahrscheinlichkeit trotzdem schon einmal eine EBV-Infektion durchgemacht.