Eine junge Frau kontrolliert ihren Eisprungkalender.
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Eisprung (Ovulation)

Der Eisprung (Ovulation) ist ein wichtiger Anhaltspunkt im Menstruationszyklus einer Frau, da er sowohl zur Schwangerschaftsverhütung als auch zur Familienplanung genutzt werden kann.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Allgemeines

Gerade bei bestehendem Kinderwunsch gibt es unzählige Fragen zum Eisprung:

  • Habe ich überhaupt einen Eisprung und wann findet dieser statt?
  • Merke ich den Eisprung?
  • Zu welchen Zeiten bin ich am fruchtbarsten?
  • Kann ich den Eisprung beeinflussen?
  • Wann habe ich nach Absetzen der Pille oder nach einer Fehlgeburt wieder einen Eisprung?
  • Kann ich das Geschlecht des Kindes bestimmen, wenn ich den Zeitpunkt des Eisprungs kenne?

Aber auch, wenn es um Schwangerschaftsverhütung geht, spielt der Eisprung eine wichtige Rolle: Verschiedene Formen der hormonellen Verhütung unterdrücken den Eisprung (z.B. die Antibabypille). Der Eisprung hilft zudem dabei, die fruchtbaren Tage genau bestimmen zu können, um zum Beispiel im Rahmen einer natürlichen Familienplanung zu diesen Zeiten Geschlechtsverkehr zu vermeiden.

Als alleinige Verhütungsmethode ist dies jedoch relativ unsicher.

Was ist der Eisprung?

Als Eisprung (Ovulation) wird die Ausstoßung der Eizelle aus dem Eierstock in den Eileiter bezeichnet. Dem geht eine Vielzahl von hormonellen Prozessen voraus, die monatlich mit dem ersten Tag der Menstruationsblutung beginnen.

Bei jedem Mädchen sind bereits bei der Geburt die Eizellen in sogenannten Eibläschen (Follikeln) angelegt. Zu diesem Zeitpunkt enthalten beide Eierstöcke zusammen über eine Million Follikel. Bis zur Pubertät sinkt diese Zahl auf nur noch einige hunderttausend, da die Follikel nach und nach absterben. Ab dann verringert sich die Zahl der Follikel regelmäßig mit jedem Eisprung.

Im Eierstock reifen, angeregt durch das follikelstimulierende Hormon (FSH) und das luteinisierende Hormon (LH), in jedem Zyklus 10 bis 20 Follikel heran, von denen jedoch nur eines zum sogenannten dominanten Follikel ausreift. Der dominante Follikel entlässt letztendlich die Eizelle in den Eileiter, wo sie ihre Wanderung in Richtung Gebärmutter beginnt und auf dem Weg dorthin befruchtet werden kann.

Selten reifen mehrere Follikel zu dominanten Follikeln aus – dann kann es bei einer Befruchtung zu Mehrlingen kommen (z.B. zweieiige Zwillinge). Die restlichen Follikel sterben ab, dienen aber als Östrogenlieferanten, welche für den Menstruationszyklus unverzichtbar sind.

Der dominante Follikel saugt sich mit Flüssigkeit voll und wandert an die Außenseite des Eierstocks. Hier sorgt eine Vielzahl an Hormonen (Östrogene, Progesteron, FSH, LH sowie Prostaglandine) dafür, dass die Follikelwand abgebaut wird und sich das Muskelgewebe des Eierstocks zusammenzieht, um die Eizelle aus dem Follikel auszuschwemmen.

Einige Frauen spüren das Zusammenziehen des Eierstocks, also den tatsächlichen Eisprung, als leicht schmerzhaftes Ziehen im Unterbauch (Mittelschmerz).

Zu diesem Zeitpunkt stülpt sich, durch Hormone gesteuert, der Eileiter über den Eierstock und kann so die Eizelle auffangen. Ein solch feinabgestimmter Vorgang gelingt nicht immer: In dieser Phase kann es deshalb bei Fehlern zu einer Bauchhöhlenschwangerschaft kommen.

Die Eizelle verbleibt nun bis zu 24 Stunden im Eileiter und ist in dieser Zeit befruchtungsfähig. Wird sie befruchtet, wandert sie in die Gebärmutter und nistet sich dort ein. Unbefruchtet stirbt sie ab und setzt so den weiteren Verlauf des Menstruationszyklus – den Abbau der Gebärmutterschleimhaut und die Regelblutung – in Gang.

Wann findet der Eisprung statt?

Der Eisprung (Ovulation) findet zwischen am 14. Tag eines regelmäßigen 28-Tage-Menstruationszyklus statt. Wenn Sie einen kürzeren, aber dennoch regelmäßigen Zyklus haben, findet Ihr Eisprung früher statt, bei einem längeren regelmäßigen Zyklus findet er später statt. Frauenärzte sehen einen Zyklus, der zwischen 25 und 35 Tagen dauert, als normal an.

Je regelmäßiger Ihr Menstruationszyklus ist, desto größer ist die Chance, dass Sie auch regelmäßig einen Eisprung haben. Bei anhaltend unregelmäßigen Zyklen können Menstruationsstörungen vorliegen, die einen Eisprung verhindern.

Wie äußert sich der Eisprung?

Einige Frauen merken genau, wenn sie einen Eisprung (Ovulation) haben, besonders bei einem regelmäßigen Zyklus. Folgende Punkte können auf einen Eisprung hinweisen:

  • heller und spinnbarer Zervixschleim (Gebärmutterhalsschleim): "spinnbar" bedeutet, dass sich der Zervixschleim zwischen den Fingern bis zu 15 cm lang ziehen lässt, ohne zu reißen
  • Schmerzen im Unterbauch (sog. Mittelschmerz)
  • empfindliche Brüste
  • Übelkeit
  • Rückenschmerzen
  • Anstieg der Körpertemperatur um bis zu 0,6 °C (um dies als Anzeichen für einen Eisprung deuten zu können, muss die Temperatur regelmäßig gemessen werden)

Für einen regelmäßigen Eisprung können diese Punkte sprechen:

  • regelmäßige Zyklen
  • Schmerzen kurz vor sowie während der Periode
  • regelmäßige Temperaturkurve (wechselnde hohe und niedrige Phasen)
  • erhöhte Libido (sexuelles Verlangen) kurz vor dem Zeitpunkt des Eisprungs

Die Regelblutung ist kein sicheres Zeichen für einen Eisprung! Sie kann auch ohne einen Eisprung stattfinden, da die Gebärmutterschleimhaut auch ohne Eisprung regelmäßig auf -und abgebaut wird. Einen Eisprung ohne Regelblutung hingegen gibt es nicht, es sei denn, Sie hatten ungeschützten Geschlechtsverkehr und sind nach dem Eisprung schwanger geworden.

Wenn Sie unsicher sind, ob Sie einen Eisprung hatten, können sogenannte Ovulationstests hierüber Aufschluss geben.

Der Eisprung in Zahlen

Regelmäßige Zyklen lassen eine Vielzahl von ziemlich genauen Berechnungen rund um den Eisprung (Ovulation) zu. So ist es beispielsweise möglich, den Zeitpunkt des Eisprungs und somit die fruchtbaren Tage mithilfe eines Eisprungkalenders zu bestimmen. Wichtig für die Berechnung sind der erste Tag Ihrer letzten Regelblutung sowie Ihre Zykluslänge.

Wenn Sie schwanger sind und den ungefähren Geburtstermin Ihres Kindes bestimmen möchten, ist auch dies mithilfe einer einfachen Berechnung möglich, für die der regelmäßige Zyklus und der Zeitpunkt des Eisprungs die Grundlage liefern.

Zahlen und Fakten

  • Der Eisprung findet bei einem 28-Tage-Zyklus am 14. Tag statt, bei einem längeren Zyklus entsprechend später, bei einem kürzeren entsprechend früher.
  • Die nächste Periode setzt 14 Tage nach dem Eisprung ein.
  • Bei einem regelmäßigen 28-Tage-Zyklus sind Sie etwa fünf Tage vor und zwei Tage nach dem Eisprung fruchtbar.
  • 20 bis 25 Prozent aller Fruchtbarkeitsprobleme beruhen auf einem fehlenden Eisprung aufgrund von Hormonstörungen.
  • Nach Absetzen der Pille kann es bis zu einem Jahr dauern, bis sich der Zyklus normalisiert hat und wieder ein Eisprung stattfindet.
  • Nach einer Fehlgeburt kann schon nach drei bis vier Wochen wieder ein Eisprung stattfinden.

Eisprung und Verhütung

Den Zeitpunkt des Eisprungs und somit der fruchtbaren Tage können Sie zur Schwangerschaftsverhütung heranziehen – er dient als Grundlage für folgende Verhütungsmethoden:

Für alle diese Methoden sind jedoch regelmäßige Zyklen erforderlich, da sonst Fehler in der Berechnung möglich sind. Dies kann zu einer ungewollten Schwangerschaft führen.

Während der Stillzeit wird vermehrt das Hormon Prolaktin ausgeschüttet, das die Milchbildung anregt. Ein hoher Prolaktinwert kann einen Eisprung verhindern – jedoch ist Stillen keine sichere Verhütungsmethode.

Das Prinzip fast aller Antibabypillen beruht unter anderem darauf, dass sie den Eisprung unterdrücken und somit eine Befruchtung unmöglich machen. Lediglich die Minipille setzt auf eine andere Wirkung: Sie verhindert nicht den Eisprung, sondern den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut. Fehlt die Schleimhaut, kann sich die befruchtete Eizelle nicht einnisten und kein Kind heranwachsen.

Eisprung und Kinderwunsch

Die Bestimmung des Eisprungs und somit der fruchtbaren Tage eignet sich auch zur natürlichen Familienplanung. Bei einem regelmäßigen Zyklus ist die Frau etwa fünf Tage vor und zwei Tage nach dem Eisprung fruchtbar. Die Spermien können in den weiblichen Geschlechtsorganen einige Tage überleben, sodass sie auf den Eisprung warten können. Andererseits überlebt die Eizelle bis zu 24 Stunden, sodass auch sie wiederum auf die Spermien warten kann.

Bleibt ein Eisprung dauerhaft aus, kann dies vielfache Ursachen haben:

  • Essstörungen (Über- oder Untergewicht durch Magersucht oder Bulimie)
  • Stress
  • körperliche (organische) Störungen
  • psychische Belastungen
  • Extremsport
  • gestörter Tag-Nacht-Rhythmus

Können diese Ursachen ausgeschlossen oder behoben werden und ein Eisprung bleibt weiterhin aus, ist es dem Arzt in einigen Fällen möglich, den Eisprung künstlich mithilfe von Medikamenten herbeizuführen. Auch im Rahmen einer künstlichen Befruchtung (IVF) wird der Eisprung stimuliert.

Mädchen oder Junge?

Häufig kommt die Frage auf, ob es möglich ist, bei Kinderwunsch das Geschlecht des Kindes zu beeinflussen. Angeblich soll die Chance, ein Mädchen oder einen Jungen zu zeugen, zu bestimmten Zeiten während der fruchtbaren Tage erhöht sein.

Basis dieser Theorie ist zum einen, dass

  • Spermien, die ein X-Chromosom (also die Anlage für ein Mädchen) tragen, langlebiger sind als Spermien, die ein Y-Chromosom (also die Anlage für einen Jungen) tragen.
  • Außerdem ist das X-Chromosom größer und damit etwas schwerer als das Y-Chromosom, wodurch es etwas langsamer ist als die Spermien mit den leichteren X-Chromosomen.

Einige Quellen behaupten auf dieser Grundlage, dass die Chance für ein Mädchen höher sei, wenn der Eisprung einige Zeit nach dem Geschlechtsverkehr stattfindet, da nun auf Basis der genannten Fakten vermehrt "weibliche", langlebige Spermien (mit X-Chromosom) vorhanden sein müssten. Die meisten "männlichen" Spermien wären nun bereits abgestorben.

Im Umkehrschluss würde das bedeuten: Wenn der Eisprung um die Zeit des Geschlechtsverkehrs herum stattfindet, müsste die Chance für einen Junger höher sein, da die "männlichen" Spermien (mit Y-Chromosom) schneller vor Ort wären.

Ob es tatsächlich so simpel ist, das Geschlecht des Kindes zu beeinflussen, ist jedoch fraglich. Denn diese Fakten sind nur grobe Anhaltspunkte, da bei der Befruchtung noch einige andere Vorgänge eine Rolle spielen. So kann es zum Beispiel sein, dass zwar ein "männliches" Spermium als Erstes an der Eizelle ankommt, dieses aber aufgrund komplizierter chemischer Vorgänge die Eihülle nicht durchdringen kann – ein "weibliches" Spermium, das später ankommt, dafür schon. Außerdem pausieren Spermien auf dem Weg zur Eizelle unterschiedlich häufig und lange, und nicht zuletzt spielt auch die Lebensdauer der Eizelle selbst eine große Rolle.

Fachbüchern zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit, ein Mädchen oder einen Jungen zu bekommen, bei jeweils 50 Prozent und die Geschlechtsfestlegung erfolgt zufällig.

Paare, die nun versuchen, aktiv das Geschlecht des Kindes zu beeinflussen, haben also eine 50-prozentige Chance, dass das Kind das Wunschgeschlecht erhält. Und könnten bei Erfolg leicht den Eindruck bekommen, dass dies an der gewählten Methode lag und sich in der Wirksamkeit dieser bestätigt fühlen, auch wenn es tatsächlich keinen ursächlichen Zusammenhang gibt.