Röhrchen mit Blut
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FSH (follikelstimulierendes Hormon, FSH-Wert)

Ein niedriger FSH-Wert weist auf einen Mangel am follikelstimulierenden Hormon hin. Dieser Botenstoff ist für die Fruchtbarkeit wichtig – sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Hier erfahren Sie, welcher Wert normal ist und was Abweichungen bedeuten können.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Bedeutung & Aufgaben

Das follikelstimulierende Hormon (FSH) ist ein Botenstoff, der bei Frauen und Männern für die Entwicklung und Funktion der Fortpflanzungsorgane wichtig ist.

Gebildet wird es von der Hirnanhangsdrüse, einer Hormondrüse, die unterhalb des Gehirns sitzt. Die Hirnanhangsdrüse gibt FSH ans Blut ab. Über die Blutbahn gelangt das Hormon zu den Geschlechtsorganen:

Der FSH-Wert lässt sich durch eine Blutuntersuchung bestimmen. Häufig ist ein unerfüllter Kinderwunsch Anlass für solch eine Hormonuntersuchung. Meist misst die Ärztin oder der Arzt dabei auch andere Hormone, die für die Fruchtbarkeit von Bedeutung sind, etwa Östrogen, Testosteron und das sogenannte luteinisierende Hormon (LH). Die Werte liefern wichtige Hinweise auf die Ursache der möglicherweise eingeschränkten Fruchtbarkeit.

Ein zu hoher oder zu niedriger FSH-Wert kann auf verschiedene Erkrankungen hindeuten. Bei Frauen können aber auch Stress, zu viel Sport oder Essstörungen bewirken, dass der Körper wenig FSH bildet. In den Wechseljahren steigt der FSH-Wert natürlicherweise an. Bei Männern kann ein zu hoher FSH-Wert ein Zeichen für eine Schädigung oder angeborene Unterentwicklung der Hoden (Klinefelter-Syndrom) sein.

FSH bei der Frau

Bei der Frau ist FSH an der Steuerung des Menstruationszyklus beteiligt. Nach der Monatsblutung fordert das Gehirn die Hirnanhangsdrüse dazu auf, vermehrt FSH an die Eierstöcke zu schicken. Damit signalisiert das Gehirn den Eierstöcken, dass es bald Zeit für den nächsten Eisprung ist: Wenn der FSH-Spiegel im Blut steigt, beginnen mehrere Follikel zu reifen. Follikel sind bläschenförmige Gebilde im Eierstock, in denen sich die Eizellen befinden.

Die reifenden Follikel setzen Östrogen frei. Östrogen ist ein Botenstoff, der unter anderem dafür zuständig ist, die Gebärmutter auf die Schwangerschaft vorzubereiten: Auf sein Signal hin wächst die Schleimhaut der Gebärmutter, damit sich ein Embryo in ihr einnisten kann.

Auch das Gehirn reagiert auf die steigende Östrogen-Konzentration: Es sorgt dafür, dass die Hirnanhangsdrüse erhöhte Mengen des luteinisierenden Hormons (LH) ausschüttet. Dieser Botenstoff löst den Eisprung aus. Dabei platzt das größte der gereiften Follikel und gibt die Eizelle frei. Diese wandert in Richtung Gebärmutter. Auf dem Weg dorthin kann sie befruchtet werden.

Nach dem Eisprung drosselt das Gehirn die FSH-Bildung wieder. An der Schwankung im Östrogenspiegel erkennt das Gehirn: Die Follikelreifung ist geglückt, es wird kein weiteres FSH benötigt.

Gemessen wird der FSH-Wert etwa, wenn eine Frau

Normale FSH-Werte bei Frauen

Die FSH-Werte schwanken im Zyklusverlauf. Die folgende Tabelle zeigt, welche FSH-Werte in welcher Phase des Zyklus als normal gelten:

Zeitpunkt FSH-Wert
erste Zyklushälfte
(beginnt am ersten Tag der Monatsblutung und dauert 14 Tage)
2-11 U/l (Einheiten pro Liter)
Zyklusmitte (Eisprung, um 14. Tag) 8,1-20 U/l
zweite Zyklushälfte (nach dem Eisprung bis zur Blutung) 2-11 U/l

Vor dem Eisprung steigt der FSH-Spiegel an, danach sinkt er wieder auf den Ausgangswert. Um einschätzen zu können, ob der FSH-Wert einer Frau normal ist oder nicht, muss die Ärztin oder der Arzt daher den Zeitpunkt der Blutabnahme berücksichtigen.

FSH-Werte in den Wechseljahren

In den Wechseljahren steigt der FSH-Wert auf 20 bis 90 Einheiten pro Liter Blut an. Das ist kein Grund zur Sorge, sondern hängt damit zusammen, dass der Follikel-Vorrat erschöpft ist.

Solange ein Zyklus stattfindet, bilden die reifenden Follikel Östrogen. Auf diese Schwankung im Östrogenspiegel reagiert das Gehirn, indem es die FSH-Produktion herunterfährt. Man spricht von "negativer Rückkopplung".

Diese bleibt bei Frauen in den Wechseljahren aus: Da bei ihnen keine Follikel mehr heranreifen, bleibt der Östrogenspiegel dauerhaft niedrig. Somit erhält die Hirnanhangsdrüse kein Stopp-Signal und setzt ungehindert FSH frei.

FSH beim Mann

Ab der Pubertät reifen beim Mann immerzu neue Spermien heran. Das follikelstimulierende Hormon (FSH) wirkt indirekt an deren Neubildung mit. Gemeinsam mit Testosteron regt FSH bestimmte Zellen im Hoden dazu an, die werdenden Spermien bei ihrer Entwicklung zu unterstützen. Die Zellen bilden unter anderem Stoffe, die das Wachstum und Überleben der sich entwickelnden Spermien fördern.

Der FSH-Wert liegt beim Mann normalerweise zwischen 1 und 10,5 Einheiten pro Liter Blut. Anders als bei Frauen schwankt er kaum.

FSH-Wert zu niedrig

Ein zu niedriger FSH-Wert zeigt an, dass die Hirnanhangsdrüse zu wenig des follikelstimulierenden Hormons bildet. Mögliche Ursachen für einen Mangel an FSH sind:

  • Schädigung der FSH-bildenden Drüse (Hirnanhangsdrüse), z. B. durch eine Verletzung oder einen Tumor (gutartig oder bösartig)
  • Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie
  • Stress
  • zu viel Sport
  • Einnahme bestimmter Hormone (z. B. Antibabypille)
  • Überschuss des Hormons Prolaktin, das die Bildung von Muttermilch fördert (z. B. in der Stillzeit oder durch einen gutartigen Tumor der Hirnanhangsdrüse, ein sogenanntes Prolaktinom)

Bei Erwachsenen beeinträchtigt der FSH-Mangel die Fruchtbarkeit, weil die Eierstöcke oder Hoden nicht richtig funktionieren. Bei Frauen äußert sich das unter anderem durch Zyklusstörungen. Bei Männern macht sich ein zu niedriger FSH-Wert durch sexuelle Unlust und Potenzprobleme bemerkbar.

Jugendliche mit zu geringem FSH-Spiegel entwickeln sich verzögert und kommen verspätet in die Pubertät.

FSH-Wert zu hoch

Ein erhöhter FSH-Wert weist darauf hin, dass die Hirnanhangsdrüse vermehrt FSH freisetzt. Die möglichen Gründe dafür sind bei Frauen und Männern verschieden.

Hoher FSH-Wert beim Mann

Bei Männern ist häufig das sogenannte Klinefelter-Syndrom der Grund für erhöhte FSH-Werte. Das ist eine Erbkrankheit, bei der sich die Hoden nicht normal entwickeln. Meist äußert sie sich bereits in der Pubertät durch sichtbare Symptome. Die Hoden schrumpfen nach einer kurzen Phase des Wachstums wieder und werden hart. Zudem wachsen meist die Brüste.

Viele Betroffene werden jedoch erst als Erwachsene auf ihre Erkrankung aufmerksam – etwa, weil sie weniger Lust auf Sex verspüren und Potenzprobleme haben. Bei einigen wird das Klinefelter-Syndrom erst festgestellt, wenn sie sich wegen eines unerfüllten Kinderwunsches in ärztliche Behandlung begeben. Männer mit Klinefelter-Syndrom können auf natürlichem Weg keine Kinder zeugen.

Eine weitere mögliche Erklärung für die erhöhten FSH-Werte ist eine Schädigung der Hoden, zum Beispiel durch Alkoholismus, eine Infektion oder eine Chemo- und/oder Strahlentherapie bei einer Krebserkrankung.

FSH-Wert beim Mann zu hoch – was tun?

Wurde ein erhöhter FSH-Wert festgestellt, muss die Ärztin oder der Arzt zunächst den Grund klären. Die häufigste Ursache, das Klinefelter-Syndrom, lässt sich nicht heilen. Mit einer Hormontherapie lassen sich aber viele der Beschwerden lindern. 

Hatte der Betroffene Krebs, kann die Behandlung die samenbildenden Zellen in den Hoden beeinträchtigt haben. Ob und wie schnell sie sich wieder erholen, hängt von der Art und Intensität der Krebsbehandlung ab.

Hoher FSH-Wert bei der Frau

Bei Frauen können hohe FSH-Werte ein Anzeichen dafür sein, dass die Eierstöcke nicht richtig funktionieren. Mögliche Ursachen sind:

  • das polyzystische Ovarialsyndrom (PCO-Syndrom)
  • der Beginn der Wechseljahre
  • ein Eierstocktumor
  • Autoimmunerkrankungen (z. B. Schilddrüsenerkrankungen)
  • das Turner-Syndrom

FSH und Stress

Stress kann bei Frauen bewirken, dass der FSH-Wert leicht absinkt. Grund dafür ist ein gestörter Austausch zwischen Gehirn, Hirnanhangsdrüse und Eierstöcken.

Normalerweise sorgt das Gehirn einmal im Monat dafür, dass die Hirnanhangsdrüse FSH und das luteinisierende Hormon (LH) freisetzt. Beide Hormone gelangen über die Blutbahn zu den Eierstöcken. Dort führen sie den Eisprung herbei. Bei Stress kann das Gehirn jedoch beschließen, die Kommunikation mit der Hirnanhangsdrüse herunterzufahren. Es schickt der Hirnanhangsdrüse dann nicht mehr regelmäßig das Signal, FSH und LH auszuschütten.

Bei manchen Frauen, die unter Stress stehen, bleiben deshalb der Eisprung und die Regelblutung aus oder finden nur noch unregelmäßig statt. Der Fachbegriff für dieses Phänomen lautet hypothalamische Amenorrhö: Der Hypothalamus ist der Bereich des Gehirns, der mit der Hirnanhangsdrüse kommuniziert. Amenorrhö bedeutet, dass die Menstruation ausbleibt. 

Stress ist allerdings meist nur eine von mehreren Ursachen dafür. Die Betroffenen sind häufig auch untergewichtig und/oder treiben sehr viel Sport. Bewegung ist zwar grundsätzlich gesund. Im Übermaß betrieben kann Sport den Körper aber auch belasten – gerade bei einem Mangel an Nährstoffen.