Das Bild zeigt zwei Mädchen, die miteinander spielen.
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Sozialkompetenz & Sozialverhalten

Bewegung ist nicht nur für die körperliche Entwicklung von Kindern wichtig. Durch Bewegung – gerade beim Spielen und Toben mit anderen – entwickeln sie auch die Sozialkompetenz.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Allgemeines

Das Sozialverhalten eines Kinds wird gefördert, wenn es lernt, mit anderen zu kooperieren sowie auf die Wünsche und Gefühle anderer Rücksicht zu nehmen. Gleichzeitig lernt es aber auch, sich in der Gruppe zu behaupten und Kontakte mit anderen zu knüpfen!

Das Spielen eines Kinds ändert sich mit dem Alter – auch in Bezug auf das Sozialverhalten. Schon mit sechs bis zwölf Monaten interessieren sich die Kleinen für andere Kinder und machen damit die ersten sozialen Erfahrungen. Sie beobachten sich etwa und versuchen, den anderen nachzuahmen. Trotz dieses Interesses spielen Kinder bis zum Alter von zwei Jahren eher alleine oder nebeneinander, aber nicht als Partner. Sie können sich oft hervorragend allein beschäftigen.

Etwa ab dem dritten Lebensjahr setzt dann eine neue Phase ein, bei der aus einem Nebeneinander ein Miteinander wird: Die Kinder lernen, mit Gleichaltrigen zu kooperieren, aber auch, sich durchzusetzen. Sie entwickeln zunehmend Sozialkompetenz. Dies geschieht häufig auch in Form von Rollenspielen.

Gemeinsames Spielen macht Spaß – und nicht nur das! Mit etwa fünf Jahren sind gemeinschaftliche Spiele möglich und die Kinder fangen an, sich und ihre Umgebung in Regel- und Wettspielen zu erproben. Dabei gestalten sie durch die Regeln ihre Umwelt selbst und lernen sich und ihre Umwelt dadurch besser kennen. Für das Kind steht nun im Vordergrund, dass es selbst die Spielregeln einhält – ebenso wie auch alle anderen Beteiligten. Das können zwar mitunter auch schon Dreijährige, die Bedeutung des Ganzen erfassen die meisten Sprösslinge meist aber erst gegen Ende des Kindergartenalters.

Wettspiele sind dabei eine Sonderform der Regelspiele, bei denen Kinder ihrem Bedürfnis nachgehen können, sich mit Gleichaltrigen zu vergleichen. Im Regel- und Wettspiel kann das Kind seine Persönlichkeit, seine Selbstständigkeit und seine Fähigkeit, mit anderen Kindern zu interagieren, entfalten. Es lernt, dass im Umgang miteinander und im Zurechtkommen mit seiner Umwelt Regeln und Rücksichtnahme wichtig sind. Es erfährt sich selbst und andere in der Bewegung und bildet dabei Sozialkompetenz aus.

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Entwicklung von Sozialverhalten

Die Entwicklung von Sozialverhalten beginnt schon von klein an. Aber erst etwa ab dem fünften Lebensjahr beginnen Kinder, andere in ihre Spiele mit einzubeziehen und mit ihnen wirklich zu kooperieren. Mit ihren Spielpartnern, ob das nun Geschwister, Eltern oder Gleichaltrige sind, erproben sich die Kinder selbst in ihrem Verhalten und ihren Gefühlen. Hatten sie bislang noch das Verhalten ihrer Vorbilder und der hinter dem Verhalten liegenden sozialen Regeln beobachtet und nachgemacht, wird die Bedeutung des Verhaltens nun eher hinterfragt und verstanden. Bisher nur nachgeahmte Werte – etwa was böse ist und was gut – gewinnen nun ihre Bedeutung.

Durch die Bewegung und Interaktion mit anderen, ob in Form von Rollenspielen oder anderen Spielformen, entwickelt sich das Sozialverhalten. Das Kind kann die eigene Persönlichkeit festigen und lernen, sich selbst zu behaupten sowie Rücksicht auf andere zu nehmen. Durch den spielerischen Umgang mit anderen gewinnt es ein Verständnis dafür, nach welchen Regeln ein soziales Miteinander stattfindet. Dieser Erfahrungsprozess kann nicht von heute auf morgen stattfinden, sondern benötigt Jahre.

Spiele

Die Entwicklung des Sozialverhaltens und der Sozialkompetenz von Vier- bis Achtjährigen kann durch einfache Spiele leicht gefördert werden.

Tücher balancieren und schwingen

Mit Putztüchern oder anderen leichten Tüchern kann man sich tolle Spiele ausdenken. Die Kinder sollen rausfinden, mit welchen Teilen des Körpers sie die Tücher beim Laufen, Galoppieren und Drehen balancieren und schwingen können, ohne dass sie runterfallen. Dabei kann man die Laufflächen zum Beispiel mit Plastikbechern oder anderen Dingen eingrenzen. Wer neue tolle Ideen hat, wie man solch ein Tuch balancieren kann, kann es den anderen vorführen. Eine Aufgabe könnte etwa sein, sich zu überlegen, wie man ein ausgebreitetes Tuch noch mit ein oder zwei Händen festhalten und umherschwingen kann.

Körperausdruck nachahmen

Dieses Spiel fördert die Wahrnehmung der eigenen Gefühle und auch der von anderen. Zwei Kinder sitzen sich dabei gegenüber, wobei der eine Spielpartner der Spiegel des anderen ist. Aufgabe ist es nun, mehrere Gesichtsausdrücke zu Themen wie Freude, Kummer, Spaß, Angst oder Wut zum Ausdruck zu bringen. Zur Verdeutlichung können auch passende Handbewegungen mit dazu genommen werden. Der "Spiegel" sollte den Körperausdruck entsprechend seitenverkehrt nachahmen.

Luftballon transportieren

Für dieses Spiel braucht man mindestens zwei Teilnehmer, zwei Kochlöffel oder ähnliche Utensilien und Luftballons. Zuerst sollten die Kinder spielerisch die Beschaffenheit des Luftballons kennenlernen. Dann tun sich je zwei Kinder zusammen, wobei beide einen Holzkochlöffel haben. Zusammen sollen sie nun versuchen, einen großen Luftballon mit den beiden Löffeln zu halten und auf die andere Seite des Raums zu transportieren. Der Ballon darf dabei nicht mit den Händen berührt werden. Diese Form der gemeinsamen Bewegung fördert das Sozialverhalten.