Eine Frau hält und küsst ein kleines Kind im Schlafanzug.
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Pseudokrupp (Krupphusten)

Wenn ein Baby oder Kleinkind abends oder nachts plötzlich heiser, trocken-bellend hustet, hat es wahrscheinlich Pseudokrupp (Krupphusten). Beim Einatmen kann zudem ein pfeifendes Geräusch entstehen. Das Kind bekommt manchmal schlecht Luft und ist unruhig.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Pseudokrupp (Krupphusten)

Pseudokrupp ist eine überwiegend bei Kindern auftretende und meist durch Viren verursachte Erkrankung der oberen Atemwege. Somit gehört Krupphusten zu den Erkältungskrankheiten.

Das Wort Pseudokrupp setzt sich zusammen aus dem griechischen pseudo (= falsch, unecht) und dem englischen croup (= krächzen). Mediziner bezeichnen den Krupphusten zudem als:

  • stenosierende Laryngotracheitis
  • Laryngitis subglottica oder
  • Laryngotracheobronchitis.

Diese Namen beziehen sich auf den Ort der Entzündung: Die zum Krupphusten führende Infektion betrifft den Kehlkopf (= Larynx) unter (= sub) der Stimmritze (= Glottis) und die Luftröhre (= Trachea). Die für Pseudokrupp typischen Beschwerden entstehen dadurch, dass die Schleimhaut unterhalb des Kehldeckels entzündet ist und anschwillt. Als Folge verengen sich die Atemwege.

Pseudokrupp: Ursachen

Pseudokrupp (Krupphusten) entsteht meist durch eine Virusinfektion der oberen Atemwege, die sich auf Kehlkopf und Luftröhre ausgebreitet hat.

Bevor ein Kind Pseudokrupp bekommt, ist es also typischerweise mehrere Tage lang erkältet und hat eventuell auch Fieber.

Häufigste Auslöser von Pseudokrupp sind Parainfluenza-Viren: Sie stecken hinter jeder zweiten Virusinfektion, die zu Krupphusten führt.

Seltenere Ursachen von Pseudokrupp sind:

Der Atemwegsinfekt, der letztlich zum Pseudokrupp führt, ist ansteckend. Die Ansteckung passiert über winzige infizierte Tröpfchen in der Atemluft – also durch Husten, Niesen oder engen Kontakt mit Betroffenen. Das Infektionsrisiko ist erhöht, wenn das Kind

  • eine Allergie hat oder
  • öfter verschmutzte Luft (z.B. Zigarettenrauch) einatmet.

Durch Kleidung oder Spielzeug kann sich Pseudokrupp in der Regel nicht übertragen, weil die Erreger an der Luft höchstens wenige Stunden ansteckend sind.

Viren sind allerdings nicht die einzigen Ursachen von Pseudokrupp. Auch bellende Hustenanfälle infolge von Infektionen mit Bakterien (z.B. mit Staphylococcus aureus oder mit Pneumokokken) oder Allergien (spastischer Krupp) können Formen von Krupphusten darstellen.

Häufigkeit

Als Erkältungskrankheit tritt Pseudokrupp meist in den Herbst- und Wintermonaten auf, wobei er in Gegenden mit starker Luftverschmutzung häufiger vorkommt. Hauptsächlich entsteht Krupphusten beim Baby oder Kleinkind.

Etwa 15 Prozent der Kinder im Alter von sechs Monaten bis etwa vier bis fünf Jahren entwickeln einen Pseudokrupp. Das liegt daran, dass der Kehlkopf in dem Alter noch recht schmal ist und eine Schwellung den Luftstrom stärker beeinträchtigt als bei größeren Kindern oder Erwachsenen. Bei älteren Kindern oder Erwachsenen ist Krupphusten sehr selten.

Pseudokrupp: Symptome

Die für Pseudokrupp (Krupphusten) typischen Symptome sind:

  • trockener, bellender Husten (typischerweise abends oder nachts)
  • Heiserkeit
  • Atemnot mit pfeifenden Geräuschen beim Einatmen (inspiratorischer Stridor)

Meist sind vor einem Pseudokrupp-Anfall Symptome einer Erkältung vorhanden – wie Husten, Schnupfen und manchmal Fieber. Breitet sich die Infektion nach unten auf Kehlkopf und Luftröhre aus, entzündet sich die Schleimhaut und schwillt an: Dadurch verengen sich die Atemwege, was die für Krupphusten typischen Symptome verursacht.

In manchen Fällen kann die Atemnot bei Pseudokrupp sehr schwer sein. Symptome für eine schwere Atemnot sind:

  • sichtbare Einziehungen der Haut beim Atmen, z.B. in der Vertiefung oberhalb des Brustbeins zwischen den Schlüsselbeinen, zwischen den Rippen, in der Magengegend
  • Beben der Nasenflügel mit der Atmung ("Nasenflügeln")
  • zunehmendes Pfeifen bei der Atmung
  • Blässe
  • bläuliche Verfärbung um die Lippen
  • beschleunigte Atmung

Spätestens bei Anzeichen für Atemnot sollte man einen Arzt oder Notarzt verständigen.

Wenn es in den folgenden Nächten erneut zu einem Pseudokrupp-Anfall kommt, sind die Symptome in der Regel milder. Ein wirklich schwerwiegender, fortschreitender Krankheitsverlauf ist bei Krupphusten sehr selten.

Einteilung von Pseudokrupp nach Schweregraden

Schweregrad Symptome
Schweregrad 1 bellender Husten, Heiserkeit, leises Geräusch beim Einatmen (Stridor) bei Erregung
Schweregrad 2 Stridor in Ruhe, beginnende Atemnot, leichte Einziehungen am vorderen Hals
Schweregrad 3 Atemnot in Ruhe, ausgeprägte Einziehungen am Brustkorb, Blässe, schneller Puls >160/min
Schweregrad 4 hochgradige Atemnot, Blaufärbung, Erstickungsgefahr, langsamer Puls und zunehmende Schläfrigkeit

Pseudokrupp: Diagnose

Bei Anzeichen für Pseudokrupp (Krupphusten) ist es ratsam, das Kind von einem Arzt untersuchen zu lassen. Denn je nach Schweregrad können verschiedene Behandlungsmaßnahmen nötig sein.

Meist reichen allein die typischen Beschwerden und die Krankheitsschilderung aus, um Pseudokrupp eindeutig zu diagnostizieren.

Bei Verdacht auf Pseudokrupp mit Atemnot ist es jedoch wichtig, andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen. So kann anstelle von Krupphusten auch eine schwere, lebensbedrohliche Krankheit hinter der Atemnot stecken: die Kehldeckelentzündung (Epiglottitis). Darum untersucht der Arzt auch vorsichtig den Rachen der betroffenen Kinder.

Worin unterscheiden sich Pseudokrupp und Kehldeckel­entzündung?

Pseudokrupp Kehldeckelentzündung
bellender Husten oft kein Husten
leichtes Fieber hohes Fieber
Atemnot mit lautem Pfeifgeräusch beim Einatmen (sog. inspiratorischer Stridor) Atemnot nur manchmal mit Pfeifgeräusch beim Einatmen
heisere Stimme leise, kloßige Stimme ohne Heiserkeit
geringe Schluckbeschwerden starke Schluckbeschwerden mit Speichelfluss
Allgemeinzustand leicht beeinträchtigt Allgemeinzustand stark beeinträchtigt
typischerweise nachts auftretend grundsätzlich zu jeder Tageszeit möglich
keine typische Körperhaltung typischerweise sitzende Körperhaltung

Neben Atemnot verursacht die Kehldeckelentzündung also Symptome, die bei Pseudokrupp typischerweise nicht auftreten. Wenn Sie solche Anzeichen bemerken, rufen Sie sofort den Notarzt! Denn eine Kehldeckelentzündung erfordert eine schnelle ärztliche Behandlung.

Pseudokrupp: Therapie

Was tun bei einem Pseudokrupp-Anfall?

Wenn Ihr Kind einen Pseudokrupp-Anfall hat, ist es erst einmal wichtig, Ruhe zu bewahren. Denn Unruhe kann sich auf das Kind übertragen und den Krupphusten verstärken. So bessert sich sein Zustand meist schnell:

  • Nehmen Sie Ihr Kind auf den Arm (möglichst aufrecht) oder setzen Sie es aufrecht hin.
  • Sorgen Sie für frische, kühle Luft: Öffnen Sie das Fenster oder gehen Sie mit dem Kind ins Freie (z.B. auf den Balkon), damit durch die kühle Atemluft die Schleimhäute etwas abschwellen können.
  • Beruhigen Sie Ihr Kind, indem Sie ihm mit leiser, ruhiger Stimme gut zusprechen.
  • Hat Ihr Kind Fieber, können Sie ihm ein fiebersenkendes Mittel (wie Paracetamol) geben.

Wie geht es weiter?

Die weitere Vorgehensweise richtet sich danach, wie schwer der Pseudokrupp ist. Darum halten Sie am besten Rücksprache mit einem Arzt.

Meistens klingt der Pseudokrupp-Anfall nach kurzer Dauer ohne weitere Therapie von selbst ab. Bei leichtem Krupphusten (Grad 1) kann man dem Kind auch ein Zäpfchen mit einem Glukokortikoid als Wirkstoff verabreichen, um der Schwellung des Kehlkopfs und einer Atemnot vorzubeugen.

Wenn Pseudokrupp zu Atemnot führt (Grad 2 + 3), kann eine Inhalation mit Adrenalin helfen, die Schleimhaut abzuschwellen und die Atmung zu erleichtern. Die Wirkung hält aber nur etwa zwei Stunden an – die Schleimhaut kann dann wieder schwellen. Darum ist es oft nötig, die Inhalation mehrmals zu wiederholen. Im Anschluss muss das Kind gut überwacht werden.

Bessern sich die Symptome trotzdem nicht oder tritt die Atemnot schon in Ruhe auf, sollte man Pseudokrupp im Krankenhaus behandeln lassen.

Schwerer Pseudokrupp mit Atemnot macht eine Therapie in der Klinik notwendig.

Geht Pseudokrupp mit schwerer Atemnot einher, kann das Kind ergänzend über eine vorgehaltene Maske Sauerstoff bekommen. Beruhigungsmittel (z.B. mit dem Wirkstoff Diazepam) können das Kind gegen äußere Reize abschirmen, die die Beschwerden verschlechtern können. In sehr seltenen Fällen müssen die Ärzte einen kleinen Schlauch in die Luftröhre des Kindes schieben und es darüber beatmen (Intubation).

Übrigens: Oft hört oder liest man, dass bei Pseudokrupp die Raumluft möglichst feucht gehalten werden sollte – etwa durch feuchte Handtücher, Luftbefeuchter oder Vernebler. Nach heutigem Wissensstand jedoch ist Luftbefeuchtung gegen Krupphusten unwirksam.

Und auch Antibiotika helfen bei Pseudokrupp in der Regel nicht. Denn diese Medikamente wirken nur gegen Bakterien. Krupphusten entwickelt sich aber typischerweise aus einem Virusinfekt der oberen Atemwege.

Pseudokrupp: Verlauf

Meistens lässt Pseudokrupp (Krupphusten) ohne weitere Komplikationen von selbst nach. Wenn ein trockener, bellender Husten beim Baby oder Kleinkind auftritt, können einfache, schnelle Gegenmaßnahmen einen schweren Verlauf meist vermeiden.

Ein rechtzeitig und ausreichend behandelter Pseudokrupp hat eine sehr gute Prognose – das heißt, das Kind übersteht ihn ohne Schaden.

Allerdings bleibt es selten bei einem einzigen Pseudokrupp-Anfall. Viele der betroffenen Kinder bekommen mehrmals Krupphusten.

Eher selten führt Pseudokrupp zu schwerer Atemnot. Dann muss das Kind vielleicht in der Klinik behandelt und überwacht werden. Rufen Sie deshalb bei schwerer Atemnot einen Arzt oder den Notarzt (112).

Pseudokrupp: Vorbeugen

Einem Pseudokrupp können Sie nicht sicher vorbeugen. Da Krupphusten aus einer Infektion der oberen Atemwege entsteht, ist es aber allgemein ratsam, Kinder möglichst nicht mit kranken Kindern zusammenzubringen. Zudem sollten Sie Kinder keinem Zigarettenqualm aussetzen. Denn das Einatmen von Schadstoffen in der Luft (v.a. beim Passivrauchen) kann die Erkrankung begünstigen.