Kleines Mädchen wird auf Scharlach von der Kinderärztin untersucht.
© Getty Images/John Fedele

Scharlach: Symptome, Ansteckung und Inkubationszeit

Scharlach wird durch Bakterien aus der Gruppe der A-Streptokokken ausgelöst. Jedes Jahr erkranken etwa 5 von 1.000 Kindern daran. Aber auch Erwachsene können sich infizieren. Welche Symptome sind typisch und wie groß ist die Ansteckungsgefahr?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

FAQ: Scharlach

Scharlach ist eine bakterielle Infektionskrankheit. Verursacht wird Scharlach durch Streptokokken Typ A, die in der Regel über die Schleimhaut in Rachen und Nase in den Körper eindringen. Nicht die Bakterien selbst verursachen die Erkrankung, bestimmte Gifte (Toxine), die als Stoffwechselprodukt der Keime ausgeschieden werden, sind für die Symptome verantwortlich. Da es mehrere Typen von A-Streptokokken gibt, ist eine mehrfache Ansteckung möglich.

Scharlach gehört wie Windpocken, Masern und Röteln zu den Kinderkrankheiten, am häufigsten sind Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter betroffen. Doch auch Babys und Erwachsene können sich anstecken.

Die zentralen Symptome von Scharlach sind ein charakteristischer Hautausschlag sowie die Himbeer- beziehungsweise Erdbeerzunge. Die Zunge ist dabei zunächst weiß belegt, im Verlauf färbt sie sich leuchtend rot. Häufig ist sie und ihre Papillen geschwollen. Daneben treten in der Regel noch weitere Beschwerden wie Fieber, Halsschmerzen und ein allgemeines Krankheitsgefühl auf.

Früher sind viele Kinder an Scharlach gestorben, heute lässt sich die Krankheit in der Regel gut behandeln. In seltenen Fällen treten jedoch schwerwiegende Komplikationen auf, wie eine Herzinnenhautentzündung und Nierenschäden. Darüber hinaus kann Scharlach septisch verlaufen, wenn die Infektion in die Blutbahn gelangt: Es entsteht eine Blutvergiftung (Sepsis), die tödlich verlaufen kann.

Gegen Scharlach gibt es bislang keinen Impfstoff. Um der bakteriellen Infektion vorzubeugen, sollte der Kontakt zu infizierten Personen gemieden und alltägliche Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen eingehalten werden.

Scharlach: Welche Symptome sind typisch?

Die meisten Scharlach-Fälle treten in den Monaten von Oktober bis März auf. Nach der Ansteckung vergehen rund zwei bis vier Tage, bis die ersten Symptome auftreten. Selten beträgt die Zeit von der Ansteckung bis zu den ersten Symptomen (Inkubationszeit) bis zu acht Tage.

Typische Scharlach-Symptome: Ausschlag und gerötete Zunge

Ein besonders charakteristisches Symptom der Krankheit ist die sogenannte Himbeerzunge: Die Zunge ist anfangs weißlich belegt. Ungefähr ab dem zweiten Krankheitstag nimmt sie eine für Scharlach typische, himbeerrote Färbung an. Auch die Papillen sind oftmals geschwollen.

Gleichzeitig bildet sich am ganzen Körper ein rauer, dichter und sehr feinfleckiger Hautusschlag (Exanthem), der vom Aussehen an Sandpapier erinnert:

  • Der Hautausschlag beginnt am Brustkorb und breitet sich dann über den gesamten Körper aus.
  • Das Dreieck zwischen Mund und Kinn bleibt dabei ausgespart, was von Fachleuten auch als periorale Blässe bezeichnet wird. Auch an den Handinnenflächen und Fußsohlen ist der Ausschlag nicht sichtbar.
  • In der Leistengegend und im Bereich der Achseln sind besonders betroffen.
  • Etwa zwei bis vier Wochen nach Krankheitsbeginn bildet sich der Hautausschlag zurück und die Haut schuppt sich.

In seltenen Fällen kündigt sich eine Scharlacherkrankung wenige Tage vor dem Fieber durch einen kurzfristigen Hautausschlag in der Leiste oder an der Oberschenkelinnenseite an.

Weitere Symptome von Scharlach sind:

Scharlach: Ansteckung

Scharlach ist grundsätzlich sehr ansteckend. Auslöser der Erkrankung sind Bakterien aus der Gruppe der A-Streptokokken (Streptococcus pyogenes). Sie werden meist durch Tröpfcheninfektionen (Niesen, Husten) übertragen, seltener durch Eiter, verunreinigte Lebensmittel und Wasser oder Gegenstände wie Spielzeug, Besteck oder Geschirr (Schmierinfektion).

Der Mensch stellt für die Erreger ein natürliches Reservoir dar. Viele Menschen tragen die Bakterien in sich, erkranken aber nicht zwangsläufig an Scharlach. Die typischen Symptome von Scharlach entstehen durch ein oder mehrere Gifte (Toxine), die von den Bakterien abgesondert werden.

Scharlach: Wie lange ist eine Person ansteckend?

Auch wenn noch keine Symptome bemerkt werden, kann eine an Scharlach erkrankte Person bereits andere Menschen über infektiöse Tröpfchen anstecken.

Wie lange jemand mit Scharlach ansteckend ist, hängt unter anderem davon ab, ob eine Behandlung mit Antibiotika erfolgt:

  • Unbehandelt ist Scharlach bis zu drei Wochen ansteckend.
  • Werden Antibiotika eingesetzt, ist eine infizierte Person nach 24 Stunden nicht mehr ansteckend.

Wenn die Antibiotika wie vorgegeben eingenommen werden und keine Symptome mehr auftreten, ist eine Krankmeldung gewöhnlich nur für 48 Stunden nötig. Danach ist keine Ansteckung mehr zu erwarten. Kinder dürfen wieder Kindergarten oder Schule besuchen.

Scharlach bei Babys und Erwachsenen

Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt zwischen drei und neun Jahren. Auch Erwachsene können sich in seltenen Fällen anstecken.

Weil viele Menschen Scharlach mit Kindern verbinden, wird die Infektionskrankheit bei Erwachsenen häufiger übersehen beziehungsweise mit anderen Erkrankungen verwechselt. In der Regel sind die typischen Symptome – wie Himbeerzunge, Rachenentzündung und das charakteristische Exanthem  – jedoch auch bei Erwachsenen vorhanden, sodass eine medizinische Diagnose von Fachleuten leicht gestellt werden kann.

Erwachsene, die bereits als Kind Scharlach hatten, sind nicht zwangsläufig immun. Sie können erneut erkranken. Der Grund: Es gibt mehrere Untergruppen der auslösenden Bakterien. Wer sich mit Bakterien einer bestimmten Untergruppe infiziert hat, ist nicht automatisch vor allen anderen Gruppen geschützt.

Babys können ebenfalls an Scharlach erkranken. Sind sie allerdings jünger als sechs Monate, besitzen sie noch einen Immunschutz der Mutter in Form von Antikörpern. Sie können sich dann für gewöhnlich nicht infizieren.

Scharlach: Diagnose

Spätestens, wenn typische Zungenfärbung und Hautausschlag sichtbar sind, ist es sehr wahrscheinlich, dass es sich um Scharlach handelt. Einen weiteren wichtigen Hinweis auf die Diagnose liefern der typische, plötzlich einsetzende Krankheitsverlauf sowie die unter dem Unterkiefer auftretenden Lymphknotenvergrößerungen.

Hautausschlag: Welche Kinderkrankheit steckt dahinter?

Ein Hautausschlag kann bei verschiedenen Kinderkrankheiten auftreten und ist noch kein Beweis dafür, dass es sich um Scharlach handelt. An der Art des Ausschlags kann der*die Arzt*Ärztin eine Scharlach-Infektion jedoch in der Regel leicht erkennen: Typisch ist etwa, dass das Dreieck zwischen Kinn und Mund vom Hausschlag ausgespart bleibt, während die Hautveränderungen in der Leiste und im Bereich der Achseln besonders ausgeprägt sind.

Scharlach-Schnelltest

Nicht immer ist Scharlach anhand der äußeren Krankheitszeichen eindeutig zu erkennen. Um die Diagnose zu sichern, kann ein Scharlach-Schnelltest durchgeführt werden. Mit dem Schnelltest lässt sich nachweisen, ob eine Person mit A-Streptokokken infiziert ist.

Für den Schnelltest ist ein Rachenabstrich erforderlich. Nach wenigen Minuten steht fest, ob sich Streptokokken nachweisen lassen. Ist dies der Fall, ist es sehr wahrscheinlich, dass es sich um Scharlach handelt.

In manchen Fällen lassen sich im Scharlach-Schnelltest keine A-Streptokokken nachweisen, obwohl die Symptome sehr eindeutig auf Scharlach hinweisen. In diesem Fall kann eine genauere Untersuchung hilfreich sein: Nach der Probenentnahme  – einem Abstrich der Mandeln – wird die Probe ins Labor geschickt. Dort kann anhand einer Bakterienkultur innerhalb weniger Tage ermittelt werden, ob es sich tatsächlich um Scharlach, also eine Infektion mit A-Streptokokken, handelt.

Scharlach: Behandlung

Scharlach wird in erster Linie mit Antibiotika behandelt. Dadurch bilden sich die Symptome etwas rascher zurück und die Wahrscheinlichkeit, dass Komplikationen auftreten, verringert sich. Die Behandlung mit Antibiotika hat noch einen weiteren Effekt: Rund 24 Stunden nach Beginn der Therapie ist die erkrankte Person nicht mehr ansteckend.

Scharlach wird in der Regel mit Penicillin behandelt, die Tabletten müssen zwei- oder dreimal pro Tag über einen Zeitraum von zehn Tagen eingenommen werden. Im Falle einer Penicillin-Allergie oder Unverträglichkeit auf den Wirkstoff können andere Antibiotika zum Einsatz kommen.

Wichtig: Auch wenn die Symptome von Scharlach bereits abgeklungen sind, sollte die Antibiotika-Therapie bis zum Ende fortgeführt werden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass nicht alle Bakterien abgetötet wurden.

Video: 6 Fakten über Antibiotika

Scharlach behandeln: Tipps für Eltern

  • Bei Fieber sollte das Kind sich schonen.
  • (Zuckerfreie) Bonbons, Tee oder Halswickel können Halsschmerzen lindern.
  • Gerade bei hohem Fieber ist es wichtig, viel zu trinken, um eine mögliche Austrocknung zu verhindern. Ideal sind Getränke wie Wasser, Tee oder Saftschorle.
  • Wenn Schmerzen und/oder Fieber sehr belastend sind, können rezeptfreie Präparate mit Wirkstoffen wie Paracetamol oder Ibuprofen hilfreich sein. Diese senken das Fieber und lindern Schmerzen.
  • Um eine Ansteckung anderer zu vermeiden, sollte möglichst getrennt von Geschwistern und anderen Personen isoliert werden.

Scharlach: Verlauf und Komplikationen

Insbesondere wenn die Krankheit mit Antibiotika behandelt wird, nimmt Scharlach gewöhnlich einen komplikationslosen Verlauf.

Etwa sechs bis acht Wochen nach Erkrankungsbeginn bildet sich eine typische Nagellinie (Feersche Nagellinie). Dabei handelt es sich um eine Querfurche im Nagel, die besonders an den Daumen deutlich zu sehen ist. Sie bildet sich bei vielen Erkrankungen, ist nach dem Scharlach aber besonders gut zu erkennen. Die Nagellinie wächst mit dem Nagel mit und kann nach einer Weile beim Nägelschneiden entfernt werden.

Außerdem schuppt die Haut, besonders an Hand- und Fußflächen. Sie kann oft großflächig abgezogen werden.

Scharlach in der Schwangerschaft

Wenn sich eine Frau während der Schwangerschaft mit Scharlach infiziert, ist dies im Vergleich zu anderen Kinderkrankheiten wie Röteln vergleichsweise harmlos. Mit Komplikationen ist in der Regel nicht zu rechnen – weder für das ungeborene Kind noch für die werdende Mutter.

Scharlach: Welche Komplikationen sind möglich?

Das Risiko für schwere Komplikationen ist gering, vor allem, wenn Scharlach mit Antibiotika bekämpft wird.

Selten breitet sich die Infektion im Körper aus. Dies kann zu verschiedenen Folgeerkrankungen führen, wie:

Darüber hinaus kann es zu einem septischen Verlauf kommen, etwa wenn bei stark vereiterten Mandeln die Keime in die Blutbahn gelangen. Es kommt zu einer Blutvergiftung. Mögliche Symptome sind:

Der septische Verlauf ist lebensbedrohlich, es droht ein Multiorganversagen. Allerdings handelt es sich um eine sehr seltene Komplikation.

Scharlach: Impfung gegen die Infektionskrankheit? 

Scharlach lässt sich nicht sicher vorbeugen. Eine Impfung gegen die auslösenden Bakterien gibt es nicht. Dennoch lässt sich einiges tun, um das Ansteckungsrisiko zu senken. Dies ist insbesondere an Orten wichtig, an denen sich viele kleine Kinder aufhalten, so zum Beispiel in Kindergärten und Grundschulen.

Scharlach ist hoch ansteckend. Kinder und Erwachsene, die an Scharlach erkrankt sind oder die typischen Symptome zeigen, sollten Gemeinschaftseinrichtungen noch während der ersten zwei Tage nach Beginn der Antibiotika-Therapie meiden. Wird keine Antibiotika-Therapie eingeleitet, sollten Menschen mit Scharlach sich so lange zu Hause isolieren, bis die Symptome vollständig abgeklungen sind.