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Kamasutra

Das Kamasutra ist ein indisches Lehrbuch der Liebeskunst und gilt als eines der großen kulturhistorischen Werke der Weltliteratur. Es wurde im dritten Jahrhundert nach Christus von einem Gelehrten namens Vatsyayana Mallanaga aus mehreren Schriften unterschiedlicher Autoren zusammengestellt. Die Meinungen über den genauen Entstehungszeitpunkt des Kamasutra gehen allerdings auseinander.

Allgemeines

Das Kamasutra entstammt der hinduistischen Religionslehre und enthält Ratschläge und Anregungen für fast alle Bereiche von Liebe und Sexualität. Bei vielen gilt es als Standardwerk und Ursprung aller nachfolgenden Ratgeber in Sachen Erotik und Sex. Ursprünglich war der aus sieben Büchern bestehende Liebesleitfaden an junge und wohlhabende Männer gerichtet, um ihnen die Eigenschaften des perfekten Liebhabers näherzubringen.

Anhand von kunstvollen Bildern und detaillierten Anweisungen für Stellungen und Berührungen im Liebesspiel soll das Kamasutra Liebende in die Kunst der Verführung einweisen. In einer für heutige Begriffe altertümlichen und sehr poetischen Sprache lehrt es den Leser, die Sinne zu wecken und die Lust zu steigern. Aus der Lektüre des Kamasutra sollen ein kundiger Liebhaber und eine erfahrende Geliebte hervorgehen, damit jede sexuelle Begegnung zu einem erfüllenden und spirituellen Erlebnis wird.

Der Begriff Kamasutra setzt sich zusammen aus den alt-indischen Begriffen kama = Verlangen, Liebe, Sex, Genuss und sutra = Abhandlung. Oft wird Kamasutra als Verse des Verlangens übersetzt.

Historisch gesehen stammt das Kamasutra aus einer Zeit, die durch Lebenskunst, Delikatesse und Ästhetik bestimmt war. In der gesellschaftlich hochangesehenen indischen Brahmanen-Kaste nahm Erotik im Alltag von kultivierten Männern und Frauen eine große Rolle ein.

Dieser Lebensstil spiegelt sich im Kamasutra wider: Das Lehrbuch der Liebeskunst befasst sich nicht nur mit lustvollen Liebesstellungen beim sexuellen Akt, sondern beschäftigt sich auch mit Aspekten des gesellschaftlichen Lebens: Es geht darum, den richtigen Partner zu finden, die Ehe am Leben zu erhalten und wie es ist, mit einer Geliebten zu leben – oder eine Geliebte zu sein. Es behandelt außerdem Fragen des harmonischen Zusammenlebens von Mann und Frau und zum Verhältnis der Geschlechter. Im Kamasutra werden der Frau im Liebesakt die gleichen Rechte auf Leidenschaft und Genuss zugestanden wie dem Mann.

Kamasutra-Stellungen

Im Kamasutra beschriebene Stellungen des Liebesaktes sind oft der Natur entnommen, besonders der Tierwelt und der Mythologie. Das Kamasutra inspiriert durch zahlreiche Bilder und detaillierte Beschreibungen zu verschiedensten Stellungen beim Geschlechtsverkehr, mittels derer es den Liebenden in jeder Lage guten Sex und höchsten Genuss verspricht.

Einige der im Kamasutra dargestellten Stellungen sind so abstrakt, dass sie nur nach langjährigem Yogatraining zu bewältigen sind. Man vermutet allerdings, dass einige dieser abstrakten Sexstellungen frei erfunden sind, um beim Betrachter Erstaunen oder Belustigung auszulösen.

Im Kamasutra sind die unterschiedlichen Stellungen mit klangvollen Namen betitelt wie etwa:

  • "der Schmetterling",
  • "Lotusstellung",
  • "heilige Kuh" oder
  • "weit geöffnete Muschelstellung".

Wichtig bei der Anleitung für einzelne Positionen sind immer Elemente, die Stimmung schaffen und ein erregendes Vorspiel erzeugen. Zu den wesentlichen Bestandteilen der im Kamasutra beschriebenen Praktiken gehören raffinierte Finger- und Zungentechniken und spannende Stellungswechsel. Auch die Stimme darf immer wieder in möglichst erotischer Tonlage zum Einsatz kommen, um die Atmosphäre besonders angenehm zu gestalten.

Lust und Sinnlichkeit werden nach dem Kamasutra zum Beispiel aus gekonnten Küssen sowie durch leidenschaftliches Beißen und Kratzen entfacht. Auch Anregungen, wie man Sex-Spielzeuge (z.B. Dildos aus Edelmetall oder Horn) ins Liebesspiel integriert, gehören zum Repertoire des Kamasutra.

Das Kamasutra leitet Paare dazu an, in ihrer Beziehung für Entspannung, aber auch für frischen Wind zu sorgen. Bei den verschiedenen Stellungen spielen sowohl Nähe und Leidenschaft als auch Spaß, Genuss und Begierde eine wesentliche Rolle. Dabei sind die Stellungen nicht starr festgelegt, sondern lassen sich je nach Lust und Laune variieren und kombinieren. Wichtig ist vor allem, dass beide Partner Spaß an der Sache haben, sich einander hingeben und den Liebesakt mit einer gewissen Leichtigkeit erleben können.

Aus heutiger Sicht ist das Kamasutra für die damalige Zeit ein außerordentlich freizügiges und fortschrittliches Werk in Sachen Sex und Erotik – so fortschrittlich, dass es auch heute noch viele Anhänger und Nachahmer findet.