Eine Frau blickt durch ein Objekt.
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Augenkrankheiten

Lesen, Autofahren, sich zurechtfinden: Ist das Sehvermögen eingeschränkt, kann das die Lebensqualität der Betroffenen in großem Maße mindern. Frühzeitig erkannt, sind viele Augenkrankheiten allerdings gut behandelbar. Lesen Sie hier, welche Augenkrankheiten es gibt, welche Symptome typisch sind und wie sich die verschiedenen Beschwerden diagnostizieren und behandeln lassen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Allgemeines

Die Augen sind ein wichtiges Sinnesorgan: In nahezu jeder Lebenslage ist der Mensch auf sein Sehvermögen angewiesen. Wie essenziell der Sehsinn ist, rückt oft erst ins Bewusstsein, wenn eine Augenkrankheit oder Sehschwäche auftritt.

Statistiken zufolge ist etwa ein Viertel der Bevölkerung kurzsichtig, mehr als ein Drittel weitsichtig. Etwa jede fünfte Person mit einer Fehlsichtigkeit hat außerdem eine Hornhautverkrümmung – und die Tendenz zur Fehlsichtigkeit steigt an. Leichte Sehprobleme lassen sich in der Regel jedoch gut korrigieren.

Doch es gibt auch Augenkrankheiten, die eine Erblindung zur Folge haben und den Alltag der Betroffenen erheblich einschränken können. Umso wichtiger ist es, Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen und zu therapieren.

Wie ist das Auge aufgebaut?

Der Aufbau des Auges gleicht dem einer Kamera: Hornhaut und Linse stellen das Objektiv dar, die Iris entspricht der Blende und die Netzhaut dem Film, der Gegenstände der Außenwelt verkleinert und umgekehrt abbildet. Die Pupille dient der Abblendung und Verbesserung der Tiefenschärfe.

Als Sehvermögen wird die Gesamtleistung des Sehorgans bezeichnet. Darunter fällt

  • der Lichtsinn,
  • die Sehschärfe,
  • das Farbensehen
  • und das Gesichtsfeld.

Ist eine dieser Komponenten gestört, kann eine Sehschwäche oder Augenkrankheit dahinterstecken. Grundsätzlich können alle Teile des Auges erkranken, so etwa die Netzhaut und der Glaskörper des Auges, aber auch die Augenlider.

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Augenkrankheiten: Ursachen

Augenkrankheiten lassen sich in verschiedene Bereiche einteilen. Einige Erkrankungen sind harmlos und gut behandelbar, andere hingegen schwerwiegender und kaum aufzuhalten. Viele Augenkrankheiten, etwa Fehlsichtigkeiten, treten vor allem mit zunehmendem Lebensalter auf, da die Sehkraft mit den Jahren nachlässt. Darüber hinaus können Augenkrankheiten auch

  • genetisch bedingt sein (z. B. Fehlbildungen oder erbliche Netzhauterkrankungen),
  • durch Verletzungen oder Infektionen entstehen,
  • oder als Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung auftreten (z. B. Diabetes mellitus).

In einigen Fällen steckt hinter den Beschwerden keine Krankheit, sondern lediglich eine kurzfristige Sehstörung, etwa bei einer vorrübergehenden Unterzuckerung.

Augenkrankheiten: Symptome

Je nach Art der Augenkrankheit können unterschiedliche Symptome auftreten. In den meisten Fällen gehen Augenerkrankungen nicht mit Schmerzen einher, da das Auge kaum Schmerzrezeptoren besitzt. Eine verschlechterte Sehfähigkeit ist oft eines der ersten Anzeichen, die Betroffene wahrnehmen.

Folgende weitere Symptome können für eine Augenerkrankung sprechen:

Daneben können – häufig nur vorrübergehend – Sehstörungen auftreten:

  • Blitze (Fotopsie)
  • Doppelbilder
  • Flimmern
  • Gesichtsfeldausfälle
  • Halluzinationen/Trugwahrnehmungen
  • Mouches volantes (Schwebeteilchen vor dem Auge)
  • scheinbare Bewegung der Umgebung (Oszillopsie)
  • Fortbestehen oder Wiederauftreten visueller Reize, nachdem das auslösende, stimulierende Objekt entfernt worden ist (Palinopsie)
  • Verschwommensehen
  • Vorhang/Schatten vor den Augen

Welche Augenkrankheiten gibt es?

Diese Augenkrankheiten treten am häufigsten auf:

Augenkrankheiten: Diagnose

Bei einem Augenarzt-Termin können verschiedene Untersuchungen vorgenommen werden, um die Ursache möglicher Augenerkrankungen herauszufinden. Vor der eigentlichen Untersuchung wird der*die behandelnde Ärzt*in eine Anamnese durchführen. Für eine effektive Behandlung und eine genaue Diagnose ist es hilfreich, wenn Sie sich bereits im Vorfeld auf folgende mögliche Fragen vorbereiten:

  • Was ist der Grund Ihrer Vorstellung?
  • Sehen Sie rechts und links gleich gut?
  • Traten in der Vergangenheit bereits Augenerkrankungen auf? Wie wurden diese therapiert (Therapiebeginn, Medikation)?
  • Sind bereits Eingriffe vorgenommen worden? Wenn ja, welche? (z. B. Augenoperationen, Laserbehandlung) Wie lange liegt der Eingriff zurück?
  • Tragen Sie eine Brille oder Kontaktlinsen?

Im Anschluss wird der*die Ärzt*in einige Untersuchungen vornehmen. Je nach Verdachtsdiagnose kann es sich dabei um folgende Methoden handeln:

Augenkrankheiten: Therapie

Je nach Augenkrankheit und Ausprägung kommen verschiedene therapeutische Ansätze in Frage. Nach der Diagnosestellung erfolgt eine sich nach dem klinischen Bild richtende spezifische Behandlung.

Möglich sind zum Beispiel folgende Therapieansätze:

  • Ausgleich von Fehlsichtigkeiten durch Sehhilfen (Brille oder Kontaktlinsen)
  • Augentropfen oder Augensalben
  • medikamentöse Behandlungen, etwa bei Entzündungen (z. B. durch Antibiotika)
  • Augenoperationen, Laserbehandlungen

Brillen und Kontaktlinsen

Mit zunehmendem Alter wird die Augenlinse immer unflexibler. Entsprechend schwer fällt es dem Auge, scharf zu stellen. Dass die Sehkraft im Laufe des Lebens abnimmt, ist also völlig normal.

Sehhilfen können Sehprobleme lösen und die Augen schützen. Augenärzt*innen empfehlen, Fehlsichtigkeiten ab einem Dioptriewert von 0,5 mit einer Brille oder Kontaktlinsen auszugleichen. Dass die Augen schlechter werden, wenn man trotz Sehschwäche keine Sehhilfe trägt, ist zwar ein Mythos. Dennoch kann es für die Augen anstrengend sein, ohne Hilfsmittel auszukommen. Eine häufige Folge sind dann zum Beispiel Kopfschmerzen.

Welche Brille für wen?

Mithilfe von Korrekturbrillen lassen sich Sehfehler ausgleichen: Kurzsichtige erhalten eine Fernbrille, Weitsichtige eine Nahbrille. Besteht gleichzeitig eine Hornhautverkrümmung, werden zylindrische Gläser verwendet.

Was zahlen die Krankenkassen?

Lange Zeit mussten Erwachsene die Sehhilfe aus eigener Tasche zahlen. Das ist jetzt anders. Laut Gesetz zur Stärkung der Heil- und Hilfsmittelversorgung (Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz, HHVG) aus dem Jahr 2017 gilt: Überschreitet die Sehschwäche (Kurzsichtigkeit oder Weitsichtigkeit) 6 Dioptrien oder bei einer Hornhautverkrümmung 4 Dioptrien, müssen die Krankenkassen die Kosten übernehmen, unabhängig vom Alter der Betroffenen.

Voraussetzung: Die Sehschwäche wurde von einem Augenarzt festgestellt und ein entsprechendes Rezept ausgestellt.

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Augenkrankheiten: Vorbeugen

Die wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung von Augenkrankheiten sind Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen. Bei Jung und Alt gilt: Je früher es gelingt, Augenerkrankungen zu erkennen, desto einfacher und erfolgreicher lassen sie sich behandeln.

Das wird empfohlen

Untersuchungen für Kinder

Schon kleine Kinder können Augenprobleme haben, die unbehandelt die Entwicklung des Sehvermögens stören und im Extremfall eine dauerhafte Schwachsichtigkeit (Amblyopie) nach sich ziehen. Doch besonders einseitige Augen- und Sehfehler bleiben oft zu lange unentdeckt. Eine Behandlung ist nur dann erfolgreich, wenn sie rechtzeitig im Kindesalter beginnt.

Zur Vorsorge sollten Sie Ihr Kind daher frühzeitig auf Schielen und Fehlsichtigkeit (Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Hornhautverkrümmung) untersuchen lassen. Empfehlenswert sind diese Früherkennungs­untersuchungen ...

... sofort, wenn:

  • Sie an den Augen Ihres Kindes sichtbare Auffälligkeiten bemerken – wie Augenzittern, Hornhauttrübungen, grau-weißliche Pupillen, große lichtscheue Augen oder Veränderungen an den Augenlidern (z. B. Hängelider, die die Pupille verdecken),
  • das Kind auffällig ungeschickt ist oder
  • Sie unsicher sind, ob alles in Ordnung ist.

im Alter von sechs bis spätestens zwölf Monaten, wenn Ihr Kind ein erhöhtes Risiko für Schielen, für Fehlsichtigkeit und/oder für erbliche Augenerkrankungen hat. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn:

  • Ihr Kind ein Frühchen ist,
  • es einen Entwicklungsrückstand hat,
  • es schielt oder
  • jemand in Ihrer Familie stark fehlsichtig ist oder eine erbliche Augenerkrankung hat.

spätestens im Alter von 30 bis 42 Monaten bei jedem Kind, um ein kleinwinkliges Schielen oder eine Fehlsichtigkeit frühzeitig entdecken zu können.

Untersuchungen für Erwachsene

Um Gefährdungen im Straßenverkehr, vermeidbare Sehverschlechterungen und Sehverluste zu verhindern, empfehlen Augenärzt*innen die folgenden Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen:

  • Jährliche Vorsorgeuntersuchungen der Netzhaut bei Kurzsichtigen (ab 3 Dioptrien) in jeder Altersstufe
  • Regelmäßige Untersuchungen zur Früherkennung von grünem Star (Glaukom)
    • bei jedem, der ein Elternteil oder ein Kind mit grünem Star hat
    • bei Menschen mit dunklem Hauttyp ab dem 30. Lebensjahr
    • bei allen anderen Menschen ab dem 40. Lebensjahr
  • Regelmäßige Augen-Checks für Verkehrsteilnehmer*innen ab dem 40. Lebensjahr
  • Regelmäßige Untersuchungen zur Früherkennung der altersbedingten Makuladegeneration ab dem 60. Lebensjahr

Nicht alle augenärztlich empfohlenen Untersuchungen sind Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen: So müssen zum Beispiel die Kosten zur Früherkennung von grünem Star selber gezahlt werden – es sei denn, es liegen besondere medizinische Gründe für die Untersuchung vor (wie Verdacht auf grünen Star, Augenschäden durch Diabetes, dauerhafte Kortison-Behandlung).

Sonnenbrille: Warum UV-Schutz für die Augen so wichtig ist

Neben regelmäßigen Untersuchungen zur Früherkennung lassen sich Augenkrankheiten auch vorbeugen, indem man die Augen vor UV-Strahlung schützt. Die Folgen von zu intensiver Sonneneinstrahlung auf die Augen machen sich teils erst spät und nur schleichend bemerkbar.

Zwei häufige Augenerkrankungen, die sich unter anderem auf den Einfluss intensiver UV-Strahlung zurückführen lassen, sind grauer Star und die altersabhängige Makuladegeneration. Während bei Ersterem eine Operation die Sehkraft wiederherstellen kann, ist Letztere in Deutschland die häufigste Erblindungsursache ab dem 65. Lebensjahr.

Es lohnt sich also, bei intensiver Sonnenstrahlung eine gute Sonnenbrille zu tragen – am besten schon ab dem frühen Kindesalter. So lässt sich das Risiko für mögliche Spätschäden an den Augen durch UV-Licht senken.

Darauf sollten Sie beim Kauf achten:

Nur Sonnenbrillen mit UV-Filter bieten einen wirksamen UV-Schutz. Wenn Sie eine Sonnenbrille ohne UV-Filter tragen, können sogar mehr schädliche UV-Strahlen ins Auge eindringen, da Ihre Pupillen hinter den dunklen Gläsern stärker geweitet sind, als sie es ohne Sonnenbrille wären.

Daneben sollten Sie auf die passende Blendkategorie achten. Die entsprechende Zahl finden Sie neben dem CE-Kennzeichen an der Innenseite der Brillenbügel:

  • Kategorie 0 lässt viel Licht durch und ist für den Einsatz am Abend geeignet.
  • Kategorie 1 lässt 43 bis 80 Prozent des Lichts durch und reicht an bedeckten Tagen und in der Stadt aus.
  • Kategorie 2 lässt 18 bis 43 Prozent des Lichts durch und bietet in unseren Breitengraden den perfekten Blendschutz im Sommer.
  • Kategorie 3 lässt 8 bis 18 Prozent des Lichts durch und schützt die Augen ideal in südlicheren Ländern, an hellen Wasserflächen, am Strand und im Gebirge.
  • Kategorie 4 lässt nur 3 bis 8 Prozent des Lichts durch und ist für den Sonnenschutz im Hochgebirge oder am Gletscher gedacht. Für den Straßenverkehr sind die Gläser zu dunkel.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Größe der Brillengläser: Um ausreichenden Sonnenschutz zu gewährleisten, sollte die Brille die Augen gut abdecken.

Als Faustregel können Sie sich merken, dass die Gläser oben mindestens die Augenbrauen und seitlich den Gesichtsrand erreichen sollten. Wer sichergehen möchte, eine qualitativ hochwertige Sonnenschutzbrille zu bekommen, kauft sie am besten im Fachhandel.