Zu sehen ist ein braunes Auge einer grauhaarigen Person in Nahaufnahme vor blauem Himmel.
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Grauer Star (Katarakt)

Grauer Star (Katarakt) macht sich oft erst nach längerer Zeit bemerkbar. Als erste Symptome können ein Blendungsgefühl (bei Sonne oder nachts beim Autofahren) oder ein Schleier vor den Augen auftreten, der langsam dichter wird.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Grauer Star (Katarakt)

Was ist grauer Star?

Grauer Star ist eine Augenkrankheit, bei der sich die Augenlinse trübt. Die Folgen: Das Sehvermögen lässt langsam nach, man sieht zunehmend unscharf und verschwommen, Kontraste werden schwächer.

Die Bezeichnung grauer Star kommt daher, dass sich bei fortgeschrittener Linsentrübung eine graue Färbung hinter der Pupille zeigt und stark sehbehinderte Menschen oft einen starren Blick haben.

Der Begriff Katarakt stammt aus dem Griechischen und bedeutet Wasserfall. Denn früher glaubte man, dass grauer Star durch Flüssigkeit im Auge entsteht.

Grauer Star: Ursachen

Grauer Star (Katarakt) kann viele Ursachen haben. Meistens ist die Linsentrübung altersbedingt: In 90 Prozent der Fälle handelt es sich um die sogenannte Alterskatarakt, die im Zuge des Alterungsprozesses auftreten kann.

Ein Risikofaktor für die Entstehung von grauem Star ist Rauchen: Wer täglich 15 Zigaretten oder mehr raucht, hat ein um etwa 40 Prozent höheres Risiko für eine Katarakt als lebenslange Nichtraucher.

Bei manchen Menschen entwickelt sich grauer Star auch aufgrund einer entsprechenden erblichen Veranlagung eher als bei anderen. Zudem kann eine Katarakt durch bestimmte Erkrankungen oder sonstige schädliche Einwirkungen entstehen, wie:

  • Augenverletzungen
  • Strahleneinwirkungen (z.B. durch Röntgenstrahlung, Infrarotstrahlung oder UV-Strahlung)
  • über einen längeren Zeitraum eingenommene Medikamente (wie Kortison)
  • Augenerkrankungen (wie eine chronische Entzündung der Aderhaut)
  • systemische Erkrankungen (wie Diabetes mellitus )

Selten besteht schon bei der Geburt ein grauer Star. Die Ursache kann dann erblich sein. Häufig ist eine angeborene Katarakt aber nicht-erblich. Dann kann die Linsentrübung zum Beispiel folgende Gründe haben:

  • vorgeburtliche (intrauterine) Infektion über die Mutter, z.B.
  • Strahleneinwirkungen während der Schwangerschaft
  • in der Schwangerschaft eingenommene Medikamente

Grauer Star: Symptome

Ein erworbener grauer Star (Katarakt) ist durch langsam fortschreitende Symptome gekennzeichnet und macht sich häufig erst nach längerer Zeit bemerkbar.

Dabei verursacht grauer Star nur Symptome, die das Sehvermögen betreffen. Eine Katarakt bereitet

  • keine Schmerzen und auch
  • keine anderen Augenbeschwerden.

In einigen Fällen verursacht ein grauer Star als erste Symptome starke Blendungserscheinungen: So fühlen sich Menschen wegen der Katarakt durch Sonnenlicht oder nachts durch das Scheinwerferlicht entgegenkommender Fahrzeuge stärker geblendet als zuvor.

In anderen Fällen stellen Menschen mit einer Katarakt fest, dass sie plötzlich ohne Lesebrille auskommen. Dies ist dadurch zu erklären, dass die getrübte Linse einfallendes Licht anders bricht: Grauer Star geht mit zunehmender Kurzsichtigkeit einher, was eine vorhandene Alterssichtigkeit zunächst ausgleicht. Gelegentlich ruft die Linsentrübung auch Doppelbilder hervor.

Ist ein grauer Star angeboren, fehlen solche Symptome bei den betroffenen Kindern. Darum ist es wichtig, Neugeborene gründlich auf mögliche Anzeichen für eine Katarakt und andere Augenkrankheiten zu untersuchen.

Oft kommt es erst in einem fortgeschrittenen Stadium dazu, dass grauer Star die Sehkraft deutlich beeinträchtigt. Die Umwelt erscheint durch die trüben Linsen unscharf und matt, verschleiert und verzerrt. Kontraste verlieren an Schärfe, Farben an Leuchtkraft. Irgendwann hat man das Gefühl, alles durch ein Milchglas zu sehen.

Dann ist grauer Star häufig auch von außen erkennbar: Wegen der starken Linsentrübung sieht die Pupille grau bis weiß aus. In diesem Stadium kann es passieren, dass die Linse quillt oder sich verflüssigt. Dadurch kann ein Glaukom (grüner Star) entstehen. Unbehandelt kann die Katarakt zur Erblindung führen.

Grauer Star: Diagnose

Grauer Star (Katarakt) verschlechtert mit der Zeit das Sehvermögen. Darum macht der Augenarzt zunächst verschiedene Augentests und -untersuchungen, um das Ausmaß der Sehschwäche zu prüfen.

Hinter schlechterem Sehen können aber auch andere Gründe stecken als grauer Star. Um die Diagnose zu sichern, ist eine Spaltlampenuntersuchung geeignet. Die Spaltlampe ist eine Art Lichtmikroskop: Sie leuchtet das Auge so aus, dass der Augenarzt die Augenlinse und die Augenabschnitte dahinter beurteilen kann.

Wenn ein grauer Star angeboren ist, ist es wichtig, die Linsentrübung möglichst bald nach der Geburt zu diagnostizieren: So bestehen gute Aussichten, die Katarakt zu heilen und zu verhindern, dass sich eine Sehschwäche ausbildet.

Grauer Star: Behandlung durch OP

Grauer Star (Katarakt) lässt sich nur durch eine OP erfolgreich behandeln. Denn um dauerhaft wieder besser zu sehen, ist es nötig, die trübe Linse zu entfernen und durch eine künstliche zu ersetzen.

In Deutschland ist grauer Star einer der häufigsten Gründe für eine OP: Jedes Jahr lassen sich hierzulande etwa 800.000 Menschen wegen einer Linsentrübung operieren. Die Katarakt-OP gehört zu den sichersten der gesamten Medizin.

Grauer Star – ab wann operieren?

Grauer Star beeinträchtigt das Sehvermögen – mal schneller, mal langsamer fortschreitend. Ab wann man die Katarakt operieren lassen sollte, lässt sich daher nicht allgemein sagen. In der Regel können Sie den Zeitpunkt der OP selbst wählen – je nachdem, wie stark das eingeschränkte Sehen Ihren Alltag beeinträchtigt.

Solange sich ein grauer Star kaum bemerkbar macht, ist eine OP nicht unbedingt nötig. Je schlechter Sie jedoch sehen, umso höher ist Ihr Risiko, zu stürzen und sich dabei zu verletzen. Und auch das Autofahren kann mit fortschreitender Linsentrübung riskanter werden – vor allem nachts. Wer die Katarakt-OP zu lange hinauszögert, hat also womöglich ein erhöhtes Unfallrisiko.

Besprechen Sie am besten mit Ihrem Augenarzt, ab wann es für Sie sinnvoll ist, den grauen Star operieren zu lassen.

Anders ist die Lage bei Babys mit angeborenem grauen Star: Dann sollte die OP in jedem Fall möglichst bald stattfinden. Denn wenn die Katarakt unbehandelt bleibt, kann sich das Sehen beim Kind nicht richtig entwickeln – und es entsteht eine dauerhafte Schwachsichtigkeit.

Ein grauer Star beim Baby sollte jedoch frühestens nach der vierten Lebenswoche operiert werden. Denn eine Katarakt-OP innerhalb der ersten vier Lebenswochen erhöht das Risiko, dass sich anschließend ein grüner Star (Glaukom) entwickelt.

  • Ein guter Zeitpunkt für die Katarakt-OP bei einem einseitigen angeborenen grauen Star ist die 5. bis 6. Lebenswoche.
  • Bei einem beidseitigen grauen Star kann man mit der Behandlung bis zur 8. Lebenswoche warten – spätestens bis zur 10. Lebenswoche.

Wie läuft die OP ab?

Üblicherweise findet die Katarakt-OP ambulant unter örtlicher Betäubung statt: Dazu bekommen Sie eine Spritze oder Augentropfen. Der Eingriff dauert etwa 20 bis 30 Minuten.

Um die Linse zu entfernen, stehen hauptsächlich zwei OP-Techniken zur Verfügung. Am häufigsten wird bei grauem Star die extrakapsuläre Operation gewählt: Hierbei öffnet der Operateur die vordere Linsenkapsel, um anschließend das Innere der Linse zu entfernen. Meist zerkleinert er dazu den Linsenkern mit Ultraschallwellen und saugt ihn anschließend ab (sog. Phakoemulsifikation). Bei der extrakapsulären OP bleibt die hintere Kapselwand bestehen. Das Auge behält auf diese Weise seine natürliche Barriere zwischen hinterem und vorderem Augenabschnitt.

Um grauen Star noch sicherer zu operieren, versuchen Augenärzte, den Einsatz von Ultraschall bei der extrakapsulären Operation so weit wie möglich zu minimieren. Teils verzichtet man inzwischen sogar völlig auf Ultraschall und zerlegt die Linse stattdessen mit dem Femtosekundenlaser. Wenn der Linsenkern (v.a. wegen weit fortgeschrittener Katarakt) sehr hart ist, kommt diese Methode allerdings nicht infrage. Trotzdem ist damit zu rechnen, dass man bei zukünftigen Staroperationen immer öfter auf Ultraschall verzichtet.

Wenn ein grauer Star aus medizinischen Gründen nicht durch die extrakapsuläre Operation behandelbar ist, bietet sich die intrakapsuläre Augen-OP an: Hierbei entfernt der Operateur die Linse vollständig mitsamt ihrer Kapsel aus dem Auge. Diese Technik wird bei einer Katarakt jedoch nur selten angewendet, da sie häufiger mit Komplikationen verbunden ist als die extrakapsuläre Linsenentfernung.

Linsenersatz

Wenn der Augenarzt bei der Katarakt-OP die trübe Linse entfernt, geht dem Auge ein Teil seines optischen Systems verloren. Ein Linsenersatz kann diesen Verlust ausgleichen. Dafür stehen grundsätzlich drei Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Starbrille
  • Kontaktlinse
  • intraokulare Linse (eine ins Auge gepflanzte Kunstlinse)

Die intraokulare Linse ist der beste und am häufigsten bei grauem Star verwendete Linsenersatz, da sie den natürlichen Bedingungen am nächsten kommt. Die implantierte Kunstlinse bleibt lebenslang im Auge. Es ist also nicht nötig, sie später zu ersetzen oder auszutauschen.

Meistens besteht die intraokulare Linse aus Poly-Methyl-Meth-Acrylat (PMMA), besser bekannt als Plexiglas. Vermehrt kommen bei grauem Star auch Kunstlinsen aus Silikon und Hydrogel zum Einsatz. Je nachdem, wo im Auge das Implantat sitzt, unterscheidet man bei den Kunstlinsen folgende Linsen-Typen:

  • Vorderkammerlinsen
  • irisgetragene Linsen
  • Hinterkammerlinsen

Um grauen Star zu behandeln, verwendet man heutzutage überwiegend Hinterkammerlinsen. Nur in Ausnahmefällen ist es notwendig, bei der Katarakt-OP auf einen anderen Linsen-Typ zurückzugreifen, weil das Einsetzen einer Hinterkammerlinse unmöglich ist.

Wenn grauer Star die einzige Augenerkrankung ist, sind die Erfolgsaussichten der Behandlung sehr gut: Meist gelingt es durch die Katarakt-OP, die volle Sehschärfe wiederherzustellen.

Die bei grauem Star verwendeten Kunstlinsen aus Kunststoff sind jedoch starr. Darum können sie die Funktion der menschlichen Linse – nämlich die Akkommodation (Anpassung der Brechkraft) – nicht übernehmen. Das bedeutet, dass Sie auch nach der Katarakt-OP noch eine Brille benötigen, meistens zum Lesen.

Die neue Brille können Sie etwa vier bis sechs Wochen nach der Katarakt-OP anpassen lassen. Oder Sie lassen sich – anstelle der herkömmlichen Linsen mit einer einzigen Brechungsstärke – Linsen mit zwei oder mehreren Brennpunkten einsetzen: sogenannte Multifokallinsen. Mit einem solchen Linsenersatz kommen Sie im täglichen Leben häufig ohne Brille aus. Mitunter sind jedoch vermehrte Blendungserscheinungen und eine verminderte Kontrastsehschärfe möglich.

Nachbehandlung

Ein grauer Star erfordert nach der OP eine gewissenhafte Nachbehandlung. Das bedeutet zum einen, die verordneten Augenmedikamente anzuwenden und zu den Kontrolluntersuchungen zu gehen. Zum anderen sollten Sie in den ersten Wochen nach der Katarakt-OP folgende Verhaltensmaßnahmen beachten:

  • nicht das Auge reiben und auch ansonsten keinen Druck aufs Auge ausüben,
  • keine körperliche Schwerstarbeit ausüben,
  • keinen Leistungssport treiben,
  • auf Saunagänge verzichten und
  • nicht schwimmen oder baden gehen.

Wer trägt die Kosten der Behandlung?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen bei der Diagnose "grauer Star" die OP-Kosten bei Standardbehandlung (d.h. extrakapsulärer Eingriff mit Ultraschall und Standard-Kunstlinse) – einschließlich Diagnostik, OP-Vorbereitung und Nachbehandlung. Extraleistungen (wie spezielle Linsentypen) muss man in der Regel aus eigener Tasche bezahlen.

Grauer Star: Verlauf

Prognose

Ein behandelter grauer Star (Katarakt) hat meist eine gute Prognose: Die Chancen, mit einer Augenoperation die volle Sehschärfe wiederherzustellen, stehen sehr gut – sofern keine weiteren Augenerkrankungen vorliegen.

Ist ein grauer Star angeboren, hängt die Aussicht auch vom Zeitpunkt der Operation ab: Wenn sich im Verlauf der ersten Lebenswochen bereits eine Sehschwäche entwickelt hat, lässt diese sich auch durch eine spätere Katarakt-OP nicht mehr korrigieren.

Komplikationen der Operation

Ein operativ behandelter grauer Star ist selten mit Komplikationen verbunden. Wenn bei der Katarakt-OP doch einmal Komplikationen auftreten, kann man diese meistens gut behandeln.

Zu den extrem seltenen, aber schwerwiegenden Komplikationen gehören Blutungen aus der Aderhaut ins Augeninnere, die im Verlauf der Operation auftreten können. Zudem können eingeschleppte Keime im Auge zu einer Infektion führen. Sollten Sie nach der Operation Schmerzen, Schwellungen, Rötungen oder starke Sehverschlechterungen feststellen, suchen Sie deshalb sofort Ihren Augenarzt auf: Er verschreibt Ihnen bei Bedarf Antibiotika gegen die Infektion.

Häufiger zieht ein operierter grauer Star einen sogenannten Nachstar nach sich. Diese Komplikation tritt ausschließlich nach der extrakapsulären Katarakt-OP auf: Bei dieser Operationsmethode entfernt der Augenarzt das Innere der Linse, wobei die hintere Kapselwand bestehen bleibt. Wenn diese sich eintrübt, spricht man von einem Nachstar. Um die Eintrübung zu entfernen, reicht meistens eine Laserbehandlung, bei der man mit einem Laserstrahl ein Loch in die hintere Kapselwand brennt.

Grauer Star: Vorbeugen

Einem altersbedingten grauen Star (Katarakt) können Sie nicht sicher vorbeugen. Sie können jedoch das Risiko verringern, indem Sie bei Bedarf Ihre Augen schützen – zum Beispiel durch eine Schutzbrille oder Sonnenbrille. Denn die Linsentrübung kann auch infolge von Augenverletzungen oder Strahleneinwirkungen entstehen.

Ein weiterer bekannter Risikofaktor für grauen Star ist das Rauchen. Sobald Sie mit dem Rauchen aufhören, sinkt das Risiko – allerdings nur langsam: Auch noch 20 Jahre nach dem Zigarettenverzicht ist die Wahrscheinlichkeit, eine Katarakt zu entwickeln, gegenüber lebenslangen Nichtrauchern erhöht. Am besten fängt man also gar nicht erst mit dem Rauchen an.

Einem erblich bedingen grauen Star kann man nicht vorbeugen. Allerdings kann ein angeborener grauer Star auch durch andere Einflüsse entstehen, die Sie teils verhindern können: So ist beispielsweise für Schwangere ein Impfschutz vor Röteln wichtig, da eine Katarakt beim Ungeborenen infolge einer Röteln-Infektion im Mutterleib auftreten kann.