Das Bild zeigt eine Frau, die sich ans Auge fasst und Tabletten in der Hand hält.
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Ektropium (Auswärtskehrung des Augenlids)

Beim Ektropium ist ein Augenlid – meist das Unterlid – so nach außen gewendet, dass seine Innenseite zu sehen ist. Die Folge der Auswärtskehrung des Augenlids: Die Augen tränen oft und sind als Zeichen einer chronischen Bindehautentzündung (Konjunktivitis) gerötet und trocken.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Überblick

Ein Ektropium ist meistens keine angeborene, sondern eine erworbene Fehlstellung des Augenlids. Die Ursachen hierfür können unterschiedlich sein – dementsprechend unterscheidet man bei einem nach außen gekehrten Augenlid mehrere Formen:

  • Am häufigsten erschlaffen im Alter bestimmte Augenmuskeln, sodass das Unterlid der Schwerkraft folgt und nach außen klappt. Dies bezeichnen Augenärzte als Ectropium senile (altersbedingtes Ektropium).
  • Auch durch einen gelähmten Gesichtsnerv (sog. Fazialisparese) kann sich ein Ektropium entwickeln. Die durch Lähmung bedingte Form nennt sich paralytisches Ektropium.
  • Zudem kann die Lidfehlstellung durch Narben (sog. Ectropium cicatriceum bzw. Narbenektropium) oder Tumoren (sog. mechanisches Ektropium) bedingt sein, die das Augenlid auswärts ziehen.
  • Sehr selten kann die Auswärtskehrung des Augenlids auch angeboren sein (sog. kongenitales Ektropium). Dies steht meist in Zusammenhang mit Fehlbildungen wie dem Treacher-Collins-Syndrom.

Ein Ektropium ist anhand der typischen Lidfehlstellung leicht zu diagnostizieren. Welche Behandlungsmaßnahmen gegen die Auswärtskehrung des Augenlids infrage kommen, hängt von deren Ursache ab. Kurzfristig eignen sich Salben oder Augentropfen, während sich ein Ektropium langfristig nur durch eine Operation korrigieren lässt – auch wenn das Augenlid nur leicht auswärts gekehrt ist. Hierbei sorgt der Operateur dafür, dass das Augenlid wieder am Augapfel anliegt.

Rechtzeitig behandelt hat das Ektropium eine gute Prognose: Je nach Ursache heilt es dann ohne Folgeschäden aus.

Damit ein Ektropium gar nicht erst entsteht, ist es grundsätzlich ratsam, Entzündungen der Bindehaut und der Lidränder sorgfältig zu behandeln. Außerdem ist es wichtig, nach Möglichkeit Verletzungen der Augen mit zu vermeiden.

Definition

Ein Ektropium ist eine Lidfehlstellung, bei der das Augenlid vom Augapfel absteht und nach außen gekehrt ist. dadurch ist die normale Schutzfunktion des Augenlids ist eingeschränkt. Die Folgen sind:Das AugeBindehautentzündung (Konjunktivitis)

Ein Ektropium ist in den meisten Fällen nicht angeboren, sondern entsteht aufgrund von Verletzungen oder im Alter. In sehr seltenen Fällen besteht die Auswärtskehrung des Augenlids jedoch von Geburt an (sog. Ectropium congenitum). Beim erworbenen Ektropium unterscheidet man je nach Ursache folgende Formen:

  • altersbedingtes Ektropium (Ectropium senile)
  • Narbenektropium (Ectropium cicatriceum)
  • durch Lähmung bedingtes (paralytisches) Ektropium
  • mechanisches Ektropium

Das altersbedingte Ektropium ist die häufigste Form und kommt nur am Unterlid vor. Bei den anderen Formen hingegen kann die Auswärtskehrung des Augenlids sowohl am Unter- als auch am Oberlid auftreten.

Ursachen

Ein Ektropium kann verschiedene Ursachen haben. Je nachdem, welche das sind, unterscheidet man bei der Auswärtsdrehung eines Augenlids die folgenden Formen:

  • Altersbedingtes Ektropium (Ectropium senile): Die häufigste Ursache ist ein erschlaffter Halteapparat des Unterlids. Das menschliche Auge ist von einem ringförmigen Schließmuskel (Musculus orbicularis oculi) umschlossen. Im fortgeschrittenen Lebensalter verliert dieser Muskel an Spannkraft. Dadurch entsteht ein Missverhältnis zur Zugkraft des Lidöffner-Muskels – das Augenlid rollt sich auswärts. Eine Entzündung des Lidrands und der Bindehaut sowie Wischbewegungen verstärken die Auswärtskehrung des Augenlids.
  • Paralytisches Ektropium: Hier ist die Fehlstellung des Augenlids die Folge einer Lähmung des Augenschließmuskels durch einen geschädigten Gesichtsnerv (sog. Fazialisparese).
  • Narbenektropium: Hierbei sind Narben und eine Schrumpfung der Lidhaut die Ursachen für das auswärts gekehrte Augenlid. Dies kann beispielsweise die Folge einer vorangegangenen kosmetischen Augenlidoperation oder unzureichend behandelter Bindehautentzündungen sein.
  • Mechanisches Ektropium: Diese Form des Ektropiums entsteht beispielsweise durch Tumoren, die das Lid vom Auge wegziehen.
  • Angeborenes Ektropium (Ectropium congenitum): Diese sehr seltene Form hat erbliche Ursachen. Der Grund für eine von Geburt an bestehende Auswärtskehrung des Augenlids ist vermutlich eine fehlende Ausbildung der Lidplatte (Tarsus), die mit Fehlbildungen wie dem wie dem Treacher-Collins-Syndrom einhergehen kann.

Symptome

Das Ektropium ist eine meist auffällige Veränderung am Auge, die durch folgende Symptome gekennzeichnet ist:

  • Die Lidkante ist nach außen gewendet, wobei meist das Unterlid betroffen ist.
  • Dadurch liegt die Bindehaut frei.

Wegen seiner Auswärtskehrung kann das Augenlid seine eigentliche Schutzfunktion nur noch unzureichend erfüllen – die Bindehaut wird freigelegt und trocknet aus. Als weiteres Anzeichen für das Ektropium kann sich daher eine chronische Bindehautentzündung (Konjunktivitis) entwickeln – typische Symptome hierfür sind:Rote Augen (gerötete Augen)Juckreiz (Pruritus)Brennende Augen (Augenbrennen)

Infolge der Auswärtskehrung des Augenlids ist aber nicht nur die Bindehaut ungeschützt: Das Augenlid kann auch die Hornhaut (Kornea) bei einem Ektropium nicht mehr richtig befeuchten, sodass im weiteren Verlauf Symptome einer entzündeten Hornhaut (Keratokonjunktivitis) auftreten. Typische Anzeichen für eine Hornhautentzündung sind, dass:

  • die Hornhaut getrübt ist,
  • das betroffene Auge empfindlicher auf Licht reagiert,
  • das Sehvermögen eingeschränkt ist,
  • der Tränenfluss vermindert ist und
  • meist auch schwache bis starke Augenschmerzen auftreten.
Wenn das Ektropium das Unterlid betrifft, ist außerdem ein tränendes Auge typisch.

Der Grund: Ein hängendes Augenlid hat keinen Kontakt mehr zum Augapfel – also liegt auch das untere Tränenpünktchen, durch das normalerweise die Tränenflüssigkeit abfließt, nicht mehr dem Auge an. Bei einer Auswärtskehrung des unteren Augenlids kann die Tränenflüssigkeit demnach nicht über ihren natürlichen Weg in den Nasen-Rachen-Raum ablaufen, sondern läuft über den Lidrand auf die Wangen: Es entsteht ein als Epiphora bezeichneter Tränenfluss. Die Betroffenen wischen sich ihre Tränen häufig aus dem Auge und verstärken das Ektropium und die damit einhergehenden Symptome dadurch zusätzlich.

Diagnose

Bei einem Ektropium ergibt sich die Diagnose schnell aus der auffälligen Lidfehlstellung: Die Kante des betroffenen Augenlids ist nach außen gewendet, sodass die Bindehaut freiliegt. Wenn – wie meistens – das Unterlid von der Auswärtskehrung betroffen ist, hängt das Augenlid außerdem herab.

Indem der Augenarzt das Auge mithilfe einer Spaltlampe untersucht, kann er feststellen, in welchem Ausmaß die Bindehaut durch das Ektropium gereizt ist: Die freiliegende Bindehaut trocknet leicht aus, weshalb ein auswärts gekehrtes Lid eine chronische Bindehautentzündung (Konjunktivitis) hervorrufen kann.

Auch mögliche Auswirkungen der mangelhaften Befeuchtung der Hornhaut kann der Augenarzt durch eine Untersuchung an der Spaltlampe überprüfen: Ist die Hornhaut (Kornea) durch das Ektropium über längere Zeit unzureichend befeuchtet, kann sie sich ebenfalls entzünden.

Je nach Ursache für das Ektropium können zur weiteren Diagnose zusätzliche Untersuchungen zum Einsatz kommen: Besteht der Verdacht, dass das auswärts gekehrte Augenlid die Folge einer Lähmung ist (sog. paralytisches Ektropium), ist es ratsam, die Funktion des versorgenden Gesichtsnervs (Nervus facialis) mithilfe weiterer Tests zu überprüfen.

Therapie

Bei einem Ektropium hängt die Therapie von der Ursache der Lidfehlstellung ab: Handelt es sich bei der Auswärtskehrung des Augenlids um einen vorübergehenden Zustand, reichen zur Behandlung der Symptome Augentropfen oder -salben oder ein sogenannter Uhrglasverband aus. Mit diesen Maßnahmen können Sie das Auge vor Entzündungen schützen.

Meistens besteht ein Ektropium jedoch langfristig, wie beim häufigen altersbedingt auswärts gekehrten Augenlid. In dem Fall kommt nur eine Operation infrage, um die Lidfehlstellung zu korrigieren. Auch wenn Ihr Augenlid nur in geringem Maß auswärts gekehrt ist, empfiehlt sich eine operative Augenlidstraffung. Dabei strafft der Operateur das erschlaffte Lid und fixiert es so, dass es wieder am Augapfel anliegt.

Wenn Sie ein mechanisches Ektropium haben, das durch einen Tumor entstanden ist, besteht die Therapie normalerweise darin, den Tumor nach Möglichkeit zu entfernen. Hat sich Ihr Augenlid wegen einer Lähmung eines Gesichtsnervs nach außen gekehrt (sog. paralytisches Ektropium), ist eine Lidstraffung nicht unbedingt nötig: Dann können Sie beziehungsweise Ihr Augenarzt vorerst abwarten, ob sich die Lähmung wieder zurückbildet. Dabei ist es ratsam, Ihr Auge zeitweise durch Salben und Tropfen feucht zu halten.

Hat das Ektropium eine chronische Bindehautentzündung verursacht, ist zudem eine Behandlung der betroffenen Augen mit entsprechenden Augentropfen oder Salben hilfreich.

Verlauf

Bei einem Ektropium hängt der Verlauf in hohem Maß vom eigenen Verhalten ab: Bei einer frühzeitig und angemessen behandelten Auswärtskehrung des Augenlids hat das Auge eine gute Prognose. Die Lidfehlstellung heilt dann, je nach Ursache, ohne Folgeschäden aus.

Unbehandelt führt ein Ektropium zunehmend zu Beschwerden: Es entsteht eine chronische Bindehautentzündung (Konjunktivitis). Die dadurch trockenen, gereizten Augen beeinträchtigen das Wohlbefinden der Betroffenen stark.

Da das auswärts gekehrte Augenlid nicht nur die Bindehaut nicht mehr schützen kann, sondern auch die Hornhaut (Kornea) nicht mehr befeuchtet, kann bei einem Ektropium im weiteren Verlauf auch eine Hornhautentzündung (Keratokonjunktivitis) entstehen. Bleibt dies unbehandelt, nimmt die Hornhaut auf Dauer Schaden: Es können sich Narben bilden und die Hornhaut kann sich ablösen. Zu den möglichen Folgen gehören Schmerzen sowie ein stark eingeschränktes Sehvermögen bis hin zur Blindheit.

Vorbeugen

Einem angeborenen Ektropium können Sie nicht vorbeugen. In den meisten Fällen entsteht die Lidfehlstellung aber erst im Laufe des Lebens. Ein solches erworbenes Ektropium können Sie weitgehend verhindern, indem Sie mögliche Auslöser für die Auswärtskippung des Augenlids vermeiden. Hierzu sind folgende Maßnahmen geeignet:

  • Lassen Sie jede Entzündung der Bindehaut (Konjunktivitis) und der Lidränder ( Blepharitis) gründlich behandeln.
  • Versuchen Sie, Verletzungen der Augen zu vermeiden, um einer Narbenbildung und somit einem Narbenektropium vorzubeugen.
  • Führen Sie bei Tränenfluss alle Wischbewegungen nicht nach unten/außen, sondern nach innen/oben aus. Dies gilt vor allem dann, wenn eines Ihrer Lider bereits nicht mehr fest am Augapfel anliegt.