Eine Frau fasst sich ans Gesicht, sie scheint Schmerzen zu haben.
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Fazialisparese (Gesichtslähmung): Ursachen, Symptome und Therapie

Bei der Fazialisparese oder Gesichtslähmung ist die Funktion des Gesichtsnervs gestört. Dadurch wird ein Teil der Gesichtsmuskulatur gelähmt. Hängende Mundwinkel, Sprachstörungen und ein beeinträchtigtes Hörempfinden können die Folge sein. Erfahren Sie, welche Ursachen hinter einer Fazialisparese stecken können und wie sie behandelt wird. 

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zur Fazialisparese

Dabei handelt es sich um eine Lähmung der Gesichtsmuskulatur, die meist einseitig auftritt. Grund ist eine Schädigung des Gesichtsnervs. Fachleute unterscheiden die periphere Fazialisparese (vom Hirnstamm bis zur Ohrspeicheldrüse) und die zentrale Fazialisparese (Schaden ausschließlich im Gehirn). Je nach Ursache und Ausprägung kann die Gesichtslähmung verschiedene Symptome auslösen.  

In den meisten Fällen (70 Prozent) lässt sich keine genaue Ursache für die Fazialisparese feststellen. Fachleute sprechen dann von einer idiopathischen Fazialisparese. Daneben kann die Gesichtslähmung durch eine gestörte Durchblutung, Nervenverletzungen, Hirntumoren und Infektionskrankheiten (z. B. durch das Varicella-zoster-Virus) ausgelöst werden. 

Die Prognose ist insgesamt gut: In den meisten Fällen bildet sich die Fazialisparese in einem Zeitraum von bis zu sechs Monaten selbstständig zurück. Einige Betroffene berichten allerdings von Langzeitfolgen wie Gesichtsasymmetrien. Dabei handelt es sich häufig um ein rein kosmetisches Problem, das behandelbar ist. 

Betroffene können als erste Anlaufstelle die hausärztliche Praxis aufsuchen. Hier erfolgt in der Regel eine Überweisung in eine Hals-Nasen-Ohren-Klinik (HNO). Treten neben der Gesichtslähmung weitere Symptome wie Übelkeit, Schwindel oder Sehstörungen auf, sollten sich Erkrankte möglichst schnell in der Ambulanz vorstellen. 

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache: Wird eine Grunderkrankung wie Diabetes mellitus oder eine Virusinfektion als Auslöser ermittelt, erfolgt eine entsprechende Therapie. Bei einer Fazialisparese ohne erkennbare Ursache wird in der Regel Kortison verabreicht. 

Was ist eine Fazialisparese?

Die Fazialisparese bezeichnet eine Lähmung der Gesichtsmuskulatur in dem Bereich, den der Gesichtsnerv versorgt:

  • Fazialis ist die Kurzbezeichnung für den Gesichtsnerv (Nervus facialis bzw. Fazialisnerv),
  • Parese ist eine Schwäche oder teilweise Lähmung eines Muskels oder einer Muskelgruppe.

Welchen Teil der Gesichtsmuskulatur die Fazialisparese betrifft, hängt davon ab, welche Ursachen die Lähmung hat und wo der Nerv geschädigt ist. Nach dem Ort der Schädigung unterscheiden Fachleute folgende Formen einer Gesichtslähmung:

  • periphere Fazialisparese: Die Schädigung betrifft den Gesichtsnerv direkt. Sie ist peripher, also „am Rand befindlich“ und entsteht auf dem Weg vom Hirnstamm zum Gesicht. Die gesamte betroffene Gesichtshälfte ist gelähmt.
  • zentrale Fazialisparese: In seltenen Fällen entsteht die Schädigung im Inneren des Gehirns. Typischerweise ist das Gesicht nur von einem Auge bis zum Kinn einseitig gelähmt.

Häufigkeit der peripheren Fazialisparese

Schätzungen zufolge tritt die Fazialisparese bei rund sieben bis 32 von 100.000 Menschen im Jahr auf. In den meisten Fällen lässt sich keine Ursache feststellen (idiopathische Fazialisparese). Mit steigendem Lebensalter nimmt die Häufigkeit zu. Außerdem ist während der Schwangerschaft das Risiko, eine idiopathische Fazialislähmung zu entwickeln, fast um das Dreifache erhöht.

Hintergrundwissen: Nervus facialis

Der bei der Fazialisparese in seiner Funktion gestörte Gesichtsnerv ist der siebte Hirnnerv. Hirnnerven entspringen nicht dem Rückenmark, sondern dem Gehirn. Der Nervus facialis übernimmt verschiedene Aufgaben, unter anderem leitet er Befehle weiter. Daraufhin werden Empfindungen (Berührung, Schmerz, Kälte, Geschmack) ausgelöst. Auch die Tränendrüsen werden vom Gesichtsnerv gesteuert. 

Ursachen einer Fazialisparese

Eine Gesichtslähmung hat ihre Ursachen in einer Nervenschädigung, die entweder im Gehirn (zentrale Fazialisparese) oder außerhalb (periphere Fazialisparese) liegt.

In beiden Fällen kann die Nervenschädigung, die hinter der meist halbseitigen Gesichtslähmung steckt, verschiedene Ursachen haben: Für eine zentrale Fazialisparese kommen als Ursachen ein Schlaganfall (Hirninfarkt, Hirnblutung) oder Hirntumor infrage.

Die periphere Fazialisparese kann folgende Ursachen haben:

  • eine gestörte Durchblutung (Ischämie)
  • Gesichtsverletzungen
  • Nervenverletzungen, etwa nach Schädelbruch
  • Hirntumoren 
  • Tumoren im Bereich des Mittelohrs oder der Ohrspeicheldrüse

Wenn ein Hirntumor hinter der Gesichtslähmung steckt, muss möglichst schnell gehandelt werden. Ein Warnzeichen kann sein, dass sich die Fazialisparese nur schleichend entwickelt.

Daneben kann die periphere Fazialisparese auch durch eine Entzündung ausgelöst werden. Eine entzündlich bedingte periphere Gesichtslähmung hat ihre Ursachen wiederum meist in einer Borreliose, eine durch Zecken übertragbare Krankheit.

Fazialisparese durch Ramsay-Hunt-Syndrom

Auch das Varicella-zoster-Virus – ein Herpesvirus – kann als Ursache für eine periphere Fazialisparese infrage kommen. Das Virus ruft Erkrankungen wie Windpocken, Gürtelrose und das Ramsay-Hunt-Syndrom hervor. Diese Erkrankungen können wiederum eine Gesichtslähmung auslösen. Beim Ramsay-Hunt-Syndrom ist in vielen Fällen nicht nur der Gesichtsnerv, sondern auch der Hörnerv betroffen. In diesem Fall sprechen Fachleute von einem Zoster oticus. Dann können zusätzlich Beschwerden wie Gleichgewichtsstörungen, Tinnitus und Schwerhörigkeit bis hin zum kompletten Hörverlust auftreten.

Wesentlich seltener sind folgende Ursachen einer peripheren Fazialisparese:

Idiopathische Fazialisparese: Ursache unklar

In bis zu sieben von zehn Fällen bleiben die Gründe für eine periphere Fazialisparese unklar: Dann liegt eine sogenannte idiopathische Fazialisparese vor (idiopathisch = ohne erkennbare Ursachen). Diese Form der Fazialisparese wird nach dem Londoner Arzt Charles Bell auch als Bell-Lähmung (engl.: Bell's Palsy) bezeichnet.

Typische Symptome bei Fazialisparese

Eine Fazialisparese kann neben Lähmungserscheinungen auch weitere Symptome auslösen. Typisches Anzeichen für die Fazialislähmung ist jedoch die meist halbseitige Lähmung der Gesichtsmuskulatur: In der Regel ist bei der Fazialisparese nur die Gesichtshälfte betroffen, in der auch die Nervenschädigung besteht.

Diese halbseitige Gesichtslähmung führt charakteristischerweise dazu, dass ein Mundwinkel herunterhängt. Hinzu kommt ein kleines Gebiet mit gestörter Empfindung hinter dem Ohr. Die periphere Fazialisparese, die durch direkte Schädigung des Gesichtsnervs entsteht, führt außerdem dazu, dass die Betroffenen ihre Stirn nicht runzeln können.

Die halbseitige Gesichtslähmung entwickelt sich meist innerhalb von ein bis zwei Tagen und kann mit Schmerzen hinter dem Ohr beginnen. Nachfolgend können bei der Fazialisparese je nach Ausprägung folgende Symptome auftreten:

  • erweiterte Lidspalte: Die Betroffenen können das Augenlid nicht vollständig schließen.
  • beeinträchtigte Wortbildung und Sprachstörungen (Aphasie) aufgrund der Schwäche der Wangen- und Lippenmuskulatur
  • positives Bell-Phänomen: Bei unvollständigem Lidschluss bewegt sich der Augapfel nach oben.
  • verstrichene Stirn- und Nasolabialfalte: Zwischen Nase und Mundwinkel sowie auf der Stirn sind keine Falten mehr sichtbar.
  • Geräuschempfindlichkeit (Hyperakusis)
  • Geschmacksstörungen, wenn der Zungennerv betroffen ist
  • verminderte Tränen- und Speichelsekretion

Entsteht die Gesichtslähmung aufgrund einer Schädigung von Nervenzellen im Gehirn (zentrale Fazialisparese), ist vor allem die mimische Muskulatur im Mundbereich betroffen. Anders als bei der peripheren Fazialisparese ist die Stirnmuskulatur dann nicht gelähmt.

Fazialisparese: Wie wird die Diagnose gestellt?

Bei einer Fazialisparese stellt der*die Arzt*Ärztin die Diagnose anhand der Lähmungserscheinungen der Gesichtsmuskeln, die im Versorgungsgebiet des betroffenen Gesichtsnervs liegen. Erste Hinweise auf die möglichen Ursachen ergeben sich durch die genaue Erhebung der Krankheitsgeschichte (Anamnese). Zudem kann der*die Mediziner*in versuchen, den Lidschlussreflex (Orbicularis-oculi-Reflex) auszulösen: Bei der Fazialisparese gelingt dies nicht.

Um die Ursache der Fazialisparese festzustellen, ist zunächst eine Blutentnahme nötig – dadurch lassen sich zum Beispiel folgende Ursachen ausschließen:

  • Borreliose
  • Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus oder Varicella-zoster-Virus
  • Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
  • Diabetes mellitus

Um das Ausmaß der Fazialisparese zu untersuchen, können bei der Diagnose verschiedene Tests zum Einsatz kommen:

  • Eine Geschmacksprüfung zeigt, ob die Geschmacksnervenbahn von der Fazialislähmung betroffen ist.
  • Der sogenannte Schirmer-Test gibt Aufschluss über den Tränenfluss: Dazu wird nach der Betäubung der Bindehäute ein schmaler Filterpapierstreifen in das Unterlid beider Augen gelegt. So lässt sich im Seitenvergleich prüfen, ob in einem Auge ein verminderter Tränenfluss vorliegt.
  • Eine Röntgenaufnahme des Schädels zeigt, ob die Nervenfunktion womöglich durch Brüche oder knöcherne Veränderungen beeinträchtigt ist.
  • Mithilfe der Elektromyographie (EMG) – einer Methode zur Messung der elektrischen Ströme im Muskel – kann eine Störung der Nervenleitung festgestellt werden. Zudem werden weitere Hirnnerven geprüft, um auszuschließen, dass sie an der Gesichtslähmung beteiligt sind.

Im Einzelfall sind bei einer Fazialisparese zur Diagnose weitere Spezialuntersuchungen nötig: So ist zum Beispiel eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) hilfreich, um einen Hirntumor als Auslöser der Gesichtslähmung auszuschließen. Außerdem besteht die Möglichkeit, die Rückenmarksflüssigkeit auf Krankheitserreger zu untersuchen (sog. Lumbalpunktion).

Therapie: Behandlung der Fazialisparese

Bei einer Fazialisparese hängt die Therapie vor allem von der Ursache ab: Die typischerweise einseitige Gesichtslähmung bessert sich, wenn sie durch eine Grunderkrankung bedingt ist und gegen diese eine gezielte Behandlung erfolgt. So ist es beispielsweise hilfreich:

  • bei Diabetes mellitus den Blutzucker einzustellen,
  • eine Gesichtslähmung durch Zoster oticus mit Aciclovir zu behandeln und
  • bei durch Borreliose verursachter Gesichtslähmung Antibiotika zu verabreichen.

Hat ein durchtrennter Gesichtsnerv infolge einer Kopfverletzung eine periphere Fazialisparese verursacht, kann die Therapie in einer Operation in Form einer Nerventransplantation bestehen: Deren Ziel ist es, die Nervenenden wieder miteinander zu verbinden. Auch ein freier funktioneller Muskeltransfer (FFMT) kann eine Möglichkeit sein.

Behandlung der Symptome

Bei jeder Fazialisparese ist außerdem eine Therapie wichtig, die auf die Symptome abzielt. Solange Erkrankte aufgrund der Fazialisparese ihr Auge nicht vollständig schließen können, ist es nötig, dieses mit Augensalbe, künstlicher Tränenflüssigkeit und (beim Schlafen) mit einem Verband zu schützen, damit die Hornhaut nicht austrocknet. Ohne diese Maßnahmen besteht das Risiko, dass Betroffene ein Hornhautgeschwür entwickeln.

Bleibt der unzureichende Lidschluss trotz Behandlung der Fazialisparese bestehen, haben Patient*innen die Möglichkeit, das Oberlid beschweren zu lassen – zunächst vorübergehend durch äußerlich angebrachte Bleigewichte, dann eventuell auf Dauer durch unter die Haut eingepflanzte Gold- oder Platingewichte. Bei einer Gesichtslähmung ohne erkennbare Ursache sind zur Therapie außerdem Kortikosteroide (z. B. Kortison) in Tablettenform ratsam.

Behandlung: Ambulant oder stationär?

In der Regel kann die Behandlung einer Fazialisparese ambulant erfolgen. Eine stationäre Behandlung ist ratsam, wenn

  • sich die idiopathische Gesichtslähmung durch eine doppelseitige Lähmung äußert,
  • zusätzlich andere Hirnnerven beteiligt sind oder
  • sonstige Komplikationen auftreten.

Zudem sind – unabhängig von der Ursache und dem Schweregrad – bei jeder Fazialisparese zur Therapie auch Übungen für die Gesichtsmuskulatur empfehlenswert. Wichtig ist, dass diese Bewegungsübungen frühzeitig und regelmäßig unter Anleitung und Kontrolle eines*einer Physiotherapeut*in stattfinden. Gegen unwillkürliche Mitbewegungen einzelner Gesichtsmuskeln, die als störend empfunden werden (etwa ein nicht beeinflussbarer Lidschluss beim Sprechen), steht zudem Botulinumtoxin zur Verfügung: Dieses Mittel kann in den entsprechenden Muskel gespritzt werden und so die störenden Muskelbewegungen verringern.

Fazialisparese: Verlauf

Bei einer Fazialisparese bestehen gute Chancen auf einen günstigen Verlauf: Ist keine Ursache für die Gesichtsmuskellähmung festzustellen, verläuft sie in mehr als 80 Prozent der Fälle gut und bildet sich innerhalb von sechs Wochen bis sechs Monaten von selbst zurück. Auch eine Fazialislähmung infolge eines Unfalls hat gute Heilungschancen.

Bei vielen Menschen mit Gesichtslähmung bleiben allerdings auch nach optimaler Behandlung unauffällige Mitbewegungen der mimischen Muskulatur (sog. Synkinesien) bestehen. In weniger als 10 von 100 Fällen ist mit dauerhaften Asymmetrien des Gesichts zu rechnen, die auch kosmetisch ein Problem darstellen können.

Krokodilstränen-Phänomen als Erkrankungsfolge möglich

Beim Krokodilstränen-Phänomen ist der Tränenfluss beim Essen einseitig verstärkt. Grund ist eine falsche Vernetzung zwischen Geschmacksfasern und Tränendrüse bei der Neubildung von Nervenfasern, die entsteht, wenn die Gesichtslähmung fehlerhaft abheilt. Zudem kommt es in etwa sieben von 100 Fällen einer idiopathischen Fazialisparese später erneut zur Lähmung auf derselben oder der anderen Gesichtshälfte.

Lässt sich einer Fazialisparese vorbeugen?

Einer Fazialisparese lässt sich nur bedingt vorbeugen, da ihre Ursache häufig unbekannt ist. So ist es zum Beispiel ratsam, mögliche ursächliche Erkrankungen frühzeitig ärztlich behandeln zu lassen, um eine Lähmung der Gesichtsmuskulatur zu verhindern. Infektionen oder Stoffwechselstörungen (wie das Ramsay-Hunt-Syndrom oder Diabetes mellitus) und Veränderungen im Nervenverlauf oder im Gehirn sind so zu behandeln, dass eine Fazialisparese möglichst nicht entsteht.