Aciclovir

Allgemeines

Aciclovir wird bei Infektionen mit Herpesviren eingesetzt. Es gibt verschiedene Herpesviren, die eine Vielzahl von Erkrankungen hervorrufen. Bekanntester Vertreter ist das Herpes-simplex-Virus Typ I, der Erreger des Lippenherpes. Aber auch die Windpocken und die Gürtelrose (Herpes Zoster) sowie Augeninfektionen durch Herpesviren und Herpes an den Geschlechtsorganen werden durch diese Virengruppe verursacht und können mit dem Wirkstoff behandelt werden.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Infektionen mit Herpesviren behandeln wie Lippenherpes, Windpocken, Gürtelrose, Augeninfektionen durch Herpesviren (auch Bindehautentzündungen), Herpes an den Geschlechtsorganen, schwere Hautinfektionen sowie Herpes-simplex-Enzephalitis (Entzündung des Gehirns durch Herpes-simplex-Viren)
  • Juckreiz und leichte bis mäßig starke Schmerzen bei Lippen- oder Genitalherpes lindern
  • Infektionen mit Varicella-Zoster-Viren oder schwere Herpesinfektionen bei immungeschwächten Erwachsenen vorbeugen
  • Wiederauftreten schwerer Herpesinfektionen des Genitalbereichs verhindern.

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Aciclovir im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Aciclovir nicht verwendet werden?

Der Wirkstoff darf bei Überempfindlichkeit gegen Aciclovir nicht angewendet werden. Zur äußerlichen Anwendung als Creme oder Salbe darf der Wirkstoff bei schweren Störungen der körpereigenen Immunabwehr sowie auf Schleimhäuten wie beispielsweise am Auge, in der Mundhöhle oder in der Scheide ebenfalls nicht eingesetzt werden.

Die Einnahme oder Infusion von Aciclovir darf bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion oder fehlender Harnabsonderung (Anurie) nur nach sorgfältiger ärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Sollte eine Behandlung mit Aciclovir während der Schwangerschaft erforderlich werden, muss der Arzt Nutzen und Risiko bei allen Anwendungsformen sorgfältig gegeneinander abwägen.

Zwar geht der Wirkstoff in die Muttermilch über, doch sind bisher keine Nachteile für gestillte Kinder bekannt geworden. Die direkte Gabe von Aciclovir in den Blutkreislauf als intravenöse Infusion ist allerdings während der Stillzeit nicht erlaubt.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Zur Behandlung von Herpes-simplex-Infektionen können auch Kinder den Wirkstoff erhalten.

Welche Nebenwirkungen kann Aciclovir haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Aciclovir. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Äußerliche Anwendung
Häufige Nebenwirkungen:
Rötung, trockene Haut, Juckreiz, Hautabschuppung.

Seltene Nebenwirkungen:
Kontaktdermatitis.

Nebenwirkungen ohne Häufigkeitsangabe:
Hautbrennen, Hautstechen.

Anwendung als Infusion
Häufige Nebenwirkungen:
Blutgefäßentzündung, Übelkeit und Erbrechen, Juckreiz, Nesselsucht, Hautausschlag (einschließlich Lichtempfindlichkeit), vorübergehender Anstieg der Leber-Enzym-Werte (ASAT, ALAT, Gamma-GT), Anstieg von Harnstoff im Blut, Anstieg von Kreatinin im Blut.

Gelegentlich:
Blutarmut, Mangel an Blutplättchen, Mangel an weißen Blutkörperchen.

Sehr selten:
allergischer Schock, Kopfschmerzen, Schwindel, Unruhe, Verwirrtheit, Zittern, Gangstörungen, Sprechstörungen, Wahnvorstellungen, Psychosen, Krampfanfälle, Schläfrigkeit, Gehirnerkrankung, Koma, Atembeschwerden, Durchfall, Bauchschmerzen, vorübergehender Anstieg von Bilirubin im Blut, Gelbsucht, Leberentzündung, Nierenfunktionsstörungen, akutes Nierenversagen, Nierenschmerzen, Abgeschlagenheit, Fieber, örtliche Entzündungsreaktionen (wenn die Vene nicht getroffen wurde).

Einnahme
Gelegentliche Nebenwirkungen:
Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut wie Hautausschlag; Magen-Darm-Störungen wie Übelkeit und Erbrechen; Durchfall und Bauchschmerzen; Schwindel; Verwirrtheitszustände; Wahnvorstellungen; Schläfrigkeit; vermehrte Haarausdünnung; Blut-Bilirubin-Wertanstieg, Blut-Leber-Enzym-Wertanstieg, Blut->Harnstoff-Wertanstieg, Blut-Kreatinin-Wertanstieg, Blutzellenverminderung.

Seltene Nebenwirkungen:
Kopfschmerzen; Abgeschlagenheit; Schlaflosigkeit; Müdigkeit; Atembeschwerden.

Vereinzelte Nebenwirkungen:
Entfremdungserlebnisse.

Besonderheiten:
Die nervenbedingten Nebenwirkungen werden durch eine eingeschränkte Nierentätigkeit oder andere schwere Erkrankungen begünstigt.

Bei direkter Gabe von Aciclovir in den Blutkreislauf und komplizierten Krankheitsverläufen kann es zu Krampfanfällen und Psychosen kommen.

Welche Wechselwirkungen zeigt Aciclovir?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Durch die gleichzeitige Einnahme des Magenmittels Cimetidin oder von Probenecid, einem Gichtmittel, wird die Ausscheidung von Aciclovir verringert. Dadurch kann es zu überhöhten Aciclovir-Konzentrationen im Blut kommen, was das Risiko für Nebenwirkungen erhöht.

Für die äußerliche Anwendung von Aciclovir sind keine Wechelswirkungen bekannt.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Während einer Schwangerschaft darf das Medikament nicht in Tablettenform eingenommen werden.
  • Bei eingeschränkter Nierenfunktion ist das Medikament nur mit Vorsicht anzuwenden.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Aciclovir?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Aciclovir enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

So wirkt Aciclovir

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Aciclovir. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen virenhemmende Mittel, Herpesmittel, zu welcher der Wirkstoff Aciclovir gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Aciclovir

Aciclovir wird bei Infektionen mit Herpesviren eingesetzt. Es gibt verschiedene Herpesviren, die eine Vielzahl von Erkrankungen hervorrufen. Bekanntester Vertreter ist das Herpes-simplex-Virus Typ I, der Erreger des Lippenherpes. Aber auch die Windpocken und die Gürtelrose (Herpes Zoster) sowie Augeninfektionen durch Herpesviren und Herpes an den Geschlechtsorganen werden durch diese Virengruppe verursacht und können mit dem Wirkstoff behandelt werden.

Dabei wird Aciclovir zur Linderung von Juckreiz sowie leichten bis mäßig starken Schmerzen in Form von Cremes hauptsächlich zur äußerlichen Behandlung von Herpesinfektionen der Lippen oder Geschlechtsorgane angewandt. Bei langfristiger Anwendung kann der Wirkstoff das Wiederauftreten schwerer Herpesinfektionen im Genitalbereich verhindern.

Für Augeninfektionen durch Herpesviren, unter anderem auch Bindehautentzündungen, gibt es spezielle Augencremes und -salben mit dem Wirkstoff.

Die Tablettenform und die Lösung (Suspension) zum Trinken enthalten höhere Wirkstoffdosen Aciclovir. Die 200-Milligramm-Tabletten werden daher auch zur Vorbeugung und Therapie von schweren wiederkehrenden Infektionen der Haut und Schleimhäute mit Herpes-simplex- oder Herpes-genitalis-Viren genutzt.

Eine schwere Hautinfektion wie die Gürtelrose wird mit Aciclovir-400-Milligramm beziehungsweise -800-Milligramm-Tabletten oder mit Infusionen behandelt. Diese beiden Darreichsformen sind außerdem zur Vorbeugung gegen Infektionen mit Varicella-Zoster-Viren zugelassen.

Durch Varizellen- oder Herpes-simplex-Viren verursachte Infektionen betreffen häufig Menschen mit einem geschwächten Immunsystem. Die Ursache hierfür kann entweder eine angeborene oder im Laufe des Lebens erworbene Immunschwäche, ein so genannter sekundärer Immundefekt, sein. Letzterer kann während einer immunsuppressiven (das Immunsystem unterdrückenden) Therapie nach Organtransplantationen oder bei Krebsbehandlungen mit Zytostatika) auftreten. Bei diesen Patienten mit erhöhtem Infektionsrisiko kann der Wirkstoff vorbeugend als Aciclovir-Infusionen oder -Tabletten verabreicht werden.

Bei der Behandlung der gefährlichen Herpes-simplex-Enzephalitis (Entzündung des Gehirns durch Herpes-simplex-Viren) kommen ebenfalls Infusionslösungen mit Aciclovir zum Einsatz.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Aciclovir sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Aciclovir

Aciclovir gehört zur Wirkstoffgruppe der Herpesmittel und wirkt gegen Herpesviren, indem es die Vermehrung der Viren verhindert.

Der Wirkstoff ist ein so genanntes Prodrug (Vorstufe). Es wird erst nach dem Eindringen in ein Virus von dessen eigenen Enzymen in die wirksame Form Aciclovir-Triphosphat umgewandelt. Vereinfacht kann man sagen, dass das Virus sein eigenes
Gegenmittel herstellt. Das hierbei entstandene Aciclovir-Triphosphat hemmt einerseits das für die Vermehrung des Virus notwendige Enzym Virus-DNS-Polymerase. Andererseits wird es aber auch in das Erbgut des Virus eingebaut. Der falsche Baustein führt zum Abbruch der Eiweiß-Produktion und damit auch dieer Vermehrung von Herpes-simplex-Viren und Varicella-Zoster-Viren in den befallenen Körperzellen. Örtlich angewendetes Aciclovir wirkt gezielt auf befallene Körperstellen. Eingenommenes Aciclovir in Tablettenform kann eine Ausbreitung der Viren in den gesamten Körper verhindern. Je früher mit der Anwendung begonnen wird, umso besser ist die Wirkung.

Aciclovir kann auch die Nervenschmerzen bei einer Gürtelrose lindern. Welcher Wirkmechanismus dafür verantwortlich ist, ist jedoch noch nicht geklärt.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt oder Apotheker oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.