Man sieht eine müde, blonde Frau.
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Müdigkeit

Müdigkeit ist meist ein ganz normaler, nicht krankhafter Zustand: Dahinter können körperliche oder seelische Anstrengungen stecken – und natürlich zu wenig Schlaf. Wenn man sich allerdings müde fühlt, ohne dass dies durch Anstrengung oder Schlafmangel zu erklären ist, kann das ein Symptom für eine Erkrankung sein.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Müdigkeit: normal oder krankhaft?

Nur sehr wenige Menschen suchen einen Arzt auf, weil sie sich müde und abgeschlagen fühlen. Oft geschieht dies erst, wenn eine scheinbar grundlose Müdigkeit den Alltag beeinträchtigt. Dabei kann die Abgeschlagenheit dadurch entstehen, dass man sich entweder dauernd müde fühlt (sog. Dauermüdigkeit) oder zu schnell ermüdet.

Das Gefühl der Erschöpfung, das sich bei Müdigkeit breitmacht, äußert sich zum einen durch körperliche Schlappheit und eine Neigung einzuschlafen. Zum anderen wirkt sich die Übermüdung auch auf nicht-körperliche Bereiche aus: Wer müde und schlapp ist, …

  • … fühlt sich lust- und antriebslos (= emotionale Aspekte),
  • … ist in seiner geistigen Leistungsfähigkeit eingeschränkt (= kognitiver Aspekt) und
  • … zeigt einen Leistungsknick (= Verhaltensaspekt).

Die möglichen Gründe für Müdigkeit sind vielfältig. Dass chronische (d.h. andauernde) Müdigkeit und die damit verbundenen Einschränkungen durch Schlafstörungen bedingt sein können, ist einleuchtend: Der Schlaf dient der Erholung und ist wichtig dafür, dass das Immunsystem funktioniert. Darüber hinaus kann der Mensch im Schlaf sein Gedächtnis und Erlerntes festigen.

Neben einem gestörten Schlaf kann extreme Müdigkeit aber viele weitere Ursachen haben. Dazu gehören vor allem Virusinfektionen der Atemwege. Doch auch andere Erkrankungen, seelische Störungen oder verschiedene Medikamente können dafür verantwortlich sein, dass man sich schnell oder ständig müde fühlt. Nicht zuletzt können die eigene Lebensweise (z.B. Alkoholkonsum) oder Umwelteinflüsse dahinterstecken.

Dabei bedeutet müde nicht gleich müde: Die Ausprägung kann von leichten Beschwerden einer Übermüdung bis zum chronischen Müdigkeitssyndrom reichen, bei dem eine bleierne Müdigkeit die Leistungsfähigkeit und Lebensqualität stark mindert.

Über 30 Prozent der deutschen Bevölkerung sind manchmal oder häufig so müde, dass sie sich davon beeinträchtigt fühlen. Frauen empfinden häufiger eine so starke Müdigkeit als Männer. Angehörige höherer sozialer Schichten und Menschen in Partnerschaften sind seltener betroffen.

Ursachen

Müdigkeit kann verschiedene Ursachen haben: So kann eine körperliche oder seelische Anstrengung müde machen, aber auch ein unbefriedigtes Schlafbedürfnis. Neben diesen einfachen, nicht krankhaften Gründen kann Ermüdung allerdings auch ein Symptom für eine Störung oder Erkrankung sein.

Oft sind eine Virusinfektion der Atemwege oder Schlafstörungen (z.B. Schlafapnoe) verantwortlich für eine ständige (chronische) oder extreme Müdigkeit. Weitere mögliche organische Ursachen sind:

In den meisten Fällen ist Müdigkeit kein Anzeichen für Krebs – dennoch ist es ratsam, auf Nummer sicher zu gehen: Wer sich schnell oder immer müde und schlapp fühlt, sollte zum Arzt gehen. Dieser kann mithilfe verschiedener Untersuchungen erkennen, ob die Beschwerden auf Krebs hinweisen oder nicht.

Doch nicht immer hat eine krankhafte Müdigkeit körperliche Ursachen. Auch seelische Störungen und psychosoziale Belastungen (wie Depressionen und Angststörungen) können dazu führen, dass man ständig müde ist.

Des Weiteren können viele Medikamente eine scheinbar grundlose Müdigkeit verursachen. So kann zum Beispiel eine Behandlung mit folgenden Mitteln als Nebenwirkung dazu führen, dass man sich müde fühlt:

Ebenso können alle suchterzeugenden Substanzen müde machen – dies gilt vor allem für Alkohol. Außerdem kommen für eine krankhaft häufige oder ständige Müdigkeit verschiedene Umwelteinflüsse als Ursachen infrage – wie:

  • Blei
  • Amalgam
  • Kohlenmonoxid
  • Kohlenwasserstoffe

Diagnose

Sucht jemand wegen Müdigkeit einen Arzt auf, besteht der erste Schritt zur Diagnose in einer ausführlichen Befragung – um beispielsweise Folgendes zu klären:

  • Ausmaß der Müdigkeit: Verspüren Sie eher einen Energiemangel oder Schläfrigkeit oder sind Sie oft so müde, dass Sie einnicken?
  • Dauer der Müdigkeit: Seit wann fühlen Sie sich ständig müde und schlapp?
  • Tageszeitlicher Verlauf: Sind Sie schon morgens immer müde oder setzt die Müdigkeit später ein? Sind Sie dann gleichbleibend müde oder nimmt die Müdigkeit und Abgeschlagenheit im Lauf des Tages zu / ab?

Um die Ursache einer Müdigkeit abzuklären, sind auch Informationen zur beruflichen, familiären und sonstigen sozialen Situation wichtig. Darüber hinaus können für die Diagnose weiterführende Angaben hilfreich sein. So wird der Arzt beispielsweise wissen wollen, …

  • … wie lange Sie schlafen und wie Ihre Schlafqualität ist,
  • … ob Sie auffällig zu- oder abgenommen haben,
  • … ob Sie schnarchen,
  • … welche Medikamente Sie einnehmen,
  • … ob bestimmte Umwelteinflüsse eine Rolle spielen könnten.

Um nach organischen Ursachen der Müdigkeit zu suchen, ist eine körperliche Untersuchung nötig: Hierbei tastet der Arzt vor allem die Leber, Milz und Lymphknoten ab, hört das Herz und die Lunge ab und kontrolliert die oberen Atemwege und Schleimhäute. Außerdem ist es ratsam, Muskelkraft und -reflexe zu kontrollieren.

Je nachdem, welche Gründe der Arzt hinter der Müdigkeit vermutet, können weitere Untersuchungen folgen, zum Beispiel:

Therapie

Ihre Müdigkeit hat keine organische Ursache? Dann reicht zur Therapie in der Regel völlig aus, was Sie selbst tun können, um gegen die Müdigkeit anzugehen.

Tipps gegen Müdigkeit:

  • Versuchen Sie, ausreichend zu schlafen.
  • Halten Sie nach Möglichkeit einen gleichbleibenden Tagesrhythmus ein.
  • Regen Sie Ihren Kreislauf nach dem Aufstehen durch Wechselduschen an.
  • Machen Sie regelmäßig Spaziergänge an der frischen Luft.
  • Verzichten Sie auf Beruhigungsmittel und Alkohol.
  • Schränken Sie den Konsum von Kaffee, Tee und Schokolade ein.
  • Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.

Sind Sie müde, weil Sie nicht ein- oder durchschlafen können, können Sie – aber in Absprache mit einem Arzt und wenn andere Ursachen ausgeschlossen sind – vorübergehend Schlafmittel (z.B. Doxylamin, Flurazepam) einnehmen, um Ihre Schlafstörungen zu lindern und so die Müdigkeit zu bekämpfen. Um leichte Schlafstörungen zu behandeln, können Sie auch auf pflanzliche Mittel zurückgreifen. Oft sind zum Beispiel schon folgende Mittel ausreichend:

Ist eine andere Grunderkrankung (z.B. Atemwegsinfektion durch Viren, Schilddrüsenunterfunktion, Diabetes mellitus) für Ihre Müdigkeit verantwortlich, steht die Therapie dieser Erkrankung im Vordergrund.