Ärztin ist ausgebrannt bei der Arbeit.
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Burnout: Wenn Stress im Job krank macht

Der Begriff Burnout kam erstmals Mitte der 1970er Jahre auf und ist inzwischen weit verbreitet. Welche Anzeichen und Symptome auf einen Burnout hinweisen und wie die Therapie aussieht.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Häufige Fragen zum Burnout

Ein gutes Stressmanagement kann ersten Anzeichen eines Burnouts entgegenwirken. Dazu gehört:

  • Pausen und Auszeiten nehmen
  • soziale Kontakte pflegen
  • Dingen nachgehen, die einem selbst guttun, wie Hobbys, Sport etc.
  • Entspannungstechniken anwenden wie Meditation, Yoga oder autogenes Training

Es wird von etwa 10 Prozent der Bevölkerung ausgegangen, Tendenz steigend. Seit Jahren nimmt die Zahl der Krankschreibungen und auch Berufsunfähigkeiten durch psychische Erkrankungen wie Burnout zu.

Frauen sind etwas häufiger von Burnout betroffen als Männer. Dies könnte an einer hohen Zahl von Frauen in häufig betroffenen Berufsgruppen (wie der Pflege und im Schuldienst) liegen.

Mütter sind sogar besonders gefährdet für Burnout, da sie unter Dauerbelastung stehen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf immer noch schwer ist.

Was ist ein Burnout?

Unter dem Begriff Burnout versteht man einen Zustand totaler körperlicher, emotionaler und geistiger Erschöpfung sowie verringerter Leistungsfähigkeit. Übersetzt bedeutet der aus dem Englischen stammende Begriff Burnout so viel wie "Ausbrennen" oder "Ausgebranntsein". Menschen mit Burnout fühlen sich extrem erschöpft und innerlich leer.

Vor allem Menschen, die stark in ihrem Beruf aufgehen und sich dabei für andere Menschen aufopfern, sind häufig vom Burnout-Syndrom betroffen. Prinzipiell kann jedoch jeder Mensch, unabhängig vom Beruf, am Burnout-Syndrom erkranken, zum Beispiel auch durch familiäre Belastungen. Oft stellen Betroffene die eigenen Bedürfnisse stark in den Hintergrund.

Schätzungen zufolge tritt bei etwa zehn Prozent aller Personen, die in Risikoberufsgruppen arbeiten, ein Burnout-Syndrom auf.

Aus wissenschaftlicher Sicht besteht jedoch bislang keine Klarheit darüber, wie genau sich ein Burnout-Syndrom definiert. Sichere Aussagen über die Häufigkeit lassen sich deshalb nicht wirklich treffen. Selbst wenn in den Medien immer wieder teils beeindruckende Zahlen verbreitet werden: Zuverlässige Daten gibt es im Grunde nicht.

Burnout ist nicht direkt als Krankheit, aber als Syndrom von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) anerkannt. Laut Definition ist Burnout ein Syndrom, das durch "Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich bewältigt werden kann" entsteht.

Symptome und Anzeichen für einen Burnout

Burnout ist kein einheitliches Krankheitsbild. Vielmehr können dabei verschiedenste körperliche oder psychische Symptome auftreten, die sich nicht plötzlich, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg entwickeln.

Für die körperlichen Symptome finden sich beim Burnout-Syndrom jedoch keine organischen Ursachen – denn diese entstehen psychosomatisch. Das bedeutet, psychische Belastungen äußern sich durch körperliche Beschwerden (psychosomatisch).

Beim Burnout-Syndrom können unter anderem folgende körperliche Symptome auftreten:

Häufige psychische Anzeichen für Burnout sind zum Beispiel:

  • sinkendes Selbstvertrauen
  • stärkere Verletzlichkeit in Bezug auf Enttäuschungen oder Verluste
  • erhöhte Stressanfälligkeit
  • erhöhte Konflikte im privaten und beruflichen Umfeld
  • Vernachlässigung sozialer Kontakte
  • sinkende Arbeitszufriedenheit
  • Anzeichen einer Depression, wie gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit oder Interessenverlust
  • Distanzierung von der Arbeit ("innere Kündigung")
  • Missbrauch von Substanzen wie Alkohol oder Medikamenten
  • begegnen von Situationen überwiegend mit Zynismus, Ironie oder Sarkasmus
  • nicht mehr abschalten können nach der Arbeit

Was sind Ursachen für einen Burnout?

Die genauen Ursachen für das Burnout-Syndrom sind noch nicht ausreichend geklärt. Sicher scheint, dass die Ursachen stark variieren können – Gemeinsamkeiten gibt es dennoch.

Meist spielen bei einem Burnout starke Belastungen verschiedenster Art beziehungsweise über lange Zeit andauernder Stress in Beruf oder Familie eine Rolle. Insbesondere, wenn die eigene Leistung nicht oder nur wenig anerkannt wird und Betroffene gleichzeitig Stress unzureichend ausgleichen. Häufig achten Menschen, die an Burnout erkranken, nicht genug darauf, sich Phasen der Ruhe und Entspannung zu gönnen und verdrängen Warnsignale der Überforderung über lange Zeit.

Mögliche Ursachen für einen Burnout finden sich häufig in den Belastungen beziehungsweise Überlastungen des jeweiligen Berufsumfeldes. Hierzu zählen unter anderem:

  • schlechtes Betriebsklima
  • übermäßiger Stress und Überforderung
  • schwelende Konflikte
  • unklare Hierarchien
  • Mobbing
  • Angst vor Arbeitsplatzverlust
  • mangelnde Anerkennung

Bestimmte Berufsbereiche scheinen ein besonders hohes Risiko für Burnout mit sich zu bringen. Das gilt zum Beispiel für:

  • Pflegeberufe und Ärzt*innen
  • Sozialarbeit
  • Angestellte in Schulen und Kindergärten

Vermutlich begünstigt letztlich das Zusammenspiel aus psychischen Faktoren und Belastungen bei der Arbeit das Entstehen eines Burnout-Syndroms. Aber auch andere Gruppen können vom Burnout-Syndrom betroffen sein. Oft erkranken zum Beispiel Menschen mit starker familiärer Belastung an Burnout.

Insgesamt scheint das Burnout-Syndrom eine Folge von ausgeprägtem Idealismus, überhöhten Erwartungen an den Job und der alltäglichen Wirklichkeit zu sein. Vor allem Menschen, die mit viel Engagement für andere da sind, deren Leistungen aber kaum durch Vorgesetzte anerkannt werden, haben ein erhöhtes Risiko, sich innerlich zu verausgaben.

Weitere Risikofaktoren für Burnout sind unter anderem:

  • ausgeprägter Perfektionsdrang
  • starker Ehrgeiz
  • starkes Verantwortungsbewusstsein
  • Drang, alles alleine managen zu wollen

Burnout ist das Ergebnis eines längeren Prozesses, bei dem eine anfänglich starke Begeisterung schließlich in Ernüchterung, Frustration und Gleichgültigkeit umschlägt.

Wie erfolgt die Diagnose Burnout?

Betroffene mit Burnout bemerken meist zuerst die einzelnen körperlichen oder psychischen Beschwerden und suchen in der Regel deswegen ärztlichen Rat. Um festzustellen, ob hinter den Symptomen ein Burnout steckt, müssen zuerst körperliche Ursachen ausgeschlossen werden.

Sind keinerlei körperliche Ursachen zu finden, ist möglicherweise eine psychologische Beratung sinnvoll. Bei dieser kann man sich mit der individuellen Lebenssituation der Betroffenen auseinandersetzen, berufliche, familiäre oder partnerschaftliche Aspekte beleuchten und Überlastungssituationen ausmachen. Denn als mögliche Ursache für die Beschwerden müssen psychische Erkrankungen wie etwa eine Depression ausgeschlossen werden, obwohl diese nicht immer klar vom Burnout-Syndrom abzugrenzen ist.

Weitere Erkrankungen, die ausgeschlossen werden sollten, sind zum Beispiel:

Erst wenn sicher ist, dass keine körperlichen Ursachen zu den Beschwerden führen und auch keine psychische Erkrankung wie eine Depression vorliegt, kann ein Burnout-Syndrom als Diagnose in Betracht gezogen werden.

Burnout-Test

Manche Ärzt*innen setzen spezielle Fragebögen ein, um herauszufinden, ob bei Betroffenen eventuell ein Burnout-Syndrom vorliegt. Ein gängiger Burnout-Test ist zum Beispiel das Maslach-Burnout-Inventory (MBI). Dieser Test diente ursprünglich Forschungszwecken und war im Grunde nicht als Diagnosehilfsmittel ausgelegt.

Da es bislang keine einheitliche Definition des Krankheitsbildes Burnout-Syndrom gibt, ist die Aussagekraft solcher Tests mit Vorsicht zu genießen.

Therapie bei Burnout

Beim Burnout-Syndrom richtet sich die Behandlung vor allem danach, welche Symptome vorliegen und wie stark diese ausgeprägt sind. Die Behandlung sollte dabei immer individuell sein.

Je eher Menschen mit Burnout realisieren, dass sie Hilfe brauchen, und diese Erkenntnis für sich annehmen, desto besser sind die Therapieaussichten. Nach diesem wichtigen ersten Schritt sollten Betroffene versuchen, sich selbst zu entlasten und bekannte Stressauslöser so weit wie möglich meiden.

Langfristig ist es meist notwendig, bisherige Verhaltensmuster und Gewohnheiten zu ändern und Wert auf eine gesunde Lebensweise zu legen. Eigene Bedürfnisse zu erkennen und zu beachten, ist ein wichtiger Aspekt auf dem Weg zur Besserung. Beruflicher Alltag und Entspannung müssen in Balance gelangen.

Wer sich frühzeitig Hilfe sucht und aktiv an der Therapie mitarbeitet, hat gute Aussichten auf eine Besserung des Burnout-Syndroms.

Mithilfe der kognitiven Verhaltenstherapie lassen sich negative Handlungsmuster oder Einstellungen erkennen und gezielt verändern. Unter Umständen kann auch eine tiefenpsychologische Therapie angebracht sein. Sind die Beschwerden des Burnout-Syndroms sehr stark ausgeprägt, ist es möglicherweise sinnvoll, die psychotherapeutische Behandlung stationär in einer Klinik durchzuführen.

Bei ausgeprägtem Burnout helfen kurzfristig Antidepressiva oder Medikamente gegen Schlafstörungen.

Ziele der Therapie bei Burnout

Wer in der Lage ist, Hilfe durch Ärzt*innen und Therapeut*innen bei der Behandlung des Burnout-Syndroms zu akzeptieren, kann verschiedene Ziele anstreben. Dazu gehört zum einen, die eigenen sozialen Fähigkeiten zu verbessern und vor allem sich besser abgrenzen zu können. Betroffene lernen, eigene Belange besser zu vertreten und mit Konflikten umzugehen. 

Dabei können folgende Maßnahmen helfen: 

  • Zeitfresser erkennen: Zu viele oder übermäßig lange Besprechungen lassen sich zum Beispiel nach Rücksprache mit Vorgesetzten unter Umständen schnell verkürzen oder in ihrer Zahl verringern. Zeitmanagement-Seminare können helfen, die eigene Zeitplanung zu verbessern.
  • Zeit und Raum für Dinge nehmen, die glücklich machen: Beispiele sind Hobbys, Spaziergänge in der Natur oder Sport.
  • Soziale Kontakte pflegen: Kontakte zu Freund*innen und Familie sollten aufgenommen und intensiviert werden, wenn sie zuvor vernachlässigt wurden. Auch müssen manche Menschen lernen, Hilfe aus dem Freundeskreis oder von Verwandten anzunehmen. Dies stärkt das Selbstwertgefühl und zeigt, dass man Unterstützung hat.
  • Perfektionsdrang reduzieren: Man kann bewusst Abstand davon nehmen, alles perfekt machen zu müssen – sowohl bei der Arbeit als auch im privaten Umfeld.

Tipps zur kurzfristigen Entspannung

Um bei Burnout kurzfristig zu entspannen, können bereits einfache Maßnahmen helfen:

  • Atmen Sie tief durch und strecken Sie sich. Wiederholen Sie dies für etwa ein bis zwei Minuten.
  • Lenken Sie Ihre Gedanken vom Stressauslöser weg und richten Sie sie auf etwas Schönes bzw. Neutrales. Hören Sie z. B. Musik oder denken Sie an Ihr nächstes Urlaubsziel.
  • Reden Sie sich selbst gut zu: "Ich kann das.", "Das schaffe ich schon.", etc.
  • Reagieren Sie Ihren Stress körperlich ab, indem Sie z. B. im Treppenhaus die Treppe herauf- und herunterlaufen oder machen Sie einige Liegestütze.

Strategien zur Stressbewältigung

Langfristig sollten Menschen mit Burnout versuchen, bessere Strategien zur Stressbewältigung im Alltag zu entwickeln. Hilfreich sind hier Entspannungstechniken, wie:

Burnout-Syndrom: Verlauf & Prognose

Erkennen Menschen mit Burnout-Syndrom, dass sie Hilfe brauchen und beginnen eine Therapie, sind die Aussichten auf eine Besserung langfristig gut.

Schlimmstenfalls steigert sich ein unbehandeltes Burnout-Syndrom bis zu einem extrem starken Gefühl der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Manche Betroffene sehen zu diesem Zeitpunkt keinen Sinn mehr im Leben und entwickeln möglicherweise Suizidgedanken. Eine frühzeitige Behandlung ist deshalb umso wichtiger.

Holen Sie sich Hilfe!

Wenn Sie sich in letzter Zeit öfter ohne Perspektive fühlen oder sogar über Suizid nachdenken, zögern Sie nicht, sich Hilfe zu holen. Die Telefonseelsorge steht Ihnen anonym und kostenlos rund um die Uhr zur Verfügung: 0800 - 111 0 111 und 0800 - 111 0 222.

Dauer einer Arbeitsunfähigkeit (AU) bei Burnout

Wie lange ein Mensch bei einem Burnout benötigt, bis er wieder arbeitsfähig ist, lässt sich pauschal nicht beantworten. Sicher ist, dass je früher eine Therapie einsetzt, desto schneller werden Betroffene wieder gesund. Wichtig ist dabei das Erlernen eines gesunden Umgangs mit Stress und ausreichende Erholungszeiten mit Dingen, die Spaß machen und guttun.

Wenn der Burnout zusammen mit einer anderen psychischen Erkrankung wie Depression auftritt, kann es auch zu einer Berufsunfähigkeit für längere Dauer kommen.

Wie kann man Burnout vorbeugen?

Wer einem Burnout vorbeugen will, sollte am besten bereits bei ersten Anzeichen von starkem beruflichem oder familiärem Stress Gegenmaßnahmen ergreifen.

Eine Frage der Balance

Generell können alle stressverringernden Maßnahmen dabei helfen, einem Burnout-Syndrom vorzubeugen. Grundvoraussetzung für die Prävention ist es, ein gesundes Gleichgewicht zwischen Belastungen in Beruf beziehungsweise Familie und Entspannung beziehungsweise Freizeit zu finden. Übermäßige Belastungen, ob in Beruf oder Familie, sollten nicht zum Dauerzustand werden. Diese sollten möglichst nur kurzfristig auftreten oder rasch verringert werden.

Regelmäßige Arbeitstreffen

Im Berufsalltag helfen zum Beispiel regelmäßige Arbeitstreffen, in denen sich mit Kolleg*innen über berufliche Dinge ausgetauscht wird. Bestehen berufliche Probleme, können gemeinsam im Team Lösungsstrategien erarbeitet werden. Regelmäßige Treffen bewirken auch, dass sich Menschen nicht isoliert fühlen und nicht das Gefühl haben, alles allein schaffen zu müssen. Bei solchen Arbeitstreffen ist es wichtig, dass positives Feedback erteilt beziehungsweise die Leistung des*der Einzelnen auch gewürdigt wird.

Wahrnehmung trainieren

Eigen- und Fremdwahrnehmung kann man trainieren und dabei herausfinden, welche Umstände zum Burnout-Syndrom beitragen und ob diese verändert werden können. Aufgaben bei der Arbeit müssen auch mal an andere delegiert und nicht alles allein geschafft werden.

Nein sagen lernen

Wer eigene Bedürfnisse und Ziele im Leben kennt, kann besser Grenzen ziehen. In der Freizeit sollte es Ausgleich zum Stress geben und Interessen nachgegangen werden, die entspannen und Spaß machen. Soziale Kontakte sollten Menschen pflegen, allerdings ohne mit übergroßem Engagement darin aufzugehen. Gesund ist, sowohl im Beruf als auch im Freundes- oder Familienkreis einmal Nein zu sagen, anstatt sich für andere aufzuopfern.

Gesunde Lebensweise

Eine gesunde und ausgewogene Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse ist die Basis für einen gesunden Körper. Alkohol, Nikotin oder Kaffee möglichst nur in Maßen genießen und nicht als tägliches Werkzeug zur vermeintlichen Stressentlastung nutzen. Tägliche Bewegung von wenigstens 30 Minuten baut Stresshormone ab. Moderater Sport (Joggen, Nordic Walking, Radfahren oder Schwimmen) sollte zwei- bis dreimal pro Woche für 30 Minuten erfolgen.

Entspannung suchen

Entspannungstechniken können helfen, dem Alltagsstress gelassener zu begegnen. Dazu gehören etwa

  • autogenes Training,
  • Atemübungen oder
  • progressive Muskelentspannung.

Aber auch Yoga, Meditation, Qigong oder Tai-Chi wirken Stress positiv entgegen. Im Alltag auch regelmäßig Ruhepausen einlegen.

Je nach persönlicher Lage kann langfristig unter Umständen ein Wechsel der beruflichen Tätigkeit sinnvoll sein.