Man sieht eine Frau, die in der Natur meditiert.
© Getty Images

Meditation

In sich selbst versinken, äußere Reize ausblenden und die Gedanken "leermachen" – mit Meditation soll es gelingen, gezielt das Bewusstsein zu ändern, sich innerlich zu sammeln, um Entspannung und innere Gelassenheit zu erlangen. Lesen Sie hier, wie altbewährte Entspannungsmethode funktioniert.

Allgemeines

Das Wort Meditation leitet sich vom Lateinischen meditari – nachdenken, auf etwas sinnen – ab. Ursprünglich wurde zu spirituellen oder religiösen Zwecken meditiert. Durch die Meditation soll die Begrenztheit des Körpers und der menschlichen Existenz überwunden werden, um ein übergeordnetes Prinzip jenseits des menschlichen Denkens zu erreichen.

Heute nutzen viele Menschen die Meditation neben spirituellen Zwecken auch als therapeutisches Verfahren oder Entspannungstechnik zur Verbesserung der körperlichen und geistigen Fitness.

Beim Meditieren werden oft über einen längeren Zeitraum ungewohnte Körperhaltungen eingenommen. Der oder die Meditierende versucht, die dadurch entstehenden Schmerzen zu ertragen bis man sie nicht mehr wahrnimmt. Spezielle Atemformen und die Konzentration auf bestimmte Objekte, Leitsätze oder Klänge dienen dabei als "innere Anker", die es ermöglichen, äußere Reize auszublenden und meditative Zustände zu erzeugen. Dadurch soll es dem oder der Meditierenden gelingen, körperliche Grenzen zu überschreiten. Meditation kann man allein oder in der Gruppe, unter Anleitung, in Ruhe oder in Bewegung ausüben.

Eine Technik der Meditation ist zum Beispiel die bewusste Atmung, die sogenannte Atemachtsamkeit. Hierbei richtet sich die Aufmerksamkeit auf das autonome Atmen: Einatmen – Ausatmen – Pause. Man lässt die Atembewegung einfach "geschehen" ohne in irgendeiner Weise bewusst einzugreifen.

Durch die Konzentration auf die eigene Atembewegung kommt der oder die Meditierende in sich selbst zur Ruhe, die Gedanken beruhigen sich und werden von der Wahrnehmung des Atmens (z. B. wie der Körper sich weitet, um den Atem aufzunehmen) überlagert.

Dieser Zustand soll zur völligen Entspannung und zum Abschalten von den täglichen Belastungen der hektischen Lebensbedingungen führen. Mithilfe der Meditation soll es gelingen, den Anforderungen des Alltags mit einer inneren Gelassenheit entgegenzutreten, zur Ruhe zu kommen und die Entspannungsfähigkeit zu verbessern. So kann Meditation zum Beispiel auch als Unterstützung bei Stress- oder Angstbewältigung zum Einsatz kommen.

Historisches

In Indien reichen Zeugnisse von Meditation bis etwa ins zweite Jahrtausend vor Christus zurück. In den gleichen Schriften, die die Grundlage von Ayurveda und Yoga bilden, finden sich Hinweise auf Meditation als das Bemühen von Menschen, ihr Bewusstsein und ihr Verständnis vom menschlichen Dasein auf eine spirituelle Ebene zu erweitern.

In China entwickelten sich innerhalb des Taoismus Formen von Meditation. Auf diese Schule lässt sich der Zen-Buddhismus zurückführen, der sich bis nach Japan ausgeweitet hat. Auch in der christlichen, islamischen und jüdischen Tradition sind meditative Praktiken (in Form von Kabbala, Gebet, Askese und Sufismus) bekannt.

Heute haben beim Meditieren neben den spirituellen Zielen vor allem Persönlichkeits- und Gesundheitsaspekte wie Entspannungsfähigkeit und Angstbewältigung an Bedeutung gewonnen.

Formen der Meditation

Es gibt verschiedene Techniken und Formen der Meditation, bei denen sich oft Elemente verschiedener Richtungen vermischen. Sie hängen von den Schulen (z. B. Zen, Tai-Ji-Quan, Yoga), Religionen (z. B. Christentum, Buddhismus, Islam) oder therapeutischen Verfahren (z. B. Autogenes Training) ab, innerhalb derer sie entstanden sind.

Grob lässt sich Meditation in konzentrierende und entfaltende Methoden unterteilen:

  • Bei den konzentrierenden Methoden versucht der oder die Meditierende, das Bewusstsein auf einen einzigen Gegenstand zu konzentrieren und äußere Einflüsse auszublenden.
  • Mittels der entfaltenden Methoden soll es dem oder der Meditierenden gelingen, eine innere "Leere" zu schaffen und das Denken einzustellen. Äußere Umweltreize werden dabei zwar nicht ausgeblendet, aber sie werden weder bewertet noch verarbeitet.

Darüber hinaus gibt es Formen der Meditation, die beide Ansätze kombinieren.

Unter dem gesundheitlichen Aspekt werden hauptsächlich drei Meditationstechniken praktiziert:

  • die innerhalb des Yogas praktizierte Meditation,
  • die an den Buddhismus angelehnte Zen-Meditation
  • und die transzendentale Meditation (TM).

Yoga-Meditation

Im Yoga dient die meditative Versenkung dazu, einen Zustand völliger Loslösung und größter Klarheit zu erreichen. Die Yoga-Meditation beinhaltet zunächst Körperübungen und gezieltes Atmen. Dann konzentriert sich der oder die Meditierende auf innerseelische Zustände oder einzelne Bereiche des Körpers. Das Denken soll zur Ruhe kommen, indem es von den Wahrnehmungen der Empfindungen des bewussten Atmens überlagert wird. Das Ziel ist es, in sich selbst zu ruhen. Die innere Ruhe soll zur Regeneration des Geistes, des Nervensystems und des Körpers führen.

Zen-Meditation

Die Zen-Meditation, die aus dem japanischen Zen-Buddhismus stammt, wird im Sitzen durchgeführt. Ziel ist es, eine "Leere" der Gedanken herbeizuführen und ein sogenanntes "absichtsloses Sitzen" zu praktizieren.

Dabei meditiert man täglich mehrere Stunden mit offenen Augen. Das Meditationsobjekt, der Atem, wird gezählt, begleitet und beobachtet, aber nicht beeinflusst. Diese Meditation kann auch während des Gehens (im langsamen Tempo) erfolgen. Beim sogenannten Rinzai wird eine Aufgabe ("Koan"), die durch rationales Denken nicht zu lösen ist, fokussiert.

Transzendentale Meditation

Eine der am häufigsten praktizierten Meditation ist die transzendentale Meditation. Bei der transzendentalen Meditation soll der oder die Meditierende einen kosmischen Bewusstseinszustand erlangen – er oder sie konzentriert sich mit geschlossenen Augen auf ein Meditationsobjekt wie zum Beispiel ein Bild (Mandala), einen Satz (Mantra) oder eine Klangfolge.

Die transzendentale Meditation wirkt entspannend auf Atmung und Kreislauf und kann eine Verringerung von Ängsten bewirken.

Anwendungsgebiete

Meditation ist zwar keine Therapiemethode zur Behandlung von Krankheiten – dennoch kommt sie insbesondere zur Linderung von psychisch bedingten Beschwerden unterstützend zum Einsatz. Hierbei wird vor allem die entspannende Wirkung der Meditation bei allen Krankheiten, die mit einer psychischen Überbelastung zusammenhängen, genutzt und dient vorrangig dazu, Stress zu verringern.

Wirksamkeit

Aufgrund der Variantenvielfalt ist die Wirksamkeit von Meditation schwer zu beurteilen. Auch gibt es bislang nicht genügend geeignete Studien, die eine Wirksamkeit hinsichtlich bestimmter psychischer oder körperlicher Erkrankungen beweisen.

Es gibt jedoch verschiedene Untersuchungen, die darauf hinweisen, dass Meditation in bestimmten Einsatzgebieten Wirkung zeigt, so zum Beispiel

  • bei Krebserkrankungen zur Verbesserung des körperlichen und psychischen Befindens,
  • bei der Stressreduktion,
  • sowie als Unterstützung der psychischen Krankheitsverarbeitung.

Wann darf nicht meditiert werden?

Bei sachgemäßer Anwendung von meditativen Verfahren gibt es kaum Risiken. Meditation darf jedoch nicht bei psychotischen Störungen, schweren Depressionen, starken Ängsten und Epilepsie durchgeführt werden, da bei derartigen Erkrankungen die psychische Stabilität fehlt. Meditation verstärkt die labile psychische Verfassung und kann dazu führen, dass jeglicher Realitätsbezug verloren geht.