Frau mir Reizhusten.
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Reizhusten: Was hilft bei trockenem Husten?

Vielerlei Eindringlinge können die Atemwege in Aufruhr versetzen und trockenen Reizhusten auslösen: Pollen, Staub, Rauchpartikel, Krankheitserreger. Doch wie genau entsteht der trockene Husten und was kann man tun, um ihn zu lindern?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Was ist Reizhusten?

Reizhusten ist ein trockener Husten ohne Auswurf, das heißt ohne Absonderung von Schleim. Fachleute sprechen auch von unproduktivem Husten.

Husten ist prinzipiell ein Schutzmechanismus des Körpers, der im besten Fall die Atemwege von Eindringlingen wie Krankheitserregern befreit, bevor diese sich ausbreiten und Schaden anrichten können.

Reizhusten kann durch verschiedene Infekte entstehen und ziemlich hartnäckig sein. Zudem besteht immer auch eine Reizung der Atemwege, was Reizhusten meist sehr unangenehm macht.

Reizhusten: Hausmittel

Bei anhaltendem Reizhusten mit harmloser Ursache können Hausmittel Linderung verschaffen – zumindest vorübergehend. Viele Betroffene empfinden Hals- und Brustwickel sowie Erkältungsbäder als wohltuend. Manchmal können auch Dampfbäder beziehungsweise Inhalieren und Tees die Beschwerden kurzfristig lindern.

Beliebte pflanzliche Hustenmittel gegen Reizhusten sind darüber hinaus

Die meisten dieser Mittel wirken, indem sie eine Zuckerhülle um die Hustenrezeptoren im Rachen legen, welche diese vor Reizen schützt. Da der Zucker höchstens eine halbe Stunde auf den Rezeptoren haftet, wirken diese Mittel nicht nachhaltig. Der Vorteil ist jedoch, dass sie nicht abhängig machen.

Was hilft, wenn der Reizhusten nachts auftritt?

Wer nachts häufig einen Hustenreiz verspürt oder sogar von nächtlichen Hustenattacken durch Reizhusten geplagt wird, sollte ärztlichen Rat suchen. Bis die Ursache geklärt ist, können folgende Maßnahmen helfen, dem nächtlichen Reizhusten vorzubeugen beziehungsweise diesen zu lindern:

  • Schlafen Sie mit hochgelagertem Oberkörper.
  • Trinken Sie ausreichend Wasser.
  • Reinigen Sie das Schlafzimmer gründlich von Staub und Schmutz.
  • Halten Sie das Schlafzimmer kühl und lüften Sie es vor dem Zubettgehen.
  • Verzichte Sie abends auf scharfe Gewürze, säurehaltige Getränke, sehr fettige Speisen und Alkohol.

Kindern, die aufgrund einer Erkältung unter nächtlichem Husten leiden, hilft manchmal ein Löffel Honig vor dem Schlafengehen. (Wichtig: Anschließend Zähneputzen nicht vergessen)

Reizhusten: Medikamente

Da Husten normalerweise dazu dient, die Atemwege zu reinigen, sollte er nicht durch Medikamente wie Hustenstiller unterdrückt werden. Wenn der Husten länger anhält, kann jedoch die Schleimhaut der Bronchien geschädigt werden. Um dies zu vermeiden – oder wenn der Husten den Schlaf stört – können von ärztlicher Seite Hustenstiller zur kurzfristigen Anwendung verschrieben werden, die in der Regel schnell helfen.

Hustenstiller wirken auf das Hustenzentrum im Gehirn und können den Husten in der Regel bereits innerhalb einer Stunde lindern. Sie sollten jedoch nicht dauerhaft angewendet werden. Vorhandener Schleim kann sonst nicht abgehustet werden, was weitere Entzündungen der Bronchien fördert.

Wichtig: Wirkstoffe hustenhemmender Arzneimittel sind zum Beispiel Codein, Dihydrocodein, Pentoxyverin, Dextromethorphan, Benproperin und Noscapin. Betroffene sollten diese Arzneimittel jedoch nicht länger als eine Woche einnehmen – bei den Wirkstoffen Codein und Dihydrocodein besteht ein Abhängigkeitsrisiko. Außerdem können Nebenwirkungen wie Verstopfung oder eine Konzentrationsschwäche auftreten, die etwa die Fahrtüchtigkeit beeinflussen kann. Ist der Reizhusten ein Symptom länger andauernder oder chronischer Krankheiten, kann eine gezielte Behandlung nötig sein. Einige Beispiele:
 
  • Bei Pseudokrupp können verschreibungspflichtige Kortisonpräparate (sogenannte Glukokortikoide) helfen, der Entzündung im Kehlkopf entgegenzuwirken.
  • Ist der Husten Symptom einer Allergie, lässt er sich mit Antihistaminika und/oder Glukokortikoiden lindern.
  • Ruft aufsteigende Magensäure (Reflux) den nächtlichen Husten hervor, können verschreibungspflichtige Medikamente helfen, die Bildung von Magensäure zu hemmen (sog. Protonenpumpenhemmer).

Reizhusten: Ursachen

Häufige Ursachen von Reizhusten sind Fremdkörper oder Schadstoffe, die in die Luftröhre eindringen, sowie beginnende Erkältungskrankheiten und Grippeerkrankungen. Im Fall einer Erkältung oder Grippe geht der Reizhusten jedoch relativ schnell in sogenannten produktiven Husten mit Schleimbildung über.

Auch folgende Erkrankungen können die Atemwege reizen und trockenen Husten auslösen, gehen aber auch oft mit Auswurf einher:

  • Kehlkopfentzündung (Laryngitis)
  • Nebenhöhlenentzündung (durch die Entzündung werden die oberen Atemwege überempfindlich, sodass selbst sehr schwache Reize einen Hustenreflex auslösen können.)
  • Lungenembolie
  • Entzündung der Luftröhre (Tracheitis)
  • Lungenentzündung (Pneumonie)
  • akute Entzündung der Schleimhaut der Bronchien (Bronchitis)
  • Refluxkrankheit, die sich dadurch äußert, dass Magenflüssigkeit in die Speiseröhre läuft
  • chronische Herzinsuffizienz (Husten tritt typischerweise in Verbindung mit Beinödemen und Kurzatmigkeit auf, zunächst vor allem bei Belastung.)
  • Rippenfellentzündung (trockene Pleuritis – diese führt ferner zu einseitigen, atemabhängigen Brustschmerzen
  • Systemischer Lupus erythematodes (SLE)
  • chronisches Asthma (wenn der Husten anhält und gleichzeitig die Atmung bei körperlicher Belastung erschwert ist, deutet dies möglicherweise auf chronisches Asthma hin – auch wenn bislang noch keine schweren Asthmaanfälle vorgekommen sind)
  • Lungenfibrose (Vermehrung und Vernarbung des Lungengewebes)
  • Lungentumoren
  • Lungenödem

Darüber hinaus kann Reizhusten als Nebenwirkung einiger Medikamente auftreten. Dazu zählen unter anderem ACE-Hemmer und AT-II-Blocker gegen Bluthochdruck und Herzinsuffizienz, Fentanyl oder Amiodaron sowie Betablocker. Die neueren Betablocker verursachen jedoch keinen Husten mehr.

Reizhusten, der länger als acht Wochen anhält und der sich nicht auf eine körperliche Erkrankung zurückführen lässt, wird auch als chronischer idiopathischer Husten, kurz CIH, bezeichnet. Die Betroffenen reagieren übersensibel auf Reize – warum, lässt sich häufig nicht feststellen. Manchmal sind es virale Infekte, die die sogenannte Hypersensitivität des Hustenreizes auslösen.

Wenn sich keinerlei körperliche Ursachen für die Beschwerden finden und keine Hypersensitivität vorliegt, können auch seelische Probleme hinter dem Reizhusten stecken. Dieser sogenannte psychogene Husten ist häufig daran zu erkennen, dass die Beschwerden sich bei emotionaler Anspannung verstärken und während des Schlafens nicht auftreten. Viele Betroffene verspüren darüber hinaus den Zwang, sich zu räuspern.

Ursachen für nächtlichen Reizhusten

Nächtlicher Reizhusten kann harmlose Ursachen haben: Vielleicht haben Betroffene im Schlaf versehentlich etwas Speichel eingeatmet. In diesem Fall klingt der Husten normalerweise rasch von selbst wieder ab.

Zudem gibt es Erkrankungen, die sich durch nächtlichen Reizhusten äußern können, zum Beispiel

Reizhusten bei Kindern

Husten zählt zu den häufigsten Symptomen bei Kindern und kann vielerlei Ursachen haben. Trockener Reizhusten deutet meist auf einen beginnenden Virusinfekt der Atemwege hin.

Weitere mögliche Ursachen für Reizhusten bei Kindern sind unter anderem:

  • Rachenentzündung
  • Kehlkopfentzündung
  • Bronchitis
  • Asthma
  • Nasennebenhöhlenentzündung

Achtung: Tritt der Reizhusten beim Kind plötzlich und anfallartig auf und hat das Kind Atemnot, kann es sein, dass es versehentlich einen Fremdkörper eingeatmet hat, zum Beispiel ein Stückchen eines Nahrungsmittels oder Spielzeugs. In diesem Fall sollte das Kind auf keinen Fall versuchen, den Reizhusten zu unterdrücken. Fachleute gehen davon aus, dass kräftiges Husten die wirksamste Maßnahme ist, den Fremdkörper loszuwerden. Klingen Husten und Atemnot jedoch nicht ab, sollte zügig ärztliche Hilfe gesucht werden.

Reizhusten: Diagnose

Besteht Reizhusten länger als acht Wochen, sollte immer ärztlicher Rat gesucht werden.

Ein Reizhusten kann auf verschiedene Grunderkrankungen hinweisen. Um diese festzustellen, können verschiedene Untersuchungen nötig sein. Zunächst muss der*die Arzt*Ärztin Genaueres über den Husten wissen, etwa

  • wann dieser zum ersten Mal aufgetreten ist,
  • zu welcher Tageszeit und in welcher Umgebung der Husten bevorzugt auftritt und
  • ob sonstige Beschwerden wie Halsschmerzen, Schnupfen, Kopfschmerzen, Heiserkeit oder Atembeschwerden bestehen.

Auch werden Vorerkrankungen wie Allergien und eingenommene Medikamente aufgenommen.

Anschließend erfolgt die körperliche Untersuchung von Hals, Rachen und Oberkörper. Darüber hinaus kann ein Lungenfunktionstest notwendig sein. Insbesondere bei Verdacht auf Asthma, Lungenfibrose, einen Tumor, eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) oder ein Lungenemphysem ist dieser wichtig.

Auch bildgebende Verfahren wie etwa Röntgen, CT oder eine Bronchoskopie können wichtige Hinweise auf die Ursache des Reizhustens liefern.