Ein Mann trinkt Wasser.
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Reizhusten (trockener Husten)

Vielerlei Eindringlinge können die Atemwege in Aufruhr versetzen und Reizhusten auslösen: Pollen, Staub, Rauchpartikel, Krankheitserreger. Doch wie genau entsteht der trockene Husten und was kann man tun, um ihn zu lindern?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Reizhusten (trockener Husten)

Was ist Reizhusten?
Reizhusten ist ein trockener Husten ohne Auswurf, das heißt ohne Absonderung von Schleim. Ärzte sprechen auch von unproduktivem Husten.

Tag für Tag setzen wir unsere Atemwege vielerlei Arten von Stress aus: Abgasen, Zigarettenrauch, Feinstaub, Schimmelsporen und Krankheitserregern wie Viren und Bakterien. Um sich dagegen zu wappnen, verfügt der Körper über diverse Abwehrmechanismen. Husten ist einer von ihnen. Im besten Fall befreit er die Atemwege von Eindringlingen, bevor diese sich ausbreiten und Schaden anrichten können.

Der Hustenreflex ist ein angeborener Schutz. Überall in den Atemwegen – in der Nase, im Innenohr, im Rachen und vor allem im Kehlkopf – sitzen Rezeptoren, die über Nervenbahnen mit dem Gehirn kommunizieren können. Kommen sie mit einem Fremdkörper in Berührung, schlagen sie Alarm und das Gehirn schickt der Atemmuskulatur den Befehl: Husten! Daraufhin verschließt sich der Kehlkopf, die Atemmuskeln ziehen sich zusammen. Schließlich entweicht explosionsartig die Luft aus den Lungen und zwar mit bis zu 480 Stundenkilometern.

Je nachdem, ob dabei Schleimhaut-Sekret nach draußen befördert wird oder nicht, sprechen Ärzte von

  • produktivem Husten (mit Schleim) oder
  • unproduktivem Husten, trockenem Husten oder Reizhusten (ohne Schleim).

Reizhusten: Hausmittel

Bei anhaltendem Reizhusten mit harmloser Ursache können Hausmittel schnell Linderung verschaffen – zumindest vorübergehend. Viele Betroffene empfinden Hals- und Brustwickeln sowie Erkältungsbäder als wohltuend. Manchmal können auch Dampfbäder und Tees die Beschwerden kurzfristig lindern.

Beliebte pflanzliche Hustenmittel gegen Reizhusten sind darüber hinaus

Die meisten dieser Mittel wirken, indem sie eine Zuckerhülle um die Hustenrezeptoren im Rachen legen, welche diese vor Reizen schützt. Da der Zucker höchstens eine halbe Stunde auf den Rezeptoren haftet, wirken diese Mittel nicht nachhaltig. Der Vorteil ist jedoch, dass sie nicht abhängig machen.

Video: 5 Tipps gegen Husten und Heiserkeit

Was hilft, wenn der Reizhusten nachts auftritt?

Wer nachts häufig einen Hustenreiz verspürt oder sogar von nächtlichen Hustenanfällen geplagt wird, sollte damit zum Arzt gehen. Bis die Ursache geklärt ist, können folgende Maßnahmen helfen, dem nächtlichen Husten vorzubeugen beziehungsweise diesen zu lindern:

  • Schlafen Sie mit hochgelagertem Oberkörper.
  • Trinken Sie ausreichend Wasser.
  • Reinigen Sie das Schlafzimmer gründlich von Staub und Schmutz.
  • Halten Sie das Schlafzimmer kühl und lüften Sie es vor dem Zubettgehen.
  • Versuchen Sie, abends auf scharfe Gewürze, säurehaltige Getränke, sehr fettige Speisen und Alkohol zu verzichten.

Kindern, die aufgrund einer Erkältung unter nächtlichem Husten leiden, hilft manchmal ein Löffel Honig vor dem Schlafengehen. (Wichtig: Anschließend Zähneputzen nicht vergessen!)

Reizhusten: Medikamente

Da Husten normalerweise dazu dient, die Atemwege zu reinigen, sollte man ihn nicht zwangsläufig durch Medikamente unterdrücken. Wenn der Husten länger anhält, kann jedoch die Schleimhaut Schaden nehmen. In diesem Fall – oder wenn der Husten den Schlaf stört – kann der Arzt hustenhemmende Arzneimittel verschreiben, die in der Regel schnell helfen. Diese Mittel wirken auf das Hustenzentrum im Gehirn und können den Husten schnell (in der Regel bereits innerhalb einer Stunde) lindern.

Wichtig: Wirkstoffe hustenhemmender Arzneimittel sind zum Beispiel Codein, Dihydrocodein, Pentoxyverin, Dextromethorphan, Benproperin und Noscapin. Betroffene sollten diese Arzneimittel jedoch nicht länger als eine Woche einnehmen – bei den Wirkstoffen Codein und Dihydrocodein besteht ein Abhängigkeitsrisiko. Außerdem können Nebenwirkungen wie Verstopfung auftreten oder eine Konzentrationsschwäche, die die Fahrtüchtigkeit beeinflussen kann.

Ist der Reizhusten Symptom länger andauernder oder chronischer Krankheiten, kann eine gezielte Behandlung nötig sein. Einige Beispiele:

  • Bei Pseudokrupp kann der Arzt Kortisonpräparate (sogenannte Glukokortikoide) verschreiben die der Entzündung im Kehlkopf entgegenwirken.
  • Ist der Husten Symptom einer Allergie, lässt er sich mit Antihistaminika und/oder Glukokortikoiden lindern.
  • Ruft aufsteigende Magensäure (Reflux) den nächtlichen Husten hervor, verschreibt der Arzt möglicherweise Medikamente, die die Bildung von Magensäure hemmen (sog. Protonenpumpenhemmer). Dann ist es zudem wichtig, den Kopf hochzulagern, früh zu Abend zu essen und säure- und fettarm zu speisen.

Reizhusten: Ursachen

Häufige Ursachen von Reizhusten sind Fremdkörper oder Schadstoffe, die in die Luftröhre eindringen, sowie beginnende Erkältungskrankheiten und Grippeerkrankungen. Im Falle einer Erkältung oder Grippe geht der Reizhusten jedoch relativ schnell in sogenannten produktiven Husten mit Schleimbildung über.

Auch folgende Erkrankungen können die Atemwege reizen und trockenen Husten auslösen:

  • Refluxkrankheit, die sich dadurch äußert, dass Magenflüssigkeit in die Speiseröhre läuft
  • chronische Herzinsuffizienz (Husten tritt typischerweise in Verbindung mit Beinödemen und Kurzatmigkeit auf, zunächst vor allem bei Belastung.)
  • Rippenfellentzündung (trockene Pleuritis) (diese führt ferner zu einseitigen, atemabhängigen Brustschmerzen
  • Systemischer Lupus erythematodes (SLE)
  • chronisches Asthma (Wenn der Husten anhält und gleichzeitig die Atmung bei körperlicher Belastung erschwert ist, deutet dies möglicherweise auf chronisches Asthma hin – auch wenn bislang noch keine schweren Asthmaanfälle vorgekommen sind.)
  • Lungenfibrose (Vermehrung und Vernarbung des Lungengewebes)
  • Lungentumoren

Darüber hinaus kann Reizhusten als Nebenwirkung einiger Medikamente auftreten. Dazu zählen unter anderem ACE-Hemmer und AT-II-Blocker gegen Bluthochdruck und Herzinsuffizienz, Fentanyl oder Amiodaron sowie Betablocker. (Die neueren Betablocker verursachen jedoch keinen Husten mehr).

Husten, der länger als acht Wochen anhält und der sich nicht auf eine körperliche Erkrankung zurückführen lässt, wird auch als chronischer idiopathischer Husten, kurz CIH, bezeichnet. Die Betroffenen reagieren übersensibel auf Reize – warum, lässt sich häufig nicht mit Sicherheit feststellen. Manchmal sind es virale Infekte, die die sogenannte Hypersensitivität des Hustenreizes auslösen.

Wenn sich keinerlei körperlichen Ursachen für die Beschwerden finden und auch keine Hypersensitivität vorliegt, können auch seelische Probleme dahinterstecken. Dieser sogenannte psychogene Husten ist häufig daran zu erkennen, dass die Beschwerden sich bei emotionaler Anspannung verstärken und während des Schlafens aussetzen. Viele Betroffene verspüren darüber hinaus den Zwang, sich zu räuspern.

Reizhusten nachts

Nächtlicher Reizhusten kann harmlose Ursachen haben: Vielleicht hat der Betroffene im Schlaf versehentlich etwas Speichel eingeatmet. In diesem Fall klingt der Husten normalerweise rasch von selbst wieder ab.

Zudem gibt es Erkrankungen, die sich durch nächtlichen Reizhusten äußern können, zum Beispiel

Reizhusten bei Kindern

Husten zählt zu den häufigsten Symptomen bei Kindern und kann vielerlei Ursachen haben. Trockener Reizhusten deutet meist auf einen beginnenden Virusinfekt der Atemwege hin.

Weitere mögliche Ursachen für Reizhusten bei Kindern sind unter anderem

Achtung: Tritt der Reizhusten plötzlich und anfallartig auf und hat das Kind Atemnot, kann es sein, dass es versehentlich einen Fremdkörper eingeatmet hat, zum Beispiel ein Stückchen eines Nahrungsmittels oder Spielzeugs. In diesem Fall sollte das Kind auf keinen Fall versuchen, den Reizhusten zu unterdrücken. Ärzte gehen davon aus, dass kräftiges Husten die wirksamste Maßnahme ist, den Fremdkörper loszuwerden. Bleiben Husten und Atemnot jedoch, sollte zügigst ärztliche Hilfe gesucht werden.

Reizhusten: Diagnose

Ein Reizhusten kann auf verschiedene Grunderkrankungen hinweisen. Um diese festzustellen, können verschiedene Untersuchungen nötig sein. Zunächst muss der Arzt Genaueres über den Husten wissen, etwa

  • wann dieser zum ersten Mal aufgetreten ist,
  • zu welcher Tageszeit und in welcher Umgebung der Husten bevorzugt auftritt und
  • ob sonstige Beschwerden wie Halsschmerzen, Schnupfen, Kopfschmerzen, Heiserkeit oder Atembeschwerden bestehen.

Auch fragt der Arzt den Patienten nach Vorerkrankungen wie Allergien und nach eingenommenen Medikamenten.

Anschließend untersucht der Arzt Hals, Rachen und Oberkörper und hört Lunge und Herz mit einem Stethoskop ab. Darüber hinaus kann er einen Lungenfunktionstest durchführen. Insbesondere bei Verdacht auf Asthma, Lungenfibrose, einen Tumor, eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) oder ein Lungenemphysem ist dieser wichtig.

Auch bildgebende Verfahren können ihm wichtige Hinweise auf die Ursache des Reizhustens liefern:

  • Durch eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs (sog. Röntgen-Thorax) kann der Arzt zum Beispiel ermitteln, ob die Lunge entzündet ist.
  • CT-Aufnahmen lassen verschiedenste Veränderungen im Brustkorb erkennen – etwa Flüssigkeitsansammlungen, Lungenfibrosen und Lungenembolien.
  • Im Rahmen einer Bronchoskopie kann der Arzt die unteren Atemwege nach Fremdkörpern und krankhaften Veränderungen absuchen. Dazu führt er ein Endoskop – eine an einem dünnen Schlauch befestigte kleine Kamera – über Mund oder Nase in die Atemwege ein.