Eine krank und erschöpft wirkende Frau liegt zugedeckt auf einem Sofa und hält ein Fieberthermometer in der Hand.
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Grippe (Influenza)

Eine Grippe (Influenza) kann sehr unterschiedlich ablaufen: Milde, erkältungsähnliche Grippesymptome sind ebenso möglich wie eine schwere Erkrankung, die im Extremfall sogar tödlich enden kann.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Grippe (Influenza)

Gerade anfangs kann man die Grippe leicht mit einer Erkältung verwechseln. Der Unterschied zwischen Influenza und Erkältung zeigt sich im Verlauf und in der Schwere der Erkrankung.

Die echte Grippe ist eine plötzlich auftretende, fieberhafte Viruserkrankung, die durch verschiedene Grippeviren (Influenzaviren) entsteht. Da sie im Winter häufiger vorkommt, wird sie auch saisonale Grippe genannt.

Typischerweise tritt die Grippe zeitlich und örtlich gehäuft auf: Dann spricht man von einer Grippewelle oder Epidemie. In größeren Zeitabständen von mehreren Jahren bis Jahrzehnten breitet sich die Influenza länderübergreifend beziehungsweise weltweit aus – dies bezeichnet man als Pandemie.

Die Erkrankungs- und Sterberate schwankt bei Grippe allerdings stark. In manchen Jahren steigt die normale Sterblichkeitsrate trotz Grippefällen kaum an. Doch während einer einzelnen Grippesaison können auch mehrere Tausend Menschen mehr als sonst sterben. So gab es beispielsweise durch die besonders heftige Grippewelle 2012/13 in Deutschland über 20.000 zusätzliche Todesfälle. Darum ist eine Influenza nie als harmlos anzusehen.

Woher kommen die Bezeichnungen Grippe und Influenza?

Der Begriff Grippe leitet sich von dem französischen Wort grippe ab und bedeutet Grille oder Laune. Dies ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass die Virusgrippe den Menschen plötzlich und launenhaft befällt.

Die seit dem 18. Jahrhundert gebräuchliche Bezeichnung Influenza kommt von dem italienischen Wort influenza, das Beeinflussung oder Einfluss bedeutet. In diesem Fall ist der Einfluss der Sterne gemeint. Denn früher glaubte man, dass bestimmte Sternenkonstellationen Krankheiten, Seuchen und Ähnliches verursachen können.

Übrigens: Nicht alles, was Grippe heißt, entsteht auch durch Grippeviren. So hat eine Magen-Darm-Grippe ebenso wenig mit der echten Influenza zu tun wie die als grippaler Infekt und Sommergrippe bezeichneten Erkältungskrankheiten.

Grippe: Symptome

Anfangs kann die Grippe Symptome verursachen, die an eine Erkältung denken lassen. Bei Krankheitsverlauf und -schwere besteht aber in der Regel ein großer Unterschied zwischen Grippe und Erkältung.

Wenn die echte Grippe erste Symptome hervorruft, fühlt man sich jäh deutlich krank. Dieser heftige und plötzliche Beginn ohne Vorzeichen ist typisch für die Influenza.

Zudem macht sich eine beginnende Grippe durch mehrere Symptome gleichzeitig bemerkbar, während die verschiedenen Erkältungszeichen typischerweise nach und nach auftreten. Dabei sind die Grippesymptome meist auch deutlich intensiver als Erkältungssymptome.

Typische erste Symptome für die echte Grippe sind:

Das bei Influenza hohe Fieber erreicht Temperaturen von mehr als 39 (bis zu 41) Grad Celsius. Es kann tagelang anhalten. Darüber hinaus verursacht die Grippe oft folgende Symptome:

Häufig treten bei Grippe auch Augenschmerzen auf. Dabei handelt es sich in der Regel um Kopfschmerzen rund um die Augen und hinter den Augen. Helles Licht kann die Schmerzen verstärken.

Menschen mit einer Virusgrippe sind typischerweise stark geschwächt, sodass Bakterien ein leichtes Spiel haben. Darum kommt es oft gleichzeitig zu bakteriellen Infektionen. Solche Zweitinfektionen oder Superinfektionen verstärken die mit der Grippe verbundenen Symptome zusätzlich. So kann sich bei einer Influenza zum Beispiel eine Herzmuskelentzündung und Lungenentzündung entwickeln.

Lesetipp: Superinfektion nach Erkältung oder Grippe – was ist das und was hilft?

Grippe: Dauer

Erstes Anzeichen für Grippe ist oft ein plötzliches und hohes Fieber, verbunden mit starken Gliederschmerzen und Mattigkeit. Die meisten Betroffenen sind nach etwa sechs Tagen wieder fieberfrei. Jedoch können andere Beschwerden der Virusgrippe – und zwar Husten, Schnupfen sowie ein allgemeines Schwächegefühl – noch länger dauern.

Wie lange dauert eine Grippe?

Die bei Influenza entstehende Schleimhautschädigung kann Infektionen mit Bakterien nach sich ziehen, die unter Umständen zu Komplikationen führen. Um diese zu vermeiden, ist es wichtig, die Bakterieninfektion rechtzeitig zu behandeln. Wenn das gelingt, ist die Grippe nach einer Dauer von etwa ein bis zwei Wochen ausgestanden.

Erreger der Grippe: Influenza A, B und C

Grippe entsteht durch Influenza- beziehungsweise Grippeviren der Typen A, B und C. Vor allem das Influenza-A- und das Influenza-B-Virus können beim Menschen zu schweren Atemwegserkrankungen führen. Das Grippevirus vom Typ C verursacht bei Erwachsenen selten und bei Kindern gelegentlich milde Erkrankungen.

Klassifikation

Influenza-A- und Influenza-B-Viren sind demnach die wichtigsten Auslöser der Grippe. Beide Erreger besitzen bestimmte Oberflächenmerkmale, nach denen sich ihre Klassifikation richtet.

Grippeviren vom Typ A und B haben an ihrer Oberfläche Spikes aus verschiedenen Eiweißen (Glykoproteine, Hämagglutinin und Neuraminidase), die unterschiedlich ausgeprägt sind und deren Kombination die Klassifizierung ermöglicht. Bisher sind 16 verschiedene Hämagglutinine (H) und neun verschiedene Neuraminidasen (N) bekannt.

  • Das Influenza-A-Virus unterteilt man in Typen und Subtypen (wie H1N1, H2N2, H3N2 oder H5N1).
  • Beim Influenza-B-Virus unterscheidet man nur den Typ, ohne ihn weiter in Subtypen zu unterteilen.

So ist für die Spanische Grippe ebenso wie für die Neue Grippe (bzw. Schweinegrippe) beispielsweise der Influenza-A-Subtyp H1N1 verantwortlich, für die Asiatische Grippe H2N2 und für die Hongkong-Grippe H3N2.

Genetische Variabilität

Durch das Influenza-A-Virus kommt es immer wieder zu größeren Ausbrüchen von Grippe. Der Grund hierfür ist, dass der Erreger eine sehr veränderliche Erbanlage besitzt: Diese genetische Variabilität befähigt das Grippevirus dazu, unsere Immunabwehr immer wieder zu überwinden, da vorhandene Antikörper gegen die neuen Varianten unwirksam sind.

Dass die Erreger der Grippe eine so große genetische Variabilität aufweisen, hat zwei Ursachen: Erstens können die unterschiedlich ausgeprägten Eiweiße an der Virusoberfläche miteinander verschiedene Neukombinationen bilden (sog. Antigen-Shift), zweitens können sie auch ihre jeweilige Struktur verändern (sog. Antigen-Drift). Dies führt dazu, dass jedes Jahr eine neue Variante des Influenza-A-Virus auftaucht.

Diese neue Variante des Influenza-Virus kann auch Menschen krank machen, die im Jahr zuvor geimpft wurden oder schon eine Grippe durchgemacht haben. Darum ist jedes Jahr ein neuer Impfstoff für die Grippeimpfung nötig.

Die Antigen-Drift beim Influenza-A-Virus ist verantwortlich für die Grippewellen (bzw. Epidemien), die in Abständen von 2 bis 3 Jahren auftreten. Hingegen verursacht der Antigen-Shift die etwa alle 10 bis 20 Jahre auftretenden Grippe-Pandemien (eine Pandemie ist eine auf große Gebiete übergreifende Grippewelle). Grippeviren der Typen B und C machen sich eher durch vereinzelte Grippefälle bemerkbar.

Grippe: Ansteckung

Grippe ist sehr ansteckend. Die Ansteckung mit Grippeviren kann …

  • ... über Tröpfcheninfektion geschehen, also durch Niesen, Husten, Sprechen. Sogar beim Atmen können Infizierte Grippeviren in die Umgebungsluft abgeben und so andere anstecken.
  • ... durch direkten Kontakt mit Infizierten passieren, z. B. beim Händeschütteln oder Küssen.
  • ... über Gegenstände stattfinden, an denen die Grippeviren haften: So können sich die Viren über eine Schmierinfektion verbreiten, wenn man z. B. die verunreinigte Oberfläche berührt und sich danach an Mund, Nase oder Auge fasst.

Inkubationszeit

Den Zeitraum zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch einer Erkrankung nennt man Inkubationszeit. Bei Grippe ist die Inkubationszeit recht kurz: Sie beträgt meist ein bis zwei Tage. Während dieser Zeit vermehren sich die ursächlichen Grippeviren in den Schleimhautzellen des Nasen-Rachen-Raums.

Wie lange ist Grippe ansteckend?

Die Grippe ist schon während der Inkubationszeit ansteckend. Nach dem Ausbruch der Influenza besteht die Ansteckungsgefahr dann noch etwa drei bis fünf Tage weiter. Kinder können das Grippevirus sogar bis zu sieben Tage nach dem Auftreten der ersten Symptome weitergeben.

Grippe: Diagnose

Bei Verdacht auf Grippe liefern eine körperliche Untersuchung und die Angaben der Betroffenen (Anamnese) wichtige Hinweise für die Diagnose. Dabei prüft die Ärztin oder der Arzt auch, ob die Beschwerden für eine echte Virusgrippe oder eher für eine gewöhnliche fieberhafte Erkältung (grippaler Infekt) sprechen.

Ist bekannt, dass sich Grippeviren in der Region ausbreiten beziehungsweise dass eine Grippewelle anrollt, lässt sich die Grippe in den meisten Fällen ohne Labordiagnostik recht sicher diagnostizieren. Laboruntersuchungen sind allerdings sinnvoll, wenn die Influenza schwer verläuft oder (z. B. wegen einer Grunderkrankung) ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf besteht.

Um Grippe sicher zu diagnostizieren, dient eine Blutprobe. Auch moderne Speicheltests simd so zuverlässig, dass sie zur schnellen Einschätzung verwendet werden können. Eine Röntgenaufnahme vom Brustkorb ist hilfreich, wenn die Influenza schon ungewöhnlich lange dauert, bereits eine Lungenerkrankung vorliegt oder der Verdacht auf eine Lungenentzündung besteht.

Grippe: Behandlung

Bei Grippe besteht die Behandlung darin, die Grippesymptome zu lindern. Spezielle Grippemittel haben sich als nicht wirksam genug erwiesen. Antibiotika helfen nur bei einer zusätzlichen Infektion mit Bakterien und sind bei alleiniger Influenza unwirksam.

Bei einer schweren Grippe mit Komplikationen kann es sinnvoll sein, sich im Krankenhaus behandeln zu lassen. Ein erhöhtes Risiko für eine schwere Grippe haben Sie zum Beispiel, wenn Sie:

  • schwanger oder
  • schon älter sind oder
  • eine chronische Herzerkrankung,
  • eine chronische Lungenerkrankung,
  • eine Stoffwechselerkrankung (z. B. Diabetes mellitus) oder
  • ein geschwächtes Immunsystem haben.

Was kann man selbst tun bei Grippe?

Bei Grippe brauchen Sie keine rezeptpflichtigen Medikamente, sondern können auf andere Arzneien zurückgreifen. Beispiele:

  • Gegen Kopf-, Hals-und Gliederschmerzen helfen schmerzlindernde und fiebersenkende Medikamente (z. B. mit Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen).
  • Zudem können – je nach Symptomatik der Influenza – zur Behandlung Hustensäfte und Nasentropfen sinnvoll sein.

Mehr zum Thema: Rezeptfreie Medikamente gegen Grippe

In jedem Fall sind in der akuten Phase der Grippe zur Behandlung dringend einige Tage Bettruhe ratsam. Auch nach der akuten Erkrankungsphase ist es wichtig, sich körperlich zu schonen – das bedeutet vor allem, dass Sie die Influenza völlig auskurieren sollten, bevor Sie wieder Sport treiben.

Lesetipp: Sport bei Erkältung, Grippe & Co. - keine gute Idee

Bei Grippe können auch verschiedene Hausmittel helfen, die Beschwerden zu lindern. Beispiele:

Der Körper verliert während einer Grippe viel Flüssigkeit. Darum ist es vor allem bei Fieber wichtig, dass Sie ausreichend trinken (pro Tag mindestens 2 bis 3 Liter Wasser, Früchtetee und/oder Fruchtsäfte). Auf Alkohol, Kaffee und schwarzen Tee sollten Sie bei einer Influenza jedoch verzichten.

Virostatika: Wirksame Grippemittel?

Virostatika sind spezielle Medikamente, die gegen Viren wirken. Zur Gruppe der Virostatika zählen unter anderem Neuraminidasehemmer. Diese Medikamente sollen gegen Grippe wirken, indem sie die weitere Ausbreitung des Grippevirus im Körper hemmen. Die Behandlung mit Neuraminidasehemmern wirkt gegen das Influenza-A- und Influenza-B-Virus, nicht jedoch gegen das Grippevirus vom Typ C.

Gegenwärtig stehen die Virostatika Zanamivir und Oseltamivir zur Verfügung, um Grippe ursächlich zu behandeln:

  • Zanamivir ist als Pulver erhältlich, das man inhalieren muss. Das Grippemittel ruft vereinzelt krampfartige Verengungen der Atemwege (Bronchospasmen) hervor – v. a. bei Menschen mit chronischer Lungenerkrankung.
  • Oseltamivir nimmt man über den Mund ein. Das Medikament löst in etwa jedem zehnten Fall Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt aus (v. a. Übelkeit und Erbrechen).

Allerdings ist der Nutzen von Neuraminidasehemmern bei Grippe sehr gering. So verkürzt die Behandlung mit Oseltamivir die Dauer der Influenza nur geringfügig. Und dass das Mittel das Komplikations- oder Übertragungsrisiko senkt, ist auch nicht sicher nachgewiesen.

Entsprechend empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), Oseltamivir nur noch als Ergänzungsmittel bei schwer an Grippe erkrankten Menschen im Krankenhaus einzusetzen.

Das früher oft bei Grippe zur Behandlung eingesetzte Virostatikum namens Amantadin gehört nicht zu den Neuraminidasehemmern, sondern zu den zyklischen Aminen und ist nur gegen Influenza-A-Virusinfektionen wirksam. Amantadin kann die Dauer von Fieber um einen Tag verkürzen. Als Grippemittel wenden Ärztinnen und Ärzte Amantadin allerdings heute praktisch nicht mehr an, denn:

  • Zum einen verursacht Amantadin nicht unerhebliche Nebenwirkungen (z. B. Durchfall, Depression, epileptische Anfälle),
  • zum anderen entwickeln die Grippeviren schnell eine Widerstandsfähigkeit (Resistenz) dagegen.

Mehr zum Thema: Rezeptpflichtige Medikamente gegen Grippe

Antibiotika: Wann sinnvoll?

Antibiotika wirken nur gegen Bakterien. Bei der virusbedingten Grippe ist eine Behandlung mit Antibiotika also wirkungslos. Wenn jedoch neben der Influenza zusätzlich eine Infektion mit Bakterien (Zweitinfektion oder Superinfektion) entsteht, ist es notwendig, diese mit Antibiotika zu behandeln.

Vor allem wenn im Verlauf der Grippe Komplikationen wie eine bakterielle Lungenentzündung auftreten, ist schnellstens eine Behandlung mit Antibiotika ratsam.

Behandlung bei Kindern

Die bei Erwachsenen gegen Grippe eingesetzte Behandlung unterscheidet sich in einem wichtigen Punkt von der Behandlung bei Kindern: Kinder mit Virus-Infekten wie einer Influenza dürfen keinesfalls Salicylate (wie ASS o. Ä.) erhalten, da sie hierdurch ein Reye-Syndrom entwickeln können.

Das Reye-Syndrom ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, in deren Verlauf es zu Hirn- und Leberschäden kommt. Während man die Erkrankung im Frühstadium noch heilen kann, führt sie voll entwickelt in etwa 70 Prozent der Fälle zum Tod. Wenn Ihr Kind dauerhaft Salicylate einnimmt, ist es deshalb wichtig, dass Sie es regelmäßig gegen Grippe impfen lassen.

Lesetipp: Reye-Syndrom – eine schnelle Behandlung kann lebensrettend sein

Grippe: Verlauf

Bei einer Grippe kann der Verlauf sehr unterschiedlich sein: Es sind milde und unkomplizierte, aber auch schwerwiegende Fälle von Virusgrippe mit tödlichen Ausgang möglich.

Der Anteil der tödlich verlaufenden Grippefälle ist zwar eher gering. Dennoch ist eine Grippe nie als harmlos anzusehen. Vor allem Kleinkinder, ältere Menschen und solche mit einer chronischen Lungenerkrankung oder Immunschwäche haben ein erhöhtes Risiko, eine schwere Influenza zu entwickeln.

Komplikationen

Größtenteils entwickeln sich bei einer Grippe dann Komplikationen, wenn zusätzlich bakterielle Infektionen hinzukommen. Verantwortlich für diese bei Influenza relativ häufigen Zweitinfektionen sind vor allem folgende Bakterien:

Nachfolgend kann es durch die Bakterien-Infektion zu einer Lungenentzündung, einer Mittelohrentzündung oder einer Entzündung des Herzmuskels kommen. Dies kann weitere Probleme mit sich bringen. So kann beispielsweise eine gleichzeitig mit Grippe auftretende bakterielle Lungenentzündung dazu führen, dass Lungenabszesse entstehen. Weitere mögliche Komplikationen sind:

Wie sich bakterielle Zweitinfektionen bei einer Grippe auswirken, hängt in starkem Maße vom Gesundheitszustand der Betroffenen ab. Ein besonders hohes Risiko für eine schwer verlaufende Influenza mit Komplikationen haben:

  • Kleinkinder
  • ältere Menschen
  • Frauen während der Schwangerschaft
  • Menschen mit geschwächter Immunabwehr
  • Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen

Historisches

Die Grippe stellte als Pandemie mehrfach ein schwerwiegendes historisches Geschehen dar. Den schwersten Verlauf zeigte die Spanische Grippe von 1918/1919, die ihren Ursprung vermutlich 1918 in einem Soldatencamp im amerikanischen Staat Kansas hatte. Es ist anzunehmen, dass die Influenza mit amerikanischen Truppentransporten nach Frankreich gelangte und sich von dort aus über Deutschland weiter nach Spanien verbreitete.

Ihre Bezeichnung erhielt die Spanische Grippe, da die ersten Nachrichten über diese Pandemie aus Spanien kamen. Weltweit waren damals etwa 500 Millionen Menschen von der Influenza betroffen. Wahrscheinlich starben etwa 25 bis 40 Millionen Menschen an der Spanischen Grippe, wobei die Todesopfer vor allem jüngere Menschen im Alter von 20 bis 30 Jahren und überwiegend Frauen waren.

Im Vergleich dazu nahm die Asiatische Grippe im Winter 1957/1958 einen weniger schweren Verlauf: Sie forderte etwa 1 bis 1,5 Millionen Todesopfer. Allein in Deutschland starben damals infolge der Influenza ungefähr 30.000 Menschen. Die Hongkong-Grippe (1968/1969) kostete zusammen mit der Russischen Grippe von 1977 etwa 1,5 Millionen Menschenleben.

Die jüngste Grippe-Pandemie geht auf das Konto der Schweinegrippe (auch Neue Grippe oder Neue Influenza A/H1N1 genannt): Sie trat erstmals im April 2009 in Mexiko auf und hat sich seitdem in der ganzen Welt verbreitet. Mit bislang knapp über 18.000 registrierten Todesfällen weltweit verlief diese Grippewelle jedoch vergleichsweise milde. Im August 2010 erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Pandemie offiziell für beendet.

Lesetipp: Pandemie – was bedeutet das?

Grippe: Vorbeugen

Grippeimpfung

Einer Grippe können Sie vorbeugen, indem Sie sich impfen lassen. Der optimale Zeitpunkt für die Grippeimpfung liegt vor Beginn der Grippesaison – also im Zeitraum von Oktober bis November. Zum langfristigen Schutz ist es ratsam, sich jedes Jahr erneut impfen zu lassen.

Mit der Impfung gegen Grippe können gesunde Menschen unter 60 Jahren das Erkrankungsrisiko deutlich senken oder aber zumindest erreichen, dass die Influenza bei ihnen milde und komplikationsarm verläuft. Bei Menschen höheren Alters ist die Schutzwirkung zwar etwas geringer. Trotzdem ist es gerade für über 60-Jährige wichtig, sich jedes Jahr gegen Grippe impfen zu lassen, um das Risiko für eine schwere Grippeerkrankung gering zu halten.

Die jährliche Impfung gegen Grippe ist deshalb ratsam, weil die Grippeviren ständig ihre Struktur ändern und man deshalb trotz Impfung in der nächsten Grippesaison nicht mehr ausreichend geschützt ist. Die empfohlenen Impfstoffe enthalten eine Mischung, die gegen verschiedene Grippeviren wirksam ist. Die Grippeschutzimpfung kann aber nur der Influenza vorbeugen: Eine Erkältung lässt sich mit einem Grippeimpfstoff nicht verhindern.

Lesetipp: Grippeimpfung – was sie kann (und was nicht)

Für folgende Personengruppen gilt die Impfung gegen Grippe als besonders empfehlenswert:

  • für Personen ab 60 Jahre
  • für Schwangere ab dem 2. Schwangerschaftsdrittel (bei erhöhter Gesundheitsgefahr wegen einer anderen Grunderkrankung ab dem 1. Schwangerschaftsdrittel)
  • für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einer erhöhten gesundheitlichen Gefährdung infolge eines Grundleidens AIDS und HIV-Infektion
  • für Menschen, die in einem Alters- oder Pflegeheim wohnen
  • für Menschen mit erhöhtem Ansteckungsrisiko, z. B. medizinisches Personal oder Personen in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr
  • für jeden, der Menschen mit erhöhtem Gesundheitsrisiko betreut und diese im Fall einer Infektion anstecken könnte
  • für Menschen mit direktem Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln (schützt zwar nicht vor der Vogelgrippe, kann aber einer gleichzeitigen Infektion durch menschliche Grippeviren und Vogelgrippeviren vorbeugen)
  • für jeden mit individuell erhöhtem Ansteckungs-, Erkrankungs- oder Komplikationsrisiko sowie zum Schutz Dritter, wenn (aufgrund von Erfahrungen in anderen Ländern) eine Grippeepidemie oder ein neuer Virustyp zu erwarten ist und hierfür schon ein Grippeimpfstoff zur Verfügung steht

Verhaltensregeln

Wenn Sie schon eine Grippe haben, können Sie deren Ausbreitung vorbeugen. Folgende Verhaltensregeln helfen, eine Ansteckung Ihrer Mitmenschen und somit neue Grippefälle zu vermeiden:

  • beim Niesen und Husten Nase und Ihren Mund bedecken (dabei nicht in die nackte Hand husten oder niesen, sondern z. B. in die Armbeuge)
  • sich regelmäßig die Hände waschen
  • statt Stofftaschentüchern Papiertaschentücher verwenden
  • benutzte Einweg-Papiertaschentücher direkt entsorgen

Pneumokokken-Schutzimpfung

Neben der Impfung gegen Grippe ist für bestimmte Personengruppen eine Pneumokokken-Schutzimpfung empfehlenswert, die einer Lungenentzündung durch Pneumokokken wirksam vorbeugen kann. Die Pneumokokken-Schutzimpfung ist wichtig für:

  • Menschen ab dem 60. Lebensjahr
  • Säuglinge bis zum 24. Lebensmonat
  • Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einer schweren Grunderkrankung