Atemwegserkrankungen: Eine Frau sitzt auf dem Sofa und hustet.
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Atemwegserkrankungen: Symptome, Arten und Behandlung

Der Begriff Atemwegserkrankung umfasst verschiedene akute sowie chronische Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege. Häufig sind es virusbedingte Infektionen, die folgenlos heilen. Doch bei manchen Krankheiten sind auch schwere Verläufe möglich. Welche Atemwegserkrankungen gibt es und wie lassen sie sich behandeln?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Welche Atemwegserkrankungen gibt es?

Es gibt viele unterschiedliche Atemwegserkrankungen, welche die oberen und unteren Atemwege betreffen können, darunter:

Atemwegserkrankungen: Arten

Es gibt viele unterschiedliche Arten von Atemwegserkrankungen, die Fachleute etwa nach Ort der Entstehung oder anderen Kriterien unterscheiden.

Akute und chronische Atemwegserkrankungen

Je nach dem zeitlichen Verlauf der Atemwegserkrankung unterscheiden Fachleute akute und chronische Atemwegserkrankung. Akute Atemwegserkrankungen sind meist Infektionen mit Bakterien oder Viren wie bei einer Erkältung, Grippe, einem Schnupfen oder einer akuten Bronchitis. Sie verlaufen in der Regel mild und heilen innerhalb von ein bis vier Wochen aus. 

Derartige akute Erkrankungen können allerdings auch chronisch werden, wenn es Komplikationen gibt oder sie nicht richtig auskuriert werden. Bis zur vollständigen Genesung vergeht oftmals viel Zeit – manchmal wird die Atemwegserkrankung auch chronisch. Folge sind dabei häufig Funktionsstörungen und Gewebeschädigungen. Beispiele für eine chronische Atemwegserkrankung sind eine chronische Bronchitis oder eine Lungenentzündung.

Obstruktive und restriktive Atemwegserkrankungen

Weiterhin unterteilen Fachleute Atemwegserkrankungen in obstruktive und restriktive Formen. Liegt eine obstruktive Atemwegserkrankung vor, sind die Bronchien in der Lunge verengt. Betroffene können dann nur schwer Luft ausatmen, weshalb es infolge zu einem Überblähen der Lunge kommt. Eine derartige Obstruktion tritt beispielsweise bei Asthma und der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) auf.

Bei Menschen mit restriktiven Atemwegserkrankungen verliert das Lungengewebe zunehmend die Fähigkeit, sich zu dehnen – die Lunge wird also weniger flexibel. Betroffene können dann schlechter Luft einatmen. Das Lungenvolumen kann dadurch abnehmen. Möglich ist zudem ein gestörter Luftgasaustausch in den Lungenbläschen. Ein Beispiel einer restriktiven Atemwegserkrankung ist etwa die Lungenfibrose.

Atemwegserkrankungen: Obere und untere Atemwege

Ein weiterer Unterschied bei Atemwegserkrankungen liegt darin, ob sie die oberen oder unteren Atemwegen betreffen. Die oberen Atemwege umfassen etwa die Nase, Nasennebenhöhlen und den Rachenraum. Typische Erkrankungen der oberen Atemwege sind Erkältungen mit einer laufenden Nase und Halsschmerzen.

Zu den unteren Atemwegen zählen hingegen Luftröhre, Kehlkopf, Bronchien und die gesamte Lunge. Mögliche Krankheiten der unteren Atemwege sind beispielsweise Asthma bronchiale, COPD oder eine Lungenentzündung.

Eine Erkrankung der oberen Atemwege kann sich im Verlauf zu einer unteren Atemwegserkrankung entwickeln. Fachleute bezeichnen diesen Vorgang als Etagenwechsel. Typisches Beispiel ist die Entwicklung von einer Erkältung zu einer akuten Bronchitis. 

Atemwegserkrankungen: Ursachen

In den meisten Fällen kommt es aufgrund einer Entzündung zu Atemwegserkrankungen. Die Ursachen hierfür können sehr unterschiedlich sein. Häufig stecken jedoch Infektionen mit Erregern dahinter, aber auch andere Auslöser kommen infrage. 

Atemwegserkrankungen: Infektionen als Ursache

Virale Infektionen verursachen eine einfache Erkältung, Grippe oder das durch das Coronavirus SARS-CoV-2 hervorgerufene Covid-19. Zu den bakteriellen Infektionen gehören zum Beispiel die Krankheiten Tuberkulose, Scharlach und eine Seitenstrangangina. Wenn ein viraler Infekt die Schleimhäute der Atemwege schädigt, kann sich außerdem zusätzlich eine bakterielle Infektion dazugesellen (Sekundärinfektion). So können sich je nach Ort und Art der Infektion etwa eine Nebenhöhlenentzündung, eine Bronchitis oder eine Lungenentzündung entwickeln. Bei einer Lungenentzündung sind häufig Pneumokokken die Ursache.

Atemwegserkrankungen durch äußere Einflüsse

Chronische Atemwegserkrankungen können durch schädliche Umwelteinflüsse wie Tabakrauch, Allergien oder chronische Entzündungen wie beim Asthma bronchiale hervorgerufen werden. Raucher*innen leiden häufig unter chronischer Bronchitis oder COPD.

Schließlich können auch zahlreiche Allergien wie etwa gegen Hausstaubmilben, Tierhaare, Schimmelpilze oder Pollen (Heuschnupfen) zu Atemwegsproblemen wie allergischem Asthma führen. Auch eine Infektion mit Schimmelpilzen (Aspergillose) kommt als Auslöser infrage.

Genetisch-bedingte Atemwegserkrankungen

Weiterhin gibt es genetisch veranlagte Atemwegserkrankungen, sie können also vererbt werden. Dazu zählt etwa die Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose. Zudem können auch neurologische Störungen die Atmung beeinträchtigen.

Atemwegserkrankungen durch Veränderungen des Lungengewebes

Die Lunge von Menschen, die in der Vergangenheit eine Lungenentzündung hatten, weist möglicherweise Veränderungen im Gewebe auf. Denkbar ist etwa, dass sich infolge der Entzündung Lungengewebe in Bindegewebe umwandelt (Lungenfibrose). Auch können durch eine Lungenentzündung kleine Aussackungen der Bronchialästen entstehen (Bronchiektasen). 

Weiterhin geht eine Staublunge mit Lungengewebsveränderungen einher. Wer etwa mit Feinstaubpartikeln wie Asbest, Eisen- oder Zinnstaub in Berührung kommt, kann die Lunge nachhaltig schädigen. Als weiteres Beispiel hierfür zählt Zigarettenrauch, der die Lunge schädigen und etwa eine chronische Bronchitis oder COPD verantworten kann.

Atemwegserkrankungen: Symptome

Je nach Art der Erkrankungen können die Symptome vielfältig und unterschiedlich sein. Folgende Beschwerden können Hinweise auf Atemwegserkrankungen sein:

  • Schnupfen
  • Husten
  • Fieber
  • Atembeschwerden wie Atemnot
  • Schmerzen in der Brust
  • Gliederschmerzen
  • Pfeifendes oder rasselndes Geräusch beim Atmen
  • Auswurf beim Husten
  • Husten von Blut
  • Halsschmerzen
  • Heiserkeit
  • Zyanose (Blauverfärbung von Haut und/oder Schleimhäuten)
  • Schnarchen
  • Brennen in den Augen

Husten mit Auswurf, also mit Abhusten von Schleim, spricht für Erkältungen, eine chronische Bronchitis, COPD oder Lungenentzündung. Trockener Husten oder Reizhusten kann zum Beispiel durch Fremdkörper, Schadstoffe, Tumore, eine Entzündung der Luftröhre oder der Bronchialschleimhaut verursacht werden. Blutiger Husten spricht für eine schwere Bronchitis, eine Lungenembolie, Tuberkulose, Lungenkrebs oder eine Herzinsuffizienz.

Atemwegserkrankungen: Diagnose

Um Atemwegserkrankungen festzustellen, wird die*der Ärztin*Arzt zunächst einige Fragen stellen (Anamnese). Von Interesse ist dabei etwa, wann welche Symptome aufgetreten sind, ob Betroffene rauchen, Vorerkrankungen oder Allergien haben. Anschließend folgen körperliche und gegebenenfalls weitergehende Untersuchungen. Dazu gehören beispielsweise:

  • Abhören mit einem Stethoskop: Beim Abhören mit dem Stethoskop können eventuell vorhandene auffällige Atemgeräusche festgestellt werden. Bei verengten Atemwegen, etwa aufgrund von Asthma oder Bronchitis, sind pfeifende Geräusche zu hören. Flüssigkeit in der Lunge verursacht rasselnde Geräusche. Bei einem Pneumothorax fehlen Geräusche auf der betroffenen Seite.

  • Abklopfen des Brustkorbs: Auch das Abklopfen des Brustraums kann Hinweise auf Erkrankungen liefern. Dabei können Fachleute luftgefüllte von nicht luftgefüllten Räumen unterscheiden. Eine normal mit Luft gefüllte Lunge hört sich sonor an, wie beim Klopfen auf einer Trommel.

  • Abstrich aus dem Nasen-Rachenraum: Mit einem Abstrich aus dem Nasen-Rachenraum lassen sich bestimmte Erreger wie Viren und Bakterien nachweisen, die Infektionen verursachen können.

  • Blutuntersuchung: Auch mittels Blutuntersuchung können auslösende Erreger bestimmt werden. Zudem sind etwa Entzündungswerte von Interesse.

  • Allergietest: Besteht die Vermutung einer Allergie, kann ein Allergietest zur vollständigen Diagnose der Atemwegserkrankung sinnvoll sein.

  • Bildgebende Verfahren: Um eine sehr detaillierte Diagnose zu ermöglichen, können Fachleute auf eine Röntgenuntersuchung, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) zurückgreifen. Diese bildgebenden Verfahren können das Lungengewebe detailgenau zeigen.

  • Lungenspiegelung (Bronchoskopie): Eine Lungenspiegelung dient in der Regel dazu, Lungenkrebs nachzuweisen. Jedoch können dadurch auch die Bronchien gespült werden, etwa bei chronischer Bronchitis oder Asthma. Auch Atemwegsverengungen lassen sich so abklären. Das Bronchoskop ist mit einer Kamera ausgestattet und wird über Mund oder Nase in die Luftröhre eingeführt. Diese Untersuchung ist schmerzlos. Um Husten- und Würgereiz zu unterdrücken, erhalten Patient*innen ein Betäubungsspray.

  • Blutgasanalyse: Bei der Blutgasanalyse messen Fachleute den Gehalt von Sauerstoff und Kohlendioxid im Blut. Dazu ist sauerstoffreiches Blut nötig. Dies wird deshalb nicht wie sonst üblich aus einer Armvene, sondern aus dem Ohrläppchen, seltener direkt aus einer Arterie zum Beispiel am Hals oder am Oberschenkel entnommen.

  • Elektrokardiogramm (EKG): Mithilfe eins Elektrokardiogramms wird die elektrische Aktivität des Herzens überprüft. So kann etwa ein gefährlicher Lungenhochdruck aufgedeckt werden. 

  • Lungenfunktionstest (Spirometrie): Um die Funktion der Lunge zu überprüfen, entscheiden sich Fachleute in der Regel für eine Spirometrie. Dabei atmen Betroffene in ein Mundstück kräftig aus und ein (die Nase ist mit einer Klammer verschlossen), während medizinisches Fachpersonal bestimme Werte überprüft.

  • Spiroergometrie: Bei der Spiroergometrie erfolgt ein gewöhnlicher Lungenfunktionstest unter Belastung.

Atemwegserkrankungen: Behandlung

Die Therapie hängt von der Ursache und der Art der Erkrankung ab. Bakterielle Atemwegserkrankungen lassen sich in der Regel mit Antibiotika behandeln, etwa eine durch Pneumokokken verursachte Lungenentzündung. Bei starker Schleimbildung kann das Abhusten durch schleimlösende Medikamente unterstützt werden, während hustenstillende Mittel bei trockenem Reizhusten zum Einsatz kommen können.

Inhalationssprays mit Wirkstoffen, welche die Atemwege erweitern, kommen zum Beispiel bei Asthma und COPD zum Einsatz. Wichtig ist, bei Atemwegserkrankungen auf das Rauchen und bei Infektionen vorübergehend auf Sport zu verzichten. Weiterhin gibt es Inhalationssprays mit Kortison, die zur langfristigen Behandlung von Atemwegserkrankungen infrage kommen.

Ist das Atmen aufgrund einer Atemwegserkrankung erschwert und sinkt die Sauerstoffsättigung im Blut ab, kann zunächst mittels einer Maske oder Nasensonde Sauerstoff zugeführt werden. Bei COPD hilft oftmals eine Langzeit-Sauerstofftherapie. Bei einer Schlafapnoe kann nachts eine Atemmaske nötig werden.

Können Betroffene nicht mehr eigenständig atmen, kann eine invasive Beatmung zum Einsatz kommen. In besonders schweren Fällen muss eine ECMO-Therapie die Funktion der Lunge übernehmen.

Bei Allergien sollten Betroffene das jeweilige Allergen meiden und gegebenenfalls eine Hyposensibilisierung in Betracht ziehen.

Atemwegserkrankungen: Vorbeugung

Viele Atemwegserkrankungen treten saisonal auf, wie etwa Erkältungen oder Grippe. Am besten schützen sich Menschen vor einer Infektion, indem sie sich an Hygieneregeln halten. Dazu zählt etwa regelmäßiges Händewaschen und Abstandhalten zu erkrankten Personen. Auch regelmäßiges Lüften trägt dazu bei, das Risiko einer Infektion mit Erregern zu reduzieren. In der Coronapandemie haben sich außerdem FFP2-Masken als Schutz vor einer Infektion bewährt.

Weiterhin stehen verschiedene Impfungen zur Verfügung, die auch gegen Erreger von Atemwegserkrankungen wirken können. Dazu zählen etwa die Grippe-Schutzimpfung oder Pneumokokken-Schutzimpfung

Darüber hinaus tragen diese Tipps dazu bei, das Immunsystem zu stärken und somit Atemwegserkrankungen vorzubeugen:

  • Übergewicht reduzieren
  • Verzicht auf Nikotin (Rauchstopp)
  • Bewegung an der frischen Luft und Sport
  • Infektionen vollständig auskurieren
  • Umweltgifte und Schadstoffe meiden
  • Ausgewogene, vitaminreiche Ernährung
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr (idealerweise eineinhalb bis zwei Liter Wasser oder ungesüßter Kräutertee täglich)