Weißhaarige ältere Frau mit Teetasse.
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Dysphagie (Schluckstörungen)

Essen und Trinken ist für die meisten Menschen das Normalste der Welt. Wenn sie Hunger haben, nehmen sie sich ein Nahrungsmittel, zerkauen es und schlucken es anschließend hinunter. Für einige Menschen jedoch ist dieser Schluckvorgang keine Selbstverständlichkeit – sie leiden unter Schluckstörungen oder Dysphagien.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Dysphagie (Schluckstörungen)

Was ist eine Dysphagie?

Dysphagie ist der Fachbegriff für Schluckstörungen. Betroffene Personen haben Schwierigkeiten, feste Nahrung oder Flüssigkeiten

  • im Mund zu behalten,
  • in den Rachenraum zu transportieren und/oder
  • zu schlucken.

Dysphagien sind keine Seltenheit: In Deutschland haben mehr als fünf Millionen Menschen Schluckstörungen – vor allem ältere Personen.

Schluckbeschwerden können das Leben stark beeinflussen: Die Dysphagie erschwert die Nahrungsaufnahme, außerdem vermindert sie die Lebensqualität. Menschen mit Schluckstörungen empfinden Essen und Trinken häufig als Last, da sie sich permanent konzentrieren müssen, um sich nicht zu verschlucken. Das kann zu

führen.

Wissenswertes

Der Begriff Dysphagie stammt aus dem Griechischen und leitet sich von der Vorsilbe dys = fehlerhaft und dem Wort phagien = essen ab.

Man unterscheidet:

  • Dysphagie: schmerzfreie Schluckstörung
  • Odynophagie: schmerzhafte Schluckstörung, etwa bei Rachenentzündungen
  • Aphagie: Das Schlucken ist nicht nur gestört, sondern gar nicht mehr möglich, zum Beispiel wenn die Speiseröhre durch einen Tumor verengt wird.

Schlucken ist ein komplexer Vorgang, der sich in mehrere Phasen unterteilen lässt:

  1. Orale Vorbereitungsphase: Die Nahrung wird im Mund zerkleinert und mit Speichel aufgeweicht.
  2. Orale Transportphase: Die Zunge formt aus dem Nahrungsbrei eine kleine Portion (Bolus) und transportiert sie zum Rachen. Nachdem der Bolus eine bestimmte Schwelle überschritten hat, erfolgt der Schluckreflex.
  3. Pharyngeale Phase (Rachenphase): Kehlkopf und Gaumensegel verschließen die oberen (Nase) und unteren Atemwege (Luftröhre und Stimmbänder).
  4. Ösophageale Phase (Speiseröhrenphase): Mithilfe der Schwerkraft und Muskeltätigkeit der Speiseröhre gelangt der Nahrungsbrei in den Magen.

Je nachdem, in welcher Schluckphase die Dysphagie auftritt, unterscheiden sich die Schluckbeschwerden.

Störungen der Schluckphasen

Schluckphase Schluckstörung Symptome
Orale Phasen Lippen oder Kiefer schließen nicht richtig, eingeschränkte Zungenbewegungen Nahrungsbrei oder Speichel läuft aus dem Mund, Nahrungsreste im Mund
Pharyngeale Phase Kehlkopf oder Gaumensegel schließen nicht richtig Verschlucken, Husten, Niesen, Ausspucken der Nahrung
Ösophageale Phase Störung des unteren Speiseröhrenschließmuskels, Speiseröhre verkrampft Gefühl des Steckenbleibens, Aufstoßen bis hin zum Erbrechen

Dysphagie: Ursachen

Schluckstörungen entstehen, wenn die Organe, die am Schlucken beteiligt sind, nicht richtig funktionieren. Die Gründe hierfür reichen von

  • neurologischen Erkrankungen,
  • Erkrankungen der Mundhöhle über
  • Beeinträchtigungen im Rachenbereich bis zu
  • Speiseröhrenerkrankungen.

Besonders oft sind neurologische Erkrankungen für Dysphagien verantwortlich – zum Beispiel:

Darüber hinaus können auch Verengungen der Speiseröhre eine Dysphagie verursachen – etwa wenn Narben, Entzündungen oder Tumoren das Schlucken behindern.

Weitere mögliche Ursachen für Schluckbeschwerden sind:

Dysphagien können auch psychische Ursachen haben, wie zum Beispiel eine Aerophagie (Luftschlucken) oder das sogenannte Globusgefühl, bei dem Betroffene das Gefühl haben, dass ihnen ein Kloß im Hals sitzt.

Dysphagie: Diagnose

Fast jeder hat sich schon einmal an etwas verschluckt oder kennt das Gefühl, die Nahrung würde wie ein Kloß im Hals steckenbleiben – das bedeutet nicht zwingend, dass eine behandlungsbedürftige Dysphagie dahintersteckt. Doch gerade bei älteren Menschen können bestimmte Hinweise auf krankhafte Schluckstörungen hindeuten.

Am besten lassen sich Schluckbeschwerden unmittelbar beim Essen und Trinken beobachten. Typische Symptome einer Dysphagie sind:

  • häufiges Husten und Räuspern
  • Erstickungsanfälle
  • Nachschlucken
  • Nahrungsreste im Mundraum
  • Nahrungsverweigerung
  • Gewichtsverlust

Schon eine leichte Form einer Schluckstörung sollte ein Arzt untersuchen, damit eine zugrunde liegende Erkrankung möglichst schnell behandelt werden kann. Im Vordergrund stehen dabei Fragen nach bereits bekannten Grund- oder Vorerkrankungen. Außerdem wird der Arzt fragen,

  • ob die Schluckbeschwerden abhängig von der Beschaffenheit der Nahrung sind,
  • seit wann die Beschwerden auftreten,
  • ob sie sich mit der Zeit verändert haben und
  • ob der Betroffene zu einer Risikogruppe für eventuelle Grunderkrankungen gehört.

Wichtig ist auch die genaue Beschreibung der Schluckstörungen samt ihrer Begleitsymptome.

Nach der Anamnese folgt eine körperliche Untersuchung. Der Arzt wird außerdem den Kau- und Schluckvorgang genau beobachten.

Je nach vermuteter Ursache und Lokalisation der Dysphagie (im Mund- oder Rachenraum) können weitere Untersuchungen zur Diagnose durchgeführt werden. Hierzu zählen

Bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum können ein Erregerabstrich genommen und eine Blutuntersuchung durchgeführt werden.

Dysphagie: Therapie

Die Behandlung von Dysphagien zielt vor allem darauf ab, Komplikationen zu verhindern: So können bei Schluckbeschwerden zum Beispiel Nahrungsreste eingeatmet werden, was wiederum zu einer Lungenentzündung führen kann (sogenannte Aspirationspneumonie).

  • Bei bakteriellen Entzündungen im Mund- und Rachenraum helfen meist Antibiotika, sodass Schlucken nach kurzer Zeit wieder problemfrei möglich ist.
  • Bei durch Pilzinfektionen (z.B. Soor) verursachten Dysphagien können Antimykotika die Schluckstörungen lindern.

Sehr seltene, aber lebensbedrohliche Infektionskrankheiten wie Tetanus (Wundstarrkrampf) oder Tollwut, die typischerweise auch Schluckstörungen hervorrufen, erfordern eine intensivmedizinische Therapie des Patienten. In schweren Fällen wird der Betroffene dabei künstlich ernährt.

Tritt die Dysphagie dauerhaft auf, beispielsweise bei neurologischen und neurodegenerativen Ursachen, kann manchmal eine sogenannte Schlucktherapie die Beschwerden lindern. Bei dieser sollen wichtige Reflexe wie Schluckreflex und Hustenreflex wieder hergestellt werden. Die Methoden bei dieser Therapie reichen von

  • motorischen Übungen einzelner Muskeln über
  • Veränderungen der Körperhaltung beim Essen bis zum
  • Pürieren von Speisen.

Je nachdem, welche Grunderkrankung besteht, kann auch eine Operation notwendig sein, um die Schluckbeschwerden zu lindern (z.B. bei Speiseröhrenkrebs).

Ist es aufgrund der Dysphagie nicht mehr möglich, Nahrung über den Mund aufzunehmen, müssen Betroffene mithilfe einer Magensonde ernährt werden.