Wehen: Wie lassen sie sich fördern?

Geht es jetzt los? Je weiter die Schwangerschaft fortgeschritten ist, desto häufiger kommt es zu Wehen und desto genauer achtet eine Frau auf jedes Ziehen im Unterleib. Wehen entstehen, wenn sich die Muskelfasern der Gebärmutter zusammenziehen. Es gibt sehr unterschiedliche Wehenarten, von Übungswehen über Geburtswehen bis hin zu Nachwehen. Wie sich echte Wehen anfühlen, wie sie sich fördern lassen und wann es Zeit ist, ins Krankenhaus zu fahren.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Was sind Wehen?

Wehen entstehen, wenn sich die Muskelfasern der Gebärmutter zusammenziehen. Es gibt sehr unterschiedliche Arten von Wehen, die im Verlauf

auftreten und jeweils einem bestimmten Zweck dienen.

Ausgelöst werden Wehen von dem Hormon Oxytocin, das der Vorderlappen der Hirnanhangsdrüse produziert. Wehen dauern in der Regel 20 bis 60 Sekunden an.

Wehen lassen sich nach ihrem zeitlichen Auftreten wie folgt einteilen:

Ob die Schwangere die unterschiedlichen Wehen spürt, hängt davon ab, wie groß ihre Gebärmutter (Uterus) ist und ob sich nur ein Teil oder die gesamte Gebärmutter anspannt. Sehr schwache Wehen lassen sich nur mit technischen Hilfsmitteln aufzeichnen, etwa dem CTG (Wehenschreiber).

Wehen fördern

Viele Frauen sehnen am Ende der Schwangerschaft die Geburt herbei und möchten die Geburt auf natürliche Weise in Gang setzen. Traditionelle Methoden sind wissenschaftlich wenig untersucht und beruhen vor allem auf Erfahrungen. Jede dieser Maßnahmen sollte vor der Anwendung mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt besprochen werden.

  • Stimulation der Brustwarzen: Studien zeigen, dass eine Stimulation der Brustwarzen für mindestens eine Stunde pro Tag den Geburtsbeginn beschleunigen kann, wenn der Muttermund bereits reif ist.
  • Sex: Häufig wird Geschlechtsverkehr empfohlen, um die Wehen zu fördern. Wissenschaftlich belegt ist dies jedoch nicht. Im Sperma befinden sich Prostaglandine, die die Wehentätigkeit in Gang bringen sollen. Auch die Ausschüttung von Oxytocin beim Orgasmus kann dazu führen, dass bei einer Frau die Wehen einsetzen.
  • Rizinusöl: Ein Cocktail aus Rizinusöl in Saft und Wasser soll die Geburtswehen fördern. Gynäkolog*innen raten davon jedoch ab, da dies außerdem Nebenwirkungen wie Krämpfe, Übelkeit und Durchfall zur Folge haben kann. Zudem ist nicht ausgeschlossen, dass das Mittel auch in den kindlichen Blutkreis übergeht.
  • Himbeerblättertee: Der Tee soll wehenauslösend und entkrampfend wirken. Viele Hebammen empfehlen ihn in den letzten Schwangerschaftswochen, um die Geburt zu verkürzen.
  • Nelkenöltampon: Ein mit einer Mischung aus Sonnenblumenöl und fünf bis sechs Tropfen Nelkenöl getränkter Tampon für rund eine Stunde in die Scheide eingeführt soll Wehen in Gang bringen.
  • Akupunktur: Einige Studien zeigen, dass eine geburtsvorbereitende Akupunktur die Wehendauer verkürzen kann und die so behandelten Frauen weniger Schmerz- und Wehenmittel unter der Geburt bekommen mussten.

Wie fühlen sich Wehen an?

Wehen fühlen sich nicht für jede Frau gleich an. Manche spüren Wehen vor allem im Rücken, andere im Bauch. Die meisten Frauen beschreiben Geburtswehen als sehr starke menstruationsartige Krämpfe, die sich vom oberen Bauch nach unten ausbreiten. Manchmal sind Wehen als Druck auf den After zu spüren. Manchen Frauen wird nach jeder Wehe übel, einige müssen aufstoßen oder sich sogar übergeben. Häufig gehen Geburtswehen mit Durchfall einher, da die Kontraktionen auch den Darm stimulieren.

Schon früh in der Schwangerschaft beginnt die Gebärmutter, sich mit unregelmäßigen Kontraktionen auf die Geburt vorzubereiten. Viele Frauen bemerken diese sogenannten Braxton-Hicks-Kontraktionen überhaupt nicht. Andere spüren, dass der Bauch hart wird und es im Unterleib leicht zieht. Stress und Anspannung können dazu führen, dass die Schwangere die Übungswehen stärker wahrnimmt. In diesem Fall sollte sie sich schonen.

Übungswehen oder vorzeitige Wehen?

Selten handelt es sich in der Frühschwangerschaft tatsächlich um vorzeitige Wehen. Übungswehen und Frühwehen können sich jedoch sehr ähnlich anfühlen. Vorwehen sind im Gegensatz zu Übungswehen muttermundwirksam. Das heißt, dass der Muttermund sich im Rahmen der Wehen verkürzt (die Zervixlänge nimmt ab), das Gewebe sich lockert und der Muttermund sich schließlich fortschreitend öffnet.

Treten muttermundwirksame Wehen vor der 37. Schwangerschaftswoche auf, können sie eine Frühgeburt auslösen. Deshalb ist es ratsam, im Zweifel ins Krankenhaus oder zur Frauenarztpraxis zu fahren.

Anders als Übungswehen halten vorzeitige Wehen länger als 30 Sekunden lang an und kehren in regelmäßigen Abständen in derselben Stärke wieder. Befürchtet eine Schwangere, frühzeitige Wehen zu haben, sollte sie ihre Wehentätigkeit über eine Stunde beobachten und dokumentieren.

Wenn …

…die Wehentätigkeit über eine Stunde bestehen bleibt,

…die Wehen jeweils 30 Sekunden oder länger andauern und

…im Abstand von fünf bis zehn Minuten regelmäßig wiederkehren,

sollte sie ihre Hebamme oder Ärztin*Arzt verständigen.

Faustregel:Im letzten Drittel der Schwangerschaft sind maximal drei Wehen pro Stunde normal (ab der 26. SSW max. eine Wehe pro Stunde, ab der 30. SSW max. drei Wehen).

Ein weiteres Warnzeichen sind auftretende Blutungen. Wenn frühzeitige Wehen auftreten, bedeutet das nicht, dass tatsächlich eine Frühgeburt stattfindet. Sie sollten jedoch ärztlich abgeklärt werden.

Wenn es erforderlich ist, die Geburt hinauszuzögern, therapieren Ärzt*innen vorzeitige Wehen mit wehenhemmenden Mitteln(sog. Tokolyse, u.a. mit dem Wirkstoff Fenoterol). Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn die vorzeitigen Wehen sehr früh auftreten und das Kind noch unreif ist.

Vorzeitige Wehen können verschiedene Ursachen haben:

Zudem könnten genetische Faktoren (familiäre Häufung von Frühgeburten) eine Rolle spielen.

Video: Diese 5 Dinge über die Geburt sollten Schwangere wissen

Wann ins Krankenhaus?

Gerade um den errechneten Geburtstermin herum möchte eine schwangere Frau natürlich wissen, wann sie lediglich Übungswehen hat und wann die Geburt beginnt. Ein sicheres Zeichen dafür, dass die Geburt kurz bevorsteht, ist ein Blasensprung. Ansonsten ist es gerade für Frauen, die zum ersten Mal gebären, nicht leicht, zu entscheiden, wann es Zeit ist, ins Krankenhaus aufzubrechen.

Echte Wehen

  • treten regelmäßig auf,
  • treten in immer kürzer werdenden Abständen auf,
  • werden länger und stärker,
  • machen den ganzen Bauch hart und sind von außen tastbar,
  • sind so kräftig, dass die Betroffene sich nicht mehr unterhalten kann, sondern sich ganz darauf konzentrieren muss, diese zu veratmen,
  • ändern sich nicht in ihrer Intensität, egal ob die Schwangere sich ausruht oder läuft.

Manchmal geht der Geburtsbeginn einher mit dem Abgang des Schleimpropfs. Die Schwangere bemerkt dann den Abgang von Schleim und eine leichte Blutung. Es kann jedoch auch sein, dass noch Stunden, Tage oder sogar Wochen vergehen, bis es so weit ist.

Auch wenn die Geburtswehen begonnen haben, muss sich die Schwangere in der Regel noch nicht sofort auf den Weg ins Krankenhaus machen. Solange sie sich zu Hause wohlfühlt, kann sie ihre Wehen dort in gewohnter Umgebung veratmen. Die erste Geburt dauert in der Regel zwölf bis 18 Stunden. Hat bereits eine vaginale Entbindung stattgefunden, kann sich die Geburtszeit etwa um die Hälfte verkürzen. Wenn die Wehen alle fünf bis zehn Minuten auftreten, sollte sich die Frau ins Krankenhaus begeben.

Sofort ins Krankenhaus sollte eine Schwangere, wenn

  • sie sich unwohl fühlt,
  • die Fruchtblase platzt oder die Schwangere vermutet, dass Fruchtwasser austritt,
  • starke Blutungen auftreten,
  • sie Fieber hat oder
  • der Bauch dauerhaft prall gespannt ist und sie sehr starke Schmerzen hat.

Wehenarten

Es gibt verschiedene Wehenarten, die über die gesamte Schwangerschaft hinweg, bei der Geburt und auch danach auftreten.

Schwangerschaftswehen

Bei den Schwangerschaftswehen handelt es sich um Wehen, die etwa ab der 20. Schwangerschaftswoche (SSW) auftreten können. Besonders häufig sind sie im Zeitraum um die 30.& bis 32. SSW. Schwangerschaftswehen fördern die Blutzirkulation in der Gebärmutter und kräftigen die Gebärmuttermuskulatur. Sie treten meist in einem Abstand von einer Minute auf.

Bei Schwangerschaftswehen spannt sich nur ein kleiner Teil der Gebärmuttermuskulatur an. Sie lösen nicht die Geburt aus und werden von der Schwangeren meist gar nicht bemerkt, sondern sind häufig nur als sogenannte Alvarez-Wehen oder Alvarez-Wellen im CTG zu sehen.

Übungswehen

Spannt sich ein größerer Teil der Gebärmuttermuskulatur an, entstehen Übungswehen. Die Gebärmutter übt gewissermaßen, sich anzuspannen. Der Fachbegriff für Übungswehen lautet Braxton-Hicks-Kontraktion.

Übungswehen treten regelmäßig auf, alle paar Stunden oder etwa ein- bis dreimal pro Stunde. Auf eine Übungswehe folgt typischerweise eine Wehenpause. Übungswehen werden ebenfalls ab etwa der 20. SSW beobachtet.

Bei Übungswehen wird mitunter der ganze Bauch hart. Übungswehen, die länger als eine Minute dauern oder starke Schmerzen verursachen, bedürfen der Kontrolle durch Hebammen oder Ärzt*innen. Gegen Ende der Schwangerschaft (ca. ab der 36. SSW) gehen die Übungswehen in Senkwehen beziehungsweise Vorwehen über.

Senkwehen (Vorwehen)

Manche Fachleute nutzen die Begriffe Senkwehen und Vorwehen gleichbedeutend. Dass die Vorwehen auch als Senkwehen bezeichnet werden, liegt daran, dass sie das ungeborene Kind tiefer in das Becken der Mutter verlagern – der Bauch der Schwangeren senkt sich sichtbar nach unten. Senkwehen bringen das Baby in eine Position, die für den späteren Geburtsvorgang günstig ist.

Senkwehen

Die meisten werdenden Mütter spüren ein Spannungsgefühl im Bauch, meist aber keine Schmerzen. Senkwehen können alle zehn Minuten auftreten, dann wieder stunden- oder tagelang gar nicht.

Da durch die Senkwehen die Gebärmutter nach unten verlagert wird, haben Magen und Lunge wieder mehr Platz, das Atmen fällt leichter. Gleichzeitig nimmt der Druck auf die Blase zu und die werdende Mutter muss häufiger zur Toilette.

Bei Vorwehen lassen sich die Schmerzen durch Entspannung und Wärme lindern, beispielsweise in der Badewanne. Sind die Schmerzen stark, treten in kurzen Abständen auf und dauern an, sollten Sie die gynäkologische Praxis aufsuchen.

Überanstrengung kann die Senkwehen verstärken, Entspannung kann sie lindern. Bei Stress sollten Sie zwischendurch eine Pause einlegen und die Füße hochlegen.

Geburtswehen

Geburtswehen leiten die Geburt ein. Sie treten im Normalfall frühestens ab der 37. Schwangerschaftswoche SSW) auf, meist aber erst ab der 39. oder 40. SSW. Durch die Kontraktionen der Gebärmutter während der Geburtswehen wird das Baby nach und nach durch den Geburtskanal geschoben, der Gebärmutterhals verkürzt sich (er "verstreicht") und der Muttermund öffnet sich bis zu den nötigen circa zehn Zentimetern.

Bei den Geburtswehen unterscheidet man

  • Eröffnungswehen,
  • Austreibungswehen inklusive Presswehen und
  • Nachgeburtswehen.

Die Wehendauer und -häufigkeit nimmt im Verlauf der Geburt zu.

Eröffnungswehen sind regelmäßig und treten im Verlauf der Geburt immer öfter auf: etwa alle fünf bis 20 Minuten. Jede Wehe dauert etwa 30 bis 60 Sekunden an. Während der Eröffnungswehen weitet sich der Muttermund und das Kind tritt tiefer ins kleine Becken ein.

Bei Erstgebärenden dauert die Eröffnungsperiode etwa zwölf Stunden, bei Frauen, die bereits Kinder auf die Welt gebracht haben, etwa zwei bis acht Stunden. Von Eröffnungswehen spricht man so lange, bis der Muttermund vollständig geöffnet ist. Dies ist der Fall, wenn er eine Weite von etwa zehn Zentimetern erreicht hat.

Austreibungswehen folgen auf die Eröffnungswehen und dienen dazu, das Kind aus der Gebärmutter durch den Geburtskanal und die Vagina auf die Welt zu bringen. Austreibungswehen erfolgen etwa alle vier bis zehn Minuten. Bei ihnen steigt der Druck in der Gebärmutter auf höhere Werte als unter den Eröffnungswehen. Austreibungswehen dauern bei Erstgebärenden über eine Zeit von etwa einer Stunde an, bei Mehrfachgebärenden etwa 20 Minuten.

Presswehen zählen zu den Austreibungswehen und setzen zum Ende der Geburt ein. Presswehen sind die stärksten Wehen der Schwangerschaft, sie werden meist als enormer Druck auf den Damm empfunden, also den Bereich zwischen Vagina und After. Typischerweise treten sie der letzten Phase der Austreibungsperiode auf.

Presswehen aktivieren die Bauch- und Gebärmuttermuskulatur, das Kind wird in Millimeterschritten durch den letzten Teil des Geburtskanals geschoben. Die Gebärende kann durch aktives Mitpressen (Bauchpresse) dazu beitragen, das Kind noch effektiver im Geburtskanal voranzuschieben.

Ausgelöst werden Presswehen reflektorisch durch den tiefertretenden Kopf des Kindes. Presswehen kommen etwa alle zwei bis drei Minuten – bei ihnen herrscht in der Gebärmutter der größte Druck von allen Wehen. Arbeitet die werdende Mutter aktiv mit, verkürzt sich die Austreibungsphase.

  • Eine Geburt kann nach 2 bis 4 Presswehen vorbei sein,
  • manche Frauen haben auch stundenlang Presswehen,
  • andere gebären bereits, bevor die Presswehen einsetzen.

Nachgeburtswehen

Dank der Nachgeburtswehen löst sich die Plazenta von der Gebärmutterwand. Die Nachgeburtswehen sorgen durch Verkürzung der Muskeln dafür, dass sich die Fläche, an der sich die Plazenta an der Gebärmutterwand anheftet, verkleinert. Auf diese Weise lockert sie sich immer mehr von der Wand und wird schließlich als sogenannte Nachgeburt ausgestoßen. Nachgeburtswehen sind unregelmäßig und wesentlich schwächer als die Geburtswehen.

Nachwehen

Nachwehen finden in den zwei bis drei Tagen nach der Geburt statt, also zu Beginn des Wochenbetts. Nachwehen haben verschiedene wichtige Funktionen:

  • Blutstillung: Durch die Nachwehen werden Blutgefäße der Gebärmutter zusammengedrückt, sodass sich die wunde Stelle, an der die Plazenta gesessen hat, schließt.
  • Nachwehen bringen den Rückbildungsprozess der Gebärmutter in Gang, sodass diese nach und nach die ursprüngliche Größe erreicht.
  • Gleichzeitig beginnt der Wochenfluss, ein reinigender Blut- und Sekretfluss.

Viele Erstgebärende merken die Nachwehen nur als leichtes Ziehen im Bauch. Beim zweiten oder dritten Kind sind die Nachwehen oft schmerzhafter, da die Gebärmutter weiter gedehnt ist und sich stärker zurückbilden muss.

Nachwehen treten besonders beim Stillen auf, lassen aber nach einigen Tagen nach.

Stillwehen

Stillwehen zählen zu den Nachwehen. Ursache für Stillwehen ist der Saugreiz, der durch das Stillen des Neugeborenen entsteht – er führt dazu, dass die Hirnanhangdrüse das Hormon Oxytocin ausschüttet.

Oxytocin wirkt auf zwei Wegen:

  • Es regt die Milchbildung in der Brustdrüse an.
  • Es bewirkt, dass sich die Muskeln der Gebärmutter zusammenziehen.

Daher fördern Stillwehen die Rückbildung der Gebärmutter.