Eine junge Frau am Schreibtisch wirkt erschöpft.
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Kreislaufprobleme

Ob bei großer Hitze oder in der Schwangerschaft: Kreislaufprobleme sind weit verbreitet. Typische Symptome sind Augenflimmern, Schwindel, Blässe oder Übelkeit. Erfahren Sie, was die Ursachen von Kreislaufproblemen sein können und wie Ihr Kreislauf wieder in Schwung kommt.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Kreislaufprobleme

Kreislaufprobleme sind in den meisten Fällen die Folge eines zu niedrigen Blutdrucks (sog. Hypotonie). Sie entstehen, wenn das Gehirn – zumindest kurzzeitig – nicht ausreichend durchblutet ist. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Was passiert bei einem zu niedrigen Blutdruck?

Organe, Muskeln und Knochen werden über den Blutkreislauf kontinuierlich mit Blut versorgt. Das Herz pumpt sauer- und nährstoffreiches Blut durch die Arterien und Arteriolen in den gesamten Körper. Sauerstoffarmes Blut gelangt anschließend über die Venen wieder in die Lunge, wird dort mit Sauerstoff angereichert und dann erneut in den Körper gepumpt..

Damit das sauer- und nährstoffreiche Blut überall hingelangen kann, muss in den Arterien ein gewisser Druck herrschen. Wie hoch dieser Druck ist, gibt der Blutdruckwert an. Ist der Druck zu niedrig, sprechen Mediziner und Medizinerinnen von einer Hypotonie (niedriger Blutdruck). Das Herz muss schneller schlagen (mehr pumpen), um zu gewährleisten, dass alle lebenswichtigen Organe mit Blut versorgt werden. Gelingt das nicht ausreichend, bekommt das Gehirn zu wenig Sauerstoff – Kreislaufprobleme können die Folge sein.

Kreislaufprobleme: Wann zum Arzt?

Gut zu wissen: Ein niedriger Blutdruck und damit verbundene gelegentliche Kreislaufprobleme sind – vor allem bei Menschen im jüngeren und mittleren Alter – meist harmlos. Nur bei alten und herzkranken Personen kann er ein ernster Hinweis auf eine Pumpschwäche des Herzens
sein.

Sie sollten aber mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin darüber sprechen, wenn ...

  • ... der Blutdruck ständig zu niedrig ist.
  • … Sie immer wieder ausgeprägte Kreislaufbeschwerden haben.
  • ... ein akuter Blutdruckabfall auftritt, der oft plötzlich und ohne Warnzeichen heftige Kreislaufprobleme auslöst (bis zur Ohnmacht)

Video: 5 Tipps für ein gesundes Herz-Kreislauf-System

Kreislaufprobleme: Symptome

Je nachdem, ob der plötzlich absackt oder dauerhaft niedrig sind, machen sich Kreislaufprobleme unterschiedlich bemerkbar.

Symptome eines plötzlichen Blutdruckabfalls

Bei einem plötzlichen und heftigen Blutdruckabfall (sog. akute Hypotonie) versacken bis zu 600 Milliliter Blut in die untere Körperhälfte. Dann kann es passieren, dass das Gehirn vorübergehend nicht genug Sauerstoff erhält.

Typische Symptome eines akuten Blutdruckabfalls sind:

Symptome eines dauerhaft zu niedrigen Blutdrucks

Bei manchen Menschen ist der Blutdruck dauerhaft zu niedrig (sog. chronische Hypotonie). Neben typischen Kreislaufproblemen wie Schwindel oder Augenflimmern können zusätzlich Symptome auftreten wie:

Kreislaufprobleme: Ursachen

Kreislaufprobleme können durch unterschiedliche Ursachen entstehen.

Kreislaufprobleme durch eine primäre Hypotonie: Ursache unbekannt

Bei einer primären Hypotonie ist der Blutdruck dauerhaft erniedrigt, wobei die Ursachen dafür nicht genau bekannt sind. Personen mit primärer Hypotonie sind besonders anfällig für Kreislaufprobleme. Das Risiko für Beschwerden steigt zum Beispiel

  • nach langer Bettlägerigkeit,
  • bei Überhitzung (z. B. bei heißem Wetter oder langem Baden in zu heißem Wasser),
  • bei stark schwankenden Temperaturen oder
  • bei kräftezehrenden Erkrankungen.

Kreislaufprobleme durch bestimmte Erkrankungen/Medikamente

Auch bestimmte Erkrankungen oder Medikamente können zu Kreislaufproblemen führen. Ärzte und Ärztinnen sprechen dann von einer sekundären Hypotonie.

Zu Erkrankungen, die zu einer sekundären Hypotonie führen können, zählen unter anderem

  • Herz- oder Gefäßkrankheiten
  • Lungenerkrankungen
  • Hormonstörungen
  • Erkrankungen des Nervensystems

Medikamente, die zu Kreislaufproblemen führen können, sind zum Beispiel entwässernde Mittel, Betablocker oder Augentropfen gegen grünen Star.

Orthostatische Dysregulation: Kreislaufprobleme beim ruckartigen Aufstehen

Vielen Menschen ist es schon einmal passiert, dass ihnen vorübergehend schwarz vor Augen wurde, nachdem sie aus dem Liegen oder Sitzen schnell aufgestanden sind. Bei diesen Kreislaufproblemen sprechen Ärzte und Ärztinnen von einer orthostatischen Dysregulation.

Unter Orthostase versteht man die aufrechte Lage des Körpers. Damit alle Organe ausreichend mit Blut versorgt sind, muss der Körper seinen Blutdruck im Sitzen oder Stehen entsprechend anpassen. Bei der orthostatischen Dysregulation ist dieser Mechanismus gestört: Das Blut sackt in die Beine und der Körper schafft es nicht, rechtzeitig durch Zusammenziehen der Arterien gegenzusteuern. Dadurch erhält das Gehirn vorübergehend weniger Sauerstoff.

Eine Orthostasestörung kann auch bei langem Stehen, in großen Menschenmengen sowie nach üppigen Mahlzeiten – vor allem in Kombination mit Alkoholgenuss – Kreislaufprobleme bereiten. Die Kreislaufbeschwerden reichen

Weitere Ursachen für Kreislaufbeschwerden

Weitere mögliche Ursachen für kurzzeitige Kreislaufbeschwerden sind zum Beispiel:

  • akute Erkrankungen, die den Körper schwächen,
  • Vergiftungen,
  • Verletzungen mit starkem Blutverlust,
  • Schockzustände, psychische Erkrankungen oder
  • Asthma bronchiale .

Bei manchen Personen führt eine Reizung des Nervus vagus (= 10. Hirnnerv) zu Kreislaufproblemen. Bei entsprechender Veranlagung erweitern sich die Blutgefäße plötzlich, wenn der Nerv gereizt wird. Die Folge: Herzfrequenz und Blutdruck sinken. Dies kann zum Beispiel bei Erschrecken oder Angst passieren.

Kreislaufprobleme bei Hitze

Bei großer Hitze klagen viele Menschen über Kreislaufprobleme. Der Grund: Der Körper versucht durch verschiedene Maßnahmen, überschüssige Wärme abzugeben. Dabei weiten sich die Blutgefäße. Der Blutdruck sinkt und das Herz muss mehr pumpen, um alle Organe zu versorgen. Hinzu kommt, dass der Mensch bei Hitze mehr schwitzt. Wird der Flüssigkeitsverlust nicht ausgeglichen, dickt das Blut ein und kann nicht mehr so gut zirkulieren. So kann es passieren, dass das Gehirn für eine kurze Zeit zu wenig Sauerstoff erhält.

Kreislaufprobleme in der Schwangerschaft

Besonders häufig treten Kreislaufprobleme in der Schwangerschaft auf. Vor allem in den ersten Monaten leiden viele schwangere Frauen darunter.

Das Hormon Progesteron bewirkt, dass Blutvolumen und Herzfrequenz während der Schwangerschaft zunehmen. Außerdem weiten sich die Blutgefäße, weil die Hormonumstellung während der Schwangerschaft dazu führt, dass sich die Gefäßmuskulatur entspannt. So steigt die Wahrscheinlichkeit für Kreislaufbeschwerden.

Stürze sind für Mutter und Kind gefährlich. Wenn Sie Anzeichen für Kreislaufprobleme bemerken, sollten Sie sich daher sofort setzen – oder am besten gleich hinlegen und die Beine hochlagern.

Kreislaufprobleme: Diagnose

Im Gespräch wird der Arzt oder die Ärztin zum Beispiel wissen wollen,

  • seit wann die Kreislaufprobleme bestehen,
  • ob die Beschwerden in bestimmten Situationen aufgetreten sind, z. B. beim plötzlichen Aufstehen, nach Aufregung oder beim Sport,
  • ob der Patient bestimmte Medikamente einnimmt und wenn ja, welche und
  • ob bestimmte Vorerkrankungen bekannt sind.

Um zu klären, was hinter den Kreislaufproblemen steckt, ist zudem eine körperliche Untersuchung wichtig. Dabei wird der Arzt oder die Ärztin

  • den Herzschlag auf Regelmäßigkeit und Frequenz kontrollieren,
  • den Blutdruck messen,
  • ein EKG anfertigen und
  • nach körperlichen Auffälligkeiten suchen.

Mithilfe des Schellong-Tests kann der Arzt oder die Ärztin herausfinden, ob die Kreislaufbeschwerden entstehen, weil sich der Körper nicht schnell genug auf einen Positionswechsel reagiert (sog. orthostatische Dysregulation). Dazu werden Blutdruck und Puls im Stehen und Liegen mehrfach gemessen. Anhand der Werte kann beurteilt werden, wie gut sich das Herz-Kreislauf-System an die veränderte Körperposition anpasst.

Wenn der Arzt oder die Ärztin den Verdacht hat, dass möglicherweise eine Erkrankung hinter den Beschwerden steckt, können weitere Untersuchungen notwendig sein. Dazu gehören unter anderem

Kreislaufprobleme: Erste Hilfe & Therapie

Erste Hilfe bei Kreislaufproblemen

  1. Wenn akute Kreislaufprobleme auftreten, lautet die erste Therapie-Maßnahme: Sofort hinlegen und die Beine hochlagern.
  2. Wenn die Probleme länger als wenige Minuten anhalten, der Betroffene einen Krampf bekommt oder ohnmächtig wird, sollten Sie einen Arzt verständigen oder ins Krankenhaus fahren.
  3. Falls ein Kreislauf-Stillstand eintritt, weil es sich um eine schwere Erkrankung und nicht um eine simple Hypotonie handelt, erfordert dies eine sofortige Wiederbelebung. Beginnen Sie unverzüglich mit der Herzmassage und rufen Sie den Notarzt.

Die weitere Behandlung der Kreislaufprobleme ist vor allem von der Ursache abhängig. Wenn eine bestimmte Erkrankung die Beschwerden ausgelöst hat, wird der Arzt oder die Ärztin die Therapie entsprechend darauf ausrichten.

Wer im jüngeren oder mittleren Alter einen dauerhaft leicht niedrigen Blutdruck hat, bei dem sind gelegentliche Kreislaufprobleme zumeist harmlos. Eine besondere Therapie ist in dem Fall nicht nötig. Wenn die Organe jedoch immer wieder nicht ausreichend mit Blut versorgt werden, ist eine umfassendere Behandlung ratsam.

Allgemeine Maßnahmen bei Kreislaufproblemen

Wer leichte Kreislaufprobleme hat, die nicht auf eine bestimmte Erkrankung zurückzuführen sind, kann selbst einiges tun:

  • Durch heiß-kalte Wechselduschen können Sie Ihren Kreislauf anregen. Wichtig: Hören Sie mit kaltem Wasser auf.
  • Auch regelmäßige Bürstenmassagen bringen den Kreislauf in Schwung. Achten Sie darauf, immer zum Herzen hin zu massieren.
  • Sorgen Sie für regelmäßige Bewegung. Geeignet sind Ausdauersportarten sind zum Beispiel Wandern, Schwimmen oder Radfahren.
  • Verzichten Sie auf Nikotin.
  • Achten Sie darauf, genug zu trinken. Ausnahme: Manche Herzkranke dürfen nicht so viel Flüssigkeit zu sich nehmen. Fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt oder Ihre Ärztin.
  • Meiden Sie zu üppiges Essen und übermäßigen Alkoholkonsum.
  • Kompressionsstrümpfe können sinnvoll sein, wenn Sie zu Krampfadern neigen.
  • Eine ausgewogene, eher salzreiche Ernährung kann hilfreich sein.

Grundsätzlich gilt: Lassen Sie schwere oder anhaltende Kreislaufprobleme immer ärztlich abklären.

Medikamente gegen Kreislaufprobleme

Wenn die Kreislaufprobleme mit einfachen Mitteln nicht in den Griff zu bekommen sind, wird der Arzt oder die Ärztin möglicherweise Medikamente verschreiben. Welche Arzneimittel infrage kommen, hängt vor allem von der Ursache der Kreislaufbeschwerden ab. Wenn keine bestimmte Erkrankung dahintersteckt, können gegebenenfalls blutdrucksteigernde Mittel mit Wirkstoffen wie Etilefrin zum Einsatz kommen.