Eine Frau zieht sich Kompressionsstrümpfe an.
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Thrombose, Blutgerinnsel

Bei einem Verdacht auf Thrombose sollte man nicht zu lange warten, sondern die Beschwerden rasch abklären. Woran man eine Thrombose erkennt und welche Ursachen Blutgerinnsel haben.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Thrombose, Blutgerinnsel

Pro Jahr erleben in Deutschland etwa ein bis zwei von 100.000 Menschen die Thrombose einer tiefen Vene. Dabei sind Frauen insgesamt etwas häufiger betroffen als Männer. Neben Geschlecht und Alter gibt es weitere Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit für eine Thrombose erhöhen können.

Was ist eine Thrombose?

Eine Thrombose ist der Verschluss eines Blutgefäßes durch ein Blutgerinnsel (sog. Thrombus). Am häufigsten sind die tiefen Beinvenen davon betroffen. Als Folge können Symptome wie Schmerzen und eine Schwellung am Bein auftreten.

Haben Sie den Verdacht, dass bei Ihnen eine Thrombose vorliegen könnte, sollten Sie Ihre Beschwerden baldmöglichst von einem Arzt abklären lassen. Denn bei einer Thrombose ist vor allem ein rascher Therapiebeginn wichtig.

Thrombose, Blutgerinnsel: Symptome

Bei einer Thrombose sind die Symptome in der Anfangsphase oft untypisch. Je nachdem, an welcher Stelle die Thrombose auftritt – wo sich das Blutgerinnsel also befindet –, verursacht sie unterschiedliche Anzeichen und Beschwerden.

Thrombose im Bein

Als mögliche Anzeichen für eine Thrombose der Beinvenen gelten folgende Symptome:

  • spontane oder belastungsabhängige Schmerzen, die sich durch Hochlagerung des betroffenen Beins bessern
  • bei Tieflagerung des Beins empfindet der Betroffene ein Spannungsgefühl, einen ziehenden Schmerz oder eine Art Muskelkater
  • Druckschmerz an der Innenseite der Fußsohle (sog. Payr-Zeichen) und im Verlauf der von der Thrombose betroffenen Vene
  • Wadenschmerzen bei Beugung des Fußes (sog. Homans-Zeichen)
  • Wadenschmerzen auf Druck (sog. Meyer-Zeichen)
  • zunehmende Schwellung mit Zunahme des Beinumfangs
  • Überwärmung des Beins
  • oberflächliche Venen zeichnen sich stärker ab (Warnvenen)

Bei einer Thrombose können solche Symptome auftreten, müssen aber nicht. Zu welchen Anzeichen es kommt, fällt von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich aus.

Entwickelt sich als Folge der Thrombose eine Lungenembolie, treten Symptome hinzu, die die Atmung und den Kreislauf betreffen. Je nach Schweregrad der Embolie reichen die Beschwerden von leichter Atemnot und Schwindel bis hin zu starker Luftnot, großer Angst und Unruhe. Kommt es zu einem Atemstillstand, besteht Lebensgefahr. Wer solche Anzeichen feststellt, sollte umgehend einen Arzt aufsuchen oder den Notarzt rufen.

Thrombose im Arm

Eine Thrombose im Arm ist häufig sehr schmerzhaft. Der Arm ist dabei geschwollen und die Venen zeichnen sich verstärkt an der Oberfläche ab. Eine Thrombose im Arm ruft eindeutigere Symptome hervor als eine Thrombose im Bein. Bei dieser fehlen klare Anzeichen oft.

Thrombose, Blutgerinnsel: Ursachen

Wenn ein Blutgerinnsel ein Gefäß verschließt (sog. Thrombose) lässt sich in der Regel auf eine oder mehrere der folgenden Ursachen zurückführen:

  • eine Schädigung der Gefäßwand
  • einen verlangsamten Blutfluss
  • eine erhöhte Gerinnungsneigung des Bluts aufgrund einer veränderten Blutzusammensetzung

Eine Thrombose der Venen (auch venöse Thrombose oder Phlebothrombose genannt) entsteht meist durch einen verlangsamten Blutfluss und eine erhöhte Gerinnungsneigung.

Eine Thrombose der Arterien (auch arterielle Thrombose genannt) entsteht dagegen vor allem durch eine Schädigung der Gefäßwand. Solch eine Schädigung ist meist Folge einer Arteriosklerose (sog. Arterienverkalkung). Bei dieser Gefäßerkrankung lagern sich Bindegewebe, Blutfette und Kalk an den Gefäßwänden ab.

Die Ablagerungen heißen in der Fachsprache Plaques. Brechen die Plaques auf, kann sich an diesen Stellen ein Blutgerinnsel auflagern und das Gefäß verschließen. Arterielle Thrombosen können zum Beispiel in den Herzkranzgefäßen auftreten. Mediziner sprechen dann nicht von einer Thrombose, sondern von einem Herzinfarkt.

Risikofaktoren für die Entstehung von Blutgerinnseln

Verschiedene Risikofaktoren begünstigen, dass ein Blutgerinnsel entsteht:

Video: 5 Tipps für ein gesundes Herz-Kreislauf-System

Reisethrombose: Relativ unwahrscheinlich

Das Risiko für eine Reisethrombose auf einem Langstreckenflug (länger als vier Stunden) ist geringer, als häufig beschrieben. Tatsächlich erkranken nur etwa zwei von 10.000 Menschen daran. Das entspricht 0,02 Prozent.

Thrombose, Blutgerinnsel: Diagnose

Besteht aufgrund der Beschwerden der Verdacht auf eine Thrombose, sichert der Arzt die Diagnose mit bildgebenden Verfahren wie einer Ultraschalluntersuchung. Da der Therapie-Erfolg entscheidend davon abhängt, wie lange das Blutgerinnsel schon besteht, ist bei Verdacht auf eine Thrombose eine schnelle Diagnose wichtig.

Um ein Blutgerinnsel auszuschließen, kann der Arzt zudem die Konzentration der D-Dimere im Blut bestimmen. D-Dimere entstehen bei der Spaltung von Fibrin, einem wichtigen Eiweiß der Blutgerinnung. Die Konzentration der D-Dimere steigt im Falle einer Thrombose, aber auch durch andere Umstände. Von einem erhöhten Wert kann man deshalb nicht automatisch auf ein Blutgerinnsel schließen.

Um eine Thrombose nachzuweisen beziehungsweise auszuschließen, eignen sich spezielle Ultraschalluntersuchungen (Kompressionssonographie, Dopplersonographie). Sie gelten heute als Standardverfahren, um eine Thrombose nachzuweisen. Auch eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel (Phlebographie) kann Aufschluss bringen, hierbei ist aber die Strahlenbelastung zu bedenken. Zudem reagieren manche Menschen allergisch auf das verabreichte Kontrastmittel.

Thrombose, Blutgerinnsel: Behandlung

Bei einer Thrombose (Gefäßverschluss durch ein Blutgerinnsel) unterscheidet sich die Behandlung abhängig davon, ob eine venöse oder eine arterielle Thrombose vorliegt. In beiden Fällen kann es mit der richtigen Therapie gelingen, das Blutgerinnsel aufzulösen und den Blutfluss wiederherzustellen.

Die Thrombose-Behandlung soll außerdem verhindern, dass das Blutgerinnsel weiterwächst beziehungsweise sich neue Blutgerinnsel bilden. So lässt sich das Risiko für Komplikationen oder Spätfolgen verringern.

Das Auflösen des Blutgerinnsels – die sogenannte Thrombolyse – ist hingegen nur für einen kurzen Zeitraum möglich: in der Anfangsphase einer Thrombose. Die Behandlung sollte daher möglichst rasch beginnen. Da eine Thrombolyse jedoch auch sehr komplikationsträchtig, wird sie nur in lebensbedrohlichen Situationen durchgeführt (wie z.B. bei einer Lungenembolie mit Kreislaufzusammenbruch).

Thrombose der Venen

Bei einer Thrombose der Venen verabreicht der Arzt dem Betroffenen in der Regel zuerst Heparin. Dieser Wirkstoff hemmt die Blutgerinnung und kann dazu beitragen, dass sich das Gerinnsel auflöst.

Weitere wichtige Erstmaßnahmen bestehen darin,

  • die Beine hochzulagern und
  • einen straffen Verband anzulegen, der das ganze Bein oder den ganzen Arm umfasst (Kompressionsverband).

Beide Maßnahmen sollen den Rückfluss des venösen Bluts zum Herzen erleichtern und verhindern, dass das Blut sich im Bein staut.

Den Wirkstoff Heparin erhält der Betroffene etwa eine Woche lang. An diese Akutbehandlung schließt sich meist eine längerfristige Einnahme von gerinnungshemmenden Mitteln in Tablettenform an (z.B. mit dem Wirkstoff Phenprocoumon oder Apixaban). Um zu vermeiden, dass erneut eine Thrombose auftritt, sollte man diese Behandlung mindestens drei Monate fortführen.

Gleichzeitig sollte der Betroffene die Kompressionsbehandlung fortführen und Kompressionsstrümpfe tragen. Um den venösen Rückfluss zu unterstützen, sollte der Betroffene sich außerdem regelmäßig bewegen und spezielle Übungen für die Wadenmuskulatur durchführen.

Thrombose der Arterien

Auch bei einer arteriellen Thrombose versucht man zuerst, das Blutgerinnsel durch Gerinnungshemmer wie Heparin aufzulösen.

Teilweise kommen bei einer Thrombose der Arterien auch operative Methoden zum Einsatz. Für die operative Entfernung des Blutgerinnsels (die sogenannte Thrombektomie) stehen drei verschiedene Operationstechniken zur Verfügung, die mit der Gabe von Medikamenten kombiniert werden:

  • Offene Thrombektomie: Der Operateur öffnet die Stelle, an der sich das Blutgerinnsel im Blutgefäß befindet und entfernt das Gerinnsel. Danach vernäht er die Stelle. Dieses Verfahren kommt infrage, wenn lediglich ein kurzer Gefäßabschnitt betroffen ist.
  • Ballonkatheter: Hierbei führt der Arzt durch einen kleinen Hautschnitt einen Katheter mit einem aufblasbaren Ballon an der Spitze in das betroffene Gefäß ein. Diesen Katheter schiebt er an dem Gerinnsel vorbei. Anschließend wird der Ballon aufgepumpt und langsam zurückgezogen. So kann der Arzt das Blutgerinnsel bis zur Öffnungsstelle vorschieben, wo er es dann entfernt.
  • Kompressionsthrombektomie: Befindet sich das Blutgerinnsel in den Beinvenen, kann man versuchen, es nach Öffnen der Vene durch Druck aus der Vene herauszupressen.

Thrombose, Blutgerinnsel: Verlauf

Mögliche Komplikationen

Im Verlauf einer Thrombose kann es zu verschiedenen Komplikationen kommen. Die am meisten gefürchtete Komplikation ist die Embolie. Diese entsteht, wenn sich das Blutgerinnsel oder ein Teil davon löst und mit dem Blut fortgeschwemmt wird. Das Gerinnsel kann über die Venen und das rechte Herz in die Lunge gelangen und dort eine Lungenembolie verursachen. Bei bis zu jedem zweiten Betroffenen mit tiefer Beinvenenthrombose tritt als Komplikation eine Lungenembolie unterschiedlichen Schweregrads auf.

Eine ebenfalls ernst zu nehmende Komplikation besteht, wenn Bakterien das Blutgerinnsel besiedeln und sich diese auf dem Blutweg ausbreiten (Blutvergiftung). In solch einem Fall kann eine Behandlung mit Antibiotika helfen.

In einigen Fällen (z.B. bei verzögertem Therapiebeginn) entwickelt sich ein sogenanntes postthrombotisches Syndrom. Dieses äußert sich als chronische Veneninsuffizienz durch bleibende Schädigung der Venenklappen. Folge ist eine bleibende Venenschwäche mit den dazugehörigen Folgen:

  • Wasser lagert sich im Gewebe ein (Ödem).
  • Im weiteren Verlauf entstehen Krampfadern (Varizen).
  • Die Haut und das Unterhautfettgewebe entzünden und verhärten sich (Dermatitis/Dermatoliposklerose).
  • Unbehandelt können sich Geschwüre (Ulcera) bilden.

Erweiterte Venen entstehen, wenn das betroffene Gefäß verschlossen bleibt. Dann bilden sich Umgehungswege über die oberflächlichen Venen. Ist der Blutabstrom – besonders aus den Beinen – dauerhaft behindert, können sich dadurch Geschwüre (Ulcus cruris) bilden: das sogenannte offene Bein. Ein offenes Bein heilt in der Regel eher schlecht ab.

Prognose

Bei einer Thrombose hängt die Prognose stark von der Vorgeschichte ab. Personen, die bereits eine Thrombose gehabt haben, haben ein erhöhtes Risiko für eine weitere Thrombose. Wenn Risikofaktoren vorliegen, sollten Betroffene daher konsequent vorbeugende Maßnahmen (Thromboseprophylaxe) einhalten.

Außerdem ist bei einer Thrombose entscheidend, wie schnell eine angemessene Behandlung begonnen wurde. Ein Blutgerinnsel lässt sich nur innerhalb eines kurzen Zeitraums in der Anfangsphase des Venenverschlusses medikamentös auflösen. Deshalb ist es wichtig, bei Verdacht auf eine Thrombose schnell zu handeln, um eine möglichst gute Prognose zu erreichen.

Thrombose, Blutgerinnsel: Vorbeugen

Tipps zur Thromboseprophylaxe

Unter dem Begriff Thromboseprophylaxe versteht man Maßnahmen, mit deren Hilfe man einer Thrombose (Gefäßverschluss durch ein Blutgerinnsel) so weit wie möglich vorbeugen kann.

Folgende Tipps helfen dabei, das Risiko für eine Thrombose zu senken:

Nach einer Thrombose kommen zusätzlich zu den diesen Tipps weitere Maßnahmen zum Einsatz. Erneuten Gefäßverschlüssen können Sie in Absprache mit Ihrem Arzt mithilfe von gerinnungshemmenden Medikamenten vorbeugen. Zu den Wirkstoffen, die Ärzte zur Thromboseprophylaxe nach vorangegangenen Venenverschlüssen verschreiben, zählen zum Beispiel:

Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) kann zum Einsatz kommen, um einer arteriellen Thrombose vorzubeugen. Ob ASS auch bei der Prophylaxe einer Venen-Thrombose effektiv hilft, ist dagegen fraglich. Studie liefern hierzu widersprüchliche Ergebnisse.

Nach einer Thrombose wird man Ihnen Bewegungsübungen zeigen (z.B. Fußwippen), die den Rückfluss des venösen Blutes zum Herzen unterstützen. Diese Übungen sollten Sie zuhause selbstständig und regelmäßig fortführen sollten.

Wahrscheinlich wird Ihr Arzt Ihnen auch Kompressionsstrümpfe verschreiben, die Sie täglich tragen sollten. Je nach individuellen Umständen kommt für Sie auch die intermittierende pneumatische Kompressionsbehandlung (IPK) infrage. Bei dieser Behandlung legt man eine Druckluftmanschette am Bein an, die in kurzen Abständen einen dosierten Druck ausübt.

Nach einer Beinvenenthrombose kann außerdem ein spezielles Venenkissen die anderen Prophylaxemaßnahmen unterstützen. Durch das Venenkissen liegen die Beine beim Schlafen etwa 15 bis 20 Zentimeter höher als das Herz. Das venöse Blut kann so leichter zum Herz zurückfließen und staut sich nicht im Bein.