Das Bild zeigt einen Mann mit einer Sauerstoffmaske.
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Sauerstofftherapie

Es gibt verschiedene Arten der Sauerstofftherapie, zum Beispiel die Langzeit-Sauerstofftherapie und die Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie.

Allgemeines

Bezüglich ihrer Anwendungsgebiete und der nachgewiesenen Wirksamkeit unterscheiden sich die Therapieformen erheblich. Alle Formen beruhen aber darauf, dass eine mangelnde Sauerstoffversorgung der Zellen vorliegt, welche einen Leistungsabfall und eine gestörte Funktion der Organe mit sich bringt. Durch die Behandlung soll der Sauerstoffpartialdruck verbessert und auf diese Weise der Organismus gestärkt werden.

Als Langzeit-Sauerstofftherapie wird eine Behandlungsmethode bezeichnet, bei der der Betroffene über einen Zeitraum von mindestens 16 Stunden pro Tag oder dauerhaft bei körperlicher Belastung über eine Nasensonde Sauerstoff erhält. Die Sauerstoff-Langzeittherapie wird seit Jahren in der Medizin angewandt und zählt nicht zu den alternativen Heilverfahren. Ihre Wirksamkeit konnte in mehreren Studien bewiesen werden. Infolge des Leistungsausschlusses der gesetzlichen Krankenkassen muss der Patient die ambulante Sauerstofftherapie selbst bezahlen – die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht.

Grundlage der Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie (SMT) ist die Annahme, dass der Druck des im arteriellen Blut gelösten Sauerstoffs alters- und stressbedingt sinkt. Dadurch kann es zu Leistungsschwäche und Organstörungen kommen. Ein Teufelskreis entsteht, wenn sich zudem auch die Blutgefäße verengen, da dies zu einer weiteren Mangelversorgung mit Sauerstoff führen kann.

Der Dresdner Physiker Manfred von Ardenne entwickelte verschiedene Verfahren der Sauerstofftherapie. Nach seinem Konzept kann der geringe Sauerstoffpartialdruck durch Vitaminzufuhr, Einatmen von Sauerstoff und Bewegung verbessert werden. Der Partialdruck in den Arterien soll dadurch steigen, in den Venen dagegen sinken. Anhänger der SMT gehen davon aus, dass diese Form der Sauerstofftherapie die Blutkapillaren wieder weitet und die Blutzirkulation verbessert. Die Lunge kann dadurch wieder mehr Sauerstoff aufnehmen und das Gewebe wird besser mit Sauerstoff versorgt. Wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit dieses alternativen Heilverfahrens gibt es jedoch bisher nicht.

Historisches

Die Sauerstofftherapie beruht auf der Entdeckung des Sauerstoffgases durch den Theologen und Privatgelehrten Joseph Priestly (1733-1804). Bereits wenige Jahre später stellte er die Theorie auf, dass inhalierter Sauerstoff eine medizinische Wirkung hat. Aufgrund dieses Konzepts entwickelten sich in ganz Europa unterschiedliche Therapieformen, die Sauerstoff als Wirkmittel einsetzten.

Manfred von Ardenne (1907-1997), Physiker und Erfinder aus Dresden, entwickelte zum Beispiel 1969 die beiden Verfahren der Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie und der Krebs-Mehrschritt-Therapie.

Durchführung

Für die Durchführung der Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie gibt es kein einheitliches Konzept. Die Behandlung verläuft individuell und kann den jeweiligen Bedürfnissen angepasst werden. Vor der Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie wird eine medizinische Diagnose gestellt und eine Blutgasanalyse durchgeführt.

Grundsätzlich wird die Behandlung in drei Schritte unterteilt:

  1. Um die Sauerstoffaufnahme zu fördern, erhält der Behandelte zunächst eine Kombination aus Vitaminen und gefäßerweiternden Substanzen.
  2. Im nächsten Schritt atmet man über eine Sauerstoffmaske oder eine Nasensonde ein Sauerstoff-Luftgemisch ein.
  3. Zuletzt gehört ein dosiertes Bewegungstraining zur Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie, welches die Sauerstoffaufnahme weiter unterstützen soll. Dazu eignen sich zum Beispiel Ergometer-Training sowie Gehtraining oder Gymnastik.

Normalerweise sind bei der Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie 18 Therapiesitzungen mit einer Dauer von jeweils zwei Stunden notwendig. Eine Variante der Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie ist der 15-Minuten-O2-Schnellprozess. Bei diesem werden Ergometertraining und Sauerstoffinhalation gleichzeitig durchgeführt.

Bei der Langzeit-Sauerstofftherapie wird Sauerstoff über eine Maske oder eine nicht abgedichtete Nasensonde nach einer vorangegangenen Blutgasanalyse inhaliert. In Einzelfällen kann der Sauerstoff über einen Katheter direkt in die Luftröhre gegeben werden. Die Anwendung sollte während der gesamten Nacht und tagsüber zumindest in allen Ruhephasen erfolgen. Insgesamt muss ein Behandlungszeitraum von mindestens 16 Stunden täglich erreicht werden, empfohlen wird eine 24-stündige Inhalation. Betroffene können zu Hause den Sauerstoff über einen sogenannten Sauerstoffkonzentrator erhalten. Zusätzlich benötigen sie eine mobile Druckgasflasche, wenn sie das Haus nur gelegentlich verlassen. Sehr mobile Personen, die häufig außer Haus sind, erhalten ein Flüssigsauerstoffsystem mit tragbarem Tank.

Anwendungsgebiete

Eine Sauerstofftherapie kann bei allen Formen von Sauerstoffmangelkrankheiten Anwendung finden, beispielsweise:

Die Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie soll außerdem die Leistungsfähigkeit des Körpers verbessern und Alterserscheinungen entgegenwirken. Sie wird häufig auch bei zu hohem oder zu niedrigem Blutdruck, bei Herzreaktion aufgrund eines Druckanstiegs im Lungenkreislauf, Hörsturz oder Sehverschlechterungen angewendet.

Nicht angewendet werden sollte die Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie zum Beispiel bei bestimmten Herz- und Lungenerkrankungen sowie neurologischen Erkrankungen wie Epilepsie und Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose).

Die positive Wirkung der Langzeit-Sauerstofftherapie wurde vor allem bei Personen mit einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) oder einem Lungenemphysem nachgewiesen. Außerdem findet sie Anwendung bei anderen Erkrankungen, die zu einem Sauerstoffmangel im Blut führen können. Zu diesen zählen beispielsweise:

  • weitere Lungenerkrankungen
  • Atemwegserkrankungen
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Risiken und Komplikationen

Eine häufige Nebenwirkung der Langzeit-Sauerstofftherapie sind trockene Nasenschleimhäute. Durch Vorschalten eines Gasbefeuchters und Pflege der Schleimhäute mit entsprechenden Salben kann dieses aber vermieden werden.

Beim Einsatz der Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie gibt es verschiedene Risikofaktoren, die beachtet werden sollten. Bei der Inhalation von reinem Sauerstoff darf eine Anwendungsdauer von vier Stunden nicht überschritten werden. Eine erhöhte Dosis Sauerstoff kann zu Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und Kopfschmerzen führen. Möglicherweise kann ein Gasgemisch mit einem Sauerstoffanteil von über 60 Prozent dauerhafte Schäden hervorrufen. Die Sauerstofftherapie sollte aufgrund der nicht absehbaren Nebenwirkungen nur durchgeführt werden, wenn lebensrettende Einrichtungen vorhanden sind, um mögliche Komplikationen direkt behandeln zu können.