Frau mit Hörsturz sitzt und fasst sich mit Hand ans Ohr.
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Hörsturz: Symptome, Ursachen und Behandlung

Ein Hörsturz kommt wie aus dem Nichts: Plötzlich können Betroffene schlechter oder gar nichts mehr hören. Weitere Anzeichen sind oftmals Schwindel oder Ohrgeräusche (Tinnitus). Welche Symptome noch typisch sind und ob sich ein Hörsturz behandeln und heilen lässt, lesen Sie hier.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

FAQ: Fragen und Antworten zum Hörsturz

Medizinisch gesehen handelt es sich bei einem Hörsturz zwar nicht um einen Notfall, dennoch sollten sich Betroffene bei den ersten Symptomen möglichst schnell ärztlich untersuchen lassen – spätestens jedoch nach ein bis zwei Tagen. 

Ja, ein Hörsturz kann Anzeichen für einen Schlaganfall sein. Laut einer kanadischen Studie kündigen sich rund 15 Prozent der Schlaganfälle durch Schwindel, Tinnitus und Hörverlust an.

Menschen mit Hörsturz sollten sich zunächst an die ärztlich verordnete Therapie halten. Darüber hinaus ist es essenziell, Stress zu vermeiden sowie auf Ruhe und Entspannung zu achten. Wichtig ist zudem der vollständige Verzicht auf Nikotin.

Was ist ein Hörsturz?

Als Hörsturz (auch Gehörsturz oder Ohrinfarkt) bezeichnen Fachleute plötzliche, meist einseitige Hörprobleme bis hin zum vollständigen Hörverlust. Betroffene beschreiben ein dumpfes Gefühl, das sich wie Watte im Ohr anfühlt. Oftmals kommt es auch zu Ohrgeräuschen. 

Ein Hörsturz tritt überwiegend um das 50. Lebensjahr herum auf. Allerdings steigt der Anteil jüngerer Personen stetig. Im Kindesalter ist ein Hörsturz eher selten. Laut der Deutschen Tinnitus-Liga erleiden rund 150.000 Deutsche jährlich einen Hörsturz, wobei die Ursache oft unbekannt ist (idiopathischer Hörsturz). Fachleute vermuten mitunter eine gestörte Durchblutung im Innenohr – auch Stress scheint eine Rolle zu spielen. 

Hörsturz: Welche Symptome sind möglich?

Typische Symptome für einen Hörsturz sind:

  • plötzliche Hörminderung bis hin zur Taubheit
  • meist einseitig Hörprobleme, seltener sind beide Ohren betroffen
  • dumpfes Druckgefühl im Ohr, als würde Watte im Ohr stecken
  • Ohrgeräusche (Tinnitus)
  • Schwindel
  • Fehlhörigkeit (Betroffene nehmen Töne verzehrt wahr)
  • Geräuschüberempfindlichkeit (Hyperakusis)

Der Hörverlust kann in einzelnen oder mehreren Frequenzbereichen auftreten. Das bedeutet, Betroffene nehmen bestimmte Tonhöhen nicht beziehungsweise schlechter wahr – andere Tonhöhen hingegen ohne Probleme.

Ein weiteres Anzeichen für einen Hörsturz ist das sogenannte Doppelhören. Dabei nehmen die Betroffenen denselben Ton auf einem Ohr normal, auf dem erkrankten hingegen höher oder tiefer wahr. Derartige Symptome verunsichern Menschen mit Hörsturz meist stark und beeinträchtigen die Lebensqualität teils erheblich.

Hörsturz: Welche Ursachen sind möglich?

Die Ursachen für einen Hörsturz sind bisher nicht eindeutig geklärt. Forschende vermuten, dass mehrere Faktoren zusammenwirken, welche die Durchblutung des Innenohres beeinträchtigen. Deshalb wird die Erkrankung auch als Innenohrinfarkt bezeichnet. Aufgrund dieser Durchblutungsstörung werden die Schnecke im Innenohr und das Hörorgan unzureichend mit Nährstoffen versorgt und zugleich der Abtransport von schädlichen Stoffwechselprodukten verhindert. In der Folge können Sinnes- und Haarzellen des Hörorgans Schaden annehmen, was einen Hörverlust beziehungsweise Hörsturz verursacht.

Risikofaktoren von Durchblutungsstörungen im Innenohr

Als mögliche Risikofaktoren und Auslöser für Durchblutungsstörungen im Innenohr und somit für einen plötzlichen Hörsturz gelten:

Auch Faktoren, die das Blut verdicken oder die Gerinnungsneigung erhöhen, können eine Durchblutungsstörung im Innenohr mit sich bringen. Dazu zählen etwa

  • erhöhte Blutfettwerte (insbesondere Cholesterin) oder
  • eine zu hohe Konzentration von gerinnungsfördernden Stoffen (zum Beispiel Fibrinogen).

Hörsturz: Weitere Ursachen und Risikofaktoren 

Neben einer mangelnden Durchblutung des Innenohrs können möglicherweise auch andere Faktoren einen Hörsturz begünstigen. Weitere vermutete Ursachen sind:

Auch durch eine Perilymphfistel (Verbindung zwischen Innen- und Mittelohr) kann ein Hörsturz entstehen. Wird etwa durch das Tragen schwerer Lasten das runde Fenster im Innenohr verletzt, steigt der Ohrdruck und Flüssigkeit läuft ins Mittelohr aus. Zudem kann aufgrund äußerer Einwirkungen ein Gehörsturz entstehen.

Wie wird ein Hörsturz diagnostiziert?

Fachkräfte einer Hals-Nasen-Ohren-Praxis (HNO) können feststellen, ob es sich bei den Hörproblemen um einen Hörsturz oder eine andere Erkrankung beziehungsweise Verletzung des Ohres handelt. Dazu steht zunächst ein Anamnesegespräch an, bei dem Fragen zu den genauen Beschwerden, Vorerkrankungen und Einnahme von Medikamenten gestellt werden. 

Anschließend überprüft die*der Ärztin*Arzt die Funktionsfähigkeit des Ohrs mithilfe verschiedener Untersuchungen. Dazu zählen möglicherweise:

  • Ohrspiegelung (Otoskopie)
  • Blutdruckmessung
  • Überprüfung des Gleichgewichtsorgans (Vestibularisprüfung).
  • Überprüfung des Gehörgangs und des Trommelfells (Tympanometrie)
  • Hörtests (mittels Stimmgabelprüfung und Tonaudiogramm)

Mithilfe der Hörtests lässt sich das Ausmaß der Schwerhörigkeit feststellen, was für die weitere Behandlung eine Rolle spielt. Ein Hörsturz lässt sich einteilen in:

  • Hochton-Innenohrschwerhörigkeit
  • Mittelton-Innenohrschwerhörigkeit
  • Tiefton-Innenohrschwerhörigkeit
  • pantonale Innenohrschwerhörigkeit (alle Frequenzen sind betroffen)
  • (fast) vollständige Taubheit

Zur gezielten Diagnose kommen unter Umständen weitere spezielle Untersuchungen zum Einsatz, etwa: 

  • bildgebende Untersuchungsverfahren wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT)
  • Blutuntersuchungen
  • Tonaudiometrie nach Fowler (Recruitmentmessung)
  • Hirnstammaudiometrie (BERA)
  • Messung otoakustischer Emissionen (OAE)

Wie wird ein Hörsturz behandelt?

Nicht jeder Hörsturz muss behandelt werden. In 50 bis 70 Prozent der Fälle verschwindet er innerhalb weniger Tage von selbst wieder– gerade bei jungen Patient*innen mit nur geringem Hörverlust. Bleibt die Hörminderung jedoch bestehen oder bei

  • ausgeprägtem Hörverlust,
  • vorgeschädigten Ohren sowie
  • bei Schwindel oder Benommenheit

ist eine rasche Behandlung des Hörsturzes sinnvoll. In den meisten Fällen findet die Therapie ambulant statt – das heißt zwischen den einzelnen Sitzungen können Patient*innen wieder nach Hause. Nur bei einem schweren Hörsturz kann eine stationäre Behandlung erfolgen, zum Beispiel bei vollständigem Hörverlust oder wenn die ambulante Behandlung nicht erfolgreich war.

Wie wird ein akuter Hörsturz behandelt?

Zur Behandlung empfiehlt die offizielle Leitlinie Medikamente aus der Wirkstoffgruppe der sogenannten Glukokortikoide (Kortison). Diese wirken gegen die Entzündung und Schwellung, die beim Hörsturz im Ohr auftreten können. Die Wirkstoffe können als Tablette oder Infusion verabreicht werden. Falls kein ausreichender Effekt erzielt wird, kann Kortison direkt in das Ohr gespritzt werden (intratympanale Therapie).

Besteht der Hörsturz aufgrund eines verletzten runden Fensters im Innenohr, kommt eine Operation infrage, bei der die Ruptur abgedeckt wird.

Welche Maßnahmen zur Behandlung eines Hörsturzes gibt es noch?

Je nachdem, ob eine zugrunde liegende Krankheit den Hörsturz verursacht, können weitere Maßnahmen zur Behandlung infrage kommen. Möglich sind zum Beispiel:

  • Antibiotika bei bakteriellen Infektionen
  • virushemmende Medikamente (Virustatika) bei viralen Infektionen
  • Chiro- oder Physiotherapie bei Problemen der Halswirbelsäule

Zudem können Gingko-Präparate aufgrund ihrer durchblutungsfördernden Eigenschaften die Therapie des Hörsturzes unterstützen – die Wirksamkeit ist jedoch umstritten. Ihre Einnahme sowie die Anwendung anderer Hausmittel sollten deshalb nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen. 

Wer unter einem vollständigen Hörverlust leidet, erhält möglicherweise ein Hörgerät. Bei einem sensorineuralem Hörverlust, also einer Schädigung des Innenohrs (Schnecke oder Cochlea), kann ein Cochlea-Implantat eingesetzt werden.

Darüber hinaus gestaltet sich die Behandlung eines Hörsturzes meist interdisziplinär. Das bedeutet, dass je nach vermuteter Ursache neben einer*einem HNO-Ärztin*Arzt auch Termine in Praxen anderer Fachrichtungen notwendig werden. 

Hörsturz: Was sollten Betroffene noch tun?

Menschen mit Hörsturz sollten unbedingt auf ausreichend Ruhe und Erholung achten. Stress sollte vermieden werden, da er scheinbar eine wesentliche Rolle bei der Entstehung eines Hörsturzes spielt. Ärzt*innen stellen bei einem Hörsturz deshalb eine Krankschreibung aus, die Dauer ist hierbei individuell. Betroffene sollten zudem einen sofortigen Rauchstopp einlegen und komplett auf den Konsum von Nikotin verzichten. 

Verlauf und Prognose bei Hörsturz

Bei einem Hörsturz kann der Verlauf sehr unterschiedlich sein. In vielen Fällen bessern sich das Hörvermögen von selbst (Spontanremission). Bei anderen verbessern sich das dumpfe Gefühl im Ohr und die Hörbeschwerden erst mithilfe einer Therapie. Im Einzelfall können jedoch auch dauerhafte Symptome bestehen bleiben.

Liegt nur ein leichter Hörverlust vor, ist die Prognose meist besonders günstig. Jedoch können auch in schweren Fällen bei einer erfolgreichen Behandlung die Hörprobleme oftmals vollständig verschwinden. Bei 30 Prozent der Betroffenen entsteht jedoch ein erneuter Hörsturz, weshalb vor allem anhaltender Stress vermieden und etwa Bluthochdruck behandelt werden sollte.

Hörsturz: Vorbeugen

Oftmals tritt ein Gehörsturz dann auf, wenn der Stress am größten ist. Wer bereits einen Hörsturz hatte, kann mithilfe von Entspannungstechniken wie autogenem Training, Yoga oder Meditation zu einer nachhaltigen Stressreduktion beitragen. Auch eine übermäßige Lärmbelastung ist zu vermeiden.

Eine gesunde Lebensweise trägt zum körperlichen Wohlbefinden bei, wirkt aber auch möglichen Risikofaktoren eines Hörsturzes wie etwa erhöhte Blutfettwerte entgegen. Dazu empfiehlt sich:

  • eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung
  • regelmäßige Bewegung an der frischen Luft und Sport
  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • Verzicht auf Rauchen und Alkohol