Man sieht einen Mann im Flugzeug, der sich die Hände auf die Ohren drückt.
© iStock

Druck auf den Ohren (Ohrendruck)

Egal, ob einseitig oder beidseitig – Druck auf den Ohren (Ohrendruck) kann viele Ursachen haben. In vielen Fällen treten neben dem Druckgefühl gleichzeitig weitere Ohrbeschwerden auf. Erfahren Sie, wie man den Druck auf den Ohren wegbekommen kann.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Druck auf den Ohren (Ohrendruck)

Häufig ist einseitiger oder beidseitiger Druck auf den Ohren harmlos und tritt nur vorübergehend auf – etwa wenn man mit dem Zug in einen Tunnel einfährt. Ohrendruck kann jedoch auch ein Symptom im Rahmen verschiedener Erkrankungen sein.

Je nach Ursache treten außer dem Druckgefühl im Ohr möglicherweise weitere Symptome auf, wie zum Beispiel:

  • Schwindelgefühl
  • dumpfe bzw. gedämpfte Hörwahrnehmung
  • eigene Stimme hört sich beim Sprechen hallend oder lauter an
  • Missempfindungen im Ohrbereich
  • Völlegefühl im Ohr bzw. Gefühl, als ob etwas im Ohr steckt
  • Ohrenschmerzen

Bleibt der Druck auf den Ohren länger bestehen, sollte man die Ursache ärztlich abklären lassen.

Druck auf den Ohren (Ohrendruck): Ursachen

Einseitiger oder beidseitiger Druck auf den Ohren (Ohrendruck) kann verschiedene Ursachen haben. In der Regel entsteht er, wenn die Ohrtrompete nicht richtig belüftet wird beziehungsweise der Druckausgleich zum Mittelohr nicht richtig funktioniert. Fachleute sprechen dann von einer sogenannten Belüftungsstörung oder Tubenventilationsstörung. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn die Ohrtrompete

Ist kein Luftaustausch möglich, kann ein Unterdruck im Ohr entstehen, bei dem sich das Trommelfell nach innen wölbt. Das kann sich unangenehm oder sogar schmerzhaft anfühlen und zu einem Druckgefühl oder einer Art Völlegefühl im Ohr führen.

Lesetipp: Wasser im Ohr: So lässt es sich entfernen

Ist die Ohrtrompete verschlossen, kann sich im Mittelohr unter Umständen Sekret ansammeln und gegen das Trommelfell drücken. Auch das kann Ohrenschmerzen bereiten oder andere Ohrbeschwerden wie Druck im Ohr verursachen.

Staut sich Flüssigkeit längere Zeit auf, kann das auf Dauer zu einer Mittelohrentzündung führen. Vor allem kleine Kinder sind häufig davon betroffen, denn bei ihnen ist die Ohrtrompete noch nicht voll entwickelt und im Verhältnis kürzer als bei älteren Kindern und Erwachsenen. Dadurch kommt es bei ihnen rascher zu Entzündungen, in deren Verlauf die Schleimhaut in der Ohrtrompete häufig anschwillt und diese verschließt.

Bestimmte Faktoren können zu Druck im Ohr beitragen, wie etwa Höhenveränderungen, anatomische Begebenheiten, Infektionen, Allergien oder eine ständig geöffnete Ohrtrompete.

Ohrendruck bei Höhenveränderungen

Je nach Höhe liegt auch ein veränderter Luftdruck vor. Normalerweise gleicht die Ohrtrompete den Druckunterschied zum Mittelohr aus. Funktioniert das nicht richtig, spürt man einen unangenehmen oder auch schmerzhaften Druck auf den Ohren.

Typische Höhenveränderungen, die zu Druck im Ohr führen, sind zum Beispiel:

  • beim Starten oder Landen mit dem Flugzeug
  • beim Fahrstuhlfahren in einem Hochhaus
  • beim Bergsteigen
  • beim Tauchen

Ohrendruck durch anatomische Begebenheiten

Bei manchen Menschen ist die Ohrtrompete von Natur aus enger und kann sich leichter verlegen, wodurch es rascher zu Problemen beim Druckausgleich kommen kann. Menschen mit engeren Ohrtrompeten haben meist auch bei Flugreisen eher Probleme durch Druck auf den Ohren – insbesondere während des Landeanflugs. Aber auch eine (meist angeborene) Nasenscheidewandverkrümmung kann zu Druck im Ohr führen.

Ohrendruck bei Infektionen

Infektionen im Ohr oder im Nasenrachenraum können dazu führen, dass der Ohrendruck steigt. Bei einer Mittelohrentzündung kann sich zum Beispiel Flüssigkeit im Mittelohr ansammeln (sog. Paukenerguss) und so den Druck erhöhen.

Aber auch Atemwegsinfekte (wie eine Erkältung) oder eine Nasennebenhöhlenentzündung können mit Druck auf den Ohren einhergehen, wenn etwa die Ohrtrompete zuschwillt oder durch Sekret verlegt ist (sog. Tubenkatarrh).

Ohrendruck bei Allergien

Im Rahmen einer Allergie können zum einen die Schleimhäute im Nasenrachenraum anschwellen, zum anderen kommt es dabei auch zu verstärkter Schleimproduktion. Das kann die Funktion der Ohrtrompete beeinträchtigen.

Ohrendruck durch ständig geöffnete Ohrtrompete

Das sogenannte Syndrom der klaffenden (offenen) Tube kann ebenfalls zu Druck auf den Ohren führen. Kommt es zu Veränderungen im Fett- und Bindegewebe um die Ohrtrompete herum, hat das unter Umständen zur Folge, dass die Ohrtrompete ständig offen ist. Das kann verschiedene Ursachen haben, etwa eine Gewichtsabnahme oder ein niedriger Druck in den Venen. Aber auch Veränderungen im Bereich der umgebenden Knorpel oder Muskeln sind möglich.

Andere mögliche Ursachen für Ohrendruck

Weitere mögliche Ursachen, die zu Druck im Ohr führen können, sind:

Zusammenhang von Ohrtrompete und Druck im Ohr

Die Ohrtrompete (auch eustachische Röhre oder Tuba auditiva genannt) spielt eine wichtige Rolle für den Ohrendruck. Sie verbindet den Nasenrachenraum mit dem Mittelohr – genauer gesagt mit der Paukenhöhle. Die Ohrtrompete dient vor allem dazu, das Mittelohr zu "belüften" und dadurch den Druck im Mittelohr an den Außendruck (also den Luftdruck im Nasenrachenraum) anzugleichen.

Außerdem kann über die Ohrtrompete Sekret aus dem Mittelohr in den Rachen abfließen. Die röhrenförmige Verbindung verläuft von der Paukenhöhle aus schräg nach vorne unten in den Nasenrachenraum. Das erleichtert zum einen das Abfließen, bietet aber auch einen gewissen Schutz vor Keimen beziehungsweise vor aufsteigenden Infektionen.

Nur wenn das Mittelohr sekretfrei ist und der Druck dem Außendruck entspricht, kann das Trommelfell ungehindert schwingen und ein normales Hören ermöglichen.

Die Ohrtrompete ist etwa 3 bis 4 Zentimeter lang. Ihre Wände sind normalerweise zusammengefallen und die Ohrtrompete deshalb der Länge nach vollständig geschlossen. Im geöffneten Zustand beträgt ihr Durchmesser etwa 2 bis 3 Millimeter.

Die Ohrtrompete öffnet sich kurz, wenn man kaut, schluckt oder gähnt. Dadurch gelangt Luft hinein und sorgt bei ungleichen Druckverhältnissen für einen Druckausgleich. Manchmal hört man ein knackendes oder ploppendes Geräusch, wenn sich die Ohrtrompete öffnet und der Druckausgleich erfolgt. Allein durch regelmäßiges Schlucken öffnet sich die Ohrtrompete im Schnitt einmal pro Minute.

Wenn sich die Druckverhältnisse ändern und der Außendruck im Verhältnis zum Mittelohr steigt, wölbt sich das Trommelfell durch den Unterdruck im Ohr nach innen. Das kann sich unangenehm anfühlen oder sogar schmerzhaft sein. Betroffene empfinden dann häufig Druck auf den Ohren oder haben das Gefühl, dass etwas in den Ohren steckt und diese ausfüllt.

Druck auf den Ohren (Ohrendruck): Diagnose

Um herauszufinden, was die Ursache für länger andauernden Druck auf den Ohren (Ohrendruck) ist, kann die HNO-Ärztin oder der HNO-Arzt verschiedene Untersuchungen vornehmen.

Ohrenspiegelung (Otoskopie)

Mithilfe einer Ohrenspiegelung (Otoskopie) lassen sich zum Beispiel Veränderungen am Trommelfell feststellen.

Unter Umständen erfolgt die Ohrenspiegelung auch kombiniert mit dem Valsalva-Manöver, bei dem der Betroffene mit geschlossenem Mund und zugehaltener Nase ausatmet und Luft in die Ohrtrompete drückt. Funktioniert der Druckausgleich durch das Valsalva-Manöver, kann der Arzt oder die Ärztin das anhand des vorgewölbten Trommelfells erkennen.

Pneumatische Otoskopie

Eine andere Methode, mit der man die Funktion der Ohrtrompete testen kann, ist die sogenannte pneumatische Otoskopie.

Dabei benutzt man ein spezielles Otoskop, das den äußeren Gehörgang luftdicht abschließt, und führt über einen angeschlossenen Ballon Luft in den Gehörgang ein, die danach wieder abgelassen wird. Die Ärztin oder der Arzt beobachtet währenddessen, wie das Trommelfell auf die erzeugten Druckverhältnisse reagiert beziehungsweise ob es sich bewegt.

Nasenspiegelung (Rhinoskopie)

Eine Nasenspiegelung (Rhinoskopie) bringt Aufschluss über mögliche Entzündungsvorgänge im Bereich der Nase und ermöglicht es, die Öffnung der Ohrtrompete zu begutachten.

Tympanometrie

Die Eigenschaften von Trommelfell und Mittelohr lassen sich außerdem zusätzlich mit der sogenannten Tympanometrie prüfen. Dabei misst man mittels einer kleinen Sonde im äußeren Gehörgang den Druck im Mittelohr im Vergleich zum Außendruck.

Hörtest

Mit einem Hörtest lässt sich abklären, ob eventuell Hörprobleme bestehen.

Untersuchungen bei anderen Fachbereichen

Liegen die Ursachen für den Ohrendruck nicht im Ohr, sondern möglicherweise im Bereich der Kiefergelenke oder der Gaumen- und Kiefermuskulatur, werden in der Regel weitere Fachbereiche (z. B. Zahnarzt oder -ärztin mit Schwerpunkt Funktionsdiagnostik) zur Diagnose hinzugezogen.

Druck auf den Ohren (Ohrendruck) wegbekommen

Häufig hält einseitiger oder beidseitiger Druck auf den Ohren (Ohrendruck) nur kurze Zeit an und verschwindet von selbst, sodass keine Behandlung nötig ist. In manchen Fällen hält er jedoch tage- bis wochenlang an. Dann kann eine Therapie erforderlich sein.

Kurzfristige Hilfe gegen Ohrendruck

Gegen Druck im Ohr können kurzfristig oft schon einfache Maßnahmen helfen, wie zum Beispiel gähnen, kauen oder schlucken.

Auch das sogenannte Valsalva-Manöver kann das Druckgefühl im Ohr verringern: Einatmen und dann behutsam Ausatmen, während der Mund geschlossen ist und man sich die Nase zuhält. Dabei wird Luft in die Ohrtrompete gedrückt und ein Druckausgleich kann stattfinden. Bei erfolgreichem Druckausgleich hört man eine Art leises Knacken oder Klicken.

Ohrendruck auf Flugreisen umgehen

Wer bei Flugreisen Probleme mit Druck auf den Ohren hat, kann etwa eine halbe Stunde vor dem Start abschwellende Nasentropfen oder auch ein Nasenspray verwenden und so den Druckausgleich im Ohr erleichtern. Bei längeren Flügen sollte man Nasentropfen oder Nasenspray etwa eine halbe Stunde vor der Landung noch einmal anwenden. (Hinweis: Flüssigkeiten dürfen nur im verschließbaren und durchsichtigen 1-Liter-Plastikbeutel ins Handgepäck.)

Lesetipp: Abschwellende Nasensprays: Vorsicht, Gewöhnungseffekt

Ohrenschmalzpfropf entfernen lassen

Verursacht zu viel Ohrenschmalz beziehungsweise ein Ohrenschmalzpfropf im Gehörgang den Druck im Ohr, lässt sich das durch eine Ohrenspülung bei der HNO-Ärztin oder beim HNO-Arzt leicht beheben.

Ursächliche Erkrankung behandeln

Liegt dem Ohrendruck eine Erkrankung zugrunde, sollte diese behandelt werden. Häufig kommen dann (je nach Ursache) auch Medikamente zum Einsatz, wie etwa:

  • abschwellendes Nasenspray
  • antiallergische Mittel
  • Glukokortikoide
  • Antibiotika

Entsteht der Ohrendruck, weil sich hinter dem Trommelfell Flüssigkeit angesammelt hat (z. B. durch eine chronische Mittelohrentzündung), kann es vor allem bei kleineren Kindern notwendig sein, in einem kleinen operativen Eingriff ein sogenanntes Paukenröhrchen ins Trommelfell einzusetzen. Das schafft eine Verbindung zwischen äußerem Gehörgang und Mittelohr, sodass die Flüssigkeit ablaufen kann und ein Luftaustausch wieder möglich ist.

Anatomische Probleme

Sind anatomische Begebenheiten (wie eine Nasenscheidewandverkrümmung oder eine vergrößerte Rachenmandel) die Ursache für den Druck auf den Ohren, können operative Maßnahmen angebracht sein.

Ballondilatation

Bei einer dauerhaft verengten Ohrtrompete können außerdem neuere Verfahren wie eine Ballondilatation infrage kommen, also eine Weitung der eustachischen Röhre durch einen Ballonkatheter.

Bei dieser noch recht neuen Methode bringt man mithilfe eines speziellen Endoskops über die Nase und den Rachen einen Ballonkatheter in die verengte Ohrtrompete ein, der dann kurze Zeit mit physiologischer Kochsalzlösung aufgepumpt wird und diese dehnt.

Fachleute vermuten, dass durch das Dehnen winzige Frakturen im Knorpelgewebe entstehen, welches die Ohrtrompete umgibt, wodurch die Ohrtrompete mehr Platz hat und einen größeren Durchmesser bekommt. Auf diese Weise lassen sich die Belüftungsfunktion des Ohrs und dadurch auch begleitende Ohrbeschwerden wie Druck im Ohr unter Umständen wieder verbessern.

Ob sich eine Ballondilatation auf lange Sicht bewährt, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nicht sagen. Vergleichende Analysen der bisherigen Studien lassen – auch aufgrund der geringen Probandenzahlen – bislang keine schlüssige Aussage zu.

Lasertuboplastik

Eine andere neuere Methode ist die sogenannte Lasertuboplastik. Bei diesem operativen Eingriff trägt man mit einem Laser Gewebe vom Eingang der Ohrtrompete ab und vergrößert diesen dadurch. Das soll sich positiv auf die Belüftungsstörung auswirken.

Wie erfolgsversprechend diese Methode ist, lässt sich nicht eindeutig sagen. Vergleichende Analysen bisheriger Studien kommen zu keinem eindeutigen Ergebnis. Bei den verglichenen Studien war zudem die Zahl der teilnehmenden Probanden zu gering.