Rückansicht eines Mannes, der auf dem Bett sitzt.
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Depression

Die Depression ist eine der häufigsten psychischen Erkrankungen: 16 bis 20 von 100 Menschen erleben irgendwann einmal eine depressive Episode. Depressive Menschen fühlen sich meist niedergeschlagen und freudlos. Sie haben das Interesse an vielen Dingen verloren und können sich nur schwer zu Aktivitäten aufraffen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Depression: Überblick

Phasen von Traurigkeit, Niedergeschlagenheit oder Antriebslosigkeit sind in einem gewissen Rahmen ganz normal – sie gehören zum Leben dazu. Halten sie aber länger an, könnte es sich um eine Depression handeln.

Bei schlechter Laune oder einer kurzzeitigen Verstimmung ist schnell von Depressionen die Rede. Doch eine Depression ist weit mehr als ein vorübergehendes Stimmungstief. Sie ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die den Alltag des Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann.

Depressive Phasen können in jedem Alter entstehen. Vorwiegend erkranken zwar Ältere, aber auch viele junge Menschen sind betroffen. Bei Frauen wird eine Depression doppelt so häufig diagnostiziert wie bei Männern.

Video: 11 Symptome, die Anzeichen einer Depression sein können

Was ist eine Depression?

Die Depression zählt zu den affektiven Störungen. Das sind Erkrankungen, die sich durch Schwankungen der Stimmung und des Antriebs auszeichnen. Im Vordergrund einer Depression stehen Symptome wie

  • eine gedrückte Stimmung,
  • Interessenverlust und Freudlosigkeit sowie
  • ein verminderter Antrieb.

Bestehen zwei oder mehr dieser Hauptsymptome über mindestens zwei Wochen hinweg, spricht man von einer Depression. Depressionen verlaufen in der Regel in Phasen. Eine einzelne depressive Phase bezeichnen Ärzte als depressive Episode.

Die Symptome sind meistens morgens besonders ausgeprägt. Man spricht dann vom sogenannten Morgentief.

Eine Depression hat viele Gesichter. Neben den charakteristischen Hauptsymptomen kann sie mit zahlreichen weiteren Beschwerden verbunden sein, die von Person zu Person ganz unterschiedlich ausfallen. Manche Betroffene spüren die Depression vorwiegend körperlich. Sie leiden dann zum Beispiel unter Schwindel, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit oder Kreislaufproblemen. Wenn solche Symptome im Vordergrund stehen, kann eine Depression lange unerkannt bleiben, weil die Ursachen zunächst auf körperlicher Ebene gesucht werden.

Eine Depression ist eine ernstzunehmende Erkrankung. Wer Anzeichen einer Depression bemerkt, sollte sich daher nicht scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Uni- und bipolare Depression

Eine Depression kann im Wechsel mit einer Manie auftreten. Während einer manischen Phase fühlen sich die Betroffenen extrem leistungsfähig –und sind es oft auch – sowie gut gelaunt. Sie sind in Hochstimmung, auch, wenn es keinen objektiven Grund dafür gibt. Sie neigen in dieser Zeit zu starker Selbstüberschätzung, sind euphorisch und voller Tatendrang. Es gibt allerdings auch die Variante der gereizten Manie, bei der die euphorische Stimmung durch Gereiztheit ersetzt ist, sodass sich die Betroffenen oft störend verhalten.

Wenn sich Episoden von Depression und Manie abwechseln, spricht man von einer bipolaren Störung. Zwischen den Hochs und Tiefs können Phasen liegen, in denen die Stimmung der Person in einem gesunden Rahmen liegt.

Eine Depression ohne Manie bezeichnet man als unipolare Depression. Die unipolare Form kommt wesentlich häufiger vor als eine bipolare Störung. Reine Manien ohne anschließende Depression sind selten.

Verschiedene Ausprägungen und Verläufe

Eine depressive Episode kann unterschiedlich schwer ausgeprägt sein:

  • Bei einer leichten Depression sind die Symptome eher mild ausgeprägt.
  • Die mittelgradige Depression bedeutet hingegen schon eine starke Einschränkung im Alltag.
  • Bei einer schweren Depression sind die Beschwerden so belastend, dass der Betroffene kaum noch in der Lage ist, selbst kleine Dinge zu verrichten – zum Beispiel, morgens aufzustehen (Morgentief).

Zudem lässt sich eine unipolare Depression nach ihrem Verlauf unterscheiden:

  • vollständige Remission (= vollständige Genesung): Der Betroffene hatte eine depressive Episode, von der er sich vollständig wieder erholt hat.
  • unvollständige Remission: Der Betroffene hat die depressive Phase überwunden, es geht ihm jedoch nicht mehr so gut wie vor der Depression.
  • rezidivierende (= wiederkehrende) Depression: Die Person leidet wiederholt an depressiven Phasen.
  • chronische Depression: Die Symptome einer Depression halten länger als zwei Jahre an.
  • Dysthymie: Die Stimmung ist dauerhaft getrübt, die depressiven Symptome sind jedoch nur mild ausgeprägt (depressive Verstimmung).

Depressionen können sich darüber hinaus in ganz unterschiedlichen Formen bemerkbar machen. Bei manchen tritt die depressive Episode zu bestimmten Jahreszeiten auf (ein typisches Beispiel ist die Winterdepression). Frauen können in den ersten Wochen nach einer Entbindung eine sogenannte Wochenbettdepression (bzw. postpartale oder postnatale Depression) entwickeln.

Agitierte Depression: die "Jammerdepression"
Eine seltenere Sonderform ist die agitierte Depression. Sie wird im psychiatrischen Jargon auch Jammerdepression genannt. "Hier ist das adrenerge System nicht in seiner Funktion vermindert – wie üblicherweise bei den gehemmten Formen – ,sondern überaktiv", erklärt der Psychiater und Psychotherapeut Dr. Bernhard Riecke. "Die Folge ist eine Aktivitätssteigerung in mehreren motorischen Bereichen. Die Patienten laufen ständig umher, klagen über ihr Schicksal, sprechen dabei jeden an und sind nicht fähig, an irgendeiner Therapie – selbst an Einzelgesprächen – teilzunehmen. Sie haben einen besonders ausgeprägten Leidensdruck und können sich kaum noch steuern. Besonders das sozial-familiäre Umfeld ist bei dieser Depressionsform enorm belastet, sodass eine ambulante Behandlung kaum möglich ist."

Depression: Erste Hilfe

In depressiven Phasen haben viele Menschen Suizidgedanken. Dieses Symptom ist Teil der Erkrankung. Konkrete Suizidgedanken sind ein Notfall. Wer solche Gedanken hat oder einen betroffenen Angehörigen hat, sollte nicht zögern, sich an die nächste psychiatrische Klinik zu wenden oder alternativ den Notruf (112) zu wählen. Besonders ist der Sozialpsychiatrische Dienst (SpDi) bei den Gesundheitsämtern als Ansprechpartner geeignet.

Eine weitere Anlaufstelle kann zum Beispiel die anonyme und kostenlose Telefonseelsorge sein.

Für Anrufer aus Deutschland:

Für Anrufer aus Österreich:

Personen, die in der Schweiz leben, finden bei der Einrichtung "Die Dargebotene Hand" unter der Telefonnummer 143 oder unter www.143.ch Hilfe.

Depression: Symptome

Typische Symptome (Hauptsymptome) einer Depression sind

  • eine gedrückte, depressive Stimmung, besonders morgens
  • Interessenverlust, Freudlosigkeit sowie
  • ein verminderter Antrieb und rasche Ermüdbarkeit (schon nach kleinsten Anstrengungen).

Diese Symptome können ganz unterschiedlich ausgeprägt sein. Manche Betroffene beschreiben ein "Gefühl der inneren Leere". Andere haben so wenig inneren Antrieb, dass sie sich nicht aufraffen können, einer Aktivität nachzugehen. Bei wieder anderen stehen Gefühle von Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit im Vordergrund. Viele Betroffene machen sich Selbstvorwürfe und fühlen sich minderwertig. Sie glauben, selbst an ihrer Situation Schuld zu sein und blicken der Zukunft pessimistisch entgegen. Auch Erfolge oder angenehme Aktivitäten können die Symptome nicht lindern. Für Außenstehende, die noch nie depressiv waren, ist es manchmal schwer nachvollziehbar, wie sich eine depressive Person fühlt.

Traurigkeit: Nicht immer Anzeichen einer Depression

Vor allem nach belastenden Ereignissen (wie Liebeskummer oder dem Verlust eines geliebten Menschen) sind Phasen einer vorübergehenden gedrückten Stimmung ganz normal. Die meisten Menschen sind auch während dieser Zeit in der Lage, kurzfristig ihren Kummer zu vergessen: Sie können sich zum Beispiel im Gespräch mit Freunden oder Bekannten von ihren traurigen Gefühlen ablenken.

Bei einem "normalen" Trauerprozess lassen Gefühle der Traurigkeit oder der Niedergeschlagenheit mit der Zeit nach. Bleiben sie jedoch über lange Zeit bestehen, kann sich der Zustand zu einer Depression entwickeln. Ablenkung und der Zuspruch anderer verschaffen einem depressiven Menschen keine Erleichterung.

Ebenfalls wichtig zu wissen: Viele Depressive empfinden eine tiefe Traurigkeit. Umgekehrt ist nicht jeder Depressive automatisch traurig. Manche berichten eher von Gefühlen innerer Leere oder der Unfähigkeit, Gefühle empfinden zu können.

Weitere Anzeichen einer Depression

Zu den Hauptsymptomen können weitere Anzeichen einer Depression hinzukommen, so zum Beispiel:

  • Konzentrationsstörungen
  • Appetitlosigkeit; die Betroffenen verlieren häufig stark an Gewicht
  • Schlafstörungen, häufig in Form von Schlaflosigkeit
  • Suizidgedanken und/oder -versuche
  • Schuldgefühle
  • Minderwertigkeitsgefühle
  • mangelndes Selbstwertgefühl, sinkendes Selbstvertrauen
  • Pessimismus ("Schwarzsehen"), Angst vor der Zukunft
  • Angstgefühle
  • Reizbarkeit
  • sozialer Rückzug

Bei ausgeprägten Depressionen berichten die Betroffenen häufig von einem lähmenden Gefühl der Gefühllosigkeit.

Viele Patienten wachen in den frühen Morgenstunden auf und können nicht mehr schlafen. Morgens sind die Beschwerden häufig besonders stark ausgeprägt; Ärzte sprechen von einem Morgentief.

In seltenen schweren Fällen treten bei einer Depression psychotische Symptome auf. Das bedeutet: Der Bezug zur Realität oder zum eignen Selbst ist vorübergehend gestört. Zu psychotischen Symptomen zählen etwa Wahnvorstellungen oder Halluzinationen. Betroffene glauben etwa, vor dem finanziellen Ruin zu stehen (sog. Verarmungswahn) oder sie sind davon überzeugt, große Schuld auf sich geladen zu haben.

Körperliche Symptome einer Depression

Nicht zuletzt können diverse körperliche Symptome, für die keine körperliche Ursache zu finden ist, Anzeichen einer Depression sein. Neben Schlafstörungen und Appetitlosigkeit zählen dazu etwa:

Manche Menschen mit einer Depression sind ihrem körperlichen Ausdruck (Bewegungen, Mimik) gehemmt. Sie fühlen sich wie erstarrt und bewegen sich langsamer als sonst. Andere kommen dagegen nur schwer zur Ruhe und haben einen starken Bewegungsdrang.

In einigen Fällen sind die körperlichen Symptome der Depression so stark ausgeprägt, dass die psychischen Anzeichen der Depression in den Hintergrund geraten. Dies bezeichnet man als maskierte oder larvierte Depression. Vor allem bei Kindern äußern sich Depressionen häufig in körperlichen Symptomen wie zum Beispiel Bauchschmerzen oder Übelkeit.

Depression: Ursachen

Eine Depression kann viele Ursachen haben, die nicht immer eindeutig auszumachen sind. Wie genau eine Depression entsteht, dazu gibt es unterschiedliche Hypothesen und Erklärungsmodelle.

Experten gehen davon aus, dass verschiedene Faktoren im Zusammenspiel eine Depression auslösen. Dabei spielen sowohl psychosoziale als auch biologische Einflüsse eine Rolle.

Zu mögliche Risikofaktoren zählen:

  • genetische Faktoren: Depressionen treten in manchen Familien gehäuft auf. Das Risiko für eine Depression ist deutlich erhöht, wenn nahe Verwandte bereits depressiv sind oder waren.
  • belastende Lebensereignisse: Wenn eine Person zu Depressionen neigt, können belastende Lebensereignisse oder Lebensumstände die Erkrankung auslösen, z.B.
    • lang andauernde Überforderung/Stress im Berufsleben,
    • Beziehungsprobleme,
    • Arbeitslosigkeit,
    • körperlicher oder psychischer Missbrauch,
    • Liebeskummer oder
    • der Tod eines geliebten Menschen.
  • Traumata in der Kindheit, z.B. der Verlust eines Elternteils, sexueller Missbrauch
  • Lichtmangel: Einige Personen reagieren im Herbst und Winter mit Depressionen, wenn sie zu wenig Licht ausgesetzt sind.
  • frühere Depressionen: Wer bereits eine oder mehrere depressive Phasen erlebt hat, hat ein höheres Risiko, erneut zu erkranken. Das gleiche gilt für frühere Suizidversuche.
  • belastende körperliche oder psychische Erkrankungen: Erkrankungen wie Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall oder auch hormonelle Krankheiten wie eine Schilddrüsenunterfunktion können Depressionen begünstigen.
  • Alkohol-, Drogen- oder Tablettenmissbrauch können das Risiko ebenfalls erhöhen.
  • mangelnde soziale Unterstützung: Menschen, die kein soziales Netz haben, das sie bei Problemen auffängt, werden eher depressiv als andere.
  • hormonelle Veränderungen, etwa nach der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren
  • bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, z.B. mangelndes Selbstvertrauen

Der Gehirnstoffwechsel ist bei einer Depression verändert; die Konzentration beziehungsweise Wirkung verschiedener Botenstoffe zwischen den Nervenzellen (z.B. Serotonin, Noradrenalin) ist dabei aus dem Gleichgewicht geraten. Die auch als Neurotransmitter bezeichneten Botenstoffe spielen bei der Entstehung und Regulation von Gefühlen eine wichtige Rolle.

Depressive Symptome durch andere Erkrankungen oder Medikamente

Eine depressive Stimmung kann auch ein Symptom einer anderen psychischen oder körperlichen Erkrankung sein. Ärzte sprechen von einer sekundären Depression. Eine sekundäre Depression kann zum Beispiel im Rahmen einer Epilepsie oder einer Schilddrüsenerkrankung entstehen. Auch Medikamente können eine sekundäre Depression verursachen, etwa bestimmte Arzneimittel im Rahmen einer Krebsbehandlung.

Depressionen erkennen

Eine Depression bleibt oft lange Zeit unbehandelt. Viele Betroffene – besonders Männer – schämen sich für ihre Beschwerden und suchen daher möglicherweise den Arzt nicht auf. Auch kann es sein, dass körperliche Symptome im Vordergrund stehen, sodass die Depression nicht auf Anhieb erkannt wird.

Um die Diagnose Depression zu stellen, müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein. Bei einer Depression hat der Betroffene

  • mindestens zwei der drei Hauptsymptome (gedrückte Stimmung, Interessenverlust/ Freudlosigkeit, Antriebsminderung/erhöhte Ermüdbarkeit) und
  • diese Symptome bleiben mindestens zwei Wochen lang bestehen.

Je nachdem, wie viele Zusatzsymptome bestehen, ist die Depression leicht, mittel oder schwer ausgeprägt. Zu solchen Zusatzsymptomen zählen zum Beispiel Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen oder Schuldgefühle.

Bei Verdacht auf eine Depression ist ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt oder Psychologen unerlässlich. Er wird zum Beispiel Fragen stellen wie:

  • Welche Beschwerden haben Sie?
  • Seit wann haben Sie die Beschwerden?
  • Fühlen Sie sich seit einiger Zeit niedergeschlagen, hoffnungslos oder bedrückt?
  • Haben Sie in letzter Zeit kaum noch Freude an Dingen, die Ihnen früher Spaß gemacht haben?
  • Haben Sie weniger Antrieb als früher? Können Sie sich einfach zu nichts mehr aufraffen?
  • Sind Sie schneller erschöpft als früher?
  • Haben sich die Beschwerden verstärkt?
  • Leiden Sie unter Schlaflosigkeit?
  • Haben Sie an Gewicht verloren oder ungewöhnlich viel zugenommen?
  • Verändern sich die Symptome im Laufe des Tages?
  • Haben Sie Konzentrationsprobleme?
  • Inwiefern können Sie Ihrer Arbeit/Ihren täglichen Pflichten nachgehen?
  • Denken Sie manchmal darüber nach, dass das Leben nicht mehr lebenswert ist?

Mithilfe von speziellen Fragebögen kann der Arzt besonders gut erfassen, ob eine Depression vorliegt und wie stark sie ausgeprägt ist.

Andere psychische Erkrankungen können zu Symptomen führen, die einer Depression ähneln, oder können sie können mit Depressionen einhergehen. Dazu zählen zum Beispiel Angststörungen, eine posttraumatische Belastungsstörung , Alkohol- und Medikamentenmissbrauch oder eine Zwangserkrankung. Daher wird der Arzt/Psychologe möglicherweise gezielt nach weiteren Symptomen fragen, die auf eine solche Erkrankung hinweisen könnten.

Körperliche Erkrankungen ausschließen

Depressionen können auch als Begleitsymptom verschiedener Erkrankungen auftreten. Um solche Erkrankungen auszuschließen, gehören zur Diagnose auch immer körperliche und neurologische Untersuchungen.

Depression: Behandlung

Zur Behandlung einer Depression haben sich vor allem zwei Therapieansätze bewährt:

Bei einer besonders schweren Depression sind die Betroffenen nicht mehr in der Lage, ihren Haushalt zu führen. Manche haben Suizidgedanken oder -absichten. Dann ist es sinnvoll, sich in einer Klinik behandeln zu lassen (stationäre Therapie). Bei leichten oder mittelschwere Depressionen reicht in der Regel eine ambulante Psychotherapie aus.

Welche Behandlung im Einzelfall zum Einsatz kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum einen spielen die persönlichen Wünsche des Betroffenen eine Rolle, zum anderen aber auch die Schwere der Erkrankung.

Schweregrad der Depression Empfohlene Behandlung
leicht Bei leichten Depressionen kann man zunächst, ob sich die Beschwerden auch ohne Therapie bessern (sog. "watchful waiting"). Tritt nach zwei Wochen keine Besserung ein, sollte mit der Behandlung begonnen werden. Im Falle einer leichten Depression wird eine Psychotherapie empfohlen. Medikamente sollten hingegen eher zurückhaltend zum Einsatz kommen. Der Grund: Antidepressiva zeigen bei leichten Depressionen kaum Wirkung.
mittel Bei einer mittelschweren Depression empfiehlt sich entweder eine Psychotherapie oder eine Behandlung mit Medikamenten.
schwer Schwere depressive Episoden sollten bevorzugt mit einer Kombination aus Medikamenten und Psychotherapie behandelt werden.

Wichtig ist bei der Behandlung einer Depression auch die richtige Unterstützung durch Angehörige: Nahestehende Personen können zur Genesung beitragen, indem sie die Person mitfühlend und geduldig unterstützen.

Psychotherapie

Es gibt viele verschiedene Formen von Psychotherapie. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen derzeit die Kosten für die Verhaltenstherapie sowie für zwei psychoanalytisch begründeten Verfahren: die tiefenpsychologisch fundierte und die analytische Psychotherapie:

  • Grundannahme der Verhaltenstherapie ist, dass sich Denken, Verhalten und Gefühle gegenseitig beeinflussen. Das bedeutet zum Beispiel: Negative Gedanken wirken sich zugleich auch auf das Verhalten und die Stimmung negativ aus. Ziel der Therapie ist, solche Muster zu erkennen und schrittweise zu verändern.
  • In den psychoanalytisch begründeten Therapien geht es vor allem darum, mögliche Konflikte aufzudecken und aufzulösen, die zu der Depression geführt haben könnten. Dies können Konflikte sein, die bereits in der Kindheit entstanden sind, aber auch aktuelle Probleme.

Als besonders wirkungsvoll bei Depressionen hat sich die Verhaltenstherapie erwiesen. Welche Therapie jedoch im Einzelfall am besten geeignet ist, hängt auch von den persönlichen Vorlieben des Patienten ab.

Antidepressiva

Bei der medikamentösen Behandlung einer unipolaren Depression spielen vor allem die Antidepressiva eine Rolle. Es gilt: Je schwerer die Depression, desto wirkungsvoller sind Antidepressiva.

Antidepressiva wirken nicht direkt nach der ersten Einnahme. Es dauert in der Regel bis zu zwei, manchmal auch bis zu vier Wochen, bis eine Besserung eintritt.

Bei einer Depression können unter anderem Medikamente aus folgenden Wirkstoffgruppen hilfreich sein:

  • tri- und tetrazyklische Antidepressiva
  • selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer
  • MAO-Hemmer
  • Lithium
  • Johanniskraut

Was machen Antidepressiva?

Antidepressiva beeinflussen auf unterschiedliche Weise das Gleichgewicht verschiedener Botenstoffe im Gehirn (sog. Neurotransmitter), vor allem der Botenstoffe Serotonin und/oder Noradrenalin. Neurotransmitter sind im menschlichen Körper unerlässlich. Egal, ob der Mensch ein Bild betrachtet, jemandem zuhört oder sich über etwas freut: Jedes Mal werden im Gehirn ganze Netzwerke an Nervenzellen aktiv. Die Nervenzellen besitzen Kontaktstellen, sogenannte Synapsen, die es ermöglichen, Informationen in Form von elektrischen Impulsen von Nervenzelle zu Nervenzelle an ihren Zielort weiterzuleiten. Sobald sie einem Reiz ausgesetzt werden, werden die dafür zuständigen Nervenzellen erregt und leiten die Information weiter.

Zwischen jeder Kontaktstelle einer Nervenzelle befindet sich ein Spalt, den ein elektrischer Impuls ohne Hilfsmittel nicht überwinden könnte. Damit ein elektrischer Impuls von Zelle zu Zelle "springen" kann, kommen die chemischen Botenstoffe, die Neurotransmitter, ins Spiel. Sie werden bei Bedarf von einer Nervenzelle ausgeschüttet und überbrücken den Spalt zur benachbarten Nervenzelle. Haben die Transmitter ihre Aufgabe erfüllt, werden sie von der ausschüttenden Nervenzelle wiederaufgenommen oder vom Körper abgebaut.

Wie gut eine Person auf ein Antidepressivum anspricht, kann sehr unterschiedlich sein. Auch können je nach Person und Wirkstoff verschiedene Nebenwirkungen auftreten, insbesondere zu Beginn der Einnahme. Zudem muss der Arzt mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten beachten, bevor er ein Antidepressivum verschreibt.

Geht es dem Patienten trotz einer eventuellen Dosiserhöhung nicht besser, wird der Arzt unter Umständen eine Behandlung mit einem anderen Antidepressivum in Erwägung ziehen. Das gleiche gilt, wenn die Nebenwirkungen zu stark sind oder nach den ersten zwei bis drei Wochen nicht nachlassen.

Wenn die Symptome der Depression abgeklungen sind, sollte der Patient die Antidepressiva noch eine Zeit lang weiter einnehmen – in der Regel mindestens sechs Monate. Diese Erhaltungstherapie senkt die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall.

Tri- und tetrazyklische Antidepressiva

Tri- und tetrazyklische Antidepressiva beeinflussen die Konzentration unterschiedlicher Botenstoffe im Gehirn, indem sie ihre Aufnahme in die Nervenzellen hemmen. So stehen die Botenstoffe, die für die Weiterleitung von Reizen zuständig sind, in höherer Konzentration zwischen den Nervenzellen zur Verfügung. Da tri- und tetrazyklische Antidepressiva gleich mehrere Botenstoffe beeinflussen, zeigen sie meist eine gute Wirkung – sind aber auch mit relativ vielen Nebenwirkungen verbunden.

Zu den tri- und tetrazyklischen Antidepressiva zählen zum Beispiel die Wirkstoffe Amitriptylin, Clomipramin, Doxepin, Nortriptylin und Trimipramin.

Mögliche Nebenwirkungen sind unter anderem Herzrhythmusstörungen, Gewichtszunahme, Verstopfung, Sehstörungen, trockener Mund, Probleme beim Wasserlassen und Schwindel.

SSRI und SSNRI

Die Abkürzungen SSRI und SSNRI stehen für:

SSRI und SSNRI beeinflussen die Konzentration der Hirnbotenstoffe Serotonin beziehungsweise Serotonin und Noradrenalin. Die Medikamente verhindern, dass ausgeschüttete Botenstoffe in die Nervenzelle wiederaufgenommen werden, sodass diese im Gehirn länger wirken können. Mögliche häufige Nebenwirkungen der Therapie sind Herz-Kreislauf-Beschwerden, Kopfschmerzen, Übelkeit und Verdauungsprobleme.

Zu Beginn der Behandlung kann in seltenen Fällen ein sogenanntes Serotoninsyndrom entstehen. Dazu kommt es, wenn zu viel Serotonin vorhanden ist. Ein Serotoninsyndrom kann lebensbedrohlich sein. In der Regel besteht die Gefahr eines solchen Syndrom jedoch nur, wenn ähnlich wirkende Medikamente miteinander kombiniert werden. Daher muss der Arzt bei der Wahl der Medikamente sorgfältig auf solche Wechselwirkungen achten. Mögliche Anzeichen eines Serotoninsyndroms sind motorische Störungen, Schwitzen, Verwirrtheit oder Fieber. Auch Suizidgedanken sind möglich.

Nach Beendigung der Therapie kann es zu Absetzerscheinungen kommen. Mögliche Symptome sind Schwindel, Schlaf- und Verdauungsprobleme, Krämpfe oder Gleichgewichtsstörungen. Um solche Absetzphänomene zu lindern beziehungsweise zu verhindern, ist es wichtig, die Dosis schrittweise und langsam zu reduzieren.

MAO-Hemmer

MAO-Hemmer wie Moclobemid oder Tranylcypromin beeinflussen das Enzym Monoaminoxidase (MAO), das normalerweise die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin abbaut. Durch den MAO-Hemmer wird die Wirkung des Enzyms unterdrückt, sodass die Botenstoffe in höherer Konzentration zur Verfügung stehen.

Nebenwirkungen sind zum Beispiel Mundtrockenheit, Unruhe, Schlafstörungen oder Blutdruckveränderungen. Die Einnahme von Tranylcypromin erfordert zudem eine spezielle Diät, bei der Patienten zum Beispiel auf Käse und Rotwein verzichten müssen.

Lithium

Lithium sollte nur dann zum Einsatz kommen, wenn andere Antidepressiva nicht ausreichend geholfen haben und wenn der Patient von einem erfahrenden Facharzt begleitet wird. Lithiumsalze zählen nicht zu den Antidepressiva, können aber die Wirkung von Antidepressiva verstärken. Mögliche Nebenwirkungen sind zum Beispiel Durchfälle, Muskelschwäche und vermehrte Harnausscheidung.

Weitere Medikamente

Alpha-2-Antagonisten wie Mianserin und Mirtazapin unterdrücken Stoffe, die verhindern, dass sich Serotonin und Noradrenalin bilden können. Mögliche Nebenwirkungen sind etwa Gewichtszunahme oder Müdigkeit.

Se­lektive No­radrenalin- und Dopamin-Wie­der­auf­nahme-Hem­mer mit dem Wirkstoff Bu­propi­on verhindern, dass die Botenstoffe Noradrenalin und Dopamin von der ausschüttenden Nervenzelle wiederaufgenommen werden können. Zu unerwünschten Wirkungen zählen Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Mundtrockenheit, Schlafstörungen und Krämpfe.

Der Wirkstoff Agomelatin beeinflusst den Tag-Nacht-Rhythmus und soll den Schlaf und die Stimmung verbessern. Agomelatin ist chemisch mit dem Botenstoff Melatonin verwandt. Mögliche Nebenwirkungen sind Müdigkeit, Schwindel und Veränderungen der Leberwerte.

Johanniskraut gegen leichte Depressionen

Wer eine leichte Depression hat, kann zunächst eine Therapie mit Johanniskraut versuchen: Gegen eine leichte bis mittelgradige depressive Episode können pflanzliche Medikamente auf Basis von Johanniskraut wirksam sein.

Vor der Einnahme ist es ratsam, sich vom behandelnden Arzt über die geeignete Dosierung beraten zu lassen. Außerdem ist zu bedenken, dass ein pflanzliches Arzneimittel nicht automatisch harmloser ist als ein Medikament. Bei der Therapie mit Johanniskraut sind ebenfalls Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten möglich. Die Behandlung mit Johanniskraut kann unter anderem

  • allergische Hautreaktionen, Magen-Darm-Beschwerden, Müdigkeit und eine erhöhte Lichtempfindlichkeit verursachen sowie
  • die Wirksamkeit der Pille, anderer Antidepressiva, blutgerinnungshemmender Medikamente und verschiedener Mittel gegen Epilepsie herabsetzen.

Weitere Therapiemöglichkeiten

Neben Psychotherapie und Medikamenten können bei einer Depression noch weitere Behandlungsmöglichkeiten hilfreich sein, so etwa:

  • Wachtherapie: Mithilfe von Schlafentzug kann sich das Befinden kurzzeitig bessern. Häufig verschlechtern sich die Symptome erneut, wenn der Patient wieder eine Nacht geschlafen hat. Dennoch kann allein die Erfahrung, dass eine zumindest kurzfristige Besserung möglich ist, dem Patienten neue Hoffnung geben.
  • Lichttherapie: Die Behandlung mit künstlichem Licht ist insbesondere für Personen geeignet, die an einer saisonal abhängigen Depression leiden.
  • Sport gegen Depression: Regelmäßige, moderate Bewegung kann Symptome einer Depression lindern. Studien zufolge kann Sport in einem gewissen Maße dazu beitragen, das Wohlbefinden zu steigern. Als alleinige Therapie gegen eine Depression ist körperliche Aktivität jedoch nicht geeignet. Es entstehen dabei sogenannte Myokine, die sowohl die psychische Stabilität als auch das Immunsystem positiv beeinflussen.
  • Elektrokrampftherapie (Elektrokonvulsive Therapie, EKT): Die EKT kommt vor allem bei schweren Depressionen infrage, wenn andere Therapien nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben. Besonders bei der schwersten Form einer gehemmten Depression, dem depressiven Stupor (Erstarrung), ist die EKT geeignet. Bei der EKT wird das Gehirn mit Elektroden versehen und unter Narkose gezielt mit Stromstößen gereizt, um einen epileptischen Anfall auszulösen. Warum die EKT bei vielen Patienten hilft, ist noch nicht bekannt. Besonders bei Schwangeren kann man dadurch auf die problematischeren Antidepressiva verzichten. Der Eingriff findet in der Regel im Krankenhaus statt und muss mehrmals wiederholt werden. Zu möglichen Nebenwirkungen zählen vorübergehende Gedächtnisstörungen, Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen. Bleibende Schäden verursacht die EKT nach dem jetzigen Forschungsstand jedoch nicht.

Depression: Verlauf

Der Verlauf einer Depression hängt von verschiedenen Faktoren ab, so etwa von

  • der Anzahl bisher erlebter depressiver Episoden,
  • der Länge dieser Episoden und
  • dem Schweregrad der Depression.

Die einzelnen Krankheitsphasen sind meist begrenzt und klingen häufig auch ohne eine Behandlung ab. Mit einer geeigneten Therapie geht die depressive Episode jedoch meist schneller vorüber. Darüber hinaus sinkt die Wahrscheinlichkeit für eine erneute depressive Episode.

Während manche Betroffene nur eine einzelne depressive Episode erleben und sich danach vollständig wieder erholen, erleben andere erneute Phasen von Depression. Schätzungen zufolge erleiden etwa 50 bis 70 von 100 Betroffenen irgendwann einen Rückfall. Es kann passieren, dass sich der Patient nach einer depressiven Episode zwar wieder besser fühlt, jedoch nicht mehr so gut wie vor der Depression. Bei etwa zwei von zehn Betroffenen wird eine Depression chronisch – das heißt, die Beschwerden halten mindestens zwei Jahre hinweg an.

Folgen einer Depression

Eine Depression kann die Leben je nach Schwere und Dauer stark beeinträchtigen:

  • Manchen Betroffenen ist es während einer depressiven Episode nicht möglich, ihrer Arbeit nachzugehen oder eigenständig den Haushalt zu führen.
  • Weil sich Depressive häufig zurückziehen, haben sie oft nur wenige soziale Kontakte – was Gefühle von Einsamkeit und innerer Leere weiter verstärken kann.
  • Eine Depression kann zu Konflikten in Partnerschaft und Familie führen; Angehörige müssen oft ein hohes Maß und Verständnis und Geduld mitbringen.

Nicht zuletzt kann eine Depression mit Suizidgedanken und -absichten einhergehen. Das Risiko, dass sich eine depressive Person das Leben nimmt, ist etwa 30-mal so hoch wie bei einem gesunden Menschen. Daher ist es besonders wichtig, rechtzeitig zu reagieren und professionelle Hilfe zu holen.

Depressionen vorbeugen

Viele verschiedene Einflüsse bestimmen, ob jemand an einer Depression erkrankt oder nicht. Daher lässt sich ihr nur bedingt vorbeugen.

Faktoren, die das Risiko einer Depression senken, sind zum Beispiel:

  • ein gutes soziales Netz mit hoher Unterstützung
  • Aktivität, z.B. in Form von Sport oder anderen Hobbies
  • konstruktive Bewältigungsstrategien: Personen, die gelernt haben, Probleme konstruktiv zu lösen – zum Beispiel, indem sie aktiv nach einem Ausweg suchen, anstatt sich zurückzuziehen –, können einer Depression ein Stück weit vorbeugen.

Menschen, die zu Depressionen neigen, können erneuten Schüben vorbeugen. Bei ersten Anzeichen für eine wiederkehrende Depression können sie gegensteuern – indem sie sich professionelle Hilfe suchen oder konsequent die Strategien anwenden, die sie in einer Therapie gelernt haben.