Zwei Frauen, eine mit einem lachenden, eine mit einem traurigen Smiley auf einem Schild.
© Jupiterimages/iStockphoto

Stimmungs­schwankungen

Stimmungsschwankungen in einem gewissen Ausmaß kennt jeder. Dass sich die Stimmung immer wieder verändert, ist völlig normal und von verschiedenen Faktoren abhängig – zum Beispiel von bestimmten Ereignissen, aber auch von hormonellen Umstellungen, etwa währened der Schwangerschaft oder der Wechseljahre. Ausgeprägte Stimmungsschwankungen können jedoch auch Anzeichen einer Erkrankung sein.Lesen Sie mehr über die möglichen Ursachen und wie man Stimmungsschwankungen in den Griff bekommt.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Stimmungsschwankungen

Stimmungsschwankungen zeichnen sich durch einen plötzlichen Wechsel der Stimmung aus. Leichte Stimmungsschwankungen kommen bei jedem Menschen täglich vor. Sie sind nicht unbedingt ein Symptom für eine Erkrankung, sondern gehören zum menschlichen Leben dazu.

Erst wenn Stimmungsschwankungen unangemessen stark oder unpassend sind, sind sie von medizinischer Bedeutung. Medizinisch relevante Stimmungsschwankungen sind mehr als nur normale Launen. Sie sind intensiver und/oder treten öfter auf als bei gesunden Menschen. Starke Stimmungsschwankungen mit raschen Wechseln der Stimmungslage bezeichnet man auch als Stimmungslabilität oder Affektlabilität.

Stimmungsschwankungen: Wann zum Arzt?

Wenn Stimmungsschwankungen ungewohnt häufig und/oder intensiv vorkommen, sollte man einen Arzt um Rat fragen. Erster Ansprechpartner kann der Hausarzt sein.

Stimmungsschwankungen: Ursachen

Stimmungsschwankungen können viele Ursachen haben. Sie können Teil einer hormonellen Umstellung sein, etwa während der Pubertät, während der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren. Medizinisch relevant werden sie erst, wenn sie

  • besonders häufig auftreten,
  • unangemessen stark sind oder
  • unpassend erscheinen.

Starke Stimmungsschwankungen haben oft psychische Ursachen, sie können aber auch körperlich bedingt sein.

Stimmungsschwankungen: Psychische Erkrankungen als Ursache

Stimmungsschwankungen in einer extremen Form treten bei Menschen auf, die an einer bipolaren affektiven Störung (früher auch manisch-depressive Erkrankung) leiden. Dabei wechseln sich Phasen von unangemessener Euphorie (manische Phasen) mit Phasen tiefer Depressionen (depressive Phasen) ab:

  • In einer manischen Phase ist die Stimmung des Betroffenen gehoben oder gereizt. Sein Antrieb ist gesteigert und er neigt dazu, sich zu überschätzen.
  • Während der depressiven Episode hingegen hat die Person ihren Antrieb verloren, sie ist niedergeschlagen und hat keine Freude mehr an Dingen, die sie vorher interessiert haben. Die Phasen können unterschiedlich lange anhalten.
  • Zwischen zwei solchen Episoden liegen Phasen, in denen die Stimmung der Situation angemessen erscheint.

Auch Menschen, die an einer Depression ohne Manie leiden, erleben häufig Stimmungsschwankungen. Meist treten diese Schwankungen im Laufe eines Tages auf. Ein typisches, wenngleich auch nicht bei jedem Betroffenen auftretendes Zeichen einer Depression ist das sogenannte Morgentief: Morgens fühlt sich die Person besonders traurig und antriebslos, während sich die Stimmung nachmittags oder abends aufhellt.

Bei der Borderline-Störung sind Stimmungsschwankungen ebenfalls häufig. Sie ist eine Form der emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung. Schon kleinste Ereignisse können die Stimmung des Betroffenen umkehren.

Weitere Ursachen von Stimmungsschwankungen

Weitere mögliche Ursachen von Stimmungsschwankungen sind:

  • Demenzerkrankungen, z. B. Alzheimer
  • starke psychische Belastungen, z. B. Stress oder Konflikte
  • hormonelle Behandlungen: Hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille können bei Frauen zu Stimmungsschwankungen führen.
  • Schilddrüsenerkrankungen, z .B. eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose): Stimmungsschwankungen, Nervosität und Gewichtsverlust sind einige Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion. Dabei bildet die Schilddrüse mehr Hormone, als der Körper benötigt.
  • Suchterkrankungen, z. B. Alkoholismus, aber auch Nikotinabhängigkeit: Suchtkranke wirken häufig reizbar und niedergeschlagen, dann wieder plötzlich fröhlich.
  • Drogenkonsum: Auffällige Stimmungsschwankungen und sozialer Rückzug bei Jugendlichen können ein Hinweis auf möglichen Substanzmissbrauch sein.
  • sexueller Missbrauch: Insbesondere bei Kindern kann sich ein sexueller Missbrauch unter anderem in Stimmungsschwankungen, Ängsten und körperlichen Beschwerden äußern.
  • Tumoren im Gehirn: Entsteht ein hoher Druck im Schädelinneren, kann das u.a. auch die Gemütslage verändern.

Stimmungsschwankungen durch hormonelle Umstellungen

Im Laufe des Lebens sind einzelne Lebensabschnitte oder -zyklen mit verschiedenen hormonellen Umstellungen verbunden. Diese Veränderungen im Hormonhaushalt können unter anderem starke Stimmungsschwankungen verursachen. Sie sind kein Grund zur Besorgnis, vielmehr gehören sie zum menschlichen Dasein dazu. Sie müssen nur dann behandelt werden, wenn sie in extremer Form auftreten.

Stimmungsschwankungen durch natürliche hormonelle Umstellungen treten beispielsweise in folgenden Lebensphasen auf:

  • Pubertät: Die hormonellen Veränderungen gehen oft mit einer Entwicklungskrise einher, sodass Stimmungsschwankungen in der Pubertät ganz normal sind.
  • Schwangerschaft: Stimmungsschwankungen sind gerade zu Beginn einer Schwangerschaft nicht selten. Normalerweise produzieren die Follikel der Eierstöcke Hormone wie Östrogen. Während der Schwangerschaft übernimmt der Mutterkuchen (Plazenta) nach und nach diese Funktion. Aber nicht nur diese hormonelle Umstellung, auch die veränderte Lebenssituation kann dazu führen, dass die Stimmung labil ist.
  • Menstruationszyklus: Manche Frauen haben monatlich mit Stimmungsschwankungen zu kämpfen, insbesondere, wenn sie unter dem prämenstruellen Syndrom (PMS) leiden. Mit PMS sind verschiedene körperliche und psychische Symptome gemeint, die etwa zehn Tage bis eine Woche vor der Menstruationsblutung
  • Wechseljahre: Die hormonellen Umstellungen zu Beginn der Wechseljahre können mit Stimmungsschwankungen verbunden sein.
  • Wochenbett: Viele frischgebackene Mütter erleben den sogenannten Baby-Blues oder die Heultage. Ausgelöst wird der Baby-Blues durch die plötzlichen hormonellen Veränderungen nach der Geburt. Der veränderte Hormonspiegel und die unbekannte neue Situation verursachen eine psychische Berg- und Talfahrt, die sich unter anderem durch Stimmungsschwankungen, Überempfindlichkeit oder Appetitlosigkeit äußert.

Stimmungsschwankungen: Diagnose

Zunächst wird der Arzt einige Fragen stellen (sog. Anamnese). So wird er beispielsweise wissen wollen:

  • Wie häufig sind die Stimmungsschwankungen?
  • Wie ausgeprägt sind die Stimmungsschwankungen?
  • Gibt es bestimmte Auslöser für die Stimmungsschwankungen?
  • Welche anderen Symptome treten auf?

Darüber hinaus können verschiedene Tests nützlich sein, die zum Beispiel dabei helfen, eine mögliche Depression oder eine Demenzerkrankung zu identifizieren.

Um körperliche Ursachen für die Stimmungsschwankungen auszuschließen, wird der Arzt seinen Patienten körperlich untersuchen. Zusätzlich können verschiedene Laborwerte Aufschluss geben. Der Hormonspiegel kann beispielsweise Aufschluss darüber geben, ob eine Erkrankung der Schilddrüse vorliegt.

Je nachdem, welche Ursache der Arzt vermutet, können sich weitere Untersuchungen anschließen, so zum Beispiel EEG, EKG, MRT, CT – oder auch ein Schwangerschaftstest.

Stimmungsschwankungen: Therapie

Stimmungsschwankungen bedürfen in der Regel nur dann einer Therapie, wenn sie besonders ausgeprägt sind oder immer wiederkehren. Stimmungsschwankungen, die etwa während der Schwangerschaft oder durch die Pubertät auftreten, sind in der Regel normal und nicht Symptom einer Erkrankung. Treten die Stimmungsschwankungen im Rahmen einer Erkrankung auf, kann eine Therapie notwendig werden.

Kommen Stimmungsschwankungen im Rahmen einer psychischen Erkrankung vor, kann eine medikamentöse Therapie erforderlich sein. So verordnet der Arzt bei depressiven Verstimmungen beispielsweise häufig Antidepressiva. Diese Medikamente greifen in den Gehirnstoffwechsel ein und beeinflussen so die Stimmung.

Gerade bei psychischen Erkrankungen ist es jedoch auch wichtig, der eigentlichen Ursache auf den Grund zu gehen, sodass psychologische Hilfe meist sinnvoll ist – etwa in Form einer Psychotherapie. Auch nach einer traumatischen Erfahrung wie etwa sexuellem Missbrauch ist eine psychotherapeutische Behandlung erforderlich.

Wenn eine körperliche Erkrankung die Stimmungsschwankungen verursacht, muss diese behandelt werden. In der Regel verschwinden dann auch die Stimmungsschwankungen. Ist beispielsweise eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) die Ursache, können bestimmte Medikamente, eine Operation oder eine Radiojodtherapie nötig sein.