Ein junger und eine junge Frau sehen sich an und reden über Borderline-Persönlichkeitsstörungen..
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Borderline: Symptome, Ursachen und Therapie der Störung

Menschen mit Borderline-Syndrom leben in einem ständigen Wechselbad der Gefühle. Sie sind kaum in der Lage, ihre Emotionen zu kontrollieren. Lesen Sie, welche Symptome typisch sind, wie sich eine Borderline-Persönlichkeitsstörung auf Beziehungen auswirkt und welche Therapie helfen kann.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Borderline-Persönlichkeitsstörung: Was ist Borderline?

Schätzungen zufolge haben etwa 2 von 100 Menschen eine Borderline-Persönlichkeitsstörung. Bei Betroffenen herrscht ein regelrechtes Gefühlschaos. Sie haben Probleme damit, ihre Gefühle zu regulieren. Entsprechend reagieren sie impulsiv und neigen zu Kurzschlusshandlungen – was sich auch in ihren Beziehungen niederschlägt.

Das Borderline-Syndrom zählt zu den emotional-instabilen Persönlichkeitsstörungen. Typisch für diese Erkrankungen sind die raschen Gefühlswechsel: Die Stimmung kann von einer Minute auf die andere wechseln. Dabei reicht schon ein kleiner Anlass aus.

Von einer Persönlichkeitsstörung sprechen Fachleute, wenn bestimmte, tief verwurzelte Verhaltens- und Erlebensweisen eines Menschen im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt extrem stark oder schwach ausgeprägt sind. Die Betroffenen und/oder ihr Umfeld verspüren dabei einen ausgeprägten Leidensdruck.

Die emotional instabilen Persönlichkeitsstörungen werden in zwei Typen unterteilt:

  • Impulsiver Typ: Menschen vom impulsiven Typ leiden unter starken Stimmungswechseln und sind sehr launisch. Zudem zeichnen sie sich durch mangelnde Impulskontrolle aus. Das heißt: Ihre Emotionen sind so stark, dass sie sie nicht kontrollieren können. Dies kann zum Beispiel zu aggressivem Verhalten führen.

  • Borderline-Typ: Menschen vom Borderline-Typ (Borderline-Störung) leiden ebenfalls unter starken Gefühlsschwankungen und mangelnder Impulskontrolle. Zusätzlich geraten sie immer wieder in emotionale Krisen. Ihre sozialen Beziehungen sind instabil: Zum einen sind sie sehr anhänglich, zum anderen fühlen sie sich leicht gekränkt und zurückgewiesen, woraufhin sie den Kontakt abbrechen. Ihr Selbstwertgefühl ist niedrig. Auch haben sie kein klares Selbstbild. Viele Borderliner*innen neigen zu selbstschädigendem Verhalten.

Warum heißt es "Borderline"?

Früher fassten Fachleute unter dem Begriff Borderline unterschiedliche Störungen zusammen, deren Symptome sich im Grenzbereich zwischen neurotischen und psychotischen Störungen bewegen. Das Wort Borderline kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie "Grenzregion". Heute gilt dieser Ansatz als überholt: Borderline gilt als eine eigenständige Persönlichkeitsstörung – aber der Begriff "Borderline" ist geblieben.

Borderline: Symptome der Störung

Typische Symptome einer Borderline-Persönlichkeitsstörung sind die starken Gefühlsschwankungen sowie das unkontrollierte, impulsive Verhalten, das nicht selten einen selbstschädigenden Charakter hat.

Menschen mit Borderline-Syndrom haben ein instabiles Selbstbild. Sie schwanken zwischen Selbstliebe und Selbsthass und haben immer wieder quälende Selbstzweifel. Sie haben keine langfristigen Ziele oder klare Vorlieben.

Video: 6 Anzeichen, dass eine Person an Borderline leidet

Rasche Stimmungswechsel

Die Gefühlslage von Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung ist sehr wechselhaft. Sie erleben immer wieder Phasen von starker Erregbarkeit, AngstDepression oder Verzweiflung.

Schon kleinste Anlässe können die Stimmung kippen lassen. Die raschen Stimmungswechsel sind häufig Ausdruck der Neigung, sehr schnell und extrem auf zwischenmenschliche Belastungen zu reagieren.

Instabile Beziehungen

Mal ist eine andere Person der*die Größte – dann das "Allerletzte": Die Stimmungsschwankungen, die Menschen mit Borderline-Syndrom erleben, kommen auch in Beziehungen zu Freund*innen oder dem*der Partner*in zum Ausdruck.

Zu Beginn einer Beziehung idealisieren Borderline-Persönlichkeiten ihr Gegenüber meist sehr stark: Alles, was der*die andere tut oder sagt, ist in ihren Augen großartig. Jedoch schlägt die Begeisterung schon beim kleinsten Anlass schnell in Abwertung um.

Angst, verlassen zu werden

Menschen mit Borderline werten zwar ihr Gegenüber immer wieder ab. Zugleich haben sie aber große Angst davor, verlassen zu werden – auch, wenn es objektiv gesehen keine Anzeichen dafür gibt.

Borderline-Persönlichkeiten sind oft verzweifelt bemüht, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden. Die ständige Unsicherheit, nicht vielleicht doch verlassen zu werden, verstärkt ihre inneren Spannungszustände noch weiter.

Impulsives, selbstschädigendes Verhalten

Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung können ihre intensiven Gefühle und Stimmungswechsel kaum kontrollieren. Sie erleben immer wieder starke Spannungszustände, die sie durch verschiedene Verhaltensweisen abzubauen versuchen. Mögliche Symptome: Insbesondere, wenn sie sich vernachlässigt oder zurückgewiesen fühlen, neigen sie zu Wutausbrüchen.

Selbstschädigendes Verhalten, Suiziddrohungen und -versuche

Etwa 8 von 10 Menschen mit Borderline neigen zu selbstschädigenden Verhaltensweisen. Dazu zählen zum Beispiel:

  • übertriebenes Geldausgeben/Verspielen von Geld
  • (ungeschützter) wahlloser Sex mit wechselnden Partner*innen
  • übermäßiger Konsum von Alkohol und anderen Drogen
  • gefährliches Verhalten im Straßenverkehr, zum Beispiel zu schnelles Fahren
  • Essanfälle
  • Ladendiebstahl

Auch Selbstverletzungen zählen zu typischen Borderline-Symptomen – etwa in Form von Schnittverletzungen ("ritzen" mit Rasierklinge oder Messer) am Unterarm. Nicht zuletzt spielen Suizidankündigungen, -drohungen oder -versuche eine große Rolle. Das Suizidrisiko ist bei Menschen mit Borderline deutlich erhöht.

Wichtiger Hinweis: Konkrete Suizidgedanken oder -pläne sind ein Notfall. Wenn Sie solche Gedanken haben oder wenn eine nahestehende Person solche Gedanken äußert: Holen Sie umgehend Hilfe! Eine Anlaufstelle kann zum Beispiel die nächste psychiatrische Klinik sein. Im Zweifel gilt: Wählen Sie den Notruf (112).

Instabiles Selbstbild

Borderline-Patient*innen haben keine stabile Selbstwahrnehmung beziehungsweise kein Gefühl für ihr Selbst. Sie können nicht erfassen, was ihre Identität ausmacht. Mal erleben sie sich als autonom und selbstbewusst, zugleich fühlen sie sich aber von anderen abhängig. Viele berichten von einem Gefühl innerer Leere.

Dissoziative Symptome

Sogenannte dissoziative Symptome kommen bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung häufiger vor. Bei einer Dissoziation werden bestimmte psychische Funktionen abgespalten und nicht mehr als zu einem zugehörig erlebt. Die Wahrnehmung des eigenen Körpers und/oder der Umgebung verzerrt sich.

Zum Beispiel haben Betroffene

  • das Gefühl, ihre Umgebung sei unwirklich (Derealisation)
  • das Gefühl, sich selbst fremd zu sein, etwa, wenn sie in den Spiegel blicken (Depersonalisation)
  • kein Schmerz- oder Hungerempfinden
  • eine veränderte Zeitwahrnehmung
  • Gedächtnislücken

Psychotische Symptome

Während einer Krise können vorübergehend psychotische Symptome auftreten. Das bedeutet, dass die Betroffenen zeitweise den Bezug zur Realität verlieren. Zum Beispiel sind sie krankhaft misstrauisch und überzeugt davon, von ihrer*m Partner*in verlassen zu werden, obwohl es keinerlei Anlass dafür gibt. Auch können optische oder akustische Halluzinationen auftreten.

Borderline in Beziehungen

Borderline-Persönlichkeiten haben in Partnerschaften oft Schwierigkeiten. Zum einen befürchten sie, vom Gegenüber verlassen zu werden. Zum anderen können schon Kleinigkeiten dazu führen, dass sie die andere Person abwerten – und sich im Affekt von der Partnerin oder dem Partner trennen.

Dieser Zwiespalt zwischen der Angst vor dem Verlassenwerden und den schwankenden Gefühlen/impulsiven Verhaltensweisen kann eine typische "On-Off-Beziehung" zur Folge haben: Immer wieder kommt es zu kurzfristigen Trennungen mit anschließender Versöhnung.

Eine Beziehung mit einer Borderline-Persönlichkeit stellt oft eine große Herausforderung dar. Wichtig ist es dabei, die eigenen Bedürfnisse und Wünsche nicht außer Acht zu lassen und sich bei Bedarf professionelle Hilfe zu holen – am besten gemeinsam.

Ursachen der Borderline-Persönlichkeitsstörung

Die genauen Ursachen der Borderline-Persönlichkeitsstörung sind noch unklar. Die Forschung geht davon aus, dass sowohl psychosoziale als auch genetische sowie neurobiologische Faktoren bestimmen, welche Persönlichkeitsmerkmale sich besonders stark ausbilden und ob sich daraus eine Persönlichkeitsstörung entwickelt.

Aus tiefenpsychologischer Sicht handelt es sich bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung um eine sogenannte frühe Störung. Dabei wird davon ausgegangen, dass bei Betroffenen Strukturen und Denkmuster bestehen bleiben, die typisch für eine sehr frühe Phase in der kindlichen Entwicklung sind. In dieser Zeit haben Kinder noch keine differenzierte Wahrnehmung von sich oder von anderen Menschen. Vielmehr nehmen sie Menschen, aber auch Gefühle nur als "gut" oder "böse" wahr. Sie haben noch nicht gelernt, dass auch gegensätzliche Gefühle und Wahrnehmungen in einer Person vereint sein können. Werden diese Strukturen nicht überwunden, führt dies dazu, dass Betroffene auch als Erwachsene das eigene Verhalten und sogar die eigene Identität nicht richtig einschätzen können.

Möglicherweise sind Borderline-Persönlichkeiten in einem Umfeld aufgewachsen, in dem Verhaltensweisen und Menschen immer als entweder "vollkommen gut" oder "vollkommen böse" bewertet wurden. Ein typisches erlerntes Verhaltensmuster könnte zum Beispiel sein, als "gutes" Kind nie wütend sein zu dürfen. Die Betroffenen konnten so nicht lernen, angemessen mit schwierigen Situationen oder negativen Gefühlen umzugehen.

Missbrauchserfahrungen sind häufig

Viele Menschen mit Borderline-Störung sind in der Kindheit schwer traumatisiert worden. Besonders häufig haben die Betroffenen sexuellen Missbrauch erlebt: Dies ist bei bis zu sieben von zehn Personen mit Borderline der Fall. Aber auch körperliche Gewalt und schwere Vernachlässigung zählen zu den möglichen Ursachen.

In vielen Fällen ist der*die misshandelnde Täter*in eine wichtige Bezugsperson, etwa ein Elternteil. Die Betroffenen sehen sich mit dem Widerspruch konfrontiert, dass eine geliebte Person, die sie schützen sollte, identisch mit der Person ist, vor der man sich selbst schützen muss. In diesem Widerspruch ist es für Betroffene nur schwer möglich, ihre Reaktionen von Wut und Ekel gegenüber der Bezugsperson wahrzunehmen und zu äußern. Möglicherweise kehren sich bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung diese negativen Gefühle dann gegen die eigene Person, sodass der Missbrauch durch die eigene "schlechte Persönlichkeit" gerechtfertigt werden kann.

Missbrauchserfahrungen können auch die spätere Beziehungsgestaltung entscheidend prägen, da gleichzeitig unvereinbare Emotionen erlebt werden: zum Beispiel die Zärtlichkeit eines Menschen, verbunden mit der gleichzeitigen Angst vor ihm. Dazu das Gefühl, bevorzugt zu werden, aber auch intensive Scham. Diese Widersprüchlichkeit der Gefühle lässt die Betroffenen auch später im Umgang mit anderen Menschen zwischen extremen Polen hin und her schwanken.

Wichtig zu wissen: Nicht jeder Mensch, der in seiner Kindheit ein schweres Trauma erlitten hat, entwickelt später eine Borderline-Störung. Umgekehrt hat nicht jede Person mit Borderline einen Missbrauch erlebt. Das weist darauf hin, dass noch weitere Einflüsse bei der Entstehung eine Rolle spielen.

Neurobiologische Faktoren

Aus neurobiologischer Sicht gibt es bei Menschen mit Borderline Hinweise auf Fehlsteuerungen zwischen Botenstoffen (Transmittern) in bestimmten Bereichen des Hirns (Hirnstamm, limbisches System). Zudem konnten vereinzelt diffuse Schädigungen im Bereich unter der Hirnrinde gefunden werden.

Borderline-Syndrom: Diagnose

Generell gilt: Eine Borderline-Persönlichkeitsstörung sollte erst bei Personen ab dem späten Jugendalter diagnostiziert werden, da sich die individuellen Persönlichkeitsmerkmale bis in das junge Erwachsenenalter hinein entwickeln. Um eine Persönlichkeitsstörung handelt es sich nur, wenn die auffälligen Verhaltensweisen schon seit der Kindheit oder Jugend (nahezu) dauerhaft vorhanden und nicht auf einen umrissenen Zeitraum begrenzt sind.

Borderline kann lange unentdeckt bleiben. Erfahrenen psychologische oder psychiatrische Fachkräfte gelingt es zwar in der Regel im Laufe einer Therapie, die Störung zu erkennen. Jedoch brechen viele Betroffene die Behandlung nach kurzer Zeit ab oder wechseln die Praxis, was die Diagnose verzögern kann.

Borderline-Test

Mithilfe verschiedener standardisierter Tests kann herausgefunden werden, ob möglicherweise eine Persönlichkeitsstörung vorliegt und um welche Form der Störung es sich handeln könnte. Dabei helfen zum Beispiel Checklisten, aber auch strukturierte Interviews.

Ein spezieller Borderline-Test ist das diagnostische Interview für das Borderline-Syndrom (DIB). In einem circa zweistündigen Gespräch wird versucht, durch Fragen und Beobachten Informationen zu verschiedenen Teilbereichen zu sammeln. Je nachdem, was der*die Patient*in sagt oder wie sie*er reagiert, ist es möglich, die einzelnen Bereiche und den gesamten Borderline-Test mithilfe eines Punktesystems ("Scores") auszuwerten. Anhand der Ergebnisse kann eingeschätzt werden, ob eine Borderline-Störung vorliegt.

Hinweis: Borderline-Tests aus dem Internet zum "Selbstausfüllen" ersetzen keinesfalls die Diagnose durch Fachleute.

Diagnosekriterien

Um beim Borderline-Syndrom die Diagnose stellen zu können, müssen mindestens fünf der folgenden neun Kriterien gemäß des Diagnostischen und Statistischen Handbuchs Psychischer Störungen (DSM) vorliegen:

  • verzweifelte Bemühungen, befürchtetes oder tatsächliches Verlassenwerden zu vermeiden (nicht: selbstverletzendes Verhalten oder Selbstmordversuche/-drohungen)
  • instabile, aber intensive zwischenmenschliche Beziehungen mit häufigem Wechsel zwischen extremer Idealisierung und Abwertung des Gegenübers
  • Identitätsstörung in Form eines ausgeprägten und andauernden instabilen Selbstbilds oder einer instabilen Selbstwahrnehmung
  • starke Impulsivität in mindestens zwei möglicherweise selbstschädigenden Bereichen, zum Beispiel Drogenmissbrauch, Essstörungen (nicht: selbstverletzendes Verhalten oder Selbstmordversuche/-drohungen)
  • Selbstverletzungen, Suizidversuche oder -androhungen
  • instabile Gefühlswelt (affektive Instabilität) mit einem extremen Gefühlserleben und plötzlichen, oftmals heftigen Stimmungsschwankungen, die bereits durch kleinste Ereignisse ausgelöst werden können
  • andauerndes Gefühl der inneren Leere
  • unangemessene, sehr heftige Wut oder Schwierigkeiten, die Wut zu kontrollieren (z. B. Wutanfälle)
  • vorübergehend paranoide Vorstellungen oder dissoziative Gefühle wie Selbstentfremdung infolge von Belastungssituationen

Andere Erkrankungen ausschließen: Was könnte es noch sein?

Bestimmte Erkrankungen können in ihrer Symptomatik einer Borderline-Persönlichkeitsstörung ähneln. Bevor die Diagnose Borderline gestellt wird, ist es daher wichtig, solche Krankheiten auszuschließen.

Dazu zählen zum Beispiel

Hilfreiche Webseiten für Betroffene mit Borderline

  • www.borderline-netzwerk.info: Ein Verein mit dem Ziel, Betroffenen bei der Suche nach Therapieplätzen und sonstigen Fragen zur Selbsthilfe unterstützend zur Seite zu stehen.
  • www.borderline-angehoerige.net: Plattform für den Gedanken- und Erfahrungsaustausch von Angehörigen und Partner*innen.

Wie sieht eine mögliche Therapie bei Borderline aus?

Persönlichkeitsstörungen wie Borderline bedürfen normalerweise einer längerfristig angelegten Therapie, die mehrere Jahre andauern kann.

Welche Behandlungsmethode am besten geeignet ist, richtet sich auch nach den Vorlieben der Betroffenen. Als besonders wirksam hat sich allerdings eine spezielle Therapieform erwiesen: die dialektisch-behaviorale Verhaltenstherapie.

Dialektisch-behaviorale Verhaltenstherapie (DBT)

In den 1980er Jahren ist ein stark strukturiertes Programm speziell für die Therapie von Personen mit Borderline-Syndrom entwickelt worden. Diese dialektisch-behaviorale Therapie (DBT) gilt als das wissenschaftlich am besten belegte Behandlungsverfahren bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung.

Bei der DBT werden verschiedene Therapiemethoden miteinander kombiniert. Dazu zählen Elemente aus der Verhaltenstherapie, der Gesprächspsychotherapie, der Hypnotherapie und dem Zen-Buddhismus. Die Therapie kann als Einzel- oder Gruppentherapie durchgeführt werden.

Mithilfe von Übungen sollen Borderline-Persönlichkeiten lernen, ihre Verhaltensfähigkeiten zu verbessern und mit schwierigen Situationen besser umzugehen. Zum Beispiel können Betroffene in der Therapie

  • lernen, besser mit Stress umzugehen
  • lernen, ihre Gefühle besser zu kontrollieren
  • zwischenmenschliche Fertigkeiten entwickeln/Beziehungen zu verbessern
  • die Körperwahrnehmung verbessern

Die dialektisch-behaviorale Therapie der Borderline-Störung wurde als ambulante Behandlungsmethode entwickelt. Unter bestimmten Umständen, zum Beispiel bei akuter Gefahr der Selbstgefährdung, ist aber zumindest vorübergehend eine stationäre Therapie ratsam.

Neben der dialektisch-behavioralen Therapie (DBT) gibt es weitere Ansätze zur Behandlung einer Borderline-Störung, zum Beispiel

  • die Schematherapie
  • die Mentalisierungs-basierte Therapie (MBT)
  • die Übertragungs-fokussierte Psychotherapie (Transference Focussed Therapy, TFP)
  • medikamentöse Therapie

Auch Musik-, Spiel- oder Bewegungstherapie kann bei Borderline zum Einsatz kommen.

Borderline-Störung: Möglicher Verlauf

Eine Borderline-Persönlichkeitsstörung kann sehr unterschiedlich verlaufen. In der Regel weisen die Betroffenen schon in der Kindheit und Jugend typische Persönlichkeitsmerkmale auf, welche sich bis ins junge Erwachsenenalter festigen.

Meist durchleben Borderline-Persönlichkeiten in ihrem Leben immer wieder Krisen mit starken Stimmungswechseln, Suizidandrohungen oder -versuchen, Selbstverletzungen oder anderen selbstschädigenden Verhaltensweisen. Nicht nur für die Betroffenen, auch für ihr Umfeld kann dies eine erhebliche Belastung bedeuten.

Die Persönlichkeitsmerkmale eines Menschen bleiben bis ins hohe Alter größtenteils bestehen. Allerdings nimmt die Intensität der belastenden Merkmale mit fortschreitendem Alter oft ab, sodass sich viele Betroffene im Erwachsenenalter sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich psychisch stabiler fühlen.

Viele Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung haben zugleich weitere psychische Störungen – etwa eine Depression. Eine Psychotherapie kann den Verlauf des Borderline-Syndroms günstig beeinflussen.