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Halluzinationen

Halluzinationen können alle Sinne betreffen. Manche Betroffene berichten, dass sie Stimmen hören, die ihnen Befehle geben. Andere haben einen üblen Geruch in der Nase, den die Außenwelt nicht wahrnimmt. Und wieder andere sind überzeugt davon, gerade von einem fremden Wesen berührt worden zu sein.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Halluzinationen

Was ist eine Halluzination?

Eine Halluzination ist eine Form der Sinnestäuschung, bei der die subjektive Wahrnehmung verändert ist. Menschen, die an Halluzinationen leiden, sehen, hören, riechen, schmecken oder fühlen etwas, das real nicht existiert. Sie sind überzeugt davon, dass das, was sie wahrnehmen, tatsächlich vorhanden ist.

Es gibt verschiedene Formen von Halluzinationen. Am häufigsten treten Halluzinationen in Form von akustischen und optischen Sinnestäuschungen auf.

Formen von Halluzinationen

Form Beispiele
akustische Halluzinationen:
  • Stimmenhören: Betroffene hören Stimmen, die entweder das Verhalten kommentieren oder zu direkten Handlungen auffordern.
  • Betroffene hören andere Geräusche wie Knacken, Pfeifen, Schritte oder Musik (sog. Akoasmen).
optische Halluzinationen:
  • Betroffene sehen Lichtblitze, Gegenstände oder Personen, die nicht existieren.
Geruchs- und Geschmackshalluzinationen:
  • Betroffene nehmen unangenehme Gerüche (z.B. Gasgeruch) wahr
    Betroffene haben einen unangenehmen Geschmack im Mund (z.B. fauligen Geschmack), oft verbunden mit der Angst, vergiftet zu werden.
   Körperhalluzinationen:
  • taktile Halluzinationen: Menschen mit dieser Sinnestäuschung haben das Gefühl, berührt zu werden.
  • Coenästhesie: Bei dieser Form der Halluzination ist das Körperempfinden gestört. Betroffene haben z.B. das Gefühl, als würde elektrischer Strom durch den Körper fließen oder als würde das Gehirn im Kopf hin- und herschwappen.

Pseudohalluzination

Die Pseudohalluzination zählt, wie die Halluzination, zu den Sinnestäuschungen. Anders als bei der "echten Halluzination" ist sich der Betroffene jedoch bewusst, dass seine Wahrnehmung nicht real existiert. Pseudohalluzinationen können etwa bei starker Müdigkeit, Erschöpfung, Fieber oder unter Alkoholeinfluss auftreten.

Halluzinationen: Ursachen

Eine Halluzination ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom. Sinnestäuschungen können ganz verschiedene Ursachen haben kann:

  • Sie können bei zahlreichen psychischen Erkrankungen vorkommen, z.B. bei Psychosen wie der Schizophrenie, aber auch im Rahmen einer Depression.
  • Sie können durch Alkoholentzug, bei Alkoholismus sowie durch bestimmte Drogen Vor allem Halluzinogene wie LSD, Mescalin, Psylocybin aus halluzinogenen Pilzen und Haschisch können Sinnestäuschungen hervorrufen.
  • Sie können auf eine Erkrankung des Gehirns oder des Nervensystems hinweisen, z.B. auf eine Schädigung im Bereich des Schläfenlappens (Temporallappen). Halluzinationen können zudem als Vorstadium (Aura) bei Krampfanfällen (Epilepsie) und Migräne in Erscheinung treten.
  • Sie können eine Nebenwirkung mancher Medikamente sein. Dazu zählen etwa Kortisonpräparate, Dopamin-Agonisten oder Anticholinergika.

Gelegentlich treten Halluzinationen in der Ein- oder Ausschlafphase auf. Mediziner sprechen von hypnagogen beziehungsweise hypnopompen Halluzinationen. Der Betroffene ist beim Ein- oder Aufwachen in einem traumähnlichen Zustand, hat jedoch selbst das Gefühl, dass die Dinge, die er sieht oder hört, tatsächlich existieren. Bei einer solchen Halluzination spürt der Schlafende zum Beispiel, dass ein Fremder an seinem Bett steht und ihn berührt. Hypnagoge und hypnopompe Halluzinationen kommen häufig im Rahmen einer Narkolepsie vor.

Überblick: Häufige Ursachen von Halluzinationen

  • Schizophrenie
  • andere psychische Erkrankungen wie etwa Depressionen
  • körperliche Erkrankungen, z.B. Epilepsie, Migräne
  • Nebenwirkungen von Medikamenten, z.B. Kortikoide, Anticholinergika
  • Alkoholismus, Alkoholentzug
  • Drogenkonsum

Halluzinationen: Diagnose

Viele Menschen, die Halluzinationen erleben, erzählen anderen nichts davon. Möglicherweise suchen sie den Arzt lange Zeit gar nicht auf. So vergeht oft viel Zeit, bis die Diagnose feststeht.

Der Arzt fragt im ersten Gespräch beispielsweise nach

  • der Art der Halluzinationen (z.B. Stimmenhören oder optische Sinnestäuschungen)
  • möglichen Vorerkrankungen (z.B. bekannte Schizophrenie, Migräne),
  • Bewusstseins-, Denk- und Aufmerksamkeitsstörungen oder
  • körperlichen Beschwerden.

Von entscheidender Bedeutung ist auch, ob der Patient Halluzinogene eingenommen hat, zum Beispiel LSD.

Manchmal ist es hilfreich, wenn der Arzt zusätzlich Freunde oder Angehörige befragt, die bei einem Termin anwesend sind. Zusätzlich helfen ihm seine eigenen Beobachtungen bei einer ersten Einschätzung.

Eine gründliche körperliche Untersuchung gibt Aufschluss darüber, ob eine organisch bedingte Erkrankung die Halluzinationen ausgelöst haben könnte, zum Beispiel eine Epilepsie.

Hat der Arzt die Vermutung, dass hinter den Halluzinationen eine psychische Erkrankung steckt, wird er seinen Patienten an einen Facharzt für Psychiatrie verweisen.

Halluzinationen: Behandlung

Was tun, wenn Menschen Stimmen hören oder Dinge sehen, die es gar nicht gibt? Pauschal lässt sich diese Frage nicht beantworten. Die Behandlung von Halluzinationen richtet sich vielmehr nach der jeweiligen Ursache. Einige Beispiele:

  • Treten die Halluzinationen nach Drogenkonsum in Erscheinung, verschwinden sie in der Regel wieder, wenn die Wirkung nachlässt. Jedoch kann eine Drogenabhängigkeit eine langfristige Therapie erfordern – etwa eine Entzugsbehandlung in einer Klinik.
  • Bei einer Schizophrenie setzen Ärzte meist auf Medikamente in Form von Neuroleptika (Antipsychotika), welche die Symptome reduzieren. Auch psycho- und soziotherapeutische gehören zur Behandlung. In schweren Fällen von Schizophrenie sollte die Therapie in einer Klinik stattfinden.
  • Wenn Halluzinationen durch die Einnahme bestimmter Medikamente ausgelöst werden, wird der Arzt ggf. ein anderes Medikament wählen.