Junge Frau mit Meningitis fasst sich an schmerzenden Kopf.
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Meningitis (Hirnhautentzündung): Symptome, Ursachen & Impfung

Bei einer Meningitis kommt es zu einer Entzündung der Hirnhäute, die das Gehirn wie eine Schutzhülle umgeben. Ursachen sind in der Regel Virusinfektionen, jedoch gibt es auch eine bakterielle Form, die lebensgefährlich verlaufen kann. Welche Symptome sprechen für eine Meningitis und wieso ist eine schnelle Behandlung unerlässlich? 

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

FAQ: Häufige Fragen und Antworten zur Meningitis

Ja, eine Hirnhautentzündung ist ansteckend. Vor allem wer Kontakt zu Menschen mit einer viralen oder bakteriellen Form hat, kann sich leicht anstecken und auch unbemerkt Träger*in der Erreger sein.

Eine unbehandelte Meningitis kann mitunter innerhalb weniger Stunden einen lebensgefährlichen Verlauf annehmen. Wer Symptome bei sich oder anderen Menschen feststellt, sollte umgehend ärztlichen Rat einholen.

Sowohl eine durch Meningokokken als auch durch Haemophilus influenzae Typ B ausgelöste Meningitis ist meldepflichtig. Dem Gesundheitsamt muss bereits der Krankheitsverdacht, die Erkrankung selbst und auch ein tödlicher Verlauf gemeldet werden. In der Regel übermittelt die ärztliche Praxis die Informationen an das Gesundheitsamt. 

Was ist eine Meningitis?

Eine Meningitis ist eine Hirnhautentzündung. Das bedeutet: Die Gehirn- und/oder Rückenmarkshäute (Meningen), die als Schutzhülle für Gehirn und Rückenmark dienen, sind entzündet. Meist wird die Meningitis durch Bakterien oder Viren ausgelöst, weshalb Fachleute zwischen einer viralen und einer bakteriellen Meningitis unterscheiden. Möglich ist auch, dass sich die Entzündung auf das Gehirn ausbreitet (Enzephalitis) oder zeitgleich mit einer Hirnhautentzündung auftritt (Meningoenzephalitis).

Wie häufig eine Hirnhautentzündung vorkommt, ist von Region zu Region unterschiedlich. In Deutschland erkranken Schätzungen zufolge jährlich etwa fünf Menschen pro einer Million Einwohner*innen an einer bakteriellen Meningitis. Kinder und Jugendliche sind in der Regel besonders häufig betroffen.

Meningitis: Welche Symptome sind möglich?

Die Symptome einer Hirnhautentzündung unterscheiden sich je nachdem, ob Bakterien oder Viren Auslöser sind. In der Regel kommt es zunächst zu Beschwerden, die einer Grippe ähneln, wie:

Im Verlauf entwickelt sich eine Nackensteifigkeit (Meningismus), ein charakterisierendes Symptom einer Hirnhautentzündung. Häufig ist das Symptom zu Beginn der Erkrankung noch schwach ausgeprägt, verstärkt sich jedoch im weiteren Verlauf. Die Nackensteifigkeit kann bei einer Meningitis aber auch fehlen. Dies ist vor allem bei älteren Personen oder Säuglingen der Fall. 

Symptome bei viraler Hirnhautentzündung

Eine virale Hirnhautentzündung geht in der Regel mit milderen Symptomen einher, die sich im Verlauf von mehreren Tagen entwickeln. Manchmal bessern sich die Beschwerden auch ohne Behandlung nach etwa einer Woche wieder, die Erholungsphase erstreckt sich länger. Vor allem bei Kindern uns Säuglingen sind schwere Verläufe bei der viralen Form möglich.

Bakterielle Meningitis: Weitere Symptome sind möglich

Eine bakterielle Meningitis geht mit stark ausgeprägten Symptomen einher, die sich meist innerhalb weniger Stunden verschlechtern. Weitere Anzeichen sind:

  • Blutdruckabfall
  • Bewusstseinsstörungen, Koma und Schockzustand
  • kleine, rot-bräunliche Hautveränderungen, die Petechien ähneln
  • Einblutungen der inneren Organe (Waterhouse-Friderichsen-Syndrom)
  • Gesichtslähmung aufgrund von Hirnnervenaussfällen
  • starke Verwirrtheit
  • epileptische Anfälle

Eine bakterielle Meningitis gilt als medizinischer Notfall, der einer sofortigen Behandlung bedarf. Derartige Beschwerden sollten umgehend ärztlich untersucht werden.

Hirnhautentzündung: Symptome bei Säuglingen und Kleinkindern

Eine bakterielle Meningitis macht sich bei Kindern im Säuglings- und Kleinkindalter häufig durch etwas andere Symptome bemerkbar als bei Erwachsenen oder älteren Kindern. Möglich sind: 

Bei Säuglingen mit Hirnhautentzündung verschlechtert sich der Zustand typischerweise rapide. Oft nehmen die Kleinen einen teilnahmslosen Ausdruck an, reagieren nicht auf Reize und sind schwer zu wecken. Nackensteifheit kann vorkommen, aber auch gänzlich fehlen.

Wichtig: Häufig zeigen Säuglinge und Kleinkinder bei einer Hirnhautentzündung recht unspezifische Symptome. Bei jedem Verdacht auf eine Hirnhautentzündung sollten Eltern nicht zögern und umgehend ärztlichen Rat einholen. 

Hirnhautentzündung: Symptome bei Senioren

Auch bei älteren Menschen ist eine Meningitis nicht immer klar zu erkennen: Die Symptome sind bei Senior*innen häufig durch Begleiterkrankungen wie Durchblutungsstörungen oder Demenz verschleiert. Zudem bleibt die Nackensteifigkeit manchmal vollständig aus. Dies erschwert es oftmals, eine Meningitis zu diagnostizieren. Daher kann es vorkommen, dass eine Hirnhautentzündung als Anzeichen für einen Schlaganfall oder einen fieberhaften Verwirrtheitszustand fehlinterpretiert wird.

Hirnhautentzündung: Welche Ursachen stecken dahinter?

Eine Hirnhautentzündung wird insbesondere durch Infektionen mit Viren und Bakterien hervorgerufen. Zu den möglichen Erregern zählen: 

  • Infektion mit Viren: zum Beispiel FSME-Viren, Enteroviren, Mumpsviren, Herpesviren, Epstein-Barr-Viren (Erreger des pfeifferschen Drüsenfiebers), Varizellen (Erreger der Windpocken) oder Masernviren
  • Infektionen mit Bakterien: häufigste Ursache Meningokokken oder Pneumokokken, Enterobakterien wie Bakterienart Pseudomonas aeruginosa oder Staphylokokken, bei Kindern unter 5 Jahren oft Haemophilus influenzae vom Typ B, bei Säuglingen Escherichia Coli oder aber Streptokokken seltener Listerien bei älteren, immungeschwächten Personen

Eine Hirnhautentzündung kann in seltenen Fällen auch durch diese Ursachen ausgelöst werden:

Wie erfolgt die Ansteckung einer Hirnhautentzündung?

Menschen mit Hirnhautentzündung gelten als ansteckend. Häufig gelangen die Erreger über eine Tröpfcheninfektion in den Körper, zum Beispiel durch Husten und Niesen oder auch Küssen. Meist führen die Erreger zu einer unkomplizierten und harmlosen Entzündung der oberen Atemwege. Manche Menschen tragen die Erreger im Nasen-Rachen-Raum, ohne selbst zu erkranken. Trotzdem sind sie eine Infektionsquelle für andere, bei denen die Keime möglicherweise schwere Erkrankungen auslösen.

Bei einer eitrigen, größtenteils durch Bakterien verursachten Meningitis können die Erreger auf mehreren Wegen zu den Hirnhäuten gelangen:

  • Streuung über den Blutweg (hämatogen): Erreger können von einem Entzündungsherd im Körper über das Blut zu den Hirnhäuten vordringen. So kann beispielsweise zunächst eine Lungenentzündung vorliegen und dann eine Meningitis folgen.

  • Ausbreitung einer Infektion (fortgeleitete Meningitis): Eine Entzündung, die sich in der Nähe der Hirnhäute befindet – zum Beispiel eine Mittelohrentzündung oder eine Nasennebenhöhlenentzündung –, kann sich ausdehnen und auf die Hirnhäute übergreifen.

  • durch direkten Kontakt: Erreger können auch durch unfallbedingte Schädelfrakturen oder durch operative Eingriffe an Gehirn und Rückenmark direkt mit den Hirn- und Rückenmarkshäuten in Kontakt kommen.

Eine bakterielle Meningitis muss umgehend im Krankenhaus behandelt werden. Wenn die Behandlung nicht sofort und ohne Verzögerung einsetzt, kann eine Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute durch Bakterien innerhalb weniger Stunden lebensbedrohliche Ausmaße annehmen.

Meningitis: Mit einer Impfung vorbeugen

Einer bakteriellen Meningitis lässt sich mit verschiedenen Schutzimpfungen vorbeugen. Zu wichtigen Impfungen zählen

Auch gegen einige virale Formen der Meningitis gibt es Impfungen. So zählt die Impfung gegen das Mumpsvirus in Kombination mit der Masern- und Rötelnimpfung zu den Standardimpfungen. Um der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) vorzubeugen, steht wird vor allem in Risikogebieten lebenden Personen eine FSME-Impfung empfohlen.

Impfung ist auch Schutz für Ungeimpfte

Mit einer Impfung können Sie nicht nur einer bakteriellen Meningitis bei sich selbst vorbeugen – die Impfung möglichst vieler Menschen schützt auch Ungeimpfte: Wer sich impfen lässt, verhindert, unbemerkt Träger*in des Erregers zu sein und diesen an andere weiterzugeben.

Wie lässt sich eine Meningitis diagnostizieren?

Symptome wie ein starkes Krankheitsgefühl, heftige Kopfschmerzen und Fieber sind erste Anhaltspunkte dafür, dass es sich um eine Hirnhautentzündung handeln könnte. Nachdem die*der Ärztin*Arzt die Beschwerden abgefragt hat (Anamnese) folgt in der Regel eine körperliche Untersuchung mit drei Tests:

  • Brudzinski-Zeichen: Beugt die*der Ärztin*Arzt den Kopf der liegenden erkrankten Person in Richtung Brust und tritt dabei ein schmerzbedingter Widerstand im Nacken auf, liegt eine Nackensteifigkeit vor. Beugen Patient*innen im selben Moment reflexartig die Beine im Hüft- und Kniegelenk, ist das sogenannte Brudzinski-Zeichen positiv, was ein weiterer Hinweis auf Meningitis ist.

  • Kernig-Zeichen: Wird das gestreckte Bein der liegenden Person angehoben und beugt diese daraufhin das Knie, ist das sogenannte Kernig-Zeichen positiv. Ein weiteres Indiz für die Erkrankung.

  • Lasègue-Zeichen: Bei diesem Test liegen Patient*innen auf dem Rücken, während das gestreckte Bein angehoben wird. Treten in einem Winkel von bis zu 45 Grad starke Schmerzen in Rücken und Bein auf, kann das an Anzeichen einer bakteriellen Meningitis sein.

Um die Diagnose Meningitis zu festigen und um den genauen Erreger zu bestimmen, sollte umgehend eine Blutuntersuchung und anschließend eine Lumbalpunktion erfolgen: 

  • Blutuntersuchung: Im Blut lassen sich unter anderem Entzündungszeichen nachweisen und Rückschlüsse auf den Erreger ziehen.

  • Lumbalpunktion: Bei der Lumbalpunktion entnehmen Ärzt*innen eine kleine Menge Nervenwasser (Liquor) aus dem Rückenmark. Das Aussehen der Flüssigkeit gibt erste Hinweise darauf, ob Bakterien oder Viren für die Meningitis verantwortlich sein könnten. Im Labor wird das Nervenwasser genauer untersucht. Dabei wird der genaue Erreger bestimmt und ermittelt, in welcher Menge er vorhanden ist.

Möglicherweise schließt sich dann eine Computertomograhpie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) des Schädels und Gehirns an, sofern Bewusstseinsstörungen vorliegen. 

Meningitis: Wie erfolgt die Behandlung?

Eine durch Viren hervorgerufene Meningitis bedarf nicht immer einer speziellen Therapie. Nimmt sie einen leichten Verlauf, heilt sie oft von allein aus. Anders die bakterielle Hirnhautentzündung: Hier ist rasches Handeln erforderlich, um schwerwiegende Komplikationen zu vermeiden.

Therapie der bakteriellen Meningitis

Eine bakterielle Meningitis wird zur Sicherheit immer im Krankenhaus behandelt. Schon beim ersten Verdacht auf eine bakterielle Meningitis – also auch, wenn die Diagnose noch nicht eindeutig feststeht –, ist es notwendig, so rasch wie möglich ein Breitbandantibiotikum zu verabreichen, das gegen unterschiedliche Bakterienarten vorgehen kann.

Zu häufig verschriebenen Bandbreitantibiotika bei einer bakteriellen Meningitis zählen Wirkstoffe aus der Gruppe der Cephalosporine (wie Cefotaxim oder Ceftriaxon) in Kombination mit Ampicillin. Zusätzlich bekommen viele Patient*innen den entzündungshemmenden Wirkstoff Dexamethason verabreicht.

Sobald das Ergebnis der Nervenwasser- und Blutuntersuchung vorliegt und der Erreger feststeht, kann die Therapie gegebenenfalls angepasst und ein gezieltes Antibiotikum verabreicht werden. Im Fall einer Meningokokken-Meningitis wird oftmals auf den Wirkstoff Penicillin G umgestiegen. Die medikamentöse Behandlung dauert etwa zehn bis 14 Tage.

Chemoprophylaxe: Mitbehandlung enger Kontaktpersonen

Ist das Risiko groß, dass sich eine Kontaktperson angesteckt haben könnte, wird die*der Ärztin*Arzt möglicherweise eine Chemoprophylaxe vorschlagen. Darunter verstehen Fachleute die vorbeugende Gabe von Antibiotika.

Therapie der viralen Meningitis

Eine virale Meningitis heilt in vielen Fällen ohne eine besondere Behandlung von allein aus. Allerdings sind auch schwere Verläufe möglich. Dabei kommt es unter anderem darauf an, um welchen Erreger es sich handelt.

Antibiotika helfen nur gegen Bakterien und kommen daher bei einer viralen Meningitis nicht infrage. Gegen bestimmte Viren stehen sogenannte Virostatika zur Verfügung. So wird bei Verdacht auf eine Herpesinfektion etwa den Wirkstoff Aciclovir verabreicht. Unterstützend können schmerz- und fiebersenkende Medikamente sowie Bettruhe die Beschwerden lindern. Geht die virale Gehirnhautentzündung auf das Gehirn übergeht, müssen Patient*innen in jedem Fall im Krankenhaus behandelt werden, denn dieser Zustand kann lebensbedrohlich sein.

Meningitis: Verlauf und Komplikationen

Eine Meningitis kann unbehandelt im Verlauf weniger Stunden lebensbedrohliche Ausmaße annehmen – insbesondere, wenn es sich um eine bakterielle Form handelt. Aber auch eine durch Viren verursachte Meningitis kann schlimmstenfalls tödlich verlaufen, vor allem, wenn sie durch das Herpes-simplex-Virus verursacht wurde.

Darum ist es für die Prognose entscheidend, bereits bei einem Verdacht auf eine Meningitis unverzüglich eine Therapie einzuleiten: Eine schnelle und angemessene Behandlung verringert das Risiko schwerer oder tödlicher Verläufe deutlich.

Die Prognose der Hirnhautentzündung ist noch von weiteren Faktoren abhängig, so vor allem von

  • der Art des Meningitis-Erregers
  • der individuellen Situation der Betroffenen (wie Lebensalter, allgemeiner Gesundheits- oder Ernährungszustand).

An einer durch Meningokokken verursachten Meningitis stirbt statistisch gesehen eine von 100 betroffenen Personen. Kommen Komplikationen wie eine Meningokokken-Sepsis hinzu, steigt das Risiko deutlich an. Bei einer Pneumokokken-Meningitis oder einer Meningitis durch Listerien ist die Sterblichkeitsrate ebenfalls höher.

Hirnhautentzündung: Welche Komplikationen können auftreten?

Bei etwa jeder zweiten erwachsenen Person mit einer bakteriellen Meningitis treten Komplikationen auf, die unterschiedlich schwer ausgeprägt sein können. Dazu zählen unter anderem:

  • Meningokokken-Sepsis, eine Blutvergiftung, die das Waterhous-Friedrichsen-Syndrom (lebensgefährliche Blutgerinnungsstörung mit Einblutungen in Nebennieren) zur Folge haben kann
  • Schwellung des Gehirns (Hirnödem) mit steigendem Hirndruck
  • Gefäßverschluss der Venen im Gehirn durch Blutgerinnsel (Sinusvenenthrombose)
  • Hydrozephalus, eine krankhafte Erweiterung der mit Flüssigkeit gefüllten Räume im Gehirn
  • Hörprobleme durch Schäden am Innenohr
  • Lähmungen der Hirnnerven
  • Hirnabszess, eine Eiteransammlung in einer entzündlich entstandenen Höhle im Gehirn
  • Krampfanfälle
  • geistige Einschränkungen