Man sieht eine Aufnahme der Baktierienart Pseudomonas aeruginosa mit dem Rasterelektronenmikroskop (REM).
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Pseudomonas aeruginosa

Die Bakterienart Pseudomonas aeruginosa ist weltweit verbreitet und führt vor allem bei Menschen mit geschwächter Immunabwehr zu Erkrankungen. Vor allem in Krankenhäusern kann der Erreger deshalb zum Problem werden. Gesunde Menschen sind nur selten betroffen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Aussehen & Eigenschaften

Pseudomonas aeruginosa ist ein stäbchenförmiges, gram-negatives Bakterium, das an einem Ende Geißeln besitzt. Geißeln sind Zellfortsätze, mit deren Hilfe sich manche Bakterien bewegen können. Auf seiner Oberfläche besitzt der Erreger außerdem Haftorgane (Fimbrien), mit denen er sich zum Beispiel an Zellen anlagern kann.

Gewisse Stämme von Pseudomonas aeruginosa (sog. mukoide Stämme) umgeben sich mit einer Schleimschicht aus Alginat, einem Mehrfachzucker (Polysaccharid). Diese Schleimschicht schützt die Bakterien vor den Fresszellen des Immunsystems und ermöglicht es den Bakterien außerdem, einen Biofilm zu bilden. Darunter versteht man eine Gemeinschaft mehrerer Bakterien, die eingebettet in der Schleimschicht liegen. Innerhalb des Biofilms sind Bakterien gut vor Antibiotika geschützt.

Biofilme mit Pseudomonas aeruginosa können sich auf unterschiedlichsten Oberflächen bilden. Problematisch sind diese vor allem auf medizinischen Utensilien wie Kathetern oder Beatmungsschläuchen.

Produziert Pseudomonas aeruginosa übermäßig viel Schleim, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass eine Lungenentzündung (Pneumonie) besonders hartnäckig verläuft und sich nur schwer behandeln lässt.

Pseudomonas aeruginosa bevorzugt eine feuchte Umgebung (sog. Nasskeim oder Pfützenkeim) und stellt äußerst geringe Ansprüche an seine Nahrung. Daher kommt der Erreger fast überall vor, zum Beispiel im Boden und im (Leitungs-)Wasser

Viele Antibiotika wirkunglos

Die Struktur der äußeren Membran von Pseudomonas aeruginosa verleiht den Bakterien eine natürliche Widerstandkraft gegen zahlreiche Antibiotika. Die meisten Wirkstoffe aus der Gruppe der Beta-Lactam-Antbiotika beispielsweise sowie viele Wirkstoffe aus der Gruppe der Makrolidantibiotika wirken von vornherein nicht gegen den Erreger.

Die Therapie von Pseudomonas-aeruginoas-Infektionen ist deshalb oft schwierig, zumal die Bakterien im Laufe der Behandlung häufig widerstandsfähig gegen die wenigen überhaupt einsetzbaren Medikamente werden. Sie bilden rasch neue Resistenzen. Umso wichtiger ist es, ausgewählte Wirkstoffe gezielt einzusetzen. Welche Antibiotika infrage kommen, lässt sich mit Antibiogramm testen.

Labornachweis

Im Labor lässt sich Pseudomonas aeruginosa in speziellen Nährlösungen beziehungsweise auf speziellen Nährböden anzüchten. Auf den Nährlösungen wachsen die Bakterien auf der Oberfläche und bilden eine Art Film.

Pseudomonas-Kolonien, die sich auf den Nährböden bilden, glänzen oft metallisch und bilden zum Teil Farbstoffe. Diese Farbstoffe färben das Nährmedium an. Es bekommt entweder ein gelbgrünes Aussehen durch das Pigment Fluoreszein (Pyoverdin) oder ein blaugrünes Aussehen durch den Farbstoff Pyocyanin. Typisch ist außerdem ein süßlich-aromatischer, lindenblütenartiger Geruch.

Pseudomonas aeruginosa: Krankheiten

Bei gesunden Menschen verursacht Pseudomonas aeruginosa nur selten Probleme. Bei bereits geschwächtem Immunsystem kann der Keim jedoch teils schwere Erkrankungen hervorrufen. Das kann zum Beispiel der Fall sein bei Menschen, die

Bei Mukoviszidose etwa treten Lungenentzündungen durch Pseudomonas aeruginosa häufig auf. Frühzeitig behandelt lässt sich jedoch oft verhindern, dass die Infektion chronisch wird.

Pseudomonas aeruginosa spielt zudem eine wichtige Rolle als Ursache für Erkrankungen, die im Krankenhaus auftreten (sog. nosokomialen Infektionen), wie beispielsweise:

Weltweit zählen diese Bakterien mit zu den häufigsten Auslösern von im Krankenhaus erworbenen Lungenentzündungen, Wundinfektionen und Harnwegsinfektionen.

Außerhalb des Krankenhauses (sog. ambulante Infektion) kommt es mitunter zu Infektionen der Haut und Nägel – etwa nach einem Aufenthalt im Schwimmbad. Auch eine Gehörgangsentzündung (Otitis externa) nach einem Schwimmbadbesuch kann mit Pseudomonas aeruginosa zusammenhängen. In selteneren Fällen können – besonders nach dem Baden im Whirlpool – Entzündungen der Haarbälge (Follikulitis) auftreten.

Entzündungen der Herzinnenhaut (Endokarditis) können auftreten, wenn die Bakterien über die Blutbahn zum Herzen gelangen. Das kann insbesondere bei Menschen mit künstlichen Herzklappen der Fall sein oder wenn Medikamente über eine Vene verabreicht wurden.

Daneben kann es vorkommen, dass Kontaktlinsenlösungen über Leitungswasser mit Pseudomonas aeruginosa verunreinigt werden. Für Kontaktlinsenträger besteht dann das Risiko, dass die Bakterien im Auge eine Hornhautentzündung mit Hornhautgeschwür hervorrufen (sog. ulzerative Keratitis).

Für eine Infektion mit Pseudomonas aeruginosa gibt es keine typischen Symptome. Vielmehr entwickeln sich die Symptome abhängig von der hervorrgerufenen Erkrankung. Die Erreger lassen sich jedoch über eine Erregerkultur nachweisen.

Pseudomonas aeruginosa: Vorbeugen

Pseudomonas aeruginosa hat vor allem als Erreger von im Krankenhaus erworbenen (nosokomialen) Infektionen Bedeutung. Die Bakterienart kommt fast überall dort vor, wo sich ein feuchtes Milieu findet, etwa in

  • Luftbefeuchtern
  • Inhalatoren
  • Dialysegeräten
  • Beatmungsgeräten
  • Baby-Inkubatoren
  • ungenügend konzentrierten Desinfektionsmitteln
  • Waschbecken
  • Kosmetika
  • Blumenvasen
  • Seifen
  • Waschlappen
  • Salben
  • Kontaktlinsenflüssigkeiten
  • Augentropfen
  • destilliertem Wasser

Um einer Erkrankung durch Pseudomonas aeruginosa vorzubeugen, empfehlen sich allgemeine Hygienemaßnahmen. In Krankenhäusern sollten die Regeln der allgemeinen Krankenhaushygiene selbstverständlich sein – so müssen zum Beispiel Schläuche, Katheter und Instrumente sorgfältig desinfiziert werden.

Zudem ist es mitunter nötig, Krankenzimmer und -bäder zu sanieren und sorgfältig zu desinfizieren. Auf Intensivstationen sollten bakteriendichte Filter in Wasserhähnen zum Einsatz kommen.