Das Bild zeigt die Augen eines Mannes.
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Hornhautgeschwür

Ein Hornhautgeschwür (Ulcus corneae) verursacht meist deutliche Symptome: Typisch ist ein rotes, tränendes Auge, das weh tut, empfindlich auf Licht reagiert, nicht mehr so gut sieht und sich anfühlt, als sei ein Fremdkörper eingedrungen. Bei diesen Anzeichen gilt: ab zum Augenarzt oder in eine Augenklinik!

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Überblick

Bei einem Hornhautgeschwür ist die Hornhaut (Cornea) am Auge geschädigt. Da das Geschwür Unregelmäßigkeiten in der Hornhautoberfläche verursacht und die Hornhaut als Teil des optischen Systems eine wichtige Rolle für das Sehen spielt, ist das Sehvermögen dabei massiv gestört.

Als Ursache für ein Hornhautgeschwür kommen verschiedene Krankheitserreger infrage. Die meisten Hornhautgeschwüre entstehen durch Bakterien; daneben können auch Pilze, Viren oder bestimmte Einzeller (Akanthamöben) zu einem Ulcus corneae führen.

Damit ein Erreger die Hornhaut infizieren kann und nachfolgend ein Hornhautgeschwür entsteht, müssen jedoch einige begünstigende Faktoren hinzukommen, zum Beispiel:

Ein Hornhautgeschwür ist eine grundsätzlich ernst zu nehmende Augenerkrankung: Je nachdem, wodurch es entstanden ist, kann sich der Zustand des Auges schnell deutlich verschlechtern – beim rasch fortschreitenden Hornhautulkus (bzw. Ulcus serpens corneae) manchmal innerhalb von Stunden.

Im schlimmsten Fall hat das Hornhautgeschwür Löcher in der Hornhaut und eine Eröffnung des Augapfels zur Folge; das betroffene Auge kann erblinden. Darum ist eine schnelle Behandlung wichtig: Entsprechend seinem häufigsten Auslöser kommen gegen ein Ulcus corneae meist Antibiotika zum Einsatz.

Außerdem ist es wichtig, die Faktoren auszuschalten, die das Hornhautgeschwür begünstigt haben. Dies ist auch die wirksamste Maßnahme, um die Geschwürbildung zu verhindern: So ist es beispielsweise ratsam, Keimansammlungen im Auge zu vermeiden, die durch verstopfte Tränenwege oder durch weiche Kontaktlinsen entstehen können.

Definition

Ein Hornhautgeschwür oder Hornhautulkus (bzw. Ulcus corneae) ist eine durch eine geschädigte Hornhaut gekennzeichnete Augenerkrankung, bei der es am Rand der Hornhautveränderung zunehmend zu Einschmelzungen kommt. Verantwortlich für die Entstehung der Hornhautgeschwüre (bzw. Hornhautulzera) sind Infektionen – das heißt, die Geschwüre entstehen durch Krankheitserreger (die meist durch oberflächliche Hornhautverletzungen eindringen). Das betroffene Auge ist gereizt und deutlich gerötet.

Die Hornhaut des Auges

Die Hornhaut des Auges (die Cornea) ist Teil des optischen Systems und spielt für das Sehen eine große Rolle. Aufgrund ihrer starken Brechkraft beeinträchtigen Unregelmäßigkeiten ihrer Oberfläche, wie sie zum Beispiel beim Hornhautgeschwür vorliegen, das Sehvermögen massiv.

Zu ihrem Schutz verfügt die Hornhaut des Auges über eine enge Versorgung mit reizempfindlichen Nerven: So ist sichergestellt, dass sich Verletzungen der Hornhaut (die meist Bedingung dafür sind, dass ein Hornhautgeschwür entstehen kann) bemerkbar machen durch:

  • Schmerzen,
  • krampfhaften Lidschluss und
  • Tränenfluss.

Ursachen

Ein Hornhautgeschwür (Ulcus corneae) hat infektiöse Ursachen – es entsteht also infolge einer Infektion mit einem Krankheitserreger. Damit diese Infektion stattfinden kann, müssen jedoch einige begünstigende Faktoren hinzukommen. Zu den Risikofaktoren zählen unter anderem:

Erreger

Hinter einem Hornhautgeschwür können verschiedene Erreger stecken, die meist durch eine oberflächliche Hornhautverletzung (die auch sehr klein sein kann) in die Hornhaut eindringen.

Bakterien

Für die meisten Hornhautgeschwüre sind Bakterien verantwortlich. In den gemäßigten Klimazonen ist ein Hornhautgeschwür überwiegend die Folge einer Infektion durch Staphylokokken, Pneumokokken, A-Streptokokken und Pseudomonas aeruginosa. Diese Erreger können ein sehr rasch fortschreitendes Hornhautulkus (sog. Ulcus corneae serpens) verursachen, das mit einem besonders hohen Risiko für eine Durchlöcherung der Hornhaut verbunden ist.

Allgemein entsteht ein bakterielles Hornhautgeschwür häufig durch eine akute Tränensackentzündung und Tränenwegsverengung beziehungsweise einen Tränenwegsverschluss: Wenn die Tränenwege verengt sind, können sich dort entsprechend Bakterien ansammeln. Auch ein fehlender oder zu seltener Lidschluss infolge von Lähmungen einzelner Nerven im Gesichts- und Augenbereich oder eine Lidfehlstellung (z.B. Entropium) kann über oberflächliche Hornhautveränderungen zu einem Ulcus corneae führen, wenn Erreger ins Auge gelangen.

Bei jüngeren Menschen sind oft (verschmutzte oder zu lange getragene) Kontaktlinsen für ein bakterielles Hornhautgeschwür verantwortlich. In höherem Lebensalter dagegen ist das Geschwür auf der Hornhaut eher bedingt durch eine Immunschwäche: Daran kann zum Beispiel ein Diabetes mellitus oder chronischer Alkoholismus schuld sein.

Pilze

Seltener entsteht ein Hornhautgeschwür durch Pilze (v.a. Candida albicans). Auch hier sind bei jüngeren Menschen häufig Kontaktlinsen die Erreger-Quelle und liegt bei älteren Betroffenen oft eine Immunschwäche vor.

Viren

Als Ursache für ein Hornhautgeschwür kommt auch eine Infektion mit Viren infrage. Meist ist eine Hornhautentzündung durch Herpes simplex für die Entstehung virusbedingter Hornhautgeschwüre im Auge verantwortlich. Weitere häufige virale Erreger eines Ulcus corneae sind Varizella-Zoster-Viren (= Erreger der Gürtelrose) oder Adenoviren.

Amöben

Neben Bakterien, Pilzen und Viren können zudem bestimmte Einzeller ein Hornhautgeschwür verursachen: die sogenannten Akanthamöben. Diese Amöben können sich beispielsweise im Trinkwasser oder im Kontaktlinsenbehälter befinden und – wie die anderen Erreger – durch kleine Verletzungen der Hornhaut eindringen.

Symptome

Ein Hornhautgeschwür (Ulcus corneae) löst meist deutliche Symptome am Auge aus. Typische Anzeichen für ein Hornhautulkus sind:

  • ein auffällig rotes Auge,
  • starke Schmerzen,
  • ein ausgeprägtes Fremdkörpergefühl,
  • Lichtscheu,
  • Tränenfluss und
  • ein beeinträchtigtes Sehvermögen.

Zusätzlich ist bei einem Hornhautgeschwür häufig die Bindehaut geschwollen. Symptome der Augenerkrankung sind auch an der Hornhaut zu erkennen: Das Geschwür selbst ist als grauweiße Trübung in der Hornhaut zu sehen; die Ränder sind aufgeworfen, das Zentrum ist verdünnt. In der Vorderkammer des Auges herrscht ein unterschiedlich starker Reizzustand.

Wie ausgeprägt die mit dem Hornhautgeschwür verbundenen Symptome im Einzelfall sind, hängt stark von seiner Ursache ab: Wenn das Geschwür im Rahmen einer rheumatischen Erkrankung entstanden ist (sog. rheumatisches Ulcus corneae), treten am Auge nur geringe entzündliche Symptome und kaum Beschwerden auf.

Hingegen kann ein durch Bakterien verursachtes Hornhautgeschwür rasch fortschreiten – der Zustand des Auges verschlechtert sich dann teils sehr schnell. Mögliche Folgen eines fortschreitenden Ulcus corneae sind:

  • Löcher in der Hornhaut
  • Erblindung
  • Verlust des Auges

Je nach Ursache für das Hornhautgeschwür kann diese Verschlechterung innerhalb von Stunden eintreten: Ein rasch fortschreitendes Hornhautulkus bezeichnet man als Ulcus serpens corneae.

Diagnose

Ein Hornhautgeschwür (Ulcus corneae) ist in der Regel leicht zu diagnostizieren. Meist weist die Vorgeschichte (sog. Anamnese) auf eine mögliche Schädigung der Hornhaut hin, die das Geschwür gefördert hat: So können zum Beispiel Kontaktlinsen, eine geschwächte Immunabwehr oder eine vorausgegangene Augenverletzung Hornhautgeschwüre begünstigen.

Um ein Hornhautgeschwür sicher festzustellen, ist eine Untersuchung der Augen an der Spaltlampe geeignet: Hierbei ist das Geschwür meist deutlich zu erkennen.

Um den Auslöser für das Hornhautgeschwür bei der Diagnose zu bestimmen und eine geeignete Therapie einleiten zu können, kommen anschließend verschiedene Tests zum Einsatz: Hierfür entnimmt der Augenarzt zunächst einen Abstrich von der Bindehaut des Auges und vom Grund des Geschwürs. In diesen Proben kann man versuchen, die ursächliche Keime nachzuweisen.

Wenn sich dabei herausstellt, dass Bakterien hinter dem Hornhautgeschwür stecken, ist es wichtig, deren Widerstandsfähigkeit gegen bestimmte Antibiotika (sog. Resistenz) zu bestimmen: Dann kann man das Ulcus corneae optimal behandeln. Zudem ist es bei Hornhautgeschwüren immer ratsam, die Tränenwege zu spülen, um auszuschließen, dass diese verengt sind.

Therapie

Gegen ein Hornhautgeschwür (Ulcus corneae) kommt meist eine örtliche Therapie zum Einsatz. Damit die Behandlung erfolgreich verläuft, ist es zusätzlich ratsam, dass Sie alle Risikofaktoren ausschalten, die an der Entstehung der Augenerkrankung beteiligt waren. Dies kann zum Beispiel Folgendes bedeuten:

  • Haben Sie verengte Tränenwege, lassen Sie diese am besten gleich mitbehandeln.
  • Wenn Sie Kontaktlinsenträger sind, verzichten Sie unbedingt auf das Tragen der Kontaktlinsen, solange das Hornhautgeschwür nicht vollständig ausgeheilt ist.
  • Wenn ein unzureichender Lidschluss zum Hornhautgeschwür geführt hat, ist es eventuell notwendig, die Augenlider vorübergehend durch eine Operation zu verschließen.

Meistens sind Bakterien für ein Hornhautgeschwür verantwortlich. Zur örtlichen Therapie sind dann antibiotische Augentropfen geeignet. Nur gelegentlich – wenn Sie zusätzlich eine Entzündung der mittleren Augenhaut (Uveitis) haben – macht das Ulcus corneae auch eine sogenannte systemische Behandlung (die im gesamten Organismus wirkt) mit Antibiotika (z.B. in Form von Tabletten) nötig.

Ein durch Bakterien verursachtes Hornhautgeschwür ist als Notfall zu betrachten, da es besonders rasch fortschreiten und die Hornhaut schnell durchlöchern kann. Deshalb ist es wichtig, dass die Antibiotikatherapie so schnell wie möglich beginnt:

  • Solange der genaue Erreger noch nicht feststeht, erhalten Sie darum Mittel, die gegen alle infrage kommenden Bakterien wirken (sog. Breitbandantibiotika).
  • Sobald das Ergebnis des Abstrichs vorliegt, kann Ihr Arzt die Behandlung gegebenenfalls auf ein gezielt wirkendes Präparat umstellen.

Bei einem schnell fortschreitendem Hornhautgeschwür (sog. Ulcus serpens corneae) oder bei durchlöcherter Hornhaut ist eine rasche Operation ratsam – beispielsweise eine Hornhauttransplantation (Keratoplastik). Im akuten Stadium des Hornhautulkus kann es jedoch passieren, dass die verpflanzte Hornhaut nicht gut einheilt, wodurch Folgeoperationen notwendig sein können.

Beim seltenen durch Pilze (v.a. Candida albicans) bedingten Hornhautgeschwür sind entsprechend Antipilzmittel (sog. Antimykotika) in Form von Augentropfen oder Augensalben wirksam. Bei einem durch Viren verursachten Ulcus corneae kann neben der örtlichen Behandlung auch eine systemische Gabe der Medikamente (z.B. Aciclovir) erforderlich sein.

Bei einem durch bestimmte Einzeller (sog. Akanthamöben) hervorgerufenenen Hornhautgeschwür erfolgt zunächst eine örtliche Behandlung mit Augentropfen. Die Therapie des Ulcus corneae kann sich jedoch über Wochen hinziehen, ohne Erfolg zu zeigen, sodass häufig eine Hornhauttransplantation notwendig ist. Wichtig ist, dass dies geschieht, bevor die Amöben an den Rand der Hornhaut wandern und das Transplantat von dort erneut infizieren können.

Bei dem schwer zu behandelnden rheumatischen Hornhautgeschwür besteht die Therapie ebenfalls oft in einer Operation. Allerdings kann ein rheumatisch bedingtes Ulcus corneae nach der Hornhauttransplantation noch Rezidive bilden (d.h. es können erneut Geschwüre auftreten).

Auch wenn nach einem abgeheilten Hornhautgeschwür Narben auf der Hornhaut zurückbleiben, die das Sehvermögen deutlich beeinträchtigen, ist zur Behandlung eine Hornhauttransplantation geeignet.

Verlauf

Ein Hornhautgeschwür (Ulcus corneae) ist grundsätzlich ernst zu nehmen: Je nachdem, wodurch das Hornhautulkus entstanden ist, kann sich der Zustand sehr schnell – manchmal im Verlauf weniger Stunden – deutlich verschlechtern.

Ein besonders rasch fortschreitendes Hornhautgeschwür mit hohem Risiko für eine Hornhautdurchlöcherung heißt Ulcus serpens corneae. Diese Augenerkrankung entsteht überwiegend durch die Bakterien Streptococcus pneumoniae und Pseudomonas aeruginosa.

Daher ist es bei einem Hornhautgeschwür für die Prognose entscheidend, sofort zum Augenarzt zu gehen. Wenn es gelingt, das Geschwür durch Medikamente zu stoppen, bleibt allerdings eine Narbe – also eine Trübung der Hornhaut – zurück. Je nachdem, wo diese Hornhauttrübung liegt und wie groß sie ist, ist dann das Sehvermögen des betroffenen Auges beeinträchtigt.

Wenn ein unbehandeltes oder erfolglos behandeltes Hornhautgeschwür im weiteren Verlauf die Hornhaut durchlöchert, ist der Ausgang der Erkrankung – auch bei einer Notoperation – oft folgenschwer: Das Sehvermögen kann dann infolge des Ulcus corneae deutlicher beeinträchtigt sein. Bisweilen kann das vom Geschwür betroffene Auge auch völlig erblinden.

Vorbeugen

Einem Hornhautgeschwür (Ulcus corneae) können Sie vorbeugen, indem Sie nach Möglichkeit Hornhautschäden verhindern: Dies können Sie beispielsweise bei unzureichendem Lidschluss erreichen, indem Sie Ihre Augen regelmäßig mit Salben behandeln. Außerdem ist es ratsam, Keimansammlungen zu vermeiden, die durch verstopfte Tränenwege oder durch das Tragen von weichen Kontaktlinsen entstehen können.

Gerade schlecht gepflegte und zu lange getragene Kontaktlinsen bedeuten ein erhöhtes Risiko für ein Hornhautgeschwür. Darum ist es allgemein für Kontaktlinsenträger besonders wichtig, ihre Haftschalen:

  • sorgfältig zu pflegen und zu reinigen und
  • niemals zu lange zu tragen – vor allem nicht nachts.

Ein vollständiger Schutz vor einem Hornhautgeschwür ist jedoch nicht möglich, da Sie nicht allen Hornhautschäden vorbeugen können: Unvorhersehbare Unfälle oder Fremdkörper können kleine Hornhautverletzungen verursachen – und die entsprechenden Keime, die hierüber eindringen und ein Ulcus corneae hervorrufen können, kommen fast überall in der Umwelt vor.