Ein junger Mann sitzt an einem Computerarbeitsplatz und reibt sich die Augen.
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Trockene Augen (Sicca-Syndrom)

Trockene Augen (Sicca-Syndrom) sind so häufig, dass sie schon als Volkskrankheit gelten. Die damit verbundenen Augenreizungen können das Wohlbefinden stark beeinträchtigen. Doch oft lassen sich die Augenbeschwerden ganz einfach lindern.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Trockene Augen (Sicca-Syndrom)

Was sind trockene Augen?

Trockene Augen (auch Sicca-Syndrom oder Keratoconjunctivitis sicca genannt) sind eine nicht-ansteckende Augenerkrankung, bei der Horn- und Bindehaut unzureichend mit Tränenflüssigkeit benetzt sind.

Tränenflüssigkeit

Für die Bildung und die Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit sind verschiedene Drüsen zuständig. Sie befinden sich unter dem Oberlid, in der Augenhöhle, an den Lidrändern sowie in der Horn- und Bindehaut des Auges. Der Lidschlag verteilt die Tränenflüssigkeit normalerweise gleichmäßig auf dem Auge, sodass sich ein lückenloser Tränenfilm bildet.

Im Durchschnitt blinzelt ein Mensch 20 bis 30 Mal pro Minute.

Der Tränenfilm auf dem Auge besteht aus mehreren Schichten:

  • Außen liegt eine fetthaltige Schicht (Lipidschicht), die von den Meibom- und Zeis-Drüsen des Auges gebildet wird.
  • In der Mitte befindet sich eine wässrige Schicht, die von den Tränendrüsen gebildet wird.
  • Innen liegt eine Schleimschicht (Muzinschicht), die von Horn- und Bindehaut abgesondert wird.

Der Tränenfilm hat verschiedene Funktionen:

  • Er hält die Augenoberfläche feucht,
  • erleichtert das Gleiten der Augenlider,
  • schützt das Auge vor Fremdkörpern,
  • schützt vor Augeninfektionen,
  • reinigt die Augenoberfläche und
  • dient der Ernährung der Hornhaut.

Um beschwerdefrei sehen zu können, müssen die Augen ausreichend und gleichmäßig befeuchtet sein. Wenn die Bildung der Tränenflüssigkeit gestört ist oder der Tränenfilm schneller verdunstet, reißt der Tränenfilm auf. Die Folge ist eine gereizte Bindehaut. Dann entsteht das unangenehme Gefühl, das für trockene Augen typisch ist.

Trockene Augen: Ursachen

Mediziner unterteilen trockene Augen (Sicca-Syndrom) nach ihrer Ursache in zwei Formen:

  • Die hypovolämische Form entsteht durch eine verminderte Produktion von Tränenflüssigkeit des Auges.
  • Die hyperevaporative Form entsteht durch eine verstärkte Verdunstung des Tränenfilms infolge einer veränderten Zusammensetzung des Tränenfilms.

Beides kann die unterschiedlichsten Gründe haben.

Am häufigsten entstehen trockene Augen durch äußere Einflüsse. Typische Ursachen sind zum Beispiel:

  • lange Bildschirmarbeit (sog. Office Eye Syndrome)
  • stundenlanges Spielen am Computer (sog. Gamer Eye)
  • Luftzug von Klimaanlagen und Autogebläsen
  • trockene Heizungsluft
  • Tabakrauch
  • Umweltbelastung durch Ozon und Feinstaub
  • überlanges Tragen von Kontaktlinsen

Etwa jeder zweite Kontaktlinsenträger entwickelt mit der Zeit ein Sicca-Syndrom. Vor allem weiche Kontaktlinsen erhöhen das Risiko für trockene Augen.

Darüber hinaus können trockene Augen biologische Ursachen haben:

  • Alter: Mit zunehmendem Alter nimmt die Tränenproduktion ab. Augentrockenheit ist daher bei älteren Menschen weiter verbreitet als bei jüngeren. Gut ein Drittel aller Betroffenen ist älter als 40 Jahre.
  • Hormone: Weibliche Geschlechtshormone erhöhen das Risiko für trockene Augen. Frauen entwickeln deshalb häufiger ein Sicca-Syndrom als Männer.

Entsprechend kann auch eine Hormontherapie (v.a. mit Östrogen) trockene Augen fördern. Daneben können viele weitere Medikamente zu einem Sicca-Syndrom führen – vor allem, wenn man sie über einen längeren Zeitraum einnimmt. Zum Beispiel:

Zudem können Bestrahlungen des Kopfes, Augenoperationen sowie örtlich am Auge angewendete Kortikoide (in Augentropfen oder -salben) trockene Augen verursachen.

Darüber hinaus kann ein Sicca-Syndrom im Rahmen verschiedener Störungen oder Erkrankungen auftreten, wie:

Trockene Augen: Symptome

Die für trockene Augen (Sicca-Syndrom) typischen Symptome sind:

Das Sicca-Syndrom ist mit einer gereizten und entzündeten Augenoberfläche verbunden. Entsprechend lösen trockene Augen oft weitere Symptome aus – wie:

  • müde Augen
  • verschwommenes Sehen
  • Juckreiz
  • erhöhte Lichtempfindlichkeit (sog. Photophobie)
  • mit Sekret verklebte Augenlider (v.a. morgens nach dem Aufstehen)
  • Druckgefühl in den Augen
  • Augenschmerzen (v.a. durch Reize wie z.B. Luftzug, Tabakrauch usw.)
  • tränende Augen (durch die ständige Reizung tränen trockene Augen zeitweise schon bei geringfügigen Einflüssen, z.B. bei leichtem Wind)

Damit können trockene Augen – je nach Ausmaß der Symptome – das Wohlbefinden stark beeinträchtigen. Zudem kann ein ausgeprägtes Sicca-Syndrom verschiedene Probleme im Alltag bereiten:

  • erschwerte Bildschirmarbeit
  • Probleme beim Tragen von Kontaktlinsen
  • Kosmetika-Unverträglichkeit

Trockene Augen: Diagnose

Trockene Augen (Sicca-Syndrom) sind meist schon an den typischen Beschwerden zu erkennen. Verschiedene Tests können die Diagnose bestätigen. Mit deren Hilfe beurteilt der Augenarzt vor allem:

  • Tränenmenge
  • Zusammensetzung des Tränenfilms
  • Hornhautoberfläche
  • Lidstellung
  • Tränendrüsen

Bei einigen Tests reichen einfache Hilfsmittel, um trockene Augen und deren Ursache festzustellen – zum Beispiel die Spaltlampe: Mit ihr kann der Arzt das Auge bei einer bestimmten Beleuchtung vergrößert betrachten. Andere Untersuchungen sind aufwendiger und erfordern spezielle Laborvorrichtungen. Am häufigsten kommen beim Sicca-Syndrom folgende Tests zum Einsatz:

  • Beurteilung der Tränenfilmaufrisszeit: Dazu färbt der Augenarzt die Tränenflüssigkeit mit einem fluoreszierenden Farbstoff (Fluorescein) und beurteilt mithilfe der Spaltlampe, wie schnell der Tränenfilm nach dem Öffnen des Auges aufreißt. Bei einem gesunden Auge dauert das mindestens zehn Sekunden, beim trockenen Auge weniger.
  • Schirmer-Test: Hierbei bekommt man einen kleinen Filterpapierstreifen ins Auge gelegt. Nach fünf Minuten kann der Augenarzt ablesen, zu welchem Anteil der Streifen befeuchtet ist. So lässt sich messen, wie viel Tränenflüssigkeit das Auge absondert.

Trockene Augen: Behandlung

Tränenersatzmittel

Meistens reichen Tränenersatzmittel gegen trockene Augen (Sicca-Syndrom) – als Topfen oder Gel verabreicht. Diese "künstlichen Tränen" enthalten Filmbildner, die verhindern, dass der Tränenfilm zu schnell aufreißt.

Mehrmals täglich in das trockene Auge getropft, ersetzen die Mittel die fehlende Flüssigkeit im Auge und verbessern gleichzeitig die Benetzung der Hornhautoberfläche. Je nachdem, welche Tränenersatzmittel Sie besser vertragen, können Sie zähflüssigeres Augengel oder dünnflüssigere Augentropfen gegen trockene Augen verwenden. Wichtig ist, dass das Mittel keine Konservierungsstoffe enthält. Denn diese können das Sicca-Syndrom verstärken oder Allergien hervorrufen.

Verhaltenstipps

Versuchen Sie, alle äußeren Einflüsse zu meiden, die trockene Augen fördern und Ihre Beschwerden verstärken können – zum Beispiel:

  • Tabakrauch und
  • direkte Luftströme (z.B. von Autogebläsen und Klimaanlagen).

Allgemein wohltuend für trockene Augen sind dagegen eine feuchtere Raumluft und frische Luft: Lüften Sie daher regelmäßig oder setzen Sie gegebenenfalls einen Luftbefeuchter ein. Wer am Bildschirm arbeitet, sollte häufiger blinzeln und öfters kleine Pausen einlegen.

Extrem trockene Augen – was hilft?

Gegen extrem trockene Augen hilft ein einfaches Tränenersatzmittel manchmal nicht. Dann kann Ihnen der Augenarzt andere Mittel zur Befeuchtung der Augen empfehlen, zum Beispiel:

Um sehr trockene Augen zu behandeln, kann es auch sinnvoll sein, die Tränenpünktchen am Auge zeitweilig mit einem Kunststoffstöpsel zu verschließen oder zu veröden: Dadurch kann weniger Tränenflüssigkeit ablaufen, sodass die Benetzungsstörung behoben ist. Das verhindert, dass das Sicca-Syndrom auf Dauer zu Hornhautschäden führt.

Trockene Augen: Verlauf

Wer trockene Augen (Sicca-Syndrom) ausreichend behandelt, kann mit einem guten Verlauf rechnen: Schwerwiegende Augenschäden sind dann nicht zu erwarten. Trotzdem können die mit der Augentrockenheit verbundenen Beschwerden sehr belastend sein und die Fähigkeit, bestimmte Tätigkeiten auszuüben, einschränken. Die Sehkraft ist jedoch in der Regel nicht gefährdet.

Komplikationen

Sind die Augen chronisch trocken, kann es unter Umständen zu Komplikationen kommen. So erhöhen dauerhaft trockene Augen zum Beispiel das Risiko für Augeninfektionen. In besonders ausgeprägten Fällen kann zudem die Hornhaut dauerhaft Schaden nehmen.

Trockene Augen: Vorbeugen

Trockene Augen (Sicca-Syndrom) entstehen oft durch Umwelteinflüsse. Vorbeugen können Sie einer Augentrockenheit also zumindest teilweise, indem Sie folgende Maßnahmen ergreifen:

  • Sorgen Sie für ausreichend feuchte und frische Raumluft.
  • Legen Sie bei längerer Bildschirmarbeit regelmäßig Pausen ein und blinzeln Sie häufiger, da beim Starren auf den Bildschirm die Lidschlagfrequenz abnimmt.
  • Meiden Sie Tabakrauch.
  • Meiden Sie den Luftzug von Klimaanlagen.
  • Stellen Sie beim Autofahren das Autogebläse so ein, dass der Luftstrahl nicht auf Ihre Augen gerichtet ist.
  • Tragen Sie Kontaktlinsen nicht zu lang. Vorbeugend können Kontaktlinsenträger ihre Augen regelmäßig mit einem Tränenersatzmittel befeuchten.
  • Trinken Sie genug (idealerweise zwei Liter täglich).

Achten Sie außerdem auf die richtige Wahl der Augentropfen: Die Trockenheit der Augen nimmt durch Konservierungsmittel zu. Wenn Sie Tränenersatzmittel (Augentropfen oder Augengel) gegen trockene Augen verwenden, achten Sie daher unbedingt darauf, Produkte ohne Konservierungsstoffe zu wählen.