Eine blinde Frau läuft auf einem Parkweg.
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Blindheit

Blindheit ist die schwerwiegendste Sehbehinderung: Obwohl viele Hilfsmittel für blinde Menschen im Alltag für Erleichterung sorgen, bedeutet blind zu sein einen Verlust an Lebensqualität. Umso wichtiger ist es, eine Erblindung durch Erkrankungen (z.B. der Netzhaut) – hierzulande die häufigste Ursache für Sehverlust – nach Möglichkeit zu vermeiden.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Überblick

Blindheit kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein: Wenn ein Auge überhaupt kein Licht wahrnimmt, gilt es als völlig blind – diesen Zustand bezeichnet man als Amaurose oder Amaurosis. In Deutschland gelten Menschen jedoch nicht nur bei vollständiger Erblindung als blind, sondern auch bei einer Sehschärfe, die auf dem besseren Auge nicht mehr als zwei Prozent der Norm beträgt.

Blindheit kann unterschiedliche haben und angeboren sein oder erst im Lauf des Lebens entstehen. Mögliche Gründe für eine angeborene Blindheit oder erblich bedingte frühe Erblindung sind zum Beispiel:

  • vorgeburtliche Fehlbildungen am optischen System (z.B. fehlende Ausbildung der Netzhaut)
  • erbliche Netzhauterkrankungen (z.B. Retinopathia pigmentosa)
  • eine als lebersche kongenitale Amaurose bezeichnete Erbkrankheit, die mit einem beidseitigen Schwund des Sehnervs einhergeht

In Deutschland kommt es jedoch überwiegend später zur Erblindung – verantwortlich sind verschiedene Erkrankungen, bei denen sich das Sehvermögen allmählich verschlechtert. Zu den möglichen Ursachen für eine erworbene Blindheit zählen:

Eine plötzliche Blindheit hat meist andere Ursachen und betrifft überwiegend nur ein Auge. Dass jemand plötzlich auf beiden Augen blind ist, kommt eher selten vor. Verantwortlich für eine plötzliche Erblindung ist oft ein Prozess im Hirnbereich (z.B. Blutungen, Ödeme, Gefäßverschlüsse oder schwere Verletzungen). Mögliche Auslöser für eine schlagartige Verschlechterung des Sehvermögens eines Auges sind:

  • ein Gefäßverschluss, der ein zentrales Blutgefäß der Netzhaut oder ein versorgendes Gefäß des Sehnervs betrifft,
  • Blutungen unter die Netzhaut oder in den Glaskörper
  • Netzhautablösung

Ob eine Chance besteht, Blindheit zu heilen, hängt von deren Ursache ab. Bei einigen unvermittelt auftretenden Geschehen, wie dem Verschluss eines Netzhautgefäßes im Auge, kann man die Sehschärfe im frühen Stadium der Erblindung unter Umständen verbessern. Bei akuten Beschwerden ist es daher dringend zu empfehlen, sofort zum Augenarzt zu gehen. In der Regel sind die Behandlungsmöglichkeiten jedoch begrenzt.

Definition

Eine vollständige Blindheit – fachsprachlich auch Amaurose oder Amaurosis genannt – ist die völlige Unfähigkeit eines oder beider Augen, Licht wahrzunehmen. Der Begriff Blindheit ist aber nach gesetzlicher Definition weiter gefasst – danach gelten in Deutschland neben Menschen, die auf beiden Augen vollständig erblindet sind, auch diejenigen als blind, die eins der folgenden Kriterien erfüllen:

  • Das besser sehende Auge besitzt nicht mehr als zwei Prozent der normalen Sehschärfe (damit ist nur noch eine Hell- / Dunkelwahrnehmung möglich).
  • Das Gesichtsfeld (d.h. der Bereich, den man mit den Augen wahrnehmen kann, wenn man den Kopf ruhig und gerade hält und den Blick geradeaus richtet) beträgt weniger als fünf Grad.

Die zur Definition von Blindheit herangezogene Sehschärfe (Visus) bezeichnet das Auflösungsvermögen des Auges – das heißt die Fähigkeit, zwei Punkte eben noch getrennt wahrzunehmen. Die normale Sehschärfe (die sog. Normsehschärfe) von 1,0 beziehungsweise 100 Prozent ist definiert als die Fähigkeit, zwei kleine Punkte mit einem Abstand von 1,5 Millimetern aus einer Entfernung von 5 Metern noch als einzelne Punkte wahrzunehmen.

Häufigkeit

In den Industrieländern ist Blindheit meist die Folge von Erkrankungen der Netzhaut: In Deutschland ist die altersbedingte Makuladegeneration für etwa 40 Prozent von hochgradiger Sehbehinderung und Erblindung verantwortlich. Danach folgen das Glaukom mit einer Häufigkeit von etwa 15 Prozent und diabetische Netzhauterkrankungen mit etwa 10 Prozent.

Weitere häufige Gründe für eine Erblindung sind zum Beispiel erbliche Augenerkrankungen wie die Retinopathia pigmentosa oder Netzhautablösungen bei starker Kurzsichtigkeit. Insgesamt leben rund 164.000 blinde und rund 1.000.000 sehbehinderte Menschen in Deutschland.

Größtenteils betreffen die Hauptgründe für Erblindung in Deutschland ältere Menschen. Daher treten starke Sehbehinderungen bis hin zur Blindheit typischerweise mit steigendem Lebensalter immer häufiger auf. Trotz der zunehmenden Alterung der Bevölkerung erblinden insgesamt aber eher immer weniger Menschen, was auf eine bessere augenärztliche Versorgung zurückzuführen ist.

Ursachen

Blindheit auf einem oder beiden Augen kann viele verschiedene Ursachen haben – sowohl angeborene als auch erworbene.

Angeborene Blindheit

Eine angeborene Blindheit kann ihre Ursachen zum Beispiel in Fehlbildungen am optischen System (z.B. fehlende Ausbildung der Netzhaut im Auge) haben. Auch erbliche Netzhauterkrankungen (z.B. Retinopathia pigmentosa) können dazu führen, dass Kinder von Geburt an blind sind oder allmählich erblinden.

Meistens hat eine angeborene oder frühe Blindheit bei Kindern erbliche Ursachen: Am häufigsten steckt dann die sogenannte lebersche kongenitale Amaurose oder auch Amaurosis congenita (Leber) hinter der Erblindung. Dies ist eine Erbkrankheit, die mit einem beidseitigen Schwund des Sehnervs verbunden ist.

In Deutschland ist eine angeborene Blindheit infolge erblicher oder vorgeburtlicher Störungen jedoch selten.

Erworbene Blindheit

In den Industrieländern überwiegt die erworbene Blindheit – die Betroffenen erblinden also erst im Lauf ihres Lebens. Häufigste Ursachen hierfür sind Netzhauterkrankungen. Veränderungen an der Netzhaut im Auge, die allmählich zur Erblindung führen, entstehen sowohl durch Diabetes mellitus als auch durch die häufige altersbedingte Makuladegeneration.

Daneben kann ein grüner Star (Glaukom) über eine Schädigung des Sehnervs für eine erworbene Blindheit verantwortlich sein. Weitere mögliche Ursachen für eine spätere Erblindung sind ein grauer Star (Katarakt), bei dem sich die Linse eintrübt, oder eine Hornhauttrübung (z.B. durch Augenverletzungen, ein Hornhautgeschwür oder Herpes simplex).

Eine plötzliche, in der Regel einseitige Erblindung, die nicht mit Schmerzen verbunden ist, kann durch einen Gefäßverschluss bedingt sein. Dieser Verschluss kann ein zentrales Blutgefäß der Netzhaut oder ein versorgendes Gefäß des Sehnervs betreffen. Für eine plötzlich erworbene Blindheit eines Auges kommen als Ursachen außerdem Blutungen unter die Netzhaut oder in den Glaskörper infrage. Auch eine Netzhautablösung (z.B. bei Kurzsichtigkeit) kann dazu führen, dass sich das Sehvermögen eines Auges plötzlich verschlechtert.

Dass jemand plötzlich auf beiden Seiten blind oder hochgradig sehbehindert ist, geschieht eher selten. Eine erworbene Blindheit beider Augen, die schlagartig auftritt, hat ihre Ursachen meist in einem Prozess im Gehirn: Aufbau und Funktion – wie einer Blutung, einem Ödem, einem Gefäßverschluss oder einer schweren Verletzung.

In Entwicklungsländern sind für die Entstehung von Blindheit noch andere Ursachen wichtig: Dort verlieren viele Menschen ihr Augenlicht beispielsweise auch durch Infektionen (wie Bilharziose, Trachom).

Symptome

Die bei Blindheit auftretenden Symptome hängen von der Ursache der Erblindung ab. Allgemein ist für blinde Augen eine stark herabgesetzte Sehschärfe kennzeichnend. Bei Menschen, die vollständig blind sind, kann das Auge gar kein Licht mehr wahrnehmen (sog. Amaurose).

Bei einer erworbenen Blindheit bleiben die Symptome in der Regel auf die Beeinträchtigung der Sehleistung beschränkt. Typisch für eine solche Erblindung (z.B. durch Diabetes mellitus, eine altersabhängige Makuladegeneration, grünen oder grauen Star) ist, dass sie schleichend über viele Jahre stattfindet. Es kann aber auch passieren, dass Menschen plötzlich blind sind – beispielsweise durch einen Gefäßverschluss (wie bei der sog. Amaurosis fugax). Meist ist dieser jähe Sehverlust nur vorübergehend. Die Betroffenen beschreiben ihn gelegentlich so, als wäre das Licht ausgeschaltet worden.

Kinder, bei denen schon bei der Geburt eine Blindheit bestand, zeigen häufig weitere Symptome, die mit der Erblindung in Zusammenhang stehen: So liegen die Augen bei der leberschen kongenitalen Amaurose tief in der Augenhöhle. Häufig schielen von Geburt an blinde Kinder und führen unregelmäßige Suchbewegungen mit den Augen aus (sog. Nystagmus). Auch Verhaltensauffälligkeiten wie häufiges Drücken oder Bohren der Augen mit den Fingern sind bei von Geburt an Blinden typisch.

Diagnose

Bei einer Blindheit erfolgt die endgültige Diagnose meist durch augenärztliche Untersuchungen, nachdem die Betroffenen selbst bemerkt haben, dass sie nichts oder kaum noch etwas sehen.

Den Grund für die Erblindung kann der Augenarzt nur feststellen, indem er die Sehschärfe, Pupillenreaktion, vordere Augenabschnitte, Augenhintergrund, eventuell Gesichtsfeld und andere Funktionen des Auges prüft. Gelegentlich sind bei einer Blindheit zur Diagnose auch bildgebende Untersuchungen (wie CT, MRT) des Gehirns sowie eine Untersuchung der Nervenfunktionen erforderlich, bei welcher der Arzt unter anderem die Bewegungsfähigkeit, die Muskelkraft, die Reflexe und das Gefühlsempfinden überprüft (sog. neurologische Untersuchung).

Therapie

Bei einer Blindheit hängt die Therapie von der Ursache für den Verlust des Augenlichts ab. Dass ein erblindendes oder erblindetes Auge nach der Behandlung wieder normal sehen kann, ist allerdings meist nicht zu erwarten – zumindest dann nicht, wenn die Netzhaut oder der Sehnerv erkrankt sind.

Daher ist es wichtig, die Augen regelmäßig vom Augenarzt kontrollieren zu lassen, um Augenprobleme frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Auch wenn akute Augen- oder Sehbeschwerden auftreten, ist es ratsam, sofort zum Augenarzt zu gehen.

Bei erblichen Augenerkrankungen, die mit einer Netzhautdegeneration einhergehen (z.B. Retinopathia pigmentosa), kann möglicherweise eine Dauertherapie mit Vitamin A die fortschreitende Erblindung verlangsamen. Voraussetzung für das Hinauszögern der Blindheit ist, dass Betroffene zu Beginn der Therapie noch eine gewisse Sehleistung haben. Auch durch eine neue Gentherapie ist es in jüngster Zeit erstmals gelungen, bei der leberschen kongenitalen Amaurose (engl.: Leber's congenital amaurosis, LCA) und der Retinopathia pigmentosa die Sehleistung zu verbessern.

Bei einigen Fällen von Blindheit, die durch ein unvermittelt auftretendes Geschehen entstehen, ist eine Therapie ebenfalls bedingt möglich. Hat beispielsweise ein Gefäßverschluss zur Erblindung geführt, können durchblutungsfördernde Maßnahmen oder eine Lysetherapie gelegentlich das Sehvermögen verbessern. Dabei ist es jedoch wichtig, frühzeitig mit der Behandlung zu beginnen.

Verlauf

Bei drohender Blindheit hängen der Verlauf der Erblindung und die Prognose von der Ursache ab. Ein Sehverlust kann ein oder beide Augen betreffen und angeboren sein oder im Rahmen vieler verschiedener Augenerkrankungen über kurz oder lang entstehen.

In seltenen Fällen (bei der plötzlich auftretenden sog. Amaurosis fugax) dauert die Blindheit nur kurz an und verschwindet vollständig. Meistens bedeutet eine einmal entstandene Blindheit jedoch, dauerhaft blind zu sein: Wer zum Beispiel infolge einer Erkrankung von Netzhaut oder Sehnerv erblindet, hat kaum Chancen, die Blindheit zu heilen. Aus diesem Grund sind die beiden folgenden Punkte besonders wichtig:

  • Früherkennung von Erkrankungen am Auge
  • Rehabilitation für Blinde, die darauf abzielt, ihnen eine selbstständige Lebensführung zu ermöglichen (z.B. Erlernen der Blindenschrift, ggf. Umschulung)

Vorbeugen

Dass Sie einer Blindheit vorbeugen können, zeigen die Erfolge bei der Verhütung von starken Sehbehinderungen in Deutschland: Obwohl die Hauptursachen für Erblindung mit steigendem Lebensalter häufiger sind und die Bevölkerung zunehmend altert, nimmt die Gesamtzahl blinder Menschen dank einer verbesserten augenärztlichen Versorgung insgesamt eher ab.

Lassen Sie also Ihre Augen regelmäßig durch den Augenarzt kontrollieren, um eine Sehbehinderung oder gar Blindheit infolge zu spät erkannter und behandelter Augenprobleme zu verhindern. Wer keine Erblindung riskieren möchte, sollte außerdem:

  • bei gefährlichen Tätigkeiten die Augen schützen (d.h. Schutzbrillen zu tragen) und
  • alle Augenerkrankungen ausreichend behandeln (lassen).