Ein älterer Mann sitzt mit seiner Frau auf dem Sofa und liest.
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Altersabhängige Makuladegeneration (AMD)

Bei vielen Menschen lässt im Alter die Sehkraft nach. Wird die Mitte des Blickfelds unscharf, könnte eine sogenannte altersabhängige Makuladegeneration die Ursache sein. Was ist das? Und welche Therapie ist geeignet?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Altersabhängige Makuladegeneration (AMD)

Was ist die altersabhängige Makuladegeneration (AMD)?
Die AMD ist eine chronische Augenerkrankung, die in der Regel ältere Menschen betrifft. Sie äußert sich dadurch, dass die Mitte des Sehbereiches zunehmend unschärfer erscheint. Die Sehleistung in den Randbereichen des Gesichtsfelds ist dagegen nicht beeinträchtigt.

Lesen, Gesichter erkennen, Farben unterscheiden: Für diese und viele andere alltägliche Sehleistungen benötigt man eine intakte Makula. Die Makula ist ein wenige Millimeter großer Bereich in der Mitte der inneren Augenrückwand, der sogenannten Netzhaut. Da dieser Bereich besonders gut mit Sinneszellen ausgestattet ist, kann man im zentralen Sehfeld am schärfsten sehen – allerdings nur, wenn die Makula gesund ist.

Bei einer altersabhängigen Makuladegeneration ist die Funktion der Makula gestört. Dadurch ist die Mitte des Sehbereichs beeinträchtigt.

Die Betroffenen können dann zwar noch Umrisse erkennen und sich in ihrer Umgebung orientieren. Doch wenn sie einen Gegenstand gezielt betrachten wollen, erscheint ihnen dieser unscharf, verschwommen oder verzerrt. Feine Einzelheiten können die Erkrankten nicht mehr wahrnehmen. Auch Farben können sie nicht mehr gut unterscheiden.

Die altersabhängige Makuladegeneration beginnt, wie der Name schon sagt, erst im höheren Alter: Nur einer von 100 Menschen zwischen 65 und 75 Jahren erkranken daran. Von den über 85-Jährigen sind etwa 10 bis 20 betroffen.

Frühzeitige Hinweise auf eine mögliche AMD kann ein einfacher Sehtest liefern, der sogenannte Amsler-Gitter-Test.

Die trockene Form ist häufiger

Wie schnell die Makuladegeneration fortschreitet, ist vor allem von der Form der Erkrankung abhängig:

  1. Die meisten Patienten – etwa 80 bis 90 von 100 – sind an der sogenannten trockenen Makuladegeneration erkrankt. Bei ihnen nimmt die Sehschärfe im zentralen Blickfeld langsam ab.
  2. Rund 10 bis 20 von 100 Erkrankten haben eine sogenannte feuchte Makuladegeneration, die schnell fortschreitet.

Altersabhängige Makuladegeneration: Ursachen

Die Ursachen der altersabhängigen Makuladegeneration sind nicht im Detail geklärt. Bekannt ist aber, was dabei im Auge geschieht:

  • Die Sinneszellen in der Netzhaut haben einen sehr intensiven Stoffwechsel. Vereinfacht formuliert bedeutet das: Sie benötigen viel Energie und produzieren bei der Energiegewinnung viele Abfallstoffe.
  • Bei gesunden Menschen wird der Zell-Müll abtransportiert und abgebaut. Bei älteren Menschen kann dieser Abbau gestört sein.
  • Die Stoffwechselendprodukte sammeln sich dann unter der Netzhaut. Diese Ablagerungen bezeichnen Augenärzte als Drusen.
  • Die Drusen stören die Versorgung der Sehzellen mit Sauerstoff und Nährstoffen.
  • Immer mehr Sehzellen sterben ab.

Bei der trockenen AMD führt allein dieser Verfallsprozess dazu, dass die Sehschärfe im mittleren Sichtfeld abnimmt. Das dauert in der Regel viele Jahre.

Die trockene AMD kann sich jedoch zu einer feuchten AMD entwickeln. Dann verschlechtert sich die Sicht der Betroffenen deutlich schneller. Denn bei der feuchten AMD finden zusätzlich zum Verfall der Sehzellen noch weitere krankhafte Veränderungen in der Netzhaut statt:

  • Als Reaktion auf die Ablagerungen wachsen neue Blutgefäße unter und in die Netzhaut ein.
  • Diese Gefäße sind porös und somit durchlässig für Wasser und Blut.
  • Dadurch bilden sich in der Mitte der Netzhaut Wassereinlagerungen, die die Netzhaut anschwellen lassen.
  • Zudem kommt es zu Blutungen, durch die die Netzhaut vernarbt.

Mögliche Risikofaktoren

Ob und wann Menschen eine altersabhängige Makuladegeneration entwickeln, hängt unter anderem von ihrer erblichen Veranlagung ab.

Auch hat sich gezeigt, dass die Erkrankung bei Rauchern und Bluthochdruck-Patienten früher auftritt als bei Nichtrauchern und Menschen mit normalem Blutdruck.

Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass Sonneneinstrahlung möglicherweise das Risiko für eine AMD erhöht. Doch ob und inwieweit dieser Faktor tatsächlich eine Rolle spielt, ist noch nicht abschließend geklärt.

Altersabhängige Makuladegeneration: Symptome

Die Symptome der altersabhängigen Makuladegeneration sind nicht bei jedem Patienten gleich. Bei manchen ist anfangs nur ein Auge betroffen, bei anderen hingegen verschlechtert sich die Sicht beider Augen.

Typischerweise macht sich die Erkrankung dadurch bemerkbar, dass

  • die Mitte des Blickfeldes unschärfer und verzerrt erscheint und
  • Farben verblassen und sich nicht mehr so gut unterscheiden lassen.

Später "verschwindet" das mittlere Sehfeld komplett: Richtet der Betroffene seinen Blick auf einen Gegenstand oder ein Gesicht, bekommt er stattdessen nur einen verschwommenen oder leeren Fleck zu sehen.

Wie schnell sich die Sicht verschlechtert, hängt davon ab, ob der Betroffene an der trockenen oder feuchten Makuladegeneration erkrankt ist:

  • Die häufigere trockene Makuladegeneration schreitet langsam fort. Von den ersten Symptomen bis zur merklichen Sehverschlechterung vergehen meist mehr als fünf Jahre.
  • Die seltenere feuchte Makuladegeneration ist mit einem schnelleren Verlust der zentralen Sehfunktion verbunden.

Wichtig: Eine vollständige Erblindung ist bei der altersabhängigen Makuladegeneration nicht zu befürchten. Da die restliche Netzhaut des Auges weiterhin funktioniert, bleibt das Sehvermögen in den Randbereichen des Gesichtsfelds – also in den Bereichen, auf die der Blick nicht direkt gerichtet ist – lange Zeit unbeeinträchtigt.

Altersabhängige Makuladegeneration: Test & Diagnose

Der Augenarzt fragt den Patienten zunächst, wie genau sich die Sehbeschwerden bei ihm äußern. Stellt sich im Gespräch heraus, dass vor allem der zentrale Sehbereich beeinträchtigt ist, spricht dies für eine altersabhängige Makuladegeneration.

Erste Hinweise auf eine Makuladegeneration kann auch ein einfacher Test mit dem sogenannten Amsler-Gitter liefern: Dies ist ein quadratisches Liniengitter mit einem zentralen Fixationspunkt. Wenn dem Untersuchten die Linien bei verzerrt oder wellig erscheinen, während er den Punkt fixiert, deutet dies möglicherweise auf eine Degeneration der Makula hin. Da jeder mit diesem Test Veränderungen im Sehvermögen aufdecken kann, obwohl sie im normalen Alltag vielleicht noch gar nicht zutage getreten sind, kann dies bei einer Makuladegeneration der erste Schritt zur Diagnose sein.

Genauere Hinweise liefert die Untersuchung der Augen, etwa mit der sogenannten Spaltlampe. Das ist ein spezielles Mikroskop, mit dem der Arzt verschiedene Bereiche der Augen beleuchten und vergrößert betrachten kann. Ist der Patient an AMD erkrankt, wird der Arzt bei dieser Untersuchung die charakteristischen Ablagerungen (Drusen) in der Netzhaut entdecken, die zum Verfall der Sehzellen führen.

Trockene oder feuchte AMD?

Die beiden Formen der AMD erfordern eine unterschiedliche Behandlung. Um die geeignete Therapie festlegen zu können, wird der Arzt daher ermitteln, um welche Form der AMD es sich handelt. Dabei hilft ihm die sogenannte Fluoreszenzangiographie, mit der sich die Blutgefäße im Auge darstellen lassen. Die Untersuchung läuft wie folgt ab:

  • Der Arzt spritzt eine Farbstofflösung in die Armvene des Patienten.
  • Der Farbstoff gelangt bis in die Blutgefäße der Netzhaut.
  • Mit einer speziellen Kamera kann der Arzt sehen, wie sich der Farbstoff in den Blutgefäßen der Netzhaut verteilt.

Entdeckt der Arzt dabei krankhafte Veränderungen der Blutgefäße, spricht dies für eine feuchte AMD.

Altersabhängige Makuladegeneration: Therapie

Für die trockene altersabhängige Makuladegeneration steht bislang keine wirksame Therapie zur Verfügung. Viele Patienten können sich im Alltag mit Lupen, speziellen Brillen und Bildschirmlesegeräten helfen. Autofahren können sie mit diesen Sehhilfen jedoch nicht.

Die feuchte Form der altersabhängigen Makuladegeneration lässt sich zwar nicht heilen, aber mit einer medikamentösen Therapie verlangsamen. Die feuchte AMD führt schnell zu einer Verschlechterung der Sicht, weil Blutgefäße in die Netzhaut einwachsen. Bestimmte Wirkstoffe können das Wachstum der Gefäße hemmen: Sie blockieren im Auge jene Botenstoffe, die die Gefäße zum Wachsen angeregt haben.

Ärzte bezeichnen die Botenstoffe auch als "vascular endothelial growth factors" (VEGF), also als Wachstumsfaktoren. Die Wirkstoffe, die diese Wachstumsfaktoren hemmen, heißen daher auch "Anti-VEGF-Mittel". Zu ihnen zählen etwa

Der Patient bekommt die Wirkstoffe unter örtlicher Betäubung direkt ins Auge gespritzt. Die Nadel der Spritze ist so fein, dass ihr Einstich nur eine sehr kleine Öffnung verursacht, welche sich nach dem Herausziehen der Nadel gleich wieder verschließt.

In der Regel bekommt der Patient zunächst drei Spritzen. Zwischen den Spritzen liegt jeweils ein Abstand von einem Monat. Die weitere Behandlung hängt vom Präparat ab und davon, wie sich die Erkrankung entwickelt.

In der Regel sorgt diese Therapie dafür, dass die feuchte Makuladegeneration nicht weiter oder wenigstens langsamer fortschreitet. Manchen Patienten verhilft die Behandlung sogar wieder zu einer besseren Sicht.

Lasertherapie und photodynamische Therapie

Es gibt noch weitere Verfahren zur Behandlung einer feuchten AMD, etwa die sogenannte photodynamische Therapie sowie die Lasertherapie. Bei beiden verödet der Arzt die krankhaft veränderten Blutgefäße in der Netzhaut mit einem Laser. Da diese Verfahren jedoch nicht so wirksam und mit mehr Nebenwirkungen verbunden sind als die medikamentöse Therapie, setzen Ärzte sie in der Regel nicht mehr ein.

Nahrungsergänzungsmittel

Lässt sich der Verfall der Sehzellen in der Makula durch die Einnahme bestimmter Vitamine, Nährstoffe und Mineralstoffe aufhalten? Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln werben mit diesem Versprechen. In Studien haben sich viele der angebotenen Präparate allerdings als Enttäuschung erwiesen. Keinen Nutzen dürfen sich AMD-Patienten beispielsweise von Omega-3-Fettsäuren oder Ginkgo erhoffen.

Einzig ein bestimmtes Kombinationspräparat hat möglicherweise einen kleinen Nutzen für bestimmte Patienten. Es besteht aus

In Untersuchungen hat sich gezeigt, dass diese Kombination möglicherweise einigen Patienten zugute kommt, die bereits viele Ablagerungen (Drusen) im Auge haben. Nahmen diese Patienten das Mittel über mehrere Jahre hinweg täglich ein, schien die Erkrankung langsamer fortzuschreiten als ohne Behandlung. In der Studie zeigte sich diese Wirkung jedoch nur bei 5 von 100 Patienten.

Wichtig: Auch Nahrungsergänzungsmittel können Nebenwirkungen haben. Patienten, die das Kombinationspräparat einnehmen möchten, sollten dies nur in Absprache mit ihrem Arzt tun. Die Krankenkassen tragen die Kosten nicht. Grundsätzlich ungeeignet ist das Präparat für Raucher, da das enthaltene Betacarotin bei ihnen das Lungenkrebsrisiko erhöhen kann.

Altersabhängige Makuladegeneration: Verlauf

Der Verlauf der altersabhängigen Makuladegeneration lässt sich in drei Stadien unterteilen:

  • frühe AMD: Der Erkrankte hat mittelgroße Ablagerungen, kann aber noch scharf sehen.
  • intermediäre AMD: Der Patient hat große Drusen, bemerkt jedoch weiterhin keine oder nur leichte Sehbehinderungen.
  • späte AMD: Die Verfallsprozesse in der Makula führen zu Sehbehinderungen. Der Erkrankte sieht im zentralen Sehfeld zunehmend unscharf.

Wie schnell sich die Sicht im späten Stadium der AMD verschlechtert, hängt davon ab, an welcher Form der AMD der Betroffene erkrankt ist:

  • Die feuchte Makuladegeneration schreitet ohne Behandlung schnell fort.
  • Bei der trockenen Form vergehen in der Regel viele Jahre, bis sich die ersten, leichten Beschwerden zu einer starken Sehbehinderung entwickeln. Die trockene AMD kann jedoch in die feuchte Form übergehen.

Zur völligen Erblindung führt die AMD nicht. In der Regel können sich Menschen mit fortgeschrittener AMD noch immer im Raum orientieren. Früher oder später verlieren sie jedoch ihre Lesefähigkeit.

Altersabhängige Makuladegeneration: Vorbeugen

Ob und inwieweit es möglich ist, einer altersabhängigen Makuladegeneration vorzubeugen, ist nicht geklärt. In jedem Fall ist es sinnvoll, bestimmte Risikofaktoren zu meiden, die die Erkrankung begünstigen können, zum Beispiel

Auch Sonnenlicht gilt als möglicher Risikofaktor für die altersabhängigen Makuladegeneration. Der Zusammenhang ist zwar noch nicht hinreichend geklärt. Ausreichender Sonnenschutz ist dennoch generell empfehlenswert.

Übrigens: Studien zufolge lässt sich eine AMD nicht durch die Einnahme von Vitamin E und Betacarotin verhindern. Ob sich andere Nahrungsergänzungsmittel wie etwa Omega-3-Fettsäuren zur Vorbeugung der altersabhängigen Makuladegeneration eignen, ist unklar.