Gedächtnistraining: Eine vergesslich wirkende Frau schaut nachdenklich, ihr klebt ein Zettel auf der Stirn.
© GettyImages/Westend61

Gedächtnistraining: Übungen im Überblick

Im Zeitalter von Handys und Laptops wird die menschliche Festplatte – das Gehirn – in vielen Bereichen entlastet. Das ist praktisch, bewirkt aber auch, dass die grauen Zellen träge werden und die Leistungsfähigkeit sinkt. Gehirnjogging oder Gedächtnistraining können dem entgegenwirken. Mit gezielten Übungen trainieren Sie Ihr Gehirn, steigern seine Leistungsfähigkeit und regen das Denkvermögen an.

Allgemeines

Das Gehirn besteht aus über 100 Milliarden Nervenzellen und noch mehr Kontakten zwischen den Zellen. Diese übertragen Informationen von außen und steuern Muskulatur und Organe. Auf diese Weise reguliert das Gehirn alle Körperfunktionen wie Herzschlag, Verdauung, Atmung oder Bewegungsabläufe.

Der Mensch hat dank der Masse an Gehirnzellen ein immenses geistiges Potenzial. Von diesen Gehirnzellen nutzt er jedoch nur einen geringen Teil. Wenn Nervenzellen nicht regelmäßig beansprucht werden und nicht ständig auf neue Reize reagieren müssen, bilden sie sich zurück und sind nicht mehr voll leistungsfähig. Die Folge sind

Hinzu kommt der Prozess des Alterns, infolgedessen sich die Zahl der Gehirnzellen natürlicherweise verringert.

Gedächtnistraining in Form spezieller Übungen fordert das Gehirn und verhindert, dass geistige Fähigkeiten abnehmen.

Gehirnleistungstests in den Bereichen Logik, Sprache, Gedächtnis und Konzentration sowie verschiedene Übungen zum Gedächtnistraining finden Sie unter https://www.mental-aktiv.de/.

Leistungs- und Merkfähigkeit steigern

Um die Leistungsfähigkeit des Gehirns zu erhalten und zu steigern, ist es wichtig, dessen Funktionen gezielt zu trainieren. Wenn das Gehirn täglich gefordert wird, kann es neue Verbindungen zwischen den Nervenzellen knüpfen und so seine Funktionsfähigkeit verbessern. Wenn bestimmte Prozesse und Lernvorgänge durch Übungen regelmäßig wiederholt und geschult werden, kann das Gehirn diese leichter aktivieren und auf vorhandenes Wissen und Fertigkeiten zurückgreifen.

1. Wörtergedächtnis

Im Rahmen des Gedächtnistrainings kann zum Beispiel das Wörtergedächtnis trainiert werden, indem man einzelne Buchstaben, Buchstabenkombinationen, Listen von Wörtern, Wortpaare und ganze Sätze innerhalb anderer Buchstaben sucht, neue Kombinationen findet oder sich merkt und wiedergibt – etwa in Form von Kreuzworträtseln oder Wortpuzzeln.  

2. Zahlen besser merken

Auch die Merkfähigkeit von Zahlen, Zahlenkombinationen und Zahlenreihen können durch verschiedene Rechenaufgaben und bildhafte Verknüpfungen zu den Zahlen trainiert werden, ohne dass geniale Gedächtnismethoden benötigt werden.

3. Fakten lernen

Beim Lernen von Fakten ist es wichtig, diese zu verstehen und in einen thematischen Zusammenhang zu bringen. Hierbei gilt: Je mehr Wissen bereits vorhanden ist, desto leichter kann neues Wissen daran anknüpfen und abgespeichert werden. Auch diese Fähigkeit kann geschult werden, zum Beispiel, indem man regelmäßig Geschichtstexte mit Jahreszahlen liest, versteht und wiedergibt.

Bilderdenken für ein besseres Gedächtnis

Das Gedächtnistraining kann auch Übungen zum so genannten Bilderdenken umfassen. Bilder sind für das Gedächtnis die leichteste Übung. Ein Bild enthält eine große Menge an Informationen, die das Gehirn ganzheitlich erfassen und abspeichern kann.

Bilder prägen sich aus diesem Grund besser ein. Übungen mit Bildern trainieren die Auffassung von visuellen Zusammenhängen. Es ist wesentlich einfacher, sich Bilder einzuprägen, als Fakten auswendig zu lernen. Deswegen ist es hilfreich, jede Information, die man sich merken möchte, als Bild abzuspeichern.

1. Beschreibungen erzeugen Bilder

Das Bilderdenken kann mit kleinen Übungen trainiert werden. Es ist zum Beispiel hilfreich, Personen oder Dinge zunächst zu beschreiben. Während der Beschreibung entstehen von ganz allein Bilder vor dem geistigen Auge.

2. Details einprägen

Eine andere Möglichkeit besteht darin, sich einen Gegenstand sehr genau anzusehen und sich Details genau einzuprägen. Danach werden die Augen geschlossen und man versucht, sich das Bild des Gegenstands vor dem geistigen Auge aufzurufen.

3. Zahlen Bildern zuordnen

Auch Zahlen können in Bilder und Geschichten transformiert werden und lassen sich so besser einprägen. Jeder Zahl kann ein Bild zugeordnet werden, das einen starken Bezug zu der Zahl hat wie beispielsweise der Ball zu einer Null durch seine runde Form. Wenn man sich eine Zahlenkombination merken möchte, kann diese in eine komplette Bildergeschichte transformiert und auf diese Weise zu einem späteren Zeitpunkt leicht wieder abgerufen werden.

Lernen durch Verknüpfungen

Eine einfache Verknüpfung kann dabei helfen, sich Dinge zu merken. Das Gehirn arbeitet vorrangig mit Verknüpfungen: Es verknüpft neues Wissen mit bereits vorhandenem Wissen. Oft erinnert sich der Mensch nicht mehr an bestimmte Dinge, weil er nicht weiß, mit welchem Wissen sie verknüpft sind. In einer Situation oder bei einem bestimmten Gedanken ist die gesuchte und unbewusst verknüpfte Information ganz plötzlich wieder da. Aus diesem Grund ist es wichtig, das Verknüpfen zu trainieren.

Am besten funktioniert es, zwei beliebige Begriffe miteinander zu verknüpfen, indem man eine Geschichte um die beiden Begriffe spinnt und so einen Zusammenhang herstellt. Dabei ist es nicht wichtig, ob die Geschichte fiktiv oder verrückt ist, im Gegenteil: Verrückte oder kuriose Geschichten bleiben meist besser im Gedächtnis verankert. Wenn es jetzt noch gelingt, sich die Geschichte in Bildern vor dem geistigen Auge vorzustellen, werden sich Verknüpfung und Bilderdenken bei alltäglichen Dingen von selbst einstellen und die Gedächtnisleistung unterstützen.

Die Bedeutung von Gefühlen für eine bessere Merkfähigkeit

Besonders hilfreich sind in der Regel lustige oder skurrile Bilder und Geschichten, die Gefühle erzeugen. Gefühle regen die Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) an, den Neurotransmitter Dopamin freizusetzen, der wiederum das Abspeichern von Informationen fördert. Informationen, die mit Gefühlen in Verbindung gebracht werden, können demnach leichter gespeichert werden.

Gedächtnistraining für den Alltag

Ob Wörter, Zahlen, Bilder oder Fakten: Um das Gehirn zu trainieren, gibt es verschiedenartige und komplexe Übungen, mit denen das Erinnerungsvermögen und die Konzentrationsfähigkeit gezielt trainiert und gesteigert werden können.

Wer keine Lust hat, aufwendiges Gehirnjogging zu betreiben, kann auch auf einfache Übungen im Alltag zurückgreifen, die das Gehirn in Schwung halten. Kleine Spiele wie Sudoku oder Bilderpaarsuche, aber auch Lesen oder Kreuzworträtsel lösen, machen nicht nur Spaß, sondern trainieren auch das Gedächtnis.

Notizzettel, Taschenrechner und Handys sind zwar praktisch, entlasten aber unser Gehirn. Deshalb sollten leichte Rechenaufgaben oder kurze Einkaufslisten besser im Kopf gespeichert werden, um die Gehirnzellen anzuregen und zu trainieren.

Auch Aktivitäten wie Vorträge, Theatervorstellungen, eine angeregte Diskussion, Musizieren und Selbstgespräche fordern den Geist.

Darüber hinaus können Bewegung und die richtige Ernährung einen positiven Einfluss auf die Leistungsfähigkeit des Gehirns haben.