Zwei Senioren spielen Schach.
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Altersvergesslichkeit (leichte kognitive Störung)

Im Alter lässt bei vielen Menschen das Erinnerungsvermögen nach. Die Altersvergesslichkeit lässt sich aber deutlich von einer Demenz unterscheiden. Welche Symptome sind typisch? Und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Altersvergesslichkeit

Was ist Altersvergesslichkeit?
Im Alter funktioniert das Gedächtnis schlechter: Die meisten älteren Menschen können sich neu gelernte Informationen und (vor allem unwichtige) Fakten und Einzelheiten von Ereignissen schlechter merken. Da dieser Gedächtnisverlust Teil des natürlichen Alterungsprozesses ist, bezeichnet man ihn auch als Altersvergesslichkeit.

Alle Organe altern, auch das Gehirn: In bestimmten Teilen des Gehirns sterben im höheren Lebensalter immer mehr Nervenzellen ab. Da das Gehirn im Erwachsenenalter kaum noch neue Zellen nachproduziert, schrumpfen die betroffenen Bereiche und büßen somit an Leistungsfähigkeit ein. Auch verschlechtert sich die Vernetzung des Gehirns, sodass die Kommunikation zwischen verschiedenen Hirnregionen nicht mehr so gut funktioniert.

All das führt zu geistigen Beeinträchtigungen, die sich durch unterschiedliche Alltagsprobleme äußern können. Häufig macht sich Altersvergesslichkeit bei den Betroffenen dadurch bemerkbar, dass sie Gegenstände verlegen und anstehende Termine oder Details von kürzlich erlebten Ereignissen vergessen. Auch können die Betroffenen Informationen nicht mehr so schnell verarbeiten wie früher.

Diese Probleme können auch erste Anzeichen einer Demenz sein. Im Vergleich zu einer Demenz schreitet der altersbedingte Gedächtnisverlust jedoch wenn überhaupt nur langsam fort.

Die geistigen Beeinträchtigungen, zu denen es im Rahmen des normalen Alterungsprozesses kommen kann, sind zudem deutlich schwächer ausgeprägt als die Symptome einer Demenz. Daher bezeichnet man die Altersvergesslichkeit auch als leichte kognitive Störung oder mit dem englischen Fachbegriff mild cognitive impairment, kurz MCI.

Etwa 10 bis 15 von 100 über 65-Jäh­rigen sind davon betroffen. Bei vielen von ihnen geht die Altersvergesslichkeit innerhalb einiger Jahre in eine Demenzerkrankung über.

Altersvergesslichkeit: Ursachen

Im höheren Erwachsenenalter finden im Gehirn viele Veränderungen statt, welche die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen können. Unter anderem wird das Gehirn kleiner, weil immer mehr Nervenzellen absterben. Dabei schrumpft insbesondere der Hippocampus, eine Hirnregion, die für das Speichern neuer Informationen zuständig ist.

Zugleich schwindet ein Teil der Nervenfasern, die verschiedene Hirnbereiche miteinander verbinden. Das hat zur Folge, dass die Informationsübermittlung zwischen den Hirnregionen nicht mehr so gut funktioniert.

Diese und andere altersbedingte Verfallsprozesse im Gehirn gelten als wichtigste Ursachen der Altersvergesslichkeit. Sie erklären zudem, warum ältere Menschen häufig Schwierigkeiten haben, sich zu konzentrieren und insgesamt langsamer denken, weil sie mehr Zeit benötigen, um neue Informationen zu verarbeiten.

Hinweis: Auch eine Demenz wird dadurch verursacht, dass Nervenzellen absterben. Allerdings vollzieht sich dieser Verfallsprozess bei einer Demenz deutlich schneller als bei nicht krankhafter Altersvergesslichkeit. Letztere geht aber häufig in eine Demenz über.

Wie früh der geistige Verfallsprozess einsetzt und wie rasch er fortschreitet, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Studien legen nahe, dass bestimmte Risikofaktoren altersbedingte Gedächtnisstörungen und Demenzerkrankungen begünstigen können. Dazu zählen

Vergesslichkeit im Alter kann zudem als Folge bestimmter Erkrankungen auftreten. Dazu zählen zum Beispiel Gehirntumoren oder -blutungen sowie Infektionskrankheiten, die sich auf das Gehirn ausbreiten (z.B. Neuroborreliose, FSME). Auch psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Neurosen können für die Symptome der Altersvergesslichkeit als Ursachen infrage kommen.

Altersvergesslichkeit: Symptome

Die Symptome der Altersvergesslichkeit machen sich nicht plötzlich bemerkbar, sondern schleichend: Die Merkfähigkeit lässt über einen längeren Zeitraum hinweg nach. Die Betroffenen bemerken das häufig dadurch, dass sie Gegenstände verlegen und Informationen vergessen, die sie in jüngerer Vergangenheit erhalten haben (z.B. Termine, Namen, Telefonnummern).

Auch denken ältere Menschen mitunter etwas langsamer, weil ihr Gehirn länger braucht, um Informationen zu verarbeiten. Das kann zum Beispiel dazu führen, dass die Betroffenen versuchen, Stresssituationen zu meiden, in denen mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigt werden müssen.

Das Erfahrungswissen, der Wortschatz und das Sprachvermögen sind dagegen nicht von der Altersvergesslichkeit betroffen.

Normale Altersvergesslichkeit oder Demenz-Symptome?

Im Gegensatz zur Demenz schreitet Altersvergesslichkeit nicht oder kaum fort. Wenn sich die Symptome nicht oder nur sehr langsam verstärken, besteht also normalerweise kein Grund zur Sorge. Oft können ältere Menschen die Anforderungen ihres Alltags trotz der leichten geistigen Schwäche noch viele Jahre gut bewältigen.

Verschlechtern sich die geistigen Fähigkeiten binnen kurzer Zeit sehr stark, ist dies häufig ein Anzeichen dafür, dass die Altersvergesslichkeit in eine Demenz übergeht. Darüber hinaus gibt es weitere Warnsignale, die für eine normale Altersvergesslichkeit untypisch sind und eher auf eine Demenz hindeuten:

  • Vergessen wichtiger Gedächtnisinhalte: Menschen mit Demenz entfallen nicht nur unbedeutende Einzelheiten von Ereignissen oder nebensächliche Fakten, sondern auch Ereignisse oder Informationen, die für sie von großer Bedeutung sind.
  • ausgeprägte Orientierungsstörungen: An Demenz erkrankte Menschen haben oft große Schwierigkeiten, sich in ihrer gewohnten Umgebung zu orientieren. Typisch ist auch, dass sie den aktuellen Wochentag oder sogar den Monat oder das Jahr vergessen.
  • Antriebsstörungen (z.B. ein Gefühl von Getriebenheit, später eher Apathie)
  • Wortfindungsschwierigkeiten (Probleme, bestimmte Gegenstände zu benennen)
  • veränderte Persönlichkeit: Menschen mit Demenz werden manchmal ängstlich, reizbar, aggressiv und/oder depressiv.
  • verminderter Appetit und gestörtes Durstempfinden

Altersvergesslichkeit: Diagnose

Wenn ein älterer Patient über Gedächtnisprobleme klagt, wird der Arzt zunächst ermitteln, ob normale Altersvergesslichkeit oder eine Demenz dahintersteckt. Dazu kann er verschiedene standardisierte Gedächtnistests einsetzen, zum Beispiel den Mini-Mental-Status-Test (MMST) oder den Uhrentest.

Anschließend kann der Arzt das Gehirn des Patienten mit bildgebenden Verfahren untersuchen, um die organischen Ursachen für die Vergesslichkeit zu finden. Etwa lassen CT- oder MRT-Aufnahmen erkennen, ob und in welchen Bereichen das Gehirn geschrumpft ist oder ob sich irgendwo im Gehirn ein Tumor gebildet hat.

Darüber hinaus kann der Arzt mithilfe der sogenannten Positronen-Emissions-Tomographie feststellen, ob sich im Gehirn des Patienten Ablagerungen angesammelt haben, die für eine Demenzerkrankung typisch sind.

Hat der Arzt den Verdacht, dass bestimmte körperliche Erkrankungen oder Mangelerscheinungen die Gedächtnisstörungen hervorgerufen haben, kann er außerdem ein Blutbild anfertigen lassen und den Elektrolythaushalt, die Entzündungswerte, die Leberwerte, die Nieren­werte, die Schild­drüsenhormone sowie den Blutzuckerspiegel des Patienten überprüfen.

Altersvergesslichkeit: Behandlung

Es gibt keine Arzneimittel, die wirksam gegen Altersvergesslichkeit helfen. Der Arzt kann jedoch eine Psychotherapie vorschlagen, in der der Patient sein Gedächtnis trainiert und lernt, im Alltag besser mit seinen geistigen Beeinträchtigungen zurechtzukommen. Auch körperliche Bewegung kann Betroffene wieder geistig leistungsfähiger machen.

Stellt sich im Rahmen der Untersuchung heraus, dass der Patient bereits an Demenz erkrankt ist, kann der Arzt sogenannte Antidementiva verordnen. Das sind Medikamente mit Wirkstoffen, die das Fortschreiten der Erkrankung möglicherweise ein wenig verlangsamen können. Zu diesen Wirkstoffen zählen

  • Memantin sowie
  • Acetylcholinesterasehemmer.

Altersvergesslichkeit: Verlauf

Bei etwa 30 bis 50 von 100 Betroffenen verschlimmert sich die Altersvergesslichkeit nicht oder kaum. Das heißt: Sie vergessen zwar hin und wieder etwas und/oder denken nicht mehr so schnell wie früher, bleiben aber ansonsten geistig fit.

Bei etwa 50 bis 70 von 100 Betroffenen entwickeln sich die leichten geistigen Beeinträchtigen innerhalb von drei bis vier Jahren zu einer Demenz.

Wichtig: Mitunter schämen sich Menschen mit altersbedingter Gedächtnisschwäche für ihre Beeinträchtigung und ziehen sich immer weiter aus ihrem sozialen Umfeld zurück. Dadurch verschlimmert sich das Problem jedoch meist. Daher ist es wichtig, erste Anzeichen für Altersvergesslichkeit rechtzeitig zu bemerken und ärztlich abklären zu lassen. Je früher sie erkannt wird, umso eher kann der Betroffene lernen, damit zurechtzukommen.

Viele Fachärzte (Neurologen, Psychiater, spezialisierte Hausärzte) führen in ihrer Praxis sogenannte Gedächtnissprechstunden durch. Adressen von Ärzten und Kliniken, die Gedächtnissprechstunden anbieten, findet man zum Beispiel auf der Internetseite der Selbsthilfe-Organisation Deutsche Alzheimer Gesellschaft.

Altersvergesslichkeit: Vorbeugen

Die wichtigsten Risikofaktoren für geistige Beeinträchtigungen im Alter sind Diabetes mellitus, erhöhte Blutfette, Übergewicht, Rauchen und Bluthochdruck. Diese Erkrankungen und Risikofaktoren lassen sich häufig allein durch einen gesünderen Lebensstil gut in den Griff bekommen. Das heißt: Wer sich in jungen Jahren und als Erwachsener gesund und maßvoll ernährt und regelmäßig Sport treibt, hat gute Chancen, bis ins hohe Alter körperlich und geistig gesund zu bleiben.

Welche Sportarten und Ernährungsformen besonders zuträglich für das Gehirn sind, ist noch nicht abschließend geklärt. Studien legen nahe, dass die sogenannte Mittelmeerkost möglicherweise vor Demenz schützt. Die mediterrane Ernährung setzt sich vor allem aus Gemüse, Obst, Nüssen und Fisch zusammen.

In Untersuchungen hat sich zudem gezeigt, dass Menschen, die bis ins hohe Alter geistige Herausforderungen suchen und ein aktives Sozialleben pflegen, weniger anfällig für geistigen Abbau sind.