Ein Arzt hält ein MRT-Bild mit Aufnahmen eines Gehirns hoch
© Getty Images

Glioblastom, Astrozytom

Ein Glioblastom ist, wie auch das Astrozytom, ein Hirntumor, der aus bestimmten Zellen des Stützgewebes des Gehirns entsteht. Der Fachbegriff für dieses Stützgewebe lautet Glia. Tumoren des Stützgewebes in Gehirn oder Rückenmark heißen darum auch Gliome. Sowohl Astrozytom als auch Glioblastom zählen demnach zu den Gliomen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Überblick

Je nach Beschaffenheit der Tumorzellen unterscheidet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vier Grade von Gliomen. Je höher der WHO-Grad ist, desto stärker unterscheiden sich die Tumorzellen von den gesunden Gliazellen. Das bedeutet, dass mit steigendem Grad auch der Tumor bösartiger ist. Aus dieser Gradeinteilung ergeben sich die geeigneten Behandlungsmöglichkeiten und auch die Prognose.

Der Tumor mit dem höchsten Grad ist das Glioblastom. Das Glioblastom ist das bösartigste Gliom und hat eine ungünstige Prognose. Es ist der häufigste Hirntumor bei Erwachsenen. Ein pilozytisches Astrozytom (WHO-Grad I) hingegen lässt sich durch eine operative Entfernung vollständig heilen. Patienten mit niedriggradigen Astrozytomen überleben die Erkrankung häufig über Jahre.

An einem Astrozytom erkranken vor allem Männer im mittleren und höheren Lebensalter. Dies gilt auch für das Glioblastom, an dem vor allem Männer im Alter zwischen 45 und 75 Jahren erkranken.

Häufige Beschwerden sind:

  • Krampfanfälle (epileptische Anfälle)
  • Anzeichen erhöhten Hirndrucks (u.a.):

Wenn sich der Tumor ausbreitet und dabei die Nervenbahnen in Gehirn oder Rückenmark abdrückt, kann es außerdem zu neurologischen Ausfallerscheinungen wie Lähmungen kommen.

Beim Astrozytom wie auch beim Glioblastom spielen bei der Diagnose vor allem die sogenannten bildgebenden Verfahren wie Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes eine entscheidende Rolle.

Bei der Behandlung eines Astrozytoms ist das Ziel, den Tumor möglichst komplett zu entfernen oder – wenn dies nicht möglich ist – zumindest die Größe des Tumors zu verringern. Bei der Therapie von Astrozytom oder Glioblastom können dazu ein oder mehrere Behandlungswege notwendig sein:

Das jeweilige Vorgehen richtet sich nach der WHO-Gradeinteilung und zusätzlichen Faktoren wie dem körperlichen Allgemeinbefinden, dem Alter der betroffenen Person und bestehenden Symptomen.

Definition

Glioblastom und Astrozytom zählen zu den Hirntumoren. Ein Astrozytom ist ein Tumor, der aus Zellen hervorgeht, die im Gehirn das Stützgerüst für die Nervenzellen bilden. Diese Zellen heißen Astrozyten – daher die Bezeichnung Astrozytom. Das Stützgerüst besteht allerdings nicht nur aus Astrozyten, sondern auch aus anderen Zelltypen wie Oligodendrozyten. Im Ganzen bezeichnet man das Stützgewebe auch als Glia. Alle Tumoren, die aus diesem Gewebe hervorgehen, lassen sich daher unter dem Oberbegriff Gliome zusammenfassen. Auch das Glioblastom zählt zu den Gliomen.

Am häufigsten treten Astrozytome im Gehirn in den sogenannten Großhirnhälften auf. Seltener kommen diese Hirntumoren in tieferliegenden Gebieten des Gehirns (in den sog. Basalganglien), im Stammhirn oder im Bereich des Rückenmarks vor.

Wenn Zellen unkontrolliert wachsen und entarten, weisen sie bestimmte Merkmale auf. Anhand dieser Merkmale lassen sie sich von den ursprünglichen, gesunden Zellen unterscheiden: Zellen von ausgeprägter Ähnlichkeit mit gesundem Gewebe bezeichnen Mediziner als gut differenziert. Im Gegensatz dazu ähneln schlecht differenzierte Tumorzellen kaum noch den Ursprungszellen. Diese Zellbeschaffenheit spielt eine wichtige Rolle bei der Einteilung der Gliome – und damit auch der Astrozytome – in die insgesamt vier Tumor-Grade der WHO (Weltgesundheitsorganisation). Ein schlecht differenziertes Astrozytom wie das Glioblastom hat einen hohen Grad und ist bösartig. Gut differenzierte Astrozytome hingegen haben einen niedrigen WHO-Grad.

Das Astrozytom mit dem niedrigsten WHO-Grad, das pilozytische Astrozytom, kommt typischerweise im Kindes- oder Jugendalter vor. Niedriggradige Astrozytome sind eher bei jüngeren Erwachsenen zu finden, höhergradige Tumoren treten hingegen verstärkt bei älteren Personen auf. Männer sind dabei zweimal häufiger betroffen als Frauen.

Einteilung der Gliome nach WHO-Graden

Grad Gliom
Grad I WHO pilozytisches Astrozytom
Grad II WHO diffuses Astrozytom oder Oligodendrogliom
Grad III WHO anaplastisches Astrozytom oder anaplastisches Oligodendrogliom
Grad IV WHO Glioblastom

Ursachen

Ein Astrozytom ist ein Hirntumor, dessen Ursachen weitgehend unbekannt sind. Dieser Tumor entwickelt sich aus dem Stützgewebe (auch Glia genannt) des Gehirns. Bei einer Erbkrankheit, der sogenannten Neurofibromatose vom Typ 1, tritt ein pilozytisches Astrozytom besonders häufig auf. Auch bei Personen, die eine Strahlenbehandlung erhalten haben, steigt das Risiko für ein Astrozytom. In diesem Fall liegen die Ursachen in der erhöhten Strahlenbelastung.

Bei einem Glioblastom sind die genauen Ursachen ebenfalls nicht eindeutig geklärt. Auch hier spielen hohe Strahlenbelastungen möglicherweise eine Rolle.

Symptome

Astrozytom und Glioblastom machen sich häufig durch Symptome wie Krampfanfälle (epileptische Anfälle) und erhöhten Hirndruck bemerkbar. Zeichen für einen erhöhten Hirndruck sind zum Beispiel:

Wie alle sogenannten Gliome entstehen das Astrozytom und seine besonders bösartige Form, das Glioblastom, aus dem Stützgewebe (Glia) des Gehirns, wo sie sich weiter ausbreiten. Je nachdem, in welcher Hirnregion Astrozytom oder Glioblastom auftreten, können unterschiedliche Symptome hinzukommen:

Befinden sich das Astrozytom oder das Glioblastom im Rückenmark, das im engen Spinalkanal in der Wirbelsäule liegt, treten die Symptome durch den Platzmangel meist früh auf. Typischerweise kommt es zu Schmerzen oder Sensibilitätsstörungen (z.B. Taubheitsgefühl oder Kribbeln). Darüber hinaus kann es zu Lähmungen bis hin zu einer Querschnittlähmung kommen.

Diagnose

Bei Astrozytom und Glioblastom sind bei der Diagnose neben einer ausführlichen Befragung zur Krankengeschichte (Anamnese) und gründlichen Untersuchung des Erkrankten auch die sogenannten bildgebenden Verfahren wie Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes besonders wichtig.

Die Untersuchung mit Kontrastmitteln ist bei einem Astrozytom oder Glioblastom fast immer notwendig. Dabei spritzt der Arzt ein Mittel in die Vene des Patienten, wodurch in CT und MRT die Gehirnstrukturen besser sichtbar werden. Meist lässt sich anhand der Aufnahmen schon entscheiden, ob eine Operation des Tumors notwendig ist. Die Diagnose umfasst in Einzelfällen auch die gezielte Gewebeentnahme (Biopsie) zur mikroskopischen Untersuchung. Der Pathologe untersucht nach Operation oder Biopsie das entfernte Gewebe und kann so den Schweregrad der Erkrankung bestimmen.

Therapie

Das Astrozytom gehört – wie auch das Glioblastom – zu den Gliomen, deren Therapie aus verschiedenen Bereichen bestehen kann:

Das jeweilige Vorgehen richtet sich nach der Beschaffenheit des Tumors (WHO-Grad) und zusätzlichen Faktoren, wie dem körperlichen Allgemeinbefinden des Erkrankten, seinem Alter oder bestehenden Symptomen (z.B. Lähmungen oder Sprachstörungen).

Bei einem Astrozytom liegt das Ziel der Therapie darin, den Tumor möglichst komplett operativ zu entfernen oder – wenn dies nicht möglich ist – zumindest die Größe des Tumors zu verringern.

Insbesondere bei aggressiven Gliomen mit ungünstiger Prognose, wie dem Glioblastom, ist während der Therapie auch eine psychisch unterstützende Begleitung der Betroffenen wichtig.

Medikamentöse Behandlung

Vor einer Operation des Astrozytoms ist eine Therapie mit Kortisonpräparaten (Dexamethason) nötig. Der Wirkstoff sorgt dafür, dass das angeschwollene Hirngewebe (Ödem) um den Tumor wieder abschwillt. Der Arzt kann das Kortison auch während einer Strahlentherapie verabreichen, da diese Behandlungsmethode ein Ödem zunächst verstärken kann. Viele Personen, die an einem Astrozytom oder Gliobastom erkrankt sind, leiden an epileptischen Anfällen (sog. Krampfanfälle). Daher ist es wichtig, weiteren Anfällen mit Antiepileptika vorzubeugen.

Operation

Eine Operation verfolgt beim Astrozytom und Glioblastom meist zwei Ziele: Zum einen stellt sie die Therapie dieses Hirntumors dar, zum anderen bietet sie dem Pathologen die Möglichkeit, das entfernte Tumorgewebe unter dem Mikroskop genauer zu untersuchen. Damit kann er zum Beispiel feststellen, ob der Neurochirurg den Tumor komplett entfernen konnte. Außerdem ermöglicht die mikroskopische Untersuchung der Zellen die genaue WHO-Gradeinteilung des Tumors.

Sogenannte pilozytische Astrozytome (Grad I) lassen sich meist vollständig operativ entfernen und haben eine günstige Prognose. Auch bei Astrozytomen Grad II ist die Prognose günstig – sofern es gelingt, den Tumor komplett herauszuoperieren. Grad-III- und Grad-IV-Tumoren (wie das Glioblastom) wachsen sehr rasch ins Nachbargewebe ein. Deshalb zielt die Operation in erster Linie darauf ab, die Tumormasse zu verkleinern. Dies soll den Hirndruck vermindern, um so eine Verschlechterung des Zustandes hinauszuzögern. Das verbessert die Bedingungen für die nachfolgende Strahlenbehandlung oder Chemotherapie.

Strahlen- und Chemotherapie

Bei niedriggradigen Astrozytomen (WHO-Grad I und II) erfolgt nach der operativen Tumorentfernung eine Strahlentherapie. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Kontrollaufnahmen im CT (Computertomographie) zeigen, dass Tumorreste im Gehirn verblieben sind und eventuell sogar weiterwachsen. Entsprechend ist die Strahlentherapie auch in solchen Fällen sinnvoll, bei denen der Tumor sich von vornherein nur teilweise operativ entfernen lässt. Personen mit höhergradigen Astrozytomen (WHO-Grad III und IV) erhalten sowohl eine Strahlen- als auch eine Chemotherapie. Dieses Vorgehen ist unabhängig davon, ob und wie viel Tumormasse nach der Operation noch vorhanden ist.

Die Strahlentherapie wird bei Astrozytomen Grad II bis IV (Glioblastom) häufig durch eine Chemotherapie ergänzt. Hierbei ist es jedoch wichtig, dass das Blutbild des Erkrankten normal ist und keine Störungen oder Erkrankungen der Leber, Nieren und Atemwege sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorliegen.

Tumortherapiefeld-Therapie (Optune-Therapie)

Die recht neue Tumortherapiefeld-Therapie ist eine nicht-invasive Krebstherapie für Patienten mit einem neu diagnostizierten oder wiederkehrenden Glioblastom. Elektrische Wechselfelder, sogenannte Tumortherapiefelder (TTFields), sollen den Zellteilungsprozess der Tumorzellen stören und so gezielt das Tumorwachstum hemmen, ohne dabei die gesunden Zellen zu schädigen. Die Therapie kommt nach der Operation und Bestrahlung in Kombination mit der Erhaltungschemotherapie zum Einsatz. Studien zufolge bietet die Therapie einen Überlebensvorteil für die Patienten. Diese müssen dafür möglichst kontinuierlich, mindestens aber 75 Prozent eines Monats, eine Elektrohaube auf dem Kopf tragen.

Verlauf

Bei Hirntumoren wie dem Astrozytom und dem Glioblastom hängt der Verlauf der Erkrankung vom jeweiligen Tumor-Grad ab:

Pilozytische Astrozytome (Grad I) wachsen meist langsam. Sie sind gutartige Geschwulste und wandeln sich selten in bösartige Formen um. Ihre Prognose ist günstig. Meist sitzen sie im Kleinhirn oder im Verlauf der Sehbahn.

Auch Grad-II-Tumoren wachsen in der Regel langsam. Sie sind oft gut vom gesunden Gewebe abgrenzbar und wachsen entlang vorhandener Gewebestrukturen wie Lymph- oder Blutgefäßen. Prognostisch ungünstiger sind Varianten, die nicht eindeutig abgrenzbar (diffus) in das umgebende Gewebe einwachsen.

Höhergradige Astrozytome (Grad III und IV), zu denen auch das Glioblastom gehört, haben einen bösartigen Verlauf und ihre Prognose ist ungünstig. Sie wachsen sehr rasch und dringen schnell ins Nachbargewebe ein. Dadurch lassen sich diese Tumoren nicht mehr von der gesunden Umgebung abgrenzen – ein komplettes operatives Entfernen ist meist nicht möglich.

Die Prognose jeder Tumorerkrankung hängt stets von vielen Faktoren ab. Grad-I-Gliome, wie das pilozytische Astrozytom, lassen sich durch eine operative Entfernung oft komplett heilen. Patienten mit niedriggradigen Astrozytomen überleben häufig die Erkrankung über mehrere Jahre. Bei den bösartigsten Gliomen, etwa dem Glioblastom, ist die Prognose allerdings deutlich schlechter. Dank der modernen Chemotherapie und der Tumortherapiefeld-Therapie hat sich die Überlebenszeit nach der Diagnose bei vielen Patienten erhöht.

Vorbeugen

Allgemeine Maßnahmen, die einem Astrozytom oder einem Glioblastom vorbeugen, sind nicht bekannt. Generell empfiehlt es sich, unnötige Strahlung (v.a. bei Kindern) sowie Kontakt mit krebserregenden Chemikalien und Schadstoffen zu vermeiden. Ratsam ist in jedem Fall eine gesunde Lebensweise mit abwechslungsreicher, fettarmer Ernährung, dem Verzicht auf Zigaretten und Alkohol sowie regelmäßigem Sport.