Eine Physiotherapeutin behandelt einen älteren Mann.
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Lähmung

Nervenschäden können dazu führen, dass das Empfinden und die Beweglichkeit einzelner Körperteilen gestört ist. Von einer Querschnittslähmung spricht man, wenn Nervenstränge im Rückenmark beschädigt sind. Die Ursache sind meist Verletzungen oder neurologische Krankheiten.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Lähmung

Was ist eine Lähmung?
Von einer Lähmung spricht man, wenn jemand einen Körperteil nicht mehr oder nicht mehr wie gewohnt bewegen kann oder in diesem Körperteil weniger oder nichts mehr empfindet. Die Ursache sind meist durch Krankheiten oder Verletzungen hervorgerufene Nervenschäden. Bei einer sogenannten Querschnittslähmung sind Nerven im Rückenmark von der Schädigung betroffen.

Bewegungen und Empfindungen sind nur möglich, wenn die Nerven intakt sind: Beschließt man zum Beispiel, die Hand auf die Herdplatte zu legen, übermitteln Nervenbahnen den entsprechenden Befehl vom Gehirn an die Arm- und Handmuskulatur. Registrieren die Nerven der Hand dann, dass die Herdplatte heiß ist, senden sie ein Signal an die Armmuskulatur, damit diese die Hand schnellstmöglich von der Herdplatte entfernt.

Werden Nerven geschädigt – etwa durch Verletzungen oder bestimmte Erkrankungen – funktioniert die Kommunikation zwischen Nerven, Gehirn und Muskulatur nicht mehr richtig. Die Folge sind Bewegungs- und Empfindungsstörungen im betroffenen Körperteil, die man auch als Lähmungserscheinungen bezeichnet.

Eine Lähmung kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein: Eine leichte Schwäche bestimmter Muskeln bezeichnet man fachsprachlich als Parese. Zeigen Muskeln keinerlei Regung mehr, sprechen Mediziner von Paralyse oder Plegie. Der Unterschied zwischen Paralyse und Plegie ist, dass

  • die Paralyse jede Art von Muskel betreffen kann, wohingegen mit
  • Plegie nur die Lähmung von Skelettmuskeln gemeint ist.

Lähmung: Ursachen

Lähmungen treten meist als Folge von Nervenschädigungen auf. Es gibt eine Vielzahl von Verletzungen und Erkrankungen, bei denen Nerven Schaden nehmen können. Hier Beispiele für mögliche Ursachen:

Sind Nervenbahnen im Rückenmark beschädigt, kann eine sogenannte eine Querschnittslähmung die Folge sein. Bei den Betroffenen ist der gesamte Körper unterhalb der geschädigten Stelle gelähmt. Häufig führen Unfälle, bei denen die Wirbelsäule verletzt wird, zu Querschnittslähmungen. Doch auch Bandscheibenvorfälle, Tumoren und multiple Sklerose sind mögliche Ursachen.

Neben den genannten körperlichen Ursachen gibt es auch psychische Erkrankungen, die sich in Lähmungserscheinungen äußern können. Dazu zählt beispielsweise die sogenannte somato­forme Störung. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung, bei der die Betroffenen körperliche Beschwerden verspüren, für die sich keine körperlichen Ursachen finden lassen.

Lähmung: Diagnose

Bei jeder plötzlich oder neu aufgetretenen Lähmung ist eine Diagnose durch den Arzt wichtig, da eine ernste Erkrankung (z.B. ein Schlaganfall) zugrunde liegen könnte. Der Arzt muss zunächst wissen, welche Körperteile von der Lähmung betroffen sind und ob sie vollständig gelähmt oder nur geschwächt sind. Auch fragt er den Patienten,

Anschließend untersucht der Arzt den betroffenen Körperteil, um zu ermitteln, inwieweit dessen Funktion beeinträchtigt sind. Dazu führt er eine Reihe von Tests durch, mithilfe derer er die Beweglichkeit, die Reflexe, die verbliebene Kraft und das Empfinden der betroffenen Muskeln prüfen und beurteilen kann.

Übrigens: Betrifft die Lähmung ein Bein, kann der Arzt durch den sogenannten Beintest feststellen, ob die Lähmung körperliche oder psychische Ursachen hat. Dazu bittet er den Patienten, sich auf den Rücken zu legen und das ge­sun­de Bein anzuheben. Der Arzt drückt das Bein dabei leicht hinunter. Drückt der Patient das andere (gelähmte) Bein daraufhin automatisch gegen die Liege, um den Oberkörper zu stabilisieren, ist die Lähmung offenbar nicht körperlich bedingt.

Körperlich bedingte Lähmungen sind Folge von Nervenschädigungen. Die Symptome des Patienten können dem Arzt einen Hinweis darauf geben, ob Nerven des Gehirns und/oder Rückenmarks (also des zentralen Nervensystems) oder periphere Nervenbahnen geschädigt sind:

  • Schäden im zentralen Nervensystem äußern sich durch sogenannte spastische Lähmungen: Da die Kommunikation zwischen Gehirn und Muskeln gestört ist, gelangen hemmende Signale aus dem Gehirn nicht mehr an die Muskeln. Die Muske­ln bleiben dann dauerhaft angespannt und reagieren auf Reize mit gesteigerten Eigenreflexen.
  • Sind periphere Nerven geschädigt, treten schlaffe Lähmungen auf: Die Muskelspannung ist dann verringert und die Muskeln zeigen schwache oder überhaupt keine Eigenreflexe mehr.

Um die Nervenschädigung genau verorten zu können, setzt der Arzt bildgebende Verfahren ein, etwa die Kernspintomographie, die Computertomographie, die Elektromyographie, die Elektroneurographie und die Elektroenzephalographie.

Darüber hinaus können eine Blutuntersuchung, eine Muskelbiopsie (Probeentnahme aus dem Muskel) sowie Gentests helfen, die Ursache der Lähmung festzustellen. Ob weitere Untersuchungen sinnvoll sind, hängt davon, welche Diagnose der Arzt vermutet.

Lähmung: Behandlung

Die Therapie richtet sich nach der Ursache. Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall, der schnellstmöglich im Krankenhaus behandelt werden muss. Dort ergreifen Ärzte so schnell wie möglich Maßnahmen, um die Durchblutung und Sauerstoffversorgung der betroffenen Hirnregion wiederherzustellen.

Sind bakterielle oder virale Infekte Ursache der Lähmung, können Antibiotika beziehungsweise virushemmende Medikamente helfen. Eine Lähmung, die durch einen Hirntumor verursacht wurde, kann sich unter Umständen nach einer erfolgreichen Operation, Chemotherapie oder Strahlenbehandlung des Tumors zurückbilden.

Eine Querschnittslähmung lässt sich nicht heilen. Doch durch regelmäßige Physio- und Ergotherapie können Betroffene die Beweglichkeit und Kraft ihrer noch intakten Muskeln erhalten. Auch bei einigen neurologischen Erkrankungen bleibt die Lähmung dauerhaft bestehen, sodass die Therapie vor allem in unterstützenden Maßnahmen wie Physiotherapie besteht.