Eine Frau mit bauchfreiem Top hält ihre Arme vor ihren Bauch
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Darmspiegelung (Koloskopie)

Bei einer Darmspiegelung untersucht der*die Arzt*Ärztin den Darm von innen, um mögliche Ursachen für Darmbeschwerden zu finden. Darüber hinaus dient die Darmspiegelung der Früherkennung und Vorbeugung von Darmkrebs. Hier erfahren Sie, wie man sich auf die Untersuchung vorbereitet und wie genau die Darmspiegelung abläuft.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Darmspiegelung (Koloskopie)

Was ist eine Darmspiegelung?
Bei einer Darmspiegelung untersucht der*die Ärzt*in den Darm von innen. Dazu verwendet er ein Koloskop. Das ist ein etwa ein Zentimeter dicker und anderthalb Meter langer, biegsamer Schlauch, an dessen Ende eine kleine Lampe und eine kleine Kamera befestigt sind. Über das andere Ende ist der Schlauch mit einem Monitor verbunden. Führt der*die Ärzt*in das Koloskop in den After des*der Patient*in ein, kann der Darm auf dem Bildschirm von innen angesehen werden. Die Dauer der Untersuchung beträgt in der Regel 15 bis 45 Minuten.

Die Darmspiegelung hat schon viele Menschen vor Darmkrebs bewahrt. Sie ermöglicht es nicht nur, Darmkrebs frühzeitig zu erkennen. Im besten Fall kann sie die Entstehung bösartiger Tumoren sogar verhindern: Eventuell vorhandene Darmkrebsvorstufen können bereits während der Untersuchung entfernt werden.

Darmkrebs zählt in Deutschland zu den häufigsten Krebsarten. Da das Risiko für diese Krebsart mit dem Alter steigt, ist eine Darmspiegelung zur Krebsvorsorge vor allem für ältere Menschen empfehlenswert. In Deutschland haben gesetzlich versicherte Männer ab 50 Jahren und Frauen ab von 55 Jahren Anspruch auf eine Koloskopie. Die Kosten werden für sie vollständig von der Krankenkasse übernommen.

Lesetipp: Darmkrebs-Früherkennung: Für wen sie sinnvoll ist

Manchmal ist eine Darmspiegelung auch schon bei jüngeren Menschen notwendig – etwa zur Abklärung von Darmbeschwerden, die länger anhalten. Hat jemand beispielsweise regelmäßig Verdauungsprobleme wie Blähungen, Verstopfung und/oder Blut im Stuhl, kann eine Koloskopie dabei helfen, die Ursachen zu klären.

Übrigens: Da der Koloskopie-Schlauch weich und die eingebaute Kamera ebenso wie die Lichtquelle winzig ist, verursacht die Untersuchung meist keine Schmerzen. Sie kann sich aber unangenehm anfühlen. Daher bieten die meisten Ärzt*innen an, die Darmspiegelung unter Kurznarkose durchzuführen. Der*die Patient*in bekommt dann ein Beruhigungsmittel gespritzt, das ihn in einen kurzen Schlaf versetzt.

Vorbereitung der Darmspiegelung

Generell besteht die Vorbereitung der Darmspiegelung darin, dass der Darm komplett entleert wird. Das ist für eine erfolgreiche Koloskopie sehr wichtig: Nur wenn der Darm frei von Stuhl ist, besteht eine freie Sicht auf die Darmschleimhaut.

Wie die Darmentleerung genau abläuft, erfährt die zu untersuchende Person normalerweise im Rahmen eines Vorgespräches. In der Regel gestaltet sich die Vorbereitung auf die Darmspiegelung wie folgt:

  • Essen vor der Koloskopie: In den Tagen vor dem Abführen sollte nur noch leicht verdauliches, ballaststoffarmes Essen zu sich genommen werden. Je nachdem wann die Koloskopie am Folgetag stattfindet, sollte am Vortag die letzte feste Mahlzeit gegessen werden. Ein leichtes Frühstück ist in jedem Fall möglich. Ab nachmittags sollte nur noch Flüssigkeit aufgenommen werden. Auch am Tag der Darmspiegelung ist auf Essen zu verzichten. Trinken dürfen Betroffene auch noch am Tag der Untersuchung.
  • Abführen als Vorbereitung auf die Darmspiegelung: Am Nachmittag oder Abend vor der Untersuchung muss der Darm durch Einnahme von Abführmittel vollständig geleert werden. Wann dies erfolgen soll, teilt die Praxis, in der die Spiegelung durchgeführt wird, mit. Die Trinklösung zum Abführen besteht aus zwei bis drei Litern Flüssigkeit, am Vortag wird in der Regel der erste Liter getrunken. Bis zur Darmentleerung kann es nun ein paar Stunden dauern. Wie schnell die Wirkung des Abführmittels eintritt, hängt vom Präparat und von der Darmtätigkeit des Patienten ab. Wird der Stuhl flüssig, ist dies ein Zeichen dafür, dass das Mittel wirkt: Der vorübergehende Durchfall ist notwendig, um den Darm möglichst schnell zu entleeren. Ab der Einnahme des Abführmittels darf keine Nahrung mehr zugeführt werden, die Person sollte jedoch genügend trinken, um die Darmentleerung zu unterstützen. Am Abend oder am Morgen vor der Darmspiegelung nimmt der Patient eine weitere Dosis des Abführmittels ein. Der genaue Zeitpunkt der zweiten Einnahme hängt vom Zeitpunkt der Untersuchung ab. Nach der Einnahme muss der Patient erneut mindestens zwei Liter trinken. Am Ende der Darmreinigung sollte der Stuhl klar und hell sein. Wenn das nicht der Fall ist, sollte dies vor der Darmspiegelung mitgeteilt werden. Dann ist es bei Bedarf noch möglich, den Darm vor der Koloskopie mit einem Einlauf zu reinigen.
  • Angepasste Medikamenteneinnahme: Durch das Abführen kommt es auch zu einer schnelleren Ausscheidung eingenommener Medikamente. Die Wirkstoffe werden möglicherweise nicht schnell genug vom Körper aufgenommen. Diese Information ist zum Beispiel bei Einnahme der Antibabypille wichtig und sollte vorher ärztlich abgeklärt werden. Eventuell müssen blutverdünnende Mittel bereits eine Woche vorher als Vorbereitung auf die Darmspiegelung abgesetzt werden. Auch dies gilt es abzuklären.
     

Was darf man vor einer Darmspiegelung essen und trinken?

Damit die Darmentleerung rechtzeitig bis zur Darmspiegelung abgeschlossen ist, sollte möglichst schon einige Tage vor der Untersuchung auf schwer verdauliche Nahrungsmittel verzichtet und auf leichte Kost umgestiegen werden:

  • Empfehlenswert sind zum Beispiel Weißbrot, Weizenbrötchen, Käse, Margarine, Cornflakes, Butter, Honig, geschältes Obst wie Apfel, Birne Banane aber auch Milchprodukte wie Quark und Joghurt. Ebenso dürfen ein magerer Wurstaufschnitt, Kartoffeln, Nudeln, weißer Reis, Fisch, mageres Fleisch oder Möhren auf den Speiseplan stehen.
  • Meiden sollte die Person alles, was Körner oder Kerne enthält oder reich an Ballaststoffen ist. Dazu zählen etwa Vollkornprodukte, Müsli, Salat, kernhaltiges Obst wie Trauben und Gemüse wie Gurke. Diese Lebensmittel können die Darmentleerung verzögern.

Am Tag vor der Untersuchung darf ab Einnahme des Abführmittels keine feste Nahrung mehr gegessen werden. Stattdessen sollte die*der Betroffene ausreichend klare Flüssigkeit trinken.

  • Optimal sind Wasser, Brühe, Apfelsaft, Tee oder Limonade.
  • Nicht erlaubt sind dunkle oder rote Säfte, dickflüssige Suppen, Rahmsuppen, Säfte mit Fruchtfleisch, Smoothies und andere trübe Flüssigkeiten wie Milch.

Ablauf der Darmspiegelung

Vor der Darmspiegelung kann ein Beruhigungsmittel verabreicht werden. Dieses bewirkt, dass die Person für die Dauer der Untersuchung schläft und diese nicht bewusst miterlebt. Während der Untersuchung liegt die zu untersuchende Person auf der Seite.

Die Darmspiegelung läuft wie folgt ab:

  • Das Koloskop wird in den After eingeführt.
  • Dann wird es behutsam durch den kompletten Dickdarm bis zum Dünndar geschoben.
  • Ist der*die Ärzt*in mit dem Koloskop im untersten Abschnitt des Dünndarms angelangt, beginnt er*sie, es langsam wieder zurückzuziehen.
  • Sowohl beim Vorschieben als auch beim Zurückziehen des Schlauchs, ist auf dem Monitor das Innere des Darms zu sehen. In der Regel erfolgt die Beurteilung der Darmschleimhaut aber, während dem Zurückziehen des Schlauchs.
  • Um die Darmschleimhaut besser betrachten zu können, wird während der Untersuchung ein wenig Luft oder Kohlendioxid in den Darm gepumpt, damit sich die Darmwand weitet.
  • Entdeckt der*die Ärzt*in während der Darmspiegelungen Veränderungen in der Darmschleimhaut, betrachtet er*sie diese genauer. Da das Koloskop zusätzlich mit winzigen Zangen oder Schlingen ausgestattet ist, können Proben aus verdächtig aussehenden Stellen entnommen (sog. Biopsie) oder Darmpolypen entfernt werden. Zu einer Analyse der Gewebsproben kommt es anschließend im Labor.

Insgesamt beträgt die Dauer der Darmspiegelung etwa 15 bis 45 Minuten.

Mögliche Nachwirkungen der Untersuchung

Wurde die Untersuchung unter einer Kurznarkose durchgeführt, ist es möglich, dass nach dem Aufwachen leichte Schwindelgefühle oder Herz-Kreislauf-Probleme verspürt werden. Auch vermindert das Beruhigungsmittel die Konzentrations- und die Reaktionsfähigkeit für einige Stunden. Die Person darf daher für den restlichen Tag nicht Auto fahren oder andere Tätigkeiten ausführen, die eine erhöhte Aufmerksamkeit verlangen (z.B. Maschinen bedienen).

Die Luft, die während der Behandlung in den Darm gepumpt wurde, entweicht auf natürlichem Wege. In der Regel dauern die leichten Blähungen nicht länger als ein paar Stunden an. Die Luft im Bauch kann auch leichte Bauchschmerzen hervorrufen.

Anhaltende oder schwere Beschwerden verursacht eine Darmspiegelung normalerweise nicht. Auch kann der Patient nach der Untersuchung wieder alles essen, was er möchte.

Wenn im Anschluss an die Darmspiegelung Beschwerden wie Fieber, Schmerzen oder Blutungen auftreten, sollten diese sofort ärztliche abgeklärt werden.

Anwendungsgebiete der Darmspiegelung

Die Darmspiegelung dient dazu, den Darm von innen zu untersuchen. Das kann beispielsweise erforderlich sein, um die Ursache von Darmbeschwerden zu klären. Anzeichen wie Blut im Stuhl, Bauchkrämpfe, lang anhaltende Durchfälle oder andere Verdauungsprobleme, können Hinweise für eine Darmerkrankung sein. Im besten Fall findet der*die Ärzt*in bei der Darmspiegelung heraus, ob tatsächlich eine Darmerkrankung hinter den Symptomen steckt – und wenn ja, welche.

Wird zum Beispiel eine Darmentzündung festgestellt, kann dies ein Hinweis auf einen Infekt oder eine chronisch entzündliche Darmerkrankung (wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa) sein.

Ab wann wird die Darmspiegelung zur Krebsvorsorge angewendet?

Die Krebsvorsorge ist ein weiteres wichtiges Anwendungsgebiet der Koloskopie. Ab einem Alter von 50 (Männer) beziehungsweise 55 Jahren (Frauen) hat jeder Anspruch auf die Untersuchung zur Früherkennung von Darmkrebs. Die Koloskopie kann Darmkrebs sogar oftmals verhindern: Zeigen sich bei der Spiegelung Darmpolypen, werden diese in der Regel sofort entfernt, bevor daraus Krebs entstehen kann.

Übrigens: Auch andere kleine Eingriffe sind möglich: Etwa kann eine Darmspiegelung nötig sein, um Fremdkörper aus dem Darm zu entfernen oder um Blutungen zu stillen.

Darmspiegelung: Was sind mögliche Komplikationen?

Welche Risiken eine Darmspiegelung birgt, werden im Vorgespräch geklärt. Im Allgemeinen ist die Darmspiegelung eine risikoarme Untersuchung: Nur bei zwei von 1000 Untersuchten treten Komplikationen auf.

Möglich sind etwa

  • Blutungen: Sie entstehen meist, bei der Entnahme von Darmpolypen aus der Darmwand und lassen sich in der Regel schnell stillen.
  • tiefergehende Verletzungen der Darmwand durch das Koloskop (sogenannte Darmperforation): Wenn die Darmwand Löcher oder Risse aufweist, kann Darminhalt in den Bauchraum gelangen. Da dies zu lebensbedrohliche Entzündungen führen kann, muss eine Darmperforation sofort operiert werden. Zu dieser Komplikation kommt es jedoch nur bei weniger als einer von 1000 Darmspiegelungen.

Um keine unnötigen Risiken einzugehen, kommt die Darmspiegelung nicht zum Einsatz, wenn der Darm akut und schwer entzündet ist.