Eine Frau sitzt auf dem Sofa und hat die Arme über den Bauch gelegt.
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Giardien-Infektion (Lamblien-Infektion)

Eine Giardien-Infektion (Lamblien-Infektion) macht sich vor allem durch Durchfall bemerkbar. Viele Betroffene stecken sich auf Reisen in warme Länder an. Um sich davor zu schützen, ist besonders Hygiene wichtig. Welche Symptome können noch auftreten und welche Behandlung hilft?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Giardien-Infektion

Giardien – früher Lamblien genannt – sind einzellige Parasiten. Eine Infektion mit einem ihrer Vertreter, dem Dünndarmparasiten namens Giardia lamblia, kann beim Menschen eine Erkrankung des Dünndarms auslösen: die Giardiasis (bzw. Lambliasis).

Eine weitere Bezeichnung für die Giardiasis lautet Lamblienruhr. Unter dem Begriff Ruhr versteht man allgemein Infektionskrankheiten des Darms. Und auch der ursächliche Parasit Giardia lamblia ist unter weiteren Namen bekannt:

  • Giardia duodenalis,
  • Giardia intestinalis bzw.
  • Lamblia intestinalis.

Die bei Menschen vorkommenden Giardien können auch Tiere (wie Hund, Katze, Rind) infizieren und krank machen. Darum gehört die Giardien-Infektion zu den Zoonosen: Eine Zoonose ist eine zwischen Tier und Mensch übertragbare Krankheit.

Giardien-Infektion: Ursachen

Erreger

Die Giardien-Infektion (Lamblien-Infektion) kommt weltweit vor. Ihr Erreger, Giardia lamblia, durchläuft in seiner Entwicklung verschiedene Stadien. Dabei tritt er in folgenden Formen auf:

  • Der Trophozoit ist die aktive Form der Giardien. Er ist birnenförmig, abgeflacht und hat vier Geißelpaare, mit denen er sich fortbewegt. Er lebt im Dünndarm, wo er sich mit einer Saugscheibe an die Oberfläche der Dünndarmschleimhaut heftet, sich vermehrt und so die Erkrankung namens Giardiasis verursacht.
  • Die Zyste bildet die Dauerform der Giardien. Sie hat einen ovalen Körper mit kurzen Geißeln. Im Zystenstadium findet die Infektion mit dem Erreger statt.

Übertragung

Die Giardien-Infektion verbreitet sich durch fäkal-orale Übertragung: Infizierte Menschen oder Tiere scheiden die Parasiten als Zysten mit dem Stuhl aus. Ohne Behandlung kann diese Ausscheidung monatelang dauern. Zur Ansteckung kommt es, wenn jemand die aus dem Stuhl (fäkal) stammenden Giardien über den Mund (oral) aufnimmt.

Vor allem mangelnde hygienische Verhältnisse sind die Ursache der Giardien-Infektion: Die Übertragung passiert meist über infiziertes Trinkwasser oder verseuchte Nahrungsmittel. Die mit dem Stuhl ausgeschiedenen Erreger können beispielsweise in Gewässer oder auf pflanzliche Nahrungsmittel gelangen. Nicht ausreichend aufbereitetes Trinkwasser oder verunreinigte Lebensmittel können dann zur Ansteckung führen.

Vor allem Kinder können auch durch eine Schmierinfektion erkranken (also durch direkte Übertragung des zystenhaltigen Stuhls von Mensch oder verseuchten Gegenständen zu Mensch). Außerdem können Fliegen eine Giardien-Infektion verbreiten. Das Blut von Infizierten ist hingegen nicht ansteckend.

Entsprechend haben folgende Personen ein erhöhtes Risiko für eine Giardien-Infektion:

  • Rucksacktouristen, Wanderer und Camper, die eventuell verseuchtes Wasser trinken oder grundlegende Hygieneregeln (z.B. Händewaschen) nicht befolgen
  • Menschen, die in Gewässern schwimmen und dabei eventuell Wasser schlucken
  • Fernreisende (bei Reisen in wärmere Länder)
  • Kinder in Kinderbetreuungseinrichtungen, v.a. solange sie noch Windeln tragen
  • Menschen mit engem Kontakt zu Infizierten (z.B. weil sie im gleichen Haushalt leben oder Infizierte betreuen)
  • Menschen, die Trinkwasser oder Eiswürfel aus Quellen verwenden, die mit Giardien verseucht sein könnten (z.B. nicht abgekochtes oder unzureichend aufbereitetes Wasser aus Seen, Bächen oder Brunnen)
  • Menschen, die durch sexuelle Kontakte mit menschlichem Stuhl in Berührung kommen

Um eine Giardiasis zu entwickeln, muss ein Mensch mindestens zehn infektiöse Zysten aufnehmen. Die Magensäure ist eine wichtige Abwehrbarriere gegen eine Giardien-Infektion. Die Zysten, die es schaffen, durch den Magen in den Darm zu gelangen, wandeln sich im oberen Dünndarm nach etwa sieben Tagen in die aktive Giardien-Form um: Diese Trophozoiten vermehren sich und verursachen Beschwerden. Etwa drei bis vier Wochen nach der Ansteckung sind im unteren Dünndarm die ersten neu gebildeten Zysten nachweisbar.

Inkubationszeit

Bei der Giardien-Infektion beträgt die Inkubationszeit – also die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Giardiasis – durchschnittlich 7 bis 10 Tage. Es kann aber auch nur 3 oder bis zu 25 Tage dauern, bis erste Beschwerden auftreten.

Häufigkeit

Zwar kommt die Giardien-Infektion beim Menschen weltweit vor, jedoch ist sie in warmen Ländern häufiger als in gemäßigten Klimazonen. Die Verbreitung der Darminfektion hängt in hohem Maß von den hygienischen Verhältnissen in einer Gesellschaft ab:

  • Lamblien sind dort besonders häufig, wo viele Menschen in beengten Verhältnissen zusammenleben und
  • die sanitären Einrichtungen, die Beseitigung der Fäkalien sowie die Trinkwasseraufbereitung mangelhaft organisiert sind.
  • Warmes Klima begünstigt die Verbreitung der Parasiten zusätzlich.

In Deutschland ist die Zahl gemeldeter Giardien-Infektionen seit 2011 stetig gesunken. Im Jahr 2019 gab es hierzulande 3.296 Fälle, wobei sich über die Hälfte der Betroffenen auf einer Auslandsreise angesteckt hat (z.B. in Indien, Spanien, Thailand, Kolumbien, Italien und der Türkei). Am häufigsten waren Kinder im Alter von zwei Jahren betroffen.

Giardien-Infektion: Symptome

Die für eine akute Giardien-Infektion (Lamblien-Infektion) beim Menschen typischen Symptome sind:

Bei einer schweren Giardien-Infektion können Symptome einer Mangelernährung auftreten, weil der Körper dann bestimmte Substanzen (wie z.B. Vitamin A, Vitamin B12 oder Fett) nur noch unzureichend aus der Nahrung aufnimmt. In solchen Fällen können Fettstühle entstehen. Außerdem kann der Körper infolge des Befalls mit Giardia lamblia Eiweiße über den Darm verlieren. Bemerkbar macht sich die Mangelernährung in erster Linie durch Gewichtsverlust.

In der Regel bleibt die Giardien-Infektion auf den Dünndarm beschränkt. Unter Umständen können die Parasiten aber über den Gallengang, der in den oberen Dünndarm mündet, bis in die Gallenblase gelangen: Das passiert vor allem, wenn der Befall mit Giardia lamblia massiv ist oder das Immunsystem geschwächt ist. Entzünden sich dadurch die Gallenwege oder die Bauchspeicheldrüse, hat das krampfartige Beschwerden im Oberbauch zur Folge.

Doch nicht jeder mit Giardien infizierte Mensch entwickelt zwangsläufig Symptome: Die Infektion kann auch unauffällig verlaufen.

Giardien-Infektion: Diagnose

Der Verdacht auf eine Giardien-Infektion (Lamblien-Infektion) ergibt sich vor allem dann, wenn nach einer Reise in tropische Gebiete Beschwerden einer Darmerkrankung auftreten. Um eine Giardiasis zu diagnostizieren, muss der Arzt den Erreger Giardia lamblia im Dünndarm nachweisen.

Meistens reicht bei einer Giardien-Infektion eine Stuhluntersuchung zur Diagnose aus. Dabei sind verschiedene Methoden geeignet, um einen Befall mit dem Darmparasiten festzustellen:

  • Unter dem Mikroskop kann man den Stuhl auf Trophozoiten oder Zysten von Giardia lamblia untersuchen.
  • Mit speziellen Tests kann man den Stuhl auch auf Bestandteile von Giardia lamblia – Antigene oder Teile des Erbmaterials (Nukleinsäuren) – untersuchen.

Wer eine Giardien-Infektion hat, scheidet jedoch nicht stetig Zysten aus. Um ein sicheres Testergebnis zu erzielen, ist es daher notwendig, mehrere Stuhlproben von verschiedenen Tagen zu untersuchen. Die jeweiligen Stuhlproben müssen unbedingt frisch sein und ohne zeitliche Verzögerung untersucht werden.

Wenn alle Anzeichen für eine Giardien-Infektion sprechen, im Stuhl aber keine Erreger nachweisbar sind, empfiehlt es sich, eine Sekret- oder Schleimhautprobe aus dem Dünndarm zu untersuchen. Dies kann einfach im Rahmen einer Magenspiegelung erfolgen.

Giardien-Infektion: Behandlung

Um eine Giardien-Infektion (Lamblien-Infektion) zu behandeln, sind verschiedene Medikamente geeignet – zum Beispiel:

Die Mittel wirken ursächlich gegen die Giardien-Infektion – das heißt, sie können die Parasiten im Dünndarm abtöten. Das gilt für beide Entwicklungsstadien von Giardia lamblia – also sowohl für die Zysten als auch für die Trophozoiten.

Wenn die Giardien-Infektion mit ausgeprägtem Durchfall und Erbrechen einhergeht, kann es außerdem nötig sein, die Flüssigkeits- und Elektrolytverluste auszugleichen.

Wo die Giardien-Infektion weit verbreitet ist (z.B. in Slumgebieten in den Tropen), ist es oft üblich, nur diejenigen zu behandeln, die eine ausgeprägte Giardiasis entwickeln. Doch wenn Sie nachweislich mit Giardien infiziert sind, ist eine Behandlung auf jeden Fall ratsam – auch wenn Sie keine Beschwerden haben: Nur so lässt sich die Weiterverbreitung der Erreger verhindern. Denn unbehandelte Infizierte können monatelang Lamblien mit dem Stuhl ausscheiden und so andere Menschen anstecken.

Giardien-Infektion: Verlauf

Die Giardien-Infektion (Lamblien-Infektion) beim Menschen hat meist eine gute Prognose. In manchen Fällen verläuft eine Infektion mit Giardia lamblia sogar völlig unbemerkt.

Verursacht die Giardien-Infektion akute Beschwerden, klingen diese in der Regel nach zwei bis drei Wochen ab. Doch anschließend können die Erreger noch monatelang unregelmäßig weiche Stühle sowie verstärkt Blähungen auslösen. Ohne Behandlung kann die Lamblien-Infektion nach einigen Monaten von selbst verschwinden, aber auch über Jahre bestehen bleiben.

Komplikationen

Das Risiko, dass eine Giardien-Infektion eine heftigere Erkrankung mit Komplikationen verursacht, besteht vor allem bei Kindern, älteren Menschen und solchen mit einer Immunschwäche.

Bei Kindern kann eine schwere Giardien-Infektion im weiteren Verlauf das Wachstum verzögern. Der Grund hierfür ist, dass der Körper wegen der Lamblien-Infektion nur noch eingeschränkt Nährstoffe über den Darm aufnehmen kann.

Giardien-Infektion: Vorbeugen

Sie können einer Giardien-Infektion (Lamblien-Infektion) vorbeugen, indem Sie allgemeine hygienische Maßnahmen einhalten und vor allem in Gegenden mit besonders hoher Infektionsrate (z.B. in den Tropen) Vorsicht im Umgang mit Nahrungsmitteln und Wasser walten lassen.

Die wichtigsten Tipps zum Schutz vor einer Giardien-Infektion lauten:

  • Waschen Sie sich regelmäßig und gründlich die Hände – vor allem nach jedem Toilettengang und vor dem Essen, aber auch beispielsweise nach einem Windelwechsel oder nach Kontakt mit Tieren.
  • Verzichten Sie in Risikogebieten darauf, Salate, rohes Gemüse oder ungeschältes Obst zu verzehren.
  • Trinken Sie in Risikogebieten nur gekochtes, gefiltertes oder chemisch aufbereitetes Wasser (trinken Sie v.a. nicht aus Flüssen, Seen usw.) und verzichten Sie auf Eiswürfel.
  • Gehen Sie nicht in möglicherweise verseuchten Gewässern oder Swimming-Pools schwimmen – Sie könnten Wasser verschlucken.
  • Verwenden Sie bei sexuellen Handlungen – vor allem bei Analverkehr – ein Kondom und waschen Sie sich anschließend die Hände.

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Meldepflicht

Bei einer Giardien-Infektion des Menschen besteht eine Meldepflicht: Nach § 7, Abschnitt 1 des Infektionsschutzgesetzes ist der direkte und indirekte Nachweis von Lamblien meldepflichtig.

Hinweis für Eltern: Wenn sich Kinder unter sechs Jahren mit Giardia lamblia infizieren, dürfen sie erst dann wieder Kitas und andere Gemeinschaftseinrichtungen besuchen, wenn ein Arzt sie nicht mehr für ansteckend hält.