Ein älterer Mann sitzt in einem Park auf einer Bank.
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Darmpolypen

Darmpolypen sind meistens harmlos. Aus manchen kann sich jedoch Darmkrebs entwickeln. Daher ist es wichtig, Polypen im Darm rechtzeitig zu entfernen. Wir erklären, wie das geht und ob man ihnen vorbeugen kann.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Darmpolypen

Was sind Polypen?

Polypen sind Schleimhautvorwölbung in den Hohlraum von Hohlorganen (wie z.B. Magen, Darm, Gallenblase, Nasennebenhöhle oder Harnröhre).

Dementsprechend sind Darmpolypen Wucherungen in der Darmschleimhaut, die in den Darm hineinragen.

Darmpolypen können ...

  • ... wenige Millimeter bis zu mehrere Zentimeter groß werden.
  • ... unterschiedlich geformt sein (manche bilden z.B. nur flache Erhebungen, andere kleine Knubbel oder pilzförmig gestielte Geschwulste).
  • ... einzeln oder in großer Zahl auftreten.

Anhand ihres Gewebes unterscheidet man bei Darmpolypen verschiedene Arten. Die meisten Polypen im Darm sind Adenome: Das sind langsam wachsende Wucherungen, die vom Drüsengewebe der Schleimhaut ausgehen.

Die Mehrzahl der Darmpolypen ist gutartig. Doch auch ein gutartiger Polyp kann sich mit der Zeit – oft erst nach Jahren – zu einer bösartigen Geschwulst (Karzinom) entwickeln: Mediziner bezeichnen dies als Entartung.

Manche Darmpolypen gelten daher als mögliche Vorstufe von Darmkrebs.

Häufigkeit

In Deutschland sind Darmpolypen häufiger als alle anderen gutartigen Geschwulste – ihr Anteil beträgt über 90 Prozent. Die Häufigkeit von Polypen im Darm nimmt mit steigendem Alter zu:

  • Bei den über 60-Jährigen haben rund 30 % Darmpolypen,
  • bei den über 70-Jährigen sind es schon 40 %.
  • Männer sind insgesamt öfter betroffen als Frauen.

In vielen Teilen der Erde außerhalb von Westeuropa und den USA kommen Darmpolypen hingegen sehr selten vor.

Darmpolypen: Ursachen

Darmpolypen können verschiedene Ursachen haben. So kann die eigene Lebensweise das Auftreten von Polypen im Darm fördern. Vor allem die folgenden Faktoren tragen zu den Wucherungen bei:

  • falsche Ernährung (d.h. zu viel tierisches Fett, zu wenig Ballaststoffe)
  • Rauchen
  • Alkohol
  • Bewegungsmangel
  • Übergewicht (v.a. Stammfettsucht)

Weitere Faktoren, die das Auftreten von Darmpolypen begünstigen, sind:

  • höheres Lebensalter
  • familiäre Veranlagung

Zudem treten Darmpolypen im Rahmen verschiedener seltener Erbkrankheiten vermehrt auf. Darum sind diese Krankheiten mit einem teilweise erheblich gesteigerten Darmkrebsrisiko verbunden. Zu diesen Krankheiten gehören:

  • die familiäre adenomatöse Polyposis (FAP),
  • das Gardner-Syndrom,
  • das Peutz-Jeghers-Syndrom,
  • das Cowden-Syndrom und
  • das Turcot-Syndrom.

Familiäre adenomatöse Polyposis

Wenn jemand schon früh viele Darmpolypen hat, kann die familiäre adenomatöse Polyposis (FAP) dahinterstecken: Diese Erbkrankheit ist durch ein vermehrtes Auftreten von Polypen im Dickdarm gekennzeichnet. Ursache ist ein Schaden an einem Träger der Erbanlage (Gendefekt).

Die familiäre adenomatöse Polyposis wird autosomal-dominant vererbt. Das bedeutet: Die Kinder eines betroffenen Elternteils haben ein 50-prozentiges Risiko, dieselbe Krankheit zu bekommen, sofern der andere Elternteil gesund ist. Allerdings ist bei etwa einem Drittel der Betroffenen kein eindeutiger Erbgang nachweisbar, sodass der Gendefekt von selbst neu entstanden sein muss.

Menschen mit familiärer adenomatöser Polyposis haben schon als Jugendliche viele Polypen im Darm. Da die zunächst gutartigen Darmpolypen bösartig werden können, bedeutet diese Erbkrankheit ein 100-prozentiges Risiko, Darmkrebs zu entwickeln. Hinter etwa 1 Prozent aller Karzinome im Enddarm steckt die familiäre adenomatöse Polyposis.

Gardner-Syndrom

Auch beim Gardner-Syndrom bilden sich im Dickdarm zahlreiche Darmpolypen. Ursache ist ein ähnlicher Gendefekt wie bei der familiären adenomatösen Polyposis.

Neben den Darmpolypen treten beim Gardner-Syndrom weitere gutartige Tumoren auf – beispielsweise in den Knochen (Osteome), im Fettgewebe (Lipome) und Bindegewebe (Fibrome) sowie Zysten der Talgdrüsen.

Die zunächst gutartigen Darmpolypen können ebenfalls bösartig werden: Für Menschen mit Gardner-Syndrom beträgt das Risiko für Darmkrebs 100 Prozent.

Peutz-Jeghers-Syndrom

Zahlreiche Darmpolypen sind zudem typisch für das Peutz-Jeghers-Syndrom. Diese Erbkrankheit verursacht jedoch nicht nur im Darm viele Polypen, sondern auch im Magen. Außerdem ist das Peutz-Jeghers-Syndrom gekennzeichnet durch braune Pigmentflecken im Gesicht, an Armen, Beinen und der Mundschleimhaut.

Beim Peutz-Jeghers-Syndrom ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Darmpolypen bösartig werden, zwar auch deutlich erhöht. Das Risiko für Darmkrebs liegt aber unter 100 Prozent.

Cowden-Syndrom

Eine weitere mögliche erbliche Ursache für Darmpolypen und Magenpolypen ist das Cowden-Syndrom. Bei dieser Erbkrankheit kommt es – neben den vielen Polypen in Magen und Darm – gehäuft zu Brustkrebs und Schilddrüsenkrebs. Das Darmkrebsrisiko ist beim Cowden-Syndrom ebenfalls erhöht.

Turcot-Syndrom

Wenn Darmpolypen erbliche Ursachen haben, kann außerdem das Turcot-Syndrom dahinterstecken. Diese Erbkrankheit führt neben den Polypen im Darm und erhöhtem Darmkrebsrisiko typischerweise zu Hirntumoren.

Darmpolypen: Symptome

Die meisten Darmpolypen verursachen keine Symptome – mit zunehmender Größe kann sich dies jedoch ändern.

Größere Polypen im Darm rufen eher Symptome hervor. Mögliche Beschwerden sind:

Darmpolypen: Diagnose

Darmpolypen sind meistens Zufallsbefunde bei einer Darmspiegelung: Bei dieser Untersuchung kann der Arzt Polypen im Darm nicht nur sicher feststellen, sondern gleichzeitig auch entfernen. Eine mikroskopische Untersuchung des entnommenen Gewebes bringt dann Gewissheit darüber, ob die Darmpolypen gut- oder bösartig sind.

Außerdem lässt sich durch eine Darmspiegelung klären, ob eine andere Störung – wie beispielsweise eine entzündliche Darmerkrankung – vorliegt.

Ist eine Erbkrankheit (z.B. familiäre adenomatöse Polyposis, Gardner-Syndrom oder Peutz-Jeghers-Syndrom) für die Entstehung der Darmpolypen verantwortlich, sind regelmäßige Darmspiegelungen unumgänglich, denn: Diese Erbkrankheiten bedeuten ein deutlich erhöhtes Darmkrebsrisiko.

Darmpolypen: Therapie

Bei allen Darmpolypen besteht die Therapie grundsätzlich darin, die Polypen zu entfernen (sog. Polypektomie) und mikroskopisch zu untersuchen. Der Grund: Die Wucherungen sind zwar zunächst gutartig, können aber während des Wachstums bösartig werden. Das gilt besonders für Polypen im Darm, die größer als fünf Millimeter sind.

In der Regel ist es direkt bei der Diagnose möglich, die Darmpolypen ambulant zu entfernen: Das bei der Darmspiegelung eingesetzte Endoskop besitzt einen Arbeitskanal, über den man Polypen im Darm mit einer kleinen Zange oder Schlinge umfassen und an der Basis abtragen kann. Bis zu fünf Millimeter große Darmpolypen entfernt der Arzt in der Regel vollständig mit einer Zange, größere Polypen mit einer Schlinge.

Meist verursacht diese endoskopische Entfernung der Darmpolypen keinerlei Schmerzen.

Wenn Darmpolypen sehr groß sind (mit mehr als 3 bis 5 cm Durchmesser) oder in großer Zahl auftreten, kann man sie allerdings nicht immer ambulant mit einem Endoskop entfernen. In dem Fall ist eine Operation nötig.

Darmpolypen: Verlauf

Prognose

Darmpolypen können im weiteren Verlauf zu einer bösartigen Geschwulst (Karzinom) werden. Das Risiko für eine solche Entartung steigt unter anderem mit

  • der Größe der Polypen (<15 mm: 2 %; >35 mm: 75 %),
  • der Anzahl Polypen (≥3) und
  • dem Lebensalter der Betroffenen.

Die Prognose ist daher umso günstiger, je früher es gelingt, Polypen im Darm zu entdecken und zu entfernen. Wenn man Darmpolypen entfernt, ist allerdings (mit einer Wahrscheinlichkeit von 30 bis 50 %) damit zu rechnen, dass sie später erneut auftreten.

Komplikationen

Kleine Darmpolypen bereiten nur selten Probleme. Das kann sich jedoch im Verlauf ihres Wachstums ändern: Denn ab einer gewissen Größe kann ein Darmpolyp den Darm stark einengen. Da die Stuhlpassage dann erheblich behindert ist, kann es zum Darmverschluss kommen. Eine weitere Komplikation kann auftreten, wenn Polypen im Darm bluten: Denn ein ständiger Blutverlust kann zu einer Blutarmut (Anämie) führen.

Darmpolypen: Vorbeugen

Sie möchten Darmpolypen vorbeugen? Mit folgenden Tipps können Sie Ihr Risiko für die Entstehung von Polypen im Darm und somit Ihr Darmkrebsrisiko zumindest verringern:

  • Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung: Essen Sie viel Obst und Gemüse und viele Ballaststoffe, aber wenig durchgegartes rotes Fleisch (wie Rinder-, Schweine- und Lammfleisch), Speck oder Würstchen.
  • Verzichten Sie aufs Rauchen und auf übermäßigen Alkoholkonsum.
  • Treiben Sie regelmäßig Sport: Schon eine halbe bis eine Stunde maßvoller körperlicher Aktivität täglich reichen aus, um das Risiko für Darmkrebs zu senken.
  • Vermeiden Sie Übergewicht.

Mit 100-prozentiger Sicherheit lässt sich die Bildung von Darmpolypen aber nicht verhindern. Um Darmkrebs vorzubeugen, ist es wichtig, solche Polypen im Darm frühzeitig zu entdecken und zu entfernen.

Darum ist es ratsam, die empfohlenen und von den gesetzlichen Krankenkassen gezahlten Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen. Dazu zählt ab dem Alter von 50 Jahren ein jährlicher Stuhltest, ab dem Alter von 55 eine Darmspiegelung (oder alternativ weiterhin Stuhltests im Abstand von zwei Jahren). Außerdem ist es hilfreich, Beschwerden – wie beispielsweise Stuhlunregelmäßigkeiten, Blut oder Schleim im Stuhl – immer abklären zu lassen.

Wenn man bei Ihnen bereits Darmpolypen entfernt hat, sind in regelmäßigen Abständen weitere Darmspiegelungen zur Kontrolle empfehlenswert. Größe, Form und Anzahl der Polypen im Darm sowie das Vorhandensein von atypischen Zellen ermöglichen es, das individuelle Rückfall- und Entartungsrisiko abzuschätzen und die Abstände der Kontrolluntersuchungen entsprechend anzupassen.