Ein Arzt hält einer Seniorin die Hand.
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Darmkrebs (Kolonkarzinom und Rektumkarzinom)

Zu Beginn bereitet Darmkrebs oft keine Symptome. Erste mögliche Anzeichen sind Blut im Stuhl, Verdauungsprobleme und Veränderungen der Stuhlbeschaffenheit. Bei frühzeitiger Behandlung ist Darmkrebs in vielen Fällen heilbar. Je weiter der Krebs jedoch fortgeschritten ist, desto niedriger sind die Aussichten auf Heilung. Lesen Sie, wie Darmkrebs entsteht, welche Behandlung infrage kommt und wie Sie vorbeugen können.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Darmkrebs: Überblick

Ist von Darmkrebs die Rede, ist damit in der Regel Krebs im Dickdarm gemeint. Tumoren im Dünndarm oder im Analbereich kommen wesentlich seltener vor als Tumoren im Dickdarm, zudem werden sie anders behandelt.

Je nachdem, welcher Abschnitt des Dickdarms von Krebs befallen ist, unterscheiden Ärzte zwischen

  • einem Rektumkarzinom und einem
  • Kolonkarzinom.

Beim Rektumkarzinom befindet sich der Tumor im letzten Abschnitt des Dickdarms, im Mastdarm (Rektum). Von einem Kolonkarzinom sprechen Ärzte, wenn der Krebs höhere Darmabschnitte befallen hat. Rektumkarzinom und Kolonkarzinom werden unter dem Begriff kolorektales Karzinom zusammengefasst. Das kolorektale Karzinom bildet sich vornehmlich im Bereich des unteren Dickdarmabschnitts.

Wie häufig ist Darmkrebs?

2016 erkrankten in Deutschland rund 32.300 Männer und 25.990 Frauen an Darmkrebs. Damit ist Darmkrebs bei Männern die dritthäufigste Krebserkrankung – nach Prostata- und Lungenkrebs. Bei Frauen liegt Darmkrebs nach Brustkrebs auf Platz 2 der Krebserkrankungen.

Seit etwa 15 Jahren sinken die Erkrankungszahlen. Ein möglicher Grund: Viele Menschen nehmen mittlerweile die Möglichkeiten zur Früherkennung in Anspruch. Im Rahmen einer Darmspiegelung kann der Arzt bereits Vorstufen (Dysplasien) von Krebs erkennen und rechtzeitig entfernen.

In jungen Jahren kommt Darmkrebs selten vor. Etwa 10 von 100 Erkrankten sind bei der Diagnose jünger als 55 Jahre alt. Die meisten Betroffenen haben den Krebs nach dem 70. Lebensjahr entwickelt. Eine Frau ist im Durchschnitt bei der Diagnose 76 Jahre alt, ein Mann 72 Jahre.

Angebote zur Früherkennung nutzen

Schätzungen zufolge könnten 9 von 10 Darmkrebspatienten geheilt werden, wenn die Erkrankung frühzeitig erkannt wird. Daher ist es besonders wichtig, die Angebote zur Früherkennung wahrzunehmen.

Die zuverlässigste Untersuchungsmethode bei Verdacht auf Darmkrebs ist die Darmspiegelung.

Darmkrebs: Symptome

Gerade im frühen Stadium von Darmkrebs fehlen oft typische Symptome. Das Karzinom entwickelt sich häufig über viele Jahre hinweg, ohne dass die Betroffenen besondere Anzeichen bemerken.

Mögliche Symptome von Darmkrebs sind:

  • Blut im Stuhl, sichtbar oder verborgen (dann nur im Stuhltest nachweisbar)
  • Veränderung der Stuhlgewohnheiten, z. B.
  • Veränderungen der Stuhlbeschaffenheit über mehrere Wochen, z. B.
    • übelriechender Stuhlgang
    • schwarz oder sehr dunkel gefärbter Stuhl (dies kann ein möglicher Hinweis auf Blutspuren sein)
    • bleistiftdünner Stuhlgang
    • Schleimbeimengungen im Stuhl
  • Verdauungsprobleme, z. B.
    • laute/starke Darmgeräusche
    • starke Blähungen, die evtl. auch mit Schleim-, Blut- oder Stuhlverlust verbunden sind
    • wiederholt krampfartige Bauchschmerzen
  • unerklärliche Gewichtsabnahme
  • Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Blässe, Schwäche
  • Leistungsabfall

Beachten Sie: Solche Beschwerden können viele, auch harmlose Ursachen haben. Zur Sicherheit ist jedoch ein Besuch beim Arzt zu empfehlen. Dieser kann mithilfe verschiedener Untersuchungen erkennen, ob es sich um Darmkrebs handelt. Insbesondere bei Blut im Stuhl sollten Sie zeitnah einen Termin beim Arzt vereinbaren.

Darmkrebs: Ursachen

Die genauen Ursachen von Krebs im Bereich des Dickdarms (kolorektales Karzinom) sind noch nicht abschließend geklärt. Jedoch gibt es einige Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit für Darmkrebs erhöhen.

Ein kolorektales Karzinom entwickelt sich, wenn Zellen in der Schleimhaut des Dickdarms entarten und sich unkontrolliert teilen. Dieser Prozess kann durch verschiedene Einflüsse begünstigt werden. Mit höherem Alter entstehen zudem eher "Fehler" bei der Zellteilung, was das Risiko für eine Entartung erhöht.

Im Normalfall schafft es der Körper, bösartige veränderte Zellen zu erkennen und rechtzeitig zu beseitigen. Manchmal, insbesondere bei älteren Menschen, gelingt dies jedoch nicht. Die Folge: Die entarteten Zellen wachsen unkontrolliert weiter – ein Tumor entsteht.

Video: So entsteht Krebs

Darmpolypen können sich zu Darmkrebs entwickeln

Darmkrebs entsteht in der Regel nicht plötzlich, sondern entwickelt sich schleichend über Jahre hinweg. In den meisten Fällen geht Darmkrebs aus Darmpolypen hervor. Darmpolypen sind kleine, gutartige Vorwölbungen in der Darmschleimhaut. Sie können im Laufe der Zeit entarten und Krebszellen bilden. Wer Polypen hat, hat demnach ein erhöhtes Darmkrebs-Risiko. Auch wenn nahe Verwandte Polypen hatten oder haben, ist das eigene Darmkrebsrisiko erhöht.

Risikofaktoren

Zu den Risikofaktoren für Darmkrebs zählen vor allem:

  • Häufung von Darmkrebs in der Familie (sog. familiäres kolorektales Karzinom): Wenn Darmkrebs in manchen Familien gehäuft auftritt, aber nicht auf eine bestimmte Genveränderung zurückgeführt werden kann, sprechen Ärzte von einem familiären kolorektalen Karzinom. Das Darmkrebs-Risiko ist besonders dann erhöht, wenn Verwandte ersten Grades erkrankt sind/waren und wenn die betroffene(n) Person(en) bei Erkrankungsbeginn unter 50 Jahre alt war(en).
  • Eindeutige erbliche Ursachen: Bei etwa 10 % der Patienten lassen sich bestimmte Genveränderungen als Ursache für Darmkrebs nachweisen:
    • Vor allem das sog. hereditäre nicht-polypöse Kolonkarzinom (HNPCC, auch: Lynch-Syndrom) tritt in diesem Zusammenhang auf. Aufgrund einer Genveränderung entwickeln sich Polypen im Darm besonders rasch zu Darmkrebs.
    • Bei der sehr seltenen familiären adenomatösen Polyposis (FAP) bilden sich sehr viele Polypen, was unbehandelt im Laufe der Zeit fast immer zu Darmkrebs führt.
  • langjährige chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: Hierzu zählen vor allem Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn. Insbesondere, wenn diese Krankheiten schon über viele Jahre hinweg bestehen und wenn große Teile des Darms davon betroffen sind, ist das Risiko für einen Tumor erhöht. Meist treten Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn schon im Jugend- oder Kindesalter auf.

Das Darmkrebs-Risiko steigt außerdem durch:

  • Darmpolypen bei sich oder bei engen Familienmitgliedern
  • eine ungünstige Ernährung: wenig Ballaststoffe, viel Fett und Fleisch (insb. rotes Fleisch wie Rind, Schwein, Wild, Lamm)
  • starkes Übergewicht und Bewegungsmangel
  • Rauchen
  • hohen Alkoholkonsum

Darmkrebs erkennen

Die Darmspiegelung ist die sicherste Methode, um Darmkrebs im Bereich des Dickdarms (Kolonkarzinom und Rektumkarzinom) diagnostizieren oder ausschließen zu können. Bei Verdacht auf Darmkrebs wird der Arzt daher in der Regel immer eine Darmspiegelung vornehmen.

Im ersten Gespräch wird der Arzt zunächst weitere Informationen erfragen. So wird er zum Beispiel wissen wollen,

  • welche Symptome der Patient hat, z. B. Blut im Stuhl oder ein starker Gewichtsverlust,
  • ob enge Familienmitglieder an Darmkrebs (z. B. ein Elternteil) erkrankt sind/waren oder ob
  • der Patient schon einmal eine Darmspiegelung bekommen hat.

Anschließend wird der Arzt seinen Patienten körperlich untersuchen. Dabei wird er unter anderem den Bauch abtasten. Dickdarmkrebs bildet sich häufig im Enddarm (sog. Rektumkarzinom). Der Arzt kann bei der ersten Untersuchung mögliche Veränderungen im Enddarm durch eine schmerz- und risikolose Tastuntersuchung mit dem Finger entdecken. Etwas tiefere Regionen kann er mithilfe der Enddarmspiegelung (Rektoskopie) untersuchen. Normalerweise wird aber eine komplette Darmspiegelung durchgeführt.

Die Darmspiegelung bringt Gewissheit

Mit der Darmspiegelung (Koloskopie) ist es möglich, den gesamten Dickdarm von innen zu untersuchen. Dabei schiebt der Arzt einen biegsamen Schlauch durch den Darm. Am Ende des Schlauchs befindet sich eine kleine Kamera, die Bilder an einen Monitor überträgt. Während der Spiegelung kann der Arzt aus verdächtigen Bereichen Gewebeproben entnehmen (Biopsie) und anschließend unter dem Mikroskop untersuchen lassen. Auch kann er direkt kleine Polypen entfernen. Dies sind gutartige Vorwölbungen der Darmschleimhaut, aus denen sich im Laufe von Jahren Darmkrebs entwickeln kann.

Für eine Darmspiegelung ist normalerweise kein stationärer Aufenthalt notwendig. Sie können sie etwa in einer gastroenterologischen Praxis oder ambulant in einer Klinik durchführen lassen.

Der Darm muss vor der Darmspiegelung leer sein, damit der Arzt ihn möglichst gut betrachten kann. Daher dürfen Patienten einige Zeit vor der Untersuchung nichts essen. Zudem müssen sie vorher ein Abführmittel nehmen.

In der Regel dauert eine Darmspiegelung circa 15 bis 20 Minuten und ist ein komplikationsarmes Verfahren. Selten kann sie zu Blutungen oder Verletzungen der Darmwand führen. Wer Angst vor der Untersuchung hat, kann sich vorher ein Beruhigungsmittel geben lassen, sodass die Darmspiegelung "verschlafen" wird.

Virtuelle Darmspiegelung

Eine weitere Untersuchungsmethode ist die virtuelle Kolonographie. Dabei werden einzelne Darmabschnitte mithilfe einer Computertomographie oder einer Magnetresonanztomographie auf dem Computer dargestellt. Wie bei der herkömmlichen Darmspiegelung ist es bei der virtuellen Koloskopie notwendig, dass der Patient vor der Untersuchung seinen Darm mithilfe eines Abführmittels entleert.

Die virtuelle Kolonographie kann sinnvoll sein, wenn eine Darmspiegelung nicht möglich ist, zum Beispiel aufgrund von Verwachsungen im Bauchraum. Nach wie vor gilt die konservative Darmspiegelung jedoch als bestes Diagnosemittel, denn kleinere Polypen und Schleimhautveränderungen werden bei der virtuellen Kolonographie nicht so zuverlässig erkannt. Darüber hinaus ist es bei der Kolonographie nicht möglich, direkt Gewebeproben zu entnehmen und Polypen zu entfernen.

Nach der Diagnose: Weiterführende Untersuchungen

Hat sich der Verdacht auf Darmkrebs bestätigt, sind weitere Untersuchungen notwendig. Der Arzt wird die Größe und Ausbreitung des Tumors genau beurteilen wollen. Auch wird er untersuchen, ob Lymphknoten befallen sind und sich möglicherweise Tochtergeschwulste (Metastasen) in anderen Organen gebildet haben. Wenn sich bei Darmkrebs Metastasen bilden, dann häufig in der Leber oder in der Lunge.

Folgende Untersuchungen sind wichtig, um die Therapie zu planen:

  • Tumormarker: Bei einigen Patienten ist ein bestimmter Tumormarker im Blut erhöht: der sogenannte CEA-Wert (CEA = Carcinoembryonales Antigen). Der Wert kann dem Arzt zur Kontrolle dienen. Eine plötzlich erhöhte Konzentration im Vergleich zum Ausgangswert kann nach der Therapie beispielsweise auf einen Rückfall hinweisen. Als Suchmethode für einen Tumor ist der Marker jedoch nicht geeignet.
  • Ultraschall des Bauchs: Um zu ermitteln, ob sich Metastasen in der Leber befinden, führt der Arzt meist eine Ultraschalluntersuchung durch. Zusätzlich wird in der Regel eine Magnetresonanztomographie oder eine Computertomographie nötig.
  • Röntgenaufnahme des Brustraums: Das Röntgen ermöglicht es, eventuelle Tochtergeschwulste in der Lunge zu erkennen.
  • Untersuchung des Enddarms (digital-rektale Untersuchung): Wenn der Tumor sehr weit unten im Darm wächst, kann der Arzt durch die Tastuntersuchung oft abschätzen, inwieweit der Schließmuskel nach einer Operation noch intakt sein wird. Der Arzt tastet den Enddarm mit dem Finger ab. So erhält er Informationen über den Zustand des unteren Schließmuskels.

Bei Krebs im Enddarm sind zusätzliche Untersuchungen nötig:

  • eine sog. starre Rektoskopie: Der Arzt spiegelt den letzten Darmabschnitt mit einem starren, etwa 20 bis 30 Zentimeter langen Rohr (Rektoskopie). So kann er besser als bei der Darmspiegelung ermitteln, wo sich der Tumor genau befindet.
  • eine Magnetresonanztomographie oder eine Computertomographie: Mit dieser Untersuchung lässt sich beurteilen, wie sehr der Tumor in die Wand des Dickdarms eingewachsen ist.
  • eine Ultraschallaufnahme von innen (Endoskopie): Ist der Tumor noch klein und nicht in tiefe Schichten der Darmwand gewachsen, lässt er sich möglicherweise ohne eine aufwändige Operation abtragen. Um dies beurteilen zu können, führt der Arzt einen Ultraschallkopf in den Enddarm ein, der Bilder an einen Monitor sendet.

Stadieneinteilung

Mediziner teilen Dickdarmkrebs – also Kolonkarzinom und Rektumkarzinom – in unterschiedliche Stadien ein. Dabei orientieren sie sich an dem sogenannten TNM-System. Je weiter sich Darmkrebs ausgebreitet hat, desto höher ist auch das Stadium.

  • T wie "Tumor": Der Buchstabe T gibt an, wie sehr der Tumor in umliegendes Gewebe gewachsen ist. Je nachdem, wie ausgedehnt der Tumor ist, vergibt der Arzt bei der Diagnose die Bezeichnungen T1, T2, T3 oder T4.
  • N wie "Nodes" (= Lymphknoten): Der Buchstabe N gibt Auskunft darüber, ob Lymphknoten vom Krebs befallen sind. N0 heißt, dass keine Lymphknoten befallen sind, N1 bedeutet, dass ein bis drei benachbarte Lymphknoten befallen sind; sind vier oder mehr Lymphknoten betroffen, vergibt der Arzt die Bezeichnung N2.
  • M wie "Metastasen": Der Buchstabe M gibt an, ob Tochtergeschwulste (Metastasen) vorhanden sind. M1 bedeutet, dass Metastasen vorliegen, M0 heißt, dass Metastasen fehlen.

Eine weitere Stadieneinteilung für das Kolonkarzinom/Rektumkarzinom ist die der UICC (Union Internationale Contre le Cancer, UICC-Stadien). Stadium 0 der UICC bedeutet eine Vorstufe von Darmkrebs (Carcinoma in situ); beim UICC-Stadium IV ist der Krebs weit fortgeschritten und es liegen Tochtergeschwulste in anderen Organen vor (sog. Fernmetastasen).

Darmkrebs: Behandlung

Bei Darmkrebs im Bereich des Dickdarms (Rektumkarzinom, Kolonkarzinom) richtet sich die Behandlung insbesondere danach,

  • wie aggressiv der Tumor wächst,
  • wie sehr er sich in umliegende Gewebe ausgebreitet hat,
  • ob er bereits Lymphknoten befallen oder Tochtergeschwulste (Metastasen) gebildet hat und
  • wie der Allgemeinzustand der Person ist.

Die wichtigste Therapiemethode ist die Operation. Insbesondere im frühen Stadium ist Darmkrebs durch eine Operation heilbar.

Chemotherapie und Strahlentherapie kommen ebenfalls häufig zum Einsatz, manchmal auch in Kombination.

Operation

Die Operation hat bei der Therapie von Darmkrebs besonderes Gewicht. Der Chirurg versucht dabei, das Tumorgewebe samt der dazugehörigen Lymphknoten, Lymphabflüsse und versorgenden Blutgefäße möglichst vollständig zu entfernen. Gleichzeitig wird er die Bauchhöhle gründlich untersuchen und gegebenenfalls Tochtergeschwülste ausfindig machen.

Eine Operation kann auch sinnvoll sein, um Tochtergeschwulste des Tumors in Lunge, Leber und Bauchraum zu entfernen. Ein chirurgischer Eingriff ist ebenfalls notwendig, wenn ein Tumor die Darmpassage verengt.

Operation beim Kolonkarzinom

Bei Krebs in höheren Abschnitten des Dickdarms (Kolonkarzinom) ist es nötig, einen Teil des Dickdarms zu entfernen und die Enden aneinanderzunähen. Wie umfangreich die Operation ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel von der Größe und der Lage des Tumors, aber auch von der Blutversorgung des Darmes, damit die wiedervereinigten Darmenden gut durchblutet bleiben. Sind durch den Tumor auch andere Organe (z. B. die Milz) in Mitleidenschaft gezogen, etwa, weil der Tumor in sie hineinwächst, kann es nötig sein, das ganze Organ – oder Teile davon – ebenfalls zu entfernen.

Nach einer Operation ist in seltenen Fällen vorübergehend ein künstlicher Darmausgang (Stoma) nötig. Dabei wird ein Teil des Darms, der vor der operierten Stelle liegt, nach außen verlagert. So kann sich der operierte Darmabschnitt leichter regenerieren. Ist die Wunde verheilt, kann der Chirurg das Stoma oft wieder in den Bauch zurückverlegen, sodass die normale Darmpassage wiederhergestellt ist.

Die weitere Behandlung hängt vor allem davon ab, ob der Tumor vollständig entfernt werden konnte oder ob noch Krebszellen im Körper verblieben sind. Im Anschluss an die Operation kann zum Beispiel eine ergänzende Chemotherapie eventuell noch vorhandene Krebszellen abtöten und verhindern, dass sich Tochtergeschwülste ausbreiten. Ob eine Chemotherapie infrage kommt, ist individuell ganz verschieden.

Operation beim Rektumkarzinom

Auch bei Krebs im Enddarm (Rektumkarzinom) zählt die Operation zur Standardtherapie. Dabei entfernt der Operateur den betroffenen Darmabschnitt. In frühen Stadien ist dadurch eine Heilung möglich.

Insbesondere bei Tumoren, die sich nah am Darmausgang befinden, kann durch die Operation die Funktion des Schließmuskels verloren gehen. Um dieses Risiko zu minimieren, kann es vor der Operation sinnvoll sein, den Tumor durch eine Chemotherapie in Kombination mit Bestrahlung (Radiochemotherapie) zu verkleinern.

Manchmal gelingt es jedoch nicht, den Schließmuskel zu erhalten. In diesem Fall ist es nötig, einen dauerhaften künstlichen Darmausgang zu legen. Kann der Schließmuskel hingegen erhalten werden, ist ein künstlicher Darmausgang nur vorübergehend nötig, damit die Operationsnaht verheilen kann. Nach einigen Monaten kann der Darmausgang dann wieder zurückverlegt werden.

Künstlicher Darmausgang (Anus praeter, Stoma)

Ein künstlicher Darmausgang (med. Fachbegriff: Stoma oder Anus praeter) oder ein durch die Operation verkürzter Darm bedeuten nicht zwingend, dass eine spezielle Ernährung erforderlich ist. Häufig ist jedoch eine Ernährungsberatung sinnvoll, um eine ausgewogene Ernährung zu gewährleisten und den Verdauungstrakt nicht unnötig zu belasten.

Patienten, die nach einer Darmkrebs-Therapie einen künstlichen Darmausgang haben, müssen erst damit umzugehen lernen. Es ist deshalb hilfreich, sich bei den betreuenden Ärzten, Pflegepersonal und speziellen Selbsthilfegruppen Rat zu suchen – zum Beispiel, um die nötigen Pflegemaßnahmen zu erlernen oder um sich mit anderen Menschen, die ein Stoma tragen, auszutauschen. Da Stomaprobleme individuell sehr unterschiedlich sind, können in besonderen Fällen auch ausgebildete Stomatherapeuten Hilfestellung leisten.

Chemotherapie

Bei einer Chemotherapie erhält der Patient Zytostatika. Diese Medikamente hemmen vor allem das Wachstum von Zellen, die sich rasch teilen. Dazu zählen insbesondere Krebszellen. Allerdings werden teilweise auch gesunde Zellen angegriffen. Das kann zu den typischen Nebenwirkungen wie Durchfall, Blutbildveränderungen oder Haarausfall führen.

Bei einem Kolonkarzinom oder Rektumkarzinom kann eine Chemotherapie zu verschiedenen Zwecken zum Einsatz kommen:

  • als sog. adjuvante (= unterstützende) Therapie: Nach einer Operation können Zytostatika mögliche verbliebene Krebszellen abtöten. Mithilfe der Chemotherapie kann das Risiko eines Rückfalls in vielen Fällen deutlich gesenkt werden.
  • als sog. neoadjuvante Therapie: Ziel der neoadjuvanten Therapie ist es, durch die Chemotherapie eine bessere Ausgangsposition zu verschaffen und große Tumoren zu verkleinern, damit eine Operation erst möglich ist.
  • als sog. palliative Therapie: Hat der Krebs bereits gestreut und ist er nicht heilbar, kann eine Chemotherapie den Verlauf der Erkrankung verlangsamen und Beschwerden lindern.

Meist verabreicht der Arzt die Zytostatika als Infusion über die Vene. In bestimmten Abständen (Zyklen) wird die Behandlung wiederholt. Dabei kommt in der Regel der Wirkstoff Oxaliplatin in Kombination mit anderen Wirkstoffen wie 5-Fluoruracil (5-FU), Capecitabin oder Folinsäure zum Einsatz. Capecitabin ist auch in Tablettenform verfügbar. Es wandelt sich nach der Einnahme in den Wirkstoff 5-FU um. Im Vergleich zu einer Gabe als Infusion sind die Tabletten verträglicher.

Strahlentherapie

Eine Bestrahlung kann vor allem bei Personen mit Rektumkarzinom vor oder nach einer Operation geeignet sein – auch in Kombination mit einer Chemotherapie (sog. Radiochemotherapie):

  • Vor einer Operation kann die Strahlentherapie einen Tumor möglicherweise verkleinern, sodass der Krebs besser operiert werden kann.
  • Nach einer Operation kann die Bestrahlung insbesondere bei einem Rektumkarzinom sinnvoll sein, um zu verhindern, dass sich erneut ein Tumor an derselben Stelle bildet.

Eine Bestrahlung kann bei Darmkrebs aber auch infrage kommen, um Tochtergeschwulste gezielt zu behandeln, so etwa Metastasen in den Knochen. Zu möglichen Nebenwirkungen der Strahlentherapie zählen Durchfall, Bauchschmerzen, Blasenentzündung und Hautreizungen. Meist sind solche Beschwerden eher milde ausgeprägt.

Therapie mit Antikörpern

Bei fortgeschrittenem Darmkrebs kann – meist zusätzlich zur Chemotherapie – eine Behandlung mit Antikörpern zum Einsatz kommen.

Diese Medikamente ähneln den Antikörpern des menschlichen Immunsystems und richten sich gezielt gegen bestimmte Merkmale von Tumorzellen. Die Behandlung mit diesen Medikamenten wird deshalb zielgerichtete Therapie (engl.: targeted therapy) genannt. Sie ist für Personen geeignet, bei denen der Krebs bereits gestreut hat:

  • sog. Angiogenesehemmer wie Bevacizumab verhindern, dass sich neue Blutgefäße bilden, die den wachsenden Tumor mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Dadurch kann der Tumor in seinem Wachstum gehemmt werden. Bevacizumab erhält der Patient als Infusion. Die Therapie kann mit teils starken Nebenwirkungen verbunden sein. Dazu zählen u.a. Bluthochdruck, Störungen der Wundheilung, Atem- oder Kreislaufprobleme, Überempfindlichkeitsreaktionen, Magen-Darm-Durchbrüche, Blutungen und Blutgerinnsel. Der Arzt wird daher Risiko und Nutzen der Therapie sorgfältig abwägen und während der Behandlung regelmäßige Kontrollen durchführen.
  • Wachstumsrezeptorblocker wie die Wirkstoffe Cetuximab oder Panitumumab blockieren eine bestimmte Bindungsstelle (Rezeptor) auf der Oberfläche von Darmkrebszellen. Normalerweise bindet der sog. epidermale Wachstumsfaktor (kurz: EGF) an diese Rezeptoren, was das Krebswachstum fördert. Durch Wachstumsrezeptorblocker sind die Rezeptoren besetzt. Die Medikamente sind nur bei Personen wirksam, bei denen ein bestimmtes Gen als "Wildtyp", ohne Mutationen vorliegt (das sog. K-Ras-Gen). Dies wird vor der Therapie geprüft. Zu einer häufigen Nebenwirkung zählt eine Entzündung der Haut, die einer Akne ähnelt.

Darmkrebs: Verlauf

Bei Darmkrebs (Rektumkarzinom, Kolonkarzinom) hängen Verlauf und Prognose vor allem damit zusammen,

  • wie groß der Tumor ist,
  • wie aggressiv er wächst und
  • ob Tochtergeschwulste in anderen Organen (Fernmetastasen) vorhanden sind.

Hauptsächlich entstehen Tochtergeschwulste in Leber und Lunge. Haben sich Metastasen gebildet, spricht das für ein bereits fortgeschrittenes Erkrankungsstadium.

Je früher Darmkrebs im Dickdarm erkannt wird, desto besser ist auch die Prognose. Gelingt es dem Operateur, den Tumor samt angrenzender Lymphknoten komplett zu entfernen, sind die Heilungsaussichten hoch.

Komplikationen

Komplikationen können vor allem fortgeschrittenen Stadium von Darmkrebs entstehen:

  • Blutet der Tumor stark, kann sich eine Blutarmut (Anämie) entwickeln.
  • Wächst der Tumor sehr schnell, kann die Stuhlpassage erschwert oder unmöglich werden – ein Darmverschluss kann entstehen. Ein Darmverschluss macht eine rasche Operation oft unumgänglich.
  • Eine sofortige Operation ist ebenfalls notwendig, wenn der Tumor die äußere Darmwand durchbrochen hat und Darminhalt in den offenen Bauchraum gelangt. Dabei entstehen starke, plötzlich einsetzende Schmerzen und es kann sich eine Bauchfellentzündung entwickeln.

Nachsorge

Nach der Behandlung sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen zur Darmkrebs-Nachsorge wichtig. So kann der Arzt einen Rückfall (Rezidiv) schon frühzeitig erkennen. Häufigkeit, Dauer und Inhalte der Nachsorge richten sich nach der Tumorart, der Tumorausbreitung, dem Operationserfolg, der jeweils gewählten Nachbehandlungen und dem Gesundheitszustand des Operierten.

Welche Untersuchungen genau zum Einsatz kommen, wird der Arzt mit Ihnen besprechen. Eine Nachsorge umfasst zumeist:

  • ein Gespräch (Anamnese),
  • eine körperliche Untersuchung,
  • eine Darmspiegelung in bestimmten Abständen,
  • Ultraschalluntersuchungen des Bauchraums,
  • eine Blutuntersuchung einschließlich der Bestimmung des sogenannten CEA-Werts (Tumormarker) im Blut und
  • ggf. Röntgenaufnahmen oder eine Computertomographie des Brustraums, wenn der Verdacht besteht, dass sich Tochtergeschwulste in der Lunge befinden.

In den ersten Jahren nach der Therapie erfolgen die Untersuchungen in kurzen Abständen, später können Arzt und Patient gegebenenfalls längere Zeitabstände verabreden.

Darmkrebs: Vorbeugen

Das Risiko für Darmkrebs im Dickdarm (Kolonkarzinom, Rektumkarzinom) können Sie senken, indem Sie entsprechend vorbeugen und mögliche Risikofaktoren gezielt minimieren. Zudem sollten Sie die Möglichkeiten zur Früherkennung nutzen.

Vorsorge: Darmkrebs verhindern

Es gibt eine Reihe von Faktoren, die das Risiko für Darmkrebs erhöhen – so beispielsweise bestimmte Erkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Bei diesen Erkankungen sind häufigere Darmspiegelungen erforderlich. Die Kontrollabstände richten sich nach der Dauer des
Krankheitsverlaufs.

Zudem ist die Wahrscheinlichkeit für Darmkrebs größer, wenn bereits andere Personen in der Familie an erkrankt waren. Solchen Einflüssen kann man zwar nicht vorbeugen. Menschen mit hohem Darmkrebsrisiko sollten jedoch besonders aufmerksam sein und auf mögliche Anzeichen achten.

Darüber hinaus gibt es Risikofaktoren, die Sie gezielt beeinflussen können:

  • Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit reichlich Ballaststoffen aus Getreideprodukten.
  • Verzehren Sie Fleisch und Fett nur in Maßen. Greifen Sie stattdessen zu Gemüse und Salat!
  • Bleiben Sie körperlich aktiv und versuchen Sie, Übergewicht zu vermeiden!
  • Versuchen Sie, auf Rauchen zu verzichten.

Achten Sie darüber hinaus auf mögliche Anzeichen von Darmkrebs wie zum Beispiel

Solche Beschwerden können viele andere Ursachen haben – zur Sicherheit sollten Sie aber Ihren Arzt aufsuchen, damit er Darmkrebs ausschließen kann. Bei Blutauflagerungen auf dem Stuhl handelt es sich meist um die Folgen von harmlosen Hämorrhoiden. Dennoch: Blut im Stuhl muss immer ärztlich abgeklärt werden.

Früherkennung: Darmkrebs im Frühstadium entdecken

Wenn Darmkrebs frühzeitig erkannt wird, sind die Heilungschancen hoch. Daher ist die Früherkennung besonders wichtig. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine Darmkrebs-Früherkennung ab dem 50. Lebensjahr:

  • Für Männer gilt:
    • Ab dem 50. Lebensjahr haben sie Anspruch auf zwei vollständige Darmspiegelungen im Abstand von mindestens 10 Jahren.
    • Alternativ können sie ab 50 einen immunologischen Stuhltest machen lassen (sog. immunologischer fäkaler Stuhltest, iFOBT) – zwischen 50 und 54 jährlich, ab dem 55. Lebensjahr alle 2 Jahre
  • Für Frauen gilt:
    • Ab 50 bis 54 können sie jährlich einen immunologischen Stuhltest machen lassen.
    • Ab dem 55. Lebensjahr haben sie Anspruch auf zwei vollständige Darmspiegelungen im Abstand von mindestens 10 Jahren; alternativ können sie alle 2 Jahre einen Stuhltest machen lassen.

Beachten Sie: Diese Richtlinien gelten für Personen, deren Darmkrebs-Risiko nicht erhöht ist. Für Menschen mit hohem Darmkrebs-Risiko gelten andere Empfehlungen. Sprechen Sie im Zweifel mit Ihrem Arzt.