Ein Mann mittleren Alters blickt nachdenklich in die Kamera.
© iStock

Magenkrebs (Magenkarzinom)

Magenkrebs wird oft spät entdeckt – denn zu Beginn fehlen meist typische Symptome. Mögliche erste Anzeichen sind eine Abneigung gegen Fleisch, Übelkeit, Völlegefühl oder Druck/Schmerz im Oberbauch.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Magenkrebs (Magenkarzinom)

Magenkrebs (Magenkarzinom) entsteht, wenn Zellen des Magens "entarten" und sich unkontrolliert vermehren, sodass sich ein bösartiger Tumor entwickelt.

Meist bildet sich ein Magenkarzinom aus Drüsengewebe in der Magenschleimhaut. Ärzte bezeichnen Tumoren aus Drüsengewebe als Adenokarzinom. Nur selten entsteht ein Magenkarzinom aus Zellen der Magenmuskulatur oder aus Gewebe des Lymphsystems im Magen.

Video: So entsteht Krebs

Wie häufig ist Magenkrebs?

Seit mehr als 30 Jahren erkranken in Deutschland immer weniger Menschen an einem Magenkarzinom. 2014 erhielten 9.342 Männer und 6.090 Frauen diese Diagnose. Im Vorjahr waren es noch rund 400 Fälle mehr. Das Robert Koch-Institut schätzt, dass diese Zahlen in den nächsten Jahren weiter sinken werden. Nach seiner Prognose werden 2020 etwa 8.700 Männer und 5.500 Frauen erkranken.

Wissenschaftler vermuten, dass die sinkenden Erkrankungszahlen unter anderem auf veränderte Ernährungs- und Zubereitungsgewohnheiten zurückzuführen sind – denn die Ernährung spielt bei der Entstehung von Magenkrebs eine große Rolle. Auch ist das Bakterium Helicobacter pylori, das als ein wichtiger Risikofaktor für Magenkrebs gilt, mittlerweile etwas weniger verbreitet.

Trotz des Erkrankungsrückgangs zählt Magenkrebs zu den häufigsten Todesursachen, die durch einen bösartigen Tumor ausgelöst werden. Dies liegt vor allem daran, dass die Symptome bei Magenkrebs oft uncharakteristisch sind. Dadurch bleibt ein Magenkarzinom häufig lange unentdeckt.

In welchem Alter erkranken die meisten Menschen an Magenkrebs?

Magenkrebs tritt meist im höheren Alter auf. Nur etwa 10 von 100 Patienten sind bei der Diagnose zwischen 30 und 40 Jahre alt. Mit steigendem Alter erhöht sich das Risiko. Im Durchschnitt sind Menschen, die die Diagnose Magenkrebs bekommen, älter als 70 Jahre. Bei Kindern und jungen Erwachsenen ist ein Magenkarzinom eine Rarität.

Magenkrebs: Symptome

Magenkrebs (Magenkarzinom) bereitet oft lange Zeit keine Symptome – oder die Anzeichen sind so uncharakteristisch, dass sie als harmlos eingestuft werden.

Mögliche Symptome von Magenkrebs sind:

Beachten Sie: Solche Symptome können auch bei vielen anderen Erkrankungen auftreten und oft sind sie harmlos. Zur Sicherheit sollten Sie länger anhaltende und/oder starke Beschwerden aber immer vom Arzt abklären lassen.

Ist der Tumor bereits größer, spürt der Patient die Symptome meist deutlicher:

  • Der Arzt kann den Tumor insbesondere bei schlanken Menschen ertasten.
  • Wenn das Magenkarzinom den Magenausgang einengt, kann die aufgenommene Nahrung den Magen nicht mehr ungehindert in Richtung Darm gelangen. Völlegefühl, Übelkeit und Erbrechen sind mögliche Symptome. Im Erbrochenen können sich Nahrungsreste vom Vortag befinden. Nach dem Erbrechen verspürt der Betroffene vorübergehend Erleichterung und das Druckgefühl im Bauch verschwindet. Durch den Rückfluss von Magensäure oder Nahrungsbrei in die Speiseröhre kann Sodbrennen entstehen.
  • Ein weiteres Anzeichen für Magenkrebs können Magenblutungen sein. Durch die Blutung kann sich der Stuhlgang schwarz färben (sog. Teerstuhl) – oder aber der Betroffene erbricht Blut. Das Erbrochene erscheint dann "kaffeesatzartig". Farbe und Konsistenz entstehen durch den Kontakt des Bluts mit der Magensäure.

Im fortgeschrittenen Stadium kann Magenkrebs streuen. Das heißt: Krebszellen lösen sich vom Tumor und gelangen über die Blutbahn in benachbarte Lymphknoten und andere Körperregionen, wo sie Tochtergeschwulste (Metastasen) bilden. Dies kann zu unterschiedlichen Anzeichen führen. Zwei Beispiele:

  • Haben sich Tochtergeschwulste in Lymphknoten gebildet, ist manchmal ein bestimmter Lymphknoten (der sog. Virchow-Lymphknoten) in der linken Schlüsselbeingrube vergrößert und tastbar.
  • Bei Tochtergeschwulsten in der Leber kann die Leber vergrößert sein. Dies kann zu Druckschmerzen führen. Darüber hinaus können sich größere Flüssigkeitsmengen in der Bauchhöhle ansammeln.

Erkrankungen mit ähnlicher Symptomatik

Einige Erkrankungen gehen mit Symptomen einher, die denen von Magenkrebs ähneln. Dazu zählen zum Beispiel

  • Magengeschwür (Ulcus ventriculi)
  • Speiseröhrenentzündung mit Sodbrennen durch zurücklaufenden Nahrungsbrei in die Speiseröhre (Refluxkrankheit)
  • Erkrankungen an Gallenwegen, Leber oder Bauchspeicheldrüse
  • Reizmagen-Syndrom, eine Funktionsstörung des Magens mit Druck- und Völlegefühl

Magenkrebs: Ursachen

Die genauen Ursachen von Magenkrebs (Magenkarzinom) sind bislang nicht eindeutig geklärt. Jedoch kennt man einige Risikofaktoren, welche die Erkrankungswahrscheinlichkeit erhöhen. Hierzu zählen insbesondere

Eine Magenschleimhautentzündung durch Helicobacter pylori gilt als wichtigster Risikofaktor für Magenkrebs.

Magenschleimhautentzündung durch Helicobacter pylori

Fast alle Patienten mit Magenkrebs haben/hatten schon einmal eine Magenschleimhautentzündung, die durch das Bakterium Helicobacter pylori hervorgerufen wurde. Auch das Risiko, an einem Lymphdrüsen-Tumor des Magens (Magenlymphom) zu erkranken, erhöht sich bei einer Helicobacter-Infektion deutlich.

Wichtig zu wissen: Obwohl Helicobacter pylori bei fast jedem Patienten mit Magenkrebs zu finden ist, bedeutet das im Umkehrschluss nicht, dass jeder Infizierte auch an Magenkrebs erkranken wird. Helicobacter-pylori-Infektionen sind sehr häufig – aber nur ein Bruchteil der infizierten Personen erkrankt im Laufe seines Lebens an Magenkrebs.

Ernährungs- und Lebensgewohnheiten

Auch die Ernährungsgewohnheiten spielen bei der Entstehung von Magenkrebs eine Rolle.

Ernährungsbedingte Faktoren, die das Risiko für Magenkrebs erhöhen, sind

  • eine Ernährung mit wenig pflanzlichen und viel tierischen Bestandteilen
  • gepökelte, gegrillte und geräucherte Nahrungsmittel: Dazu zählen z.B. sehr dunkel gegrilltes Fleisch, Wurstwaren, aber auch gepökeltes Fleisch und Fisch. Durch die spezielle Verarbeitung bilden sich bestimmte krebserregende Stoffe, sog. Kanzerogene. Gepökelte Speisen enthalten Nitrat- und Nitritsalze. Diese bilden im Magen krebserregende Nitrosamine. Da Nitrat in vielen Gemüsearten vorkommt, sollten Sie diese daher immer frisch verzehren, bevor die Nitrate in Nitrosamine umgewandelt werden können.
  • Aflatoxine: Über die Nahrung können bestimmte Gifte von Schimmelpilzen, die krebserregenden Aflatoxine, in den Körper gelangen.
  • Alkohol: Besonders in konzentrierter Form schädigt Alkohol die Schleimhäute von Mund, Speiseröhre und Magen.

Rauchen stellt ebenfalls einen Risikofaktor für ein Magenkarzinom dar, da sich krebserregende Bestandteile des Tabakrauchs mit dem Speichel lösen und so in den Magen gelangen. Zudem erhöht Übergewicht das Risiko für Magenkrebs im Bereich zwischen Speiseröhre und Magen.

Magenerkrankungen

Neben einer Magenschleimhautentzündung durch Helicobacter pylori erhöhen bestimmte Magenerkrankungen und -operationen das Krebsrisiko. Hierzu zählen:

  • chronisch atrophische Autoimmungastritis (Typ A): Diese lang anhaltende Magenentzündung entsteht durch eine Fehlregulation des Immunsystems, was zu Veränderungen der Magenwand und einem Mangel an Magensäure führt.
  • vorangegangene Magenoperationen, z.B. aufgrund eines Magengeschwürs
  • bestimmte Magengeschwulste (echte, sog. adenomatöse Magenpolypen)
  • bestimmte Form der Magenschleimhautentzündung (Riesenfaltenmagen-Gastritis, Morbus Ménétrier)
  • immer wiederkehrende und schlecht heilende Magengeschwüre
  • selten: perniziöse Anämie – eine besondere Form der Blutarmut mit Vitamin-B12-Mangel

Nur selten entwickelt sich Magenkrebs auf einer vollkommen gesunden Magenschleimhaut.

Genetische Risikofaktoren

In manchen Familien tritt Magenkrebs gehäuft auf. Sind Familienmitglieder ersten Grades – also Eltern, Kinder oder Geschwister – an Magenkrebs erkrankt, ist das eigene Risiko im Vergleich zu anderen Menschen um das Zwei-bis Dreifache erhöht.

Magenkrebs: Diagnose

Bei möglichen Anzeichen von Magenkrebs (Magenkarzinom) ist der Hausarzt der erste Ansprechpartner. Zunächst wird er im Gespräch einige Fragen zur Krankengeschichte stellen. So wird er zum Beispiel wissen wollen,

  • welche Beschwerden sein Patient hat,
  • wie lange diese schon anhalten,
  • wie sich die Beschwerden im Verlauf entwickelt haben und
  • ob eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori bekannt ist.

Anschließend folgt eine gründliche körperliche Untersuchung.

Die wichtigste Untersuchung zur Diagnose von Magenkrebs ist die Magenspiegelung. Wenn Magenbeschwerden länger als drei Wochen anhalten, sollte je nach Alter und Risikokonstellation über eine Magenspiegelung nachgedacht werden.

Wenn der Tumor blutet, lässt sich das Blut im Stuhl mit einem Test nachweisen. Zudem kann eine längere Blutung des Tumors zu einer Eisenmangelanämie führen, was im Blutbild sichtbar ist. Ein eindeutiger Beweis für Magenkrebs ist dies jedoch nicht. Im Zweifel wird der Arzt daher immer eine Magenspiegelung veranlassen.

Magenspiegelung: Sicherste Diagnosemethode

Mithilfe einer Magenspiegelung (Gastroskopie) kann der Arzt direkt in den Magen hineinsehen.

Der Arzt schiebt ein flexibles, schlauchförmiges Instrument, das Endoskop, durch den Mund über die Speiseröhre in den Magen vor. Mit dem Endoskop kann er den Magen von innen betrachten und so Veränderungen der Magenschleimhaut feststellen.

An der Spitze des Endoskops befindet sich eine winzige Kamera, die das erzeugte Bild auf einen Monitor überträgt. Im Endoskop befindet sich außerdem eine kleine Röhre, durch die der Arzt spezielle Instrumente in den Magen bringen kann. Mit diesen Instrumenten kann er eine Probe aus verdächtigen Stellen der Magenwand entnehmen (Biopsie), die dann im Labor unter dem Mikroskop untersucht wird.

Die Magenspiegelung ist am besten geeignet, um ein Magenkarzinom sicher zu diagnostizieren.

Eine Magenspiegelung dauert in der Regel nur wenige Minuten. Meist kann man eine Magenspiegelung ambulant durchführen: Der Patient kann direkt nach der Untersuchung wieder nach Hause gehen.

Das Gefühl beim Schlucken des schlauchförmigen Instruments empfinden Patienten häufig als unangenehm. Auf Wunsch können sie sich daher vor der Untersuchung ein Beruhigungsmittel verabreichen lassen.

Nach der Diagnose: Weitere Untersuchungen

Hat die Magenspiegelung ergeben, dass es sich tatsächlich um Magenkrebs handelt, schließen sich weitere Untersuchungen an. Der Arzt muss unter anderem herausfinden, wie groß der Tumor ist und ob sich Tochtergeschwulste in anderen Körperbereichen gebildet haben.

Folgende Untersuchungen können dabei hilfreich sein:

  • Blutuntersuchung: Anhand der Blutwerte kann der Arzt u.a. erkennen, wie gut einzelne Organe funktionieren und in welchem körperlichen Zustand sich der Patient befindet.
  • Ultraschalluntersuchung des Bauchbereichs: Mithilfe der Ultraschalluntersuchung (Sonographie) kann der Arzt Organe wie Leber, Milz, Bauchspeicheldrüse und Nieren schmerz- und risikolos begutachten. Im Rahmen dieser Untersuchung lassen sich zudem Tochtergeschwulste des Tumors (Metastasen) in diesen Organen sowie größere Metastasen in den Lymphknoten erkennen.
  • Ultraschall von innen (Endosonographie): Mit dieser Untersuchung kann der Arzt insbesondere die Ausdehnung des Magenkrebses in der Magenwand gut beurteilen. Auch der mögliche Befall von Lymphknoten lässt sich mithilfe dieser Methode einschätzen. Beim Ultraschall von innen führt der Arzt wie auch bei der Magenspiegelung ein Untersuchungsinstrument durch den Mund ein.
  • Röntgen des Brustkorbs (Röntgen-Thorax): Diese Untersuchung dient der Suche nach Tochtergeschwulsten in der Lunge.

Zu weiteren möglichen Untersuchungen zählen:

  • Bauchspiegelung: In bestimmten Fällen von fortgeschrittenem Magenkrebs kann es nötig sein, den Tumor und seine Ausbreitung direkt in Augenschein zu nehmen. Dazu ist eine Bauchspiegelung geeignet, auch Laparoskopie. Dabei setzt der Arzt zunächst kleine Schnitte in die Bauchdecke und führt eine Kamera ein, um den Bauch von innen zu betrachten. Eine Bauchspiegelung wird in der Regel im Krankenhaus durchgeführt.
  • Magnetresonanztomographie: Weisen die vorangegangenen Untersuchungen darauf hin, dass der Krebs in die Lebergestreut haben könnte, kann eine Magnetresonanztomographie der Leber hilfreich sein. Mithilfe eines Magnetfelds betrachtet der Arzt den betroffenen Körperbereich Schicht für Schicht.
  • Skelettszintigraphie: Die Skelettszintigraphie sollte nur zum Einsatz kommen, wenn es Hinweise darauf gibt, dass die Kochen von Krebszellen befallen sein könnten. Bei dieser Methode erhält der Untersuchte ein schwach radioaktives Präparat in die Vene. Von dort aus verteilt es sich im Körper und gelangt somit auch in die Knochen. An Stellen mit gesteigerter Knochen-Neubildung, etwa durch Reparaturprozesse an Knochenmetastasen, reichert sich die Substanz an. Da das Präparat leicht radioaktiv ist, kann man mithilfe einer Gammakamera messen, wie es sich im Körper verteilt.

Bei Magenkrebs kann man die Tumormarker CA 72-4, CA 19-9 und CEA im Blut bestimmen lassen. Tumormarker sind Substanzen, die bei bestimmten Tumorerkrankungen im Blut vermehrt vorkommen können. Wenn sich eine erhöhte Konzentration nachweisen lässt, können diese Marker im Verlauf der Therapiekontrolle dienen. Als Suchtest für einen ersten Hinweis auf Magenkrebs sind die Tumormarker allerdings nicht geeignet.

Staging: Wie sehr hat sich der Tumor ausgebreitet?

Wichtiger Teil der Diagnose ist das sogenannte Staging. Dabei bestimmt der Arzt, wie fortgeschritten die Erkrankung ist (Tumorstadium). Nach dem Stadium richten sich die Therapie und die Prognose. In welchem Stadium sich der Krebs befindet, hängt von drei Faktoren ab:

  • T = der Größe des Tumors,
  • N = ob Nachbarorgane befallen sind und
  • M = ob Metastasen in Lymphknoten und in entfernten Organen vorhanden sind.

Aus diesen drei Kriterien ergibt sich die sogenannte TNM-Klassifikation.

TNM-Klassifikation

Nach der internationalen TNM-Klassifikation ergibt sich folgende Einteilung für das Tumorstadium:

T: Primärtumor (zuerst aufgetretene Krebsgeschwulst)

Stadium Befund
T is Der Krebs ist auf die Schleimhautoberfläche beschränkt. In diesem Stadium haben sich noch keine Metastasen gebildet (sog. Carcinoma in situ)
T1 Frühkarzinom ("early cancer": Der Tumor ist nur oberflächlich in Schleimhaut (Mukosa) und die Bindegewebsschicht unter der Schleimhaut (Submukosa) eingewachsen und hat tiefere Schichten noch nicht erreicht.
T2 Der Tumor wächst in die Muskelschicht des Magens ein (Tumorinvasion bis in die Muskularis)
T3 Der Tumor wächst bis in das Bauchfell (Serosa) hinein. Benachbarte Organe und Strukturen sind nicht betroffen.
T4 Der Tumor wächst auch in angrenzende Strukturen hinein (z.B. Milz, Dickdarm, Leber, Zwerchfell, Bauchspeicheldrüse, Bauchwand, Niere, Nebenniere, Dünndarm).

N: Lymphknotenbefall

Stadium Befund
N0 Keine Lymphknoten befallen
N1 Befall von 1 bis 2 benachbarten (regionären) Lymphknoten
N2 Befall von 3 bis 6 benachbarten (regionären) Lymphknoten
N3 Befall von 7 bis 15 benachbarten (regionären) Lymphknoten (N3a) oder mehr als 15 benachbarten Lymphknoten (N3b)

M: Fernmetastasen

Stadium Befund
M0 Keine Fernmetastasen
M1 Fernmetastasen vorhanden

Ein Beispiel: Die Angabe T1 NO MO bedeutet, dass der Tumor noch klein ist (T1) und dass weder benachbarte Lymphknoten (N0) noch Fernmetasten (M0) vorhanden sind.

Laurén-Klassifikation

Die sogenannte Laurén-Klassifikation gibt dem Arzt Hinweise auf das Ausmaß einer eventuellen Operation. Anhand der Laurén-Klassifikation unterscheidet man verschiedene Wachstumsformen von Magenkrebs:

  • Intestinaler Typ: Der Krebs wächst pilzförmig (polypös) in den Magen vor und ist gut begrenzt. Dieser Typ hat eine etwas bessere Prognose.
  • Diffuser Typ: Der Krebs wächst in der Magenwand und ist schlecht begrenzt. Die Prognose ist wegen früher Metastasierung ungünstig.
  • Mischtyp: Der Krebs wächst sowohl in Richtung Magenschleimhautoberfläche als auch seitwärts in die Magenwand vor.

Grading (Differenzierungsgrad): Wie aggressiv wächst der Tumor?

Durch das sogenannte Grading (engl. to grade = einstufen, einteilen) bekommt der Arzt Hinweise darauf, wie aggressiv der Krebs ist. Dabei untersucht der Mediziner anhand einer Probe, wie das Krebsgewebe beschaffen ist. Man unterscheidet zwischen den Stufen:

  • G1 = hoch (hohe Ähnlichkeit mit gesunden Körperzellen)
  • G2 = mittel
  • G3 = gering
  • G4 = undifferenziert (keine Ähnlichkeit mit ausgereiften gesunden Körperzellen)

Es gilt: Je niedriger die Grading-Stufe, desto langsamer und weniger aggressiv ist das Wachstum des Tumors.

MALT-Lymphom

Eine Sonderstellung bei Magenkrebs nehmen die sogenannten malignen Lymphome ein, die Mediziner auch als MALT-Lymphome bezeichnen. Dabei handelt es sich um bösartig entartetes Lymphgewebe und nicht, wie bei den meisten anderen Tumoren, um bösartige Drüsenzellen der Magenschleimhaut.

Magenkrebs: Therapie

Bei Magenkrebs (Magenkarzinom) richtet sich die Therapie unter anderem danach,

  • wie groß der Tumor ist,
  • wie aggressiv er wächst,
  • ob und wo er bereits Tochtergeschwulste gebildet hat und
  • in welchem Allgemeinzustand sich der Patient befindet.

Zu häufigen Behandlungsmethoden zählen

Ist es nicht möglich, den Krebs vollständig zu entfernen, ist es das Ziel, die Beschwerden des Patienten so gut es geht zu lindern und ihm eine hohe Lebensqualität zu ermöglichen.

In frühem Stadium: Tumorentfernung im Rahmen der Magenspiegelung

Nur wenn sich der Tumor noch in einem sehr frühen Stadium befindet (sog. Carcinoma in situ), kann der Arzt ihn unter Umständen im Rahmen einer Magenspiegelung entfernen. Wichtig ist, dass der Tumor anschließend genau untersucht wird. So lässt sich bestimmen, ob nicht doch eine Operation notwendig ist.

Operation

Eine Operation kommt bei Magenkrebs vor allem dann infrage, wenn der Tumor vollständig entfernt werden kann und noch keine Metastasen vorliegen (sog. R0-Resektion).

Wächst der Magenkrebs in die Magenwand ein, ist oft eine erweiterte Magenentfernung notwendig. Bei Tumoren im Eingangsbereich des Magens muss der Arzt außerdem den unteren Speiseröhrenabschnitt und die Milz entfernen.

Wenn Teile des Magens entfernt wurden, wird der Restmagen mit dem Dünndarm unterhalb des Zwölffingerdarms verbunden (Gastrojejunostomie). War es notwendig, den Magen vollständig zu entfernen, verbindet der Operateur die Speiseröhre mit dem Dünndarm unterhalb des Zwölffingerdarms oder er näht zwischen Speiseröhre und Zwölffingerdarm eine Dünndarmschlinge ein. Der Arzt verbindet die Speiseröhre nicht direkt mit dem Zwölffingerdarm, denn hier münden Gallen- und Bauchspeicheldrüsengang. Wäre die Speiseröhre direkt mit dem Zwölffingerdarm verbunden, könnte Gallen- und Bauchspeicheldrüsensekret in die Speiseröhre zurücklaufen. Um dies zu vermeiden, näht der Arzt die Speiseröhre also an einen Abschnitt des Dünndarms.

Nach der Operation können bei einigen Patienten Beschwerden auftreten, so zum Beispiel Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Bauchschmerzen, Sodbrennen oder das sogenannte Dumping-Syndrom. Dabei entleert sich der Mageninhalt sehr rasch in den Dünndarm. Aufgrund der Beschwerden kann es nötig sein, eine Diät zu halten, Medikamente zu nehmen und sich an bestimmte Ernährungsvorgaben zu halten. In vielen Fällen vergehen die Beschwerden mit der Zeit wieder.

Wurde der Magen entfernt, spritzt der Arzt seinem Patienten in regelmäßigen Abständen Vitamin B12 – denn das lebenswichtige Vitamin kann der Körper nicht mehr aus der Nahrung aufnehmen.

Nicht immer ist es möglich, Magenkrebs allein durch eine Operation zu heilen, insbesondere, wenn die Erkrankung schon fortgeschritten ist und sich Metastasen gebildet haben. In diesem Fall ist eine Chemotherapie sinnvoll. Eine Operation kann unter Umständen dennoch infrage kommen, wenn Komplikationen auftreten (palliativer Eingriff). Dabei entfernt der Operateur beispielsweise den durch Tumorwachstum eingeengten oder verschlossenen Anteil des Magens oder den gesamten Magen und stellt die Passage wieder her.

Chemotherapie

Die Medikamente, die bei einer Chemotherapie zum Einsatz kommen, nennt man Zytostatika. Zytostatika wirken auf Zellen wie ein Gift. Vor allem Zellen, die sich rasch teilen, gehen daran zugrunde – und dazu gehören Krebszellen. Aber auch gesunde Körperzellen werden in Mitleidenschaft gezogen, wenn auch weniger stark als Krebszellen. Daher ist jede Chemotherapie mit Nebenwirkungen verbunden.

Beim Magenkarzinom spielt die Operation die wichtigste Rolle in der Therapie, sofern der Tumor damit vollständig entfernt werden kann. Die Patienten erhalten aber oft unterstützend zusätzlich eine Chemotherapie. Wenn der Magenkrebs schon Tochtergeschwulste in anderen Organen gebildet hat, dient die Chemotherapie vorwiegend dazu, das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen.

Zu häufigen Nebenwirkungen der Chemotherapie zählen unter anderem

Chemotherapie vor der Operation

Bei sehr großen Tumoren ohne Tochtergeschwulste kann man vor der Operation versuchen, den Krebs mit einer Chemotherapie zu verkleinern, um ihn dann leichter entfernen zu können. Dieses Vorgehen bezeichnen Mediziner als neoadjuvante Chemotherapie.

Beim Magenkarzinom ist auch die sogenannte perioperative Chemotherapie in manchen Fällen sinnvoll. Der Patient erhält dann vor und nach dem OP-Termin Zytostatika.

Strahlentherapie

Die Strahlentherapie kommt bei der Magenkrebs-Therapie meist in Betracht, wenn der Tumor nicht operiert werden kann und/oder auf eine Chemotherapie nicht anspricht. Ziel ist dabei in der Regel, den Tumor oder Metastasen durch Strahlung zu verkleinern, um die Beschwerden zu lindern.

Antikörper

In Verbindung mit einer Chemotherapie können bei Magenkrebs im fortgeschrittenen Stadium, welcher bereits Metastasen gebildet hat, Antikörper wie Trastuzumab oder Ramucirumab zum Einsatz kommen. Dies kann bei Patienten sinnvoll sein, welche über viele sogenannte HER2-Rezeptoren verfügen. Die Antikörper hemmen diese Rezeptoren.

HER2-Rezeptoren befinden sich auf der Zelloberfläche von Tumorzellen und beeinflussen deren Wachstum. Bei circa jedem fünften Magenkrebs sind vermehrt HER2-Rezeptoren zu finden. Ärzte sprechen von einem HER2-positivem Magenkrebs.

Unterstützende Therapieansätze

Die sogenannte supportive (= unterstützende) Therapie dient dazu, unangenehme Begleiterscheinungen bei Magenkrebs zu lindern, so etwa

  • Nebenwirkungen nach einer Chemotherapie,
  • Verengungen des Magens,
  • starke Erschöpfung (Fatigue) oder
  • Schmerzen.

Wenn Magenkrebs zum Beispiel die Nahrungswege verengt (Stenose), kann der Arzt ein Kunststoffröhrchen (Tubus) oder ein röhrenförmiges Drahtgeflecht (Stent) einsetzen, das den Weg für die Nahrung frei hält. Dies geschieht mithilfe eines Endoskops.

Gegen Schmerzen stehen eine Reihe verschiedener Schmerzmittel zur Verfügung. Bei chronischer Erschöpfung kann ein Bewegungstraining zum Einsatz kommen.

Magenkrebs: Verlauf

Der Verlauf von Magenkrebs (Magenkarzinom) hängt wesentlich davon ab, wie früh die Erkrankung erkannt und behandelt wird.

Unbehandelt breitet sich der Tumor immer weiter aus. Zunächst befällt er die benachbarten Lymphknoten. Von dort aus können einzelne Krebszellen über die Lymphgefäße und die Blutbahn in andere Körperregionen vordringen und dort Tochtergeschwulste bilden, so zum Beispiel in der Leber, in der Lunge oder im Bauchfell.

Bei Magenkrebs bilden sich im Vergleich zu vielen anderen Krebsarten relativ schnell Tochtergeschwulste. Daher ist es besonders wichtig, bei möglichen ersten Anzeichen den Arzt aufzusuchen.

Vorstufen von Magenkrebs (sog. Carcinoma in situ) sind in nahezu allen Fällen heilbar. Auch bei einem Magenkrebs im Frühstadium, dem Frühkarzinom, ist die Lebenserwartung vergleichsweise hoch. Die sogenannte Fünf-Jahres-Überlebensrate (ein Maß für die Prognose von Krebs) liegt bei einem Frühkarzinom nach der Operation bei 90 Prozent. Das bedeutet: Von 100 Personen, deren Magenkrebs im Frühstadium behandelt wird, leben nach fünf Jahren noch 90.

Da Magenkrebs jedoch zu Beginn kaum Beschwerden bereitet, bleibt er oft lange unentdeckt. Je weiter der Krebs bei Therapiebeginn fortgeschritten ist, desto geringer sind die Heilungschancen.

Nachsorge

Nach der Therapie sollte der Patient regelmäßige Termine zur Nachsorge wahrnehmen.

Mithilfe der Nachsorge kann der Arzt

  • frühzeitig feststellen, ob der Krebs eventuell erneut aufgetreten ist (sog. Rezidiv),
  • mögliche Nachwirkungen der Krebserkrankung ermitteln und/oder behandeln und
  • Ansprechpartner für den Patienten sein. Viele Menschen fühlen sich nach einer Krebserkrankung nicht nur körperlich, sondern auch seelisch belastet. Bei Bedarf kann der Arzt entsprechende Angebote zur Seelsorge vermitteln.

Die Nachsorgetermine finden anfangs etwa alle drei Monate statt. Später kann der Zeitraum zwischen den Terminen ausgedehnt werden.

Rehabilitation

Nach einer erfolgreichen Therapie im Krankenhaus kann eine stationäre Anschlussheilbehandlung in einer spezialisierten Nachsorgeklinik (AHB-Klinik) durchgeführt werden. Dort erhalten die Patienten unter anderem eine Ernährungsberatung, oft auch eine psychoonkologische Mitbetreuung. Somit haben sie die Möglichkeit, körperlich und psychisch wieder zu Kräften zu kommen.

Ernährung bei Magenkrebs

Nach einer Magenkrebs-OP ist eine spezielle Ernährung notwendig. Die Nahrung gelangt aufgrund der verkürzten Magenpassage zu schnell in den Darm, was Übelkeit, Schluckauf, Blässe und Erbrechen zur Folge haben kann.

Nach der Behandlung ist es wichtig, die Nahrung langsam aufzunehmen. Vorteilhaft sind viele kleine Portionen über den Tag verteilt. Wichtig ist auch, dass man die Nahrung nicht durch Getränke zusätzlich verdünnt. Hier empfiehlt es sich, besonders zwischen den Mahlzeiten viel zu trinken, um ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Ruhe nach dem Essen kann die Verdauung unterstützen.

Magenkrebs-Patienten haben außerdem häufig Probleme mit der Fettverdauung, was sich in Blähungen und Durchfall äußern kann. Daher sollte die Ernährung zwar kalorienreich, jedoch möglichst fettarm sein. Oft sind Nahrungsergänzungsmittel (sog. Verdauungsenzyme) nötig.

Durch die verkürzte Magenpassage nach einer Operation kann es außerdem zu einem Vitamin-B12- sowie einem Vitamin-D-Mangel kommen. Wichtig ist, dass Betroffene diesen Mangel nur unter ärztlicher Aufsicht und nicht in Selbstmedikation ausgleichen. Vitamin D kann man mit der Nahrung zuführen. Vitamin B12 wird in regelmäßigen Abständen als Spritze verabreicht.

Magenkrebs: Vorbeugen

Magenkrebs (Magenkarzinom) können Sie ein Stück weit vorbeugen, indem Sie mögliche Risikofaktoren gezielt ausschalten.

Insbesondere sollten Sie möglichst wenig geräucherte, gegrillte oder gepökelte Nahrung verzehren. Achten Sie stattdessen auf eine ausgewogene Ernährung mit reichlich Obst und Gemüse. Verzichten Sie außerdem auf Rauchen und hochprozentigen Alkohol. Wenn Sie Übergewicht haben: Streben Sie Normalgewicht an.

Je früher Magenkrebs erkannt und behandelt wird, desto höher sind die Chancen auf Heilung. Symptome wie zum Beispiel

sind zwar meist harmlos – sicherheitshalber sollten Sie jedoch Ihren Arzt aufsuchen. Das gilt insbesondere, wenn die Beschwerden anhalten.

Bestimmte Erkrankungen können das Risiko für Magenkrebs erhöhen. In diesem Fall kann es sinnvoll sein, regelmäßig eine Magenspiegelung durchführen zu lassen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt!

Video: Sechs Tipps für eine magenbekömmliche Kost