Frau mit Anämie liegt erschöpft im Bett.
© Getty Images/VioletaStoimenova

Anämie (Blutarmut): Symptome, Ursachen & Behandlung

Abgeschlagenheit, Schwindel, blasse Haut: Eine Anämie kann sich in vielerlei Symptomen äußern. Die häufigste Ursache ist ein Mangel an Eisen. Doch auch größere Blutverluste und Erkrankungen wie Infekte und Nierenschäden können eine Blutarmut hervorrufen. Welche Arten von Anämien gibt es? Und wie lassen sie sich behandeln?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

FAQ: Fragen und Antworten rund um Anämie

Bei Männern gilt ein Hämoglobinwert unter 14 Gramm Hämoglobin pro Deziliter Blut als zu niedrig – bei Frauen liegt der Wert bei zwölf. Ab welchem Wert eine Anämie tatsächlich gefährlich ist, hängt jedoch auch von Vorerkrankungen und dem jeweiligen Alter ab. Auch die Analysemethode der Blutwerte ist bedeutsam.

Wenn eine Anämie und ihre ursächliche Erkrankung nicht behandelt werden, verschlimmern sich die Beschwerden. Welche Folgen dann drohen, hängt unter anderem vom Ausmaß der Anämie ab.

Angeborene Anämien wirken sich meist nicht negativ auf die Lebenserwartung aus, da sie in der Regel frühzeitig diagnostiziert und behandelt werden. Grundsätzlich beeinflusst auch eine erworbene Anämie, sofern rechtzeitig erkannt und therapiert, die Lebenserwartung nicht negativ. Mögliche zugrunde liegende Erkrankungen hingegen schon.

Was ist Anämie?

Fachleute sprechen von einer Anämie (Blutarmut), wenn es dem Körper an bestimmten Blutbestandteilen mangelt. Es fehlt ihm dabei an rotem Blutfarbstoff (Hämoglobin) und/oder roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Dadurch sinkt der Anteil an Blutzellen (Hämatokrit). Infolge werden die Organe nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt, was zu verschiedenen Beschwerden führen kann.

Anämie: Mögliche Symptome für Blutarmut

Eine Blutarmut kann mit einigen unspezifischen Beschwerden einhergehen. Mögliche Symptome einer Anämie sind:

Je nachdem, welche Art der Anämie vorliegt, können zusätzlich weitere Symptome auftreten: 

  • Eisenmangelanämie (durch Eisenmangel): Entzündungen der Schleimhäute und Mundwinkel, brüchige Nägel und Haare (bei Eisenmangelanämie, Blutarmut durch Eisenmangel)
  • perniziöse Anämie (aufgrund von Vitamin-B12-Mangel): Appetitlosigkeit, Zungenbrennen, Gedächtnisprobleme und Magen-Darm-Beschwerden wie Verstopfung oder Durchfall, Gewichtsverlust, Geruchs- und Geschmacksstörungen, Taubheitsgefühle, Gleichgewichtsstörungen
  • hämolytische Anämie (Mangel an Blut durch vorzeitigen Zerfall roter Blutkörperchen): Gelbfärbung der Haut und Augen (bei hämolytischer Anämie, Mangel an Blut durch vorzeitigen Zerfall roter Blutkörperchen)
  • Blutarmut durch innere Blutungen: schwarz gefärbter Stuhl (Meläna, Teerstuhl), Blut im Stuhl oder Urin, hohe Herzfrequenz, niedriger Blutdruck bis hin zu Kreislaufzusammenbrüchen
  • renale Anämie (Mangel an Blut durch Nierenerkrankungen): Wassereinlagerungen (Ödeme) und/oder Hautflecken

Entwickelt sich die Anämie langsam und schleichend, treten zunächst keine Symptome auf, da sich der Körper bis zu einem gewissen Grad an den Blutmangel anpassen kann. Die Betroffenen erfahren dann häufig durch Zufall im Rahmen einer Blutuntersuchung von der Anämie.

Anämie: Ursachen für Blutarmut

Blutarmut kann sowohl angeboren sein als auch erworben werden. Die häufigsten Ursachen einer Anämie sind:

  • Blutverlust
  • Vitaminmangel (Malabsorption), oft Mangel an Eisen oder Vitamin B12
  • chronische Erkrankungen
  • Blutbildungsstörungen (Hämoglobinopathien)
  • Hämolyse (Auflösung roter Blutkörperchen)

Weiterhin kann es zu einer Blutarmut im Alter aufgrund verlangsamter Regenerationsprozesse kommen.

Perniziöser, hämolytische oder aplastische Anämie: Mögliche Formen

Die häufigsten Arten von Blutarmut entstehen aufgrund von Störungen der Blutbildung. Fachleute unterscheiden dabei: 

  • Eisenmangelanämie: Bei etwa 80 von 100 Betroffenen ist Eisenmangel die Ursache für die Anämie. Die Eisenmangelanämie ist somit die häufigste Form der Blutarmut. Vor allem während der Schwangerschaft kann es zu dieser Form kommen, da Schwangere einen erhöhten Eisenbedarf aufweisen.

  • pernizöse Anämie: Dabei verursacht ein Mangel an Vitamin B12 einen Blutmangel, auch Vitamin-B-Mangelanämie genannt.

  • Anämie durch Erkrankungen: Blutarmut entsteht mitunter bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Krebs, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED), Rheuma, Nierenerkrankungen oder langwierigen Infektionskrankheiten. Ursache ist eine Entzündungsreaktion im Körper, weshalb über längere Zeiträume hinweg vermehrt Abwehrstoffe (Zytokine) gegen die Erkrankung gebildet werden. Die Zytokine stören den Eisenstoffwechsel und hemmen das Wachstum der Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen.

  • Folsäuremangel-Anämie: Alkoholmissbrauch und einseitige Ernährungsformen können einen Mangel an Folsäure bedingen, die für Blutbildung und Zellteilung wichtig ist. 

  • renale Anämie: Diese Art kann als Folge einer Nierenerkrankung entstehen.

  • hämolytische Anämie: Dabei gehen vermehrt rote Blutkörperchen zugrunde, da sie eine reduzierte Lebensdauer aufweisen.

  • Sichelzellenanämie: Die Sichelzellanämie ist eine Form der hämolytischen Anämie, die aufgrund eines Gendefekts entsteht.

  • aplastische Anämie: Eine seltene Erkrankung, bei der das Knochenmark zu wenig oder keine Blutkörperchen bildet.

  • Anämie als Folge des myelodysplastischen Syndroms: Das myelodysplastische Syndrom führt zu einem Mangel an funktionsfähigen Blutzellen.

  • Anämie durch gestörte Erythrozytenverteilung: Bestimmte Erkrankungen führen zu einer Vergrößerung der Milz. Die Milz hat unter anderem die Aufgabe, alte rote Blutkörperchen abzubauen. Dazu filtert sie das gesamte Blut und hält alte oder fehlgeformte Blutkörperchen zurück. Ist die Milz zu groß, sammelt sie mehr Blutkörperchen in sich und baut zu viele von ihnen ab.

  • Thalassämie: Ein Gendefekt bedingt eine gestörte Bildung von Hämoglobin und der roten Blutkörperchen. Diese Form der Blutarmut teilen Fachleute der mikrozytären, hypochromen Anämien zu.

Weitere Unterteilung von Anämien

Eine weitere Einteilung von Blutarmut erfolgt anhand des mikroskopischen Aussehens der Blutkörperchen und deren Anteil an Hämoglobin.

  • makrozytäre, hypochrome Anämie: rote Blutkörperchen sind zu groß und enthalten ausreichend Hämoglobin, werden jedoch zu früh abgebaut, was den Sauerstoffmangel bedingt
  • mikrozytäre, hypochrome Anämie: zu kleine rote Blutkörperchen mit zu geringem Anteil an Hämoglobin
  • normozytäre, normochrome Anämie: starker Blutverlust als Ursache, wobei die roten Blutkörperchen kein verändertes Aussehen aufweisen

Anämie: Blutwerte zur Diagnose

Um festzustellen, ob eine Anämie vorliegt, müssen Ärzt*innen ein Blutbild erstellen. Dabei sind vor allem folgende Blutwerte von Bedeutung:

  • die Menge des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin, kurz Hb)
  • die Zahl der roten Blutkörperchen (Erythrozyten)
  • der Anteil der festen Blutbestandteile (Hämatokrit)

Auch der sogenannte MCH-Wert ist bedeutend, der die durchschnittliche Hämoglobinkonzentration in einem roten Blutkörperchen darlegt.

Die folgende Tabelle zeigt, wie diese Blutwerte bei einer Anämie typischerweise verändert sind:

  Frauen Männer
Hämoglobin
(Blutfarbstoff)
weniger als 12 Gramm pro Deziliter weniger als 14 Gramm pro Deziliter
Erythrozyten
(rote Blutkörperchen)
weniger als 4 Millionen pro Mikroliter Blut weniger als 4,5 Millionen pro Mikroliter Blut
Hämatokrit
(feste Blutbestandteile)
weniger als 38 Prozent  weniger als 42 Prozent

Anämie: Wie erfolgt die Behandlung?

Die verschiedenen Arten werden unterschiedlich behandelt. Die Behandlung richten sich dabei nach der Ursache des Blutmangels: War eine starke oder chronische Blutung der Auslöser, wird die*der Ärztin*Arzt die Blutungsquelle suchen und Maßnahmen ergreifen, um die diese zu stillen. Bei größeren Blutverlusten – etwa durch eine Verletzung oder bei einer OP – sind manchmal Bluttransfusionen notwendig.

Hat ein Mangel an bestimmten Nährstoffen zur Anämie geführt, hilft in der Regel eine Umstellung der Ernährung. Zusätzlich können entsprechende Präparate verschrieben werden. Lässt sich der Mangel nicht auf die Ernährung zurückführen, muss die tatsächliche Ursache geklärt und eine entsprechende Therapie verordnet werden. Ein Eisenmangel ist beispielsweise häufig Folge einer starken Regelblutung, die sich mitunter durch Medikamente, etwa der Antibabypille, abschwächen lässt.

Ist die Anämie durch eine chronische Erkrankung wie Krebs oder Rheuma entstanden, bessern sich die Beschwerden meist, wenn die Behandlung der ursächlichen Erkrankung Erfolg zeigt. Bei einer Sichelzellanämie kann unter Umständen eine Stammzellenspende notwendig sein.

Anämie: Folgen und Verlauf bei Blutarmut

Die Folgen und der Verlauf einer Anämie hängen grundsätzlich davon ab, welche Ursache dahintersteckt. Denn eine Anämie tritt in den meisten Fällen nicht als eigenständige Erkrankung auf, sondern als Folgeerscheinung anderer Erkrankungen. Sie unterscheiden sich in ihrem Verlauf und somit auch in den Auswirkungen, die sie nach sich ziehen können.

Bei der häufigsten Form, der Eisenmangelanämie, lassen die Beschwerden normalerweise nach, wenn der Mangel behoben ist. Ist die Anämie nur leicht ausgeprägt, sind gravierende Folgen unwahrscheinlich. Eine stark ausgeprägte und unbehandelte Eisenmangelanämie kann jedoch auch gefährlich werden. Bei älteren Menschen sind schwerwiegende Folgen möglich, darunter:

Wie lässt sich einer Blutarmut vorbeugen?

Manchen Formen der Blutarmut lässt sich mit gezielten Maßnahmen vorbeugen. Dazu zählt vor allem eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend: 

  • Folsäure: vor allem in Spinat, Spargel, Kohl sowie in Bohnen oder Leber enthalten
  • Eisen: steckt in Nüssen, Hülsenfrüchten wie Kichererbsen oder Vollkornprodukten
  • Vitamin B12: besonders in tierischen Lebensmitteln enthalten wie in Fleisch, Fisch, Eiern oder Milchprodukten
  • Vitamin C: reichhaltig in Zitrusfrüchten wie Orangen oder Zitronen, aber auch in Kiwi oder Paprika

Unter Umständen kann auch die Einnahme von entsprechenden Nahrungsergänzungsmitteln vorbeugend wirken. Entsprechende Präparate sollten jedoch nur nach ärztlicher Rücksprache eingenommen werden.