Eine Frau liegt auf dem Sofa und hält sich den Kopf.
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Eisenmangelanämie

Um Blut zu bilden, braucht der Körper Eisen. Mangelt es ihm daran, kann es zur Anämie kommen, also zur Blutarmut. Man spricht dann von einer Eisenmangelanämie. Hier erfahren Sie, wodurch diese Anämie entstehen kann, welche Symptome typisch sind und welche Laborwerte auf eine Eisenmangelanämie hindeuten können.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Eisenmangelanämie

Anämie ist der Fachbegriff für Blutarmut. Bei dieser Erkrankung mangelt es dem Körper an bestimmten Blutbestandteilen. Die Eisenmangelanämie ist die häufigste Form der Anämie. Ihre Ursache ist ein Mangel an Eisen. Für diesen kann es verschiedene Gründe geben:

Der Körper braucht Eisen, um Häm zu bilden. Häm ist ein Baustein des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin. Mithilfe von Hämoglobin transportieren die roten Blutkörperchen Sauerstoff durch den Körper.

Steht zu wenig Eisen zur Verfügung, wird weniger Häm gebildet. Dann fehlt es den roten Blutkörperchen an Hä­moglobin, sodass sie weniger Sauerstoff zu den Organen transportieren können. Da die Organe Sauerstoff für zahlreiche lebenswichtige Vorgänge benötigen, ruft der Mangel daran vielfältige Beschwerden hervor.

Eisenmangelanämie kommt bei Frauen weitaus häufiger vor als bei Männern. Über die Menstruation verlieren sie immer wieder Blut – etwa 60 Milliliter pro Monat. Dabei geht auch Eisen verloren, das in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) gebunden ist. In Europa betrifft die Eisenmangelanämie jede zehnte Frau im gebärfähigen Alter, in Entwicklungsländern sogar jede fünfte.

Eisenmangelanämie: Symptome

Eine Eisenmangelanämie äußert sich häufig durch folgende Symptome:

Eisenmangelanämie: Welche Werte bestimmt das Labor?

Eine Eisenmangelanämie lässt sich anhand verschiedener Blutwerte feststellen, die die Ärztin oder der Arzt von einem Labor bestimmen lässt. Welche Werte das sind und wie sie im Falle einer Eisenmangelanämie typischerweise von der Norm abweichen, zeigt die folgende Tabelle:

  Normwerte Abweichung bei Eisenmangelanämie
Ferritin Frauen: 15-100 Mikrogramm pro Liter (μg/l)
Männer: 30-100 μg/l
erniedrigt (<30)
Transferritin 200-360 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) erhöht
Transferrinsättigung 16-45 % erniedrigt (<15 %)
Hämoglobin (Hb) Frauen: >12 Gramm pro Deziliter (g/dl)
Männer: >13 g/dl
erniedrigt
Retikulozyten-Hb ≥29 Pikogramm (pg) erniedrigt
MCV 80-95 Femtoliter (fl) erniedrigt (<80 fl)
MCH 27-34 pg Hämoglobin pro rotes Blutkörperchen erniedrigt (<27 pg)
sTfR 0,8-2,2 Milligramm pro Liter (mg/l) erhöht

Wichtig: Auf Laborberichten ist nicht von "Normwerten" oder "Normalwerten" die Rede, sondern von Referenzbereichen. Darunter versteht man den Bereich, in dem die Messwerte von 95 von 100 gesunden Menschen liegen. Welche Referenzwerte ein Labor angibt, hängt auch davon ab, welches Untersuchungsverfahren dort verwendet wird. Deshalb können sich die Referenzwerte von Labor zu Labor unterscheiden – je nach eingesetzter Messmethode.

Entscheidend sind vor allem Ferritin und der rote Blutfarbstoff Hämoglobin. Um Hämoglobin zu bilden, benötigt der Körper Eisen. Daher sinkt der Hämoglobin-Wert, wenn zu wenig Eisen vorhanden ist. Mit Ferritin speichert der Körper Eisen. Wenn sich im Blut wenig Ferritin nachweisen lässt, heißt das, dass im Körper wenig Eisen vorhanden ist. Ein erniedrigter Ferritinwert ist somit ein Hinweis auf eine Eisenmangelanämie.

Erhöhte Ferritinwerte schließen eine Eisenmangelanämie allerdings nicht unbedingt aus. Denn der Körper bildet vermehrt Ferritin, wenn eine Entzündung im Gange ist. Darum lässt die Ärztin oder der Arzt meist zusätzlich auch den CRP-Wert bestimmen, einen Entzündungsmarker. Ist der CRP-Wert erhöht, deutet dies auf eine Entzündung hin. Dann besteht die Möglichkeit, dass es dem Körper trotz hoher Ferritinwerte an Eisen mangelt.

Um sich ein genaueres Bild vom Eisenstoffwechsel der Patientin oder des Patienten zu verschaffen, wird die Ärztin oder der Arzt jedoch auch auf die anderen in der Tabelle genannten Laborwerte achten:

  • Transferrin: Transferrin dient dazu, Eisen durchs Blut zu transportieren. Bei Eisenmangel steigt der Anteil der Transferrin-Partikel im Blut, die nicht mit Eisen beladen sind.
  • sTfR: Die Abkürzung steht für soluble transferrin receptors, also lösliche Transferrinrezeptoren. Zellen haben auf ihrer Oberfläche sogenannte Transferrinrezeptoren, mit denen sie Eisen (bzw. Transferrin) aufnehmen können. Mangelt es dem Körper an Eisen, bilden die Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen mehr von diesen Rezeptoren, um vom wenigen verfügbaren Eisen mehr abzubekommen. Dies führt zu einer erhöhten Menge von Transferrinrezeptoren im Blut.
  • MCV steht für den englischen Begriff Mean Corpuscular Volume, auf Deutsch übersetzt "mittleres Zellvolumen". Bei Eisenmangel sind die roten Blutzellen in der Regel kleiner als gewöhnlich.
  • MCH gibt an, wie viel Hämoglobin eine rote Blutzelle im Mittel bindet. Erniedrigte Werte deuten auf einen Eisenmangel hin, erhöhte auf einen Folsäure- oder Vitamin-B12 -Mangel.
  • Retikulozyten-Hb: Retikulozyten sind junge, neu gebildete rote Blutkörperchen. An ihrem Hämoglobingehalt lässt sich ein Eisenmangel schon in einem frühen Stadium feststellen. Ist der Retikulozyten-Hb-Wert niedrig, heißt das: Der Körper verfügt aktuell offenbar nicht über genug Eisen, um die neuen Blutkörperchen mit ausreichend Hämoglobin auszustatten.

Das Labor misst aber nicht nur die Konzentrationen der verschiedenen Blutbestandteile. Es fertigt auch einen Blutausstrich an. Dazu wird ein Tropfen Blut auf ein Glasplättchen aufgetragen und dünn ausgestrichen. Wenn das Blut getrocknet ist, wird es gefärbt. Dadurch werden die weißen und roten Blutkörperchen – unter dem Mikroskop – sichtbar. Entscheidend ist vor allem die Größe und Form der roten Blutkörperchen: Im Falle einer Anämie sind sie typischerweise unterschiedlich groß und geformt.

Eisenmangelanämie: Therapie

Die Therapie der Eisenmangelanämie hängt von der Ursache ab. Stecken Blutungen dahinter, wird die Ärztin oder der Arzt diese – wenn möglich – stoppen. War eine chronische Erkrankung der Grund für den Mangel, wird diese behandelt.

Der Eisenmangel selbst lässt sich durch die Ernährung und Eisenpräparate ausgleichen. Letztere gibt es nicht nur in Apotheken, sondern auch in Drogerien und Reformhäusern zu kaufen. Bei einem nachgewiesenen Eisenmangel wird die Ärztin oder der Arzt aber in der Regel apothekenpflichtige Präparate verordnen.

Normalerweise sollte sich der Eisenmangel dadurch innerhalb weniger Monate ausgleichen lassen. Ob die Einnahme den gewünschten Erfolg bringt, prüft die Ärztin oder der Arzt im Rahmen einer erneuten Blutuntersuchung am Hämoglobinwert. Hat sich dieser normalisiert, wird die Ärztin oder der Arzt in der Regel dazu raten, die Eisenpräparate für weitere 3 bis 6 Monate einzunehmen. In dieser Zeit können sich die Eisenspeicher des Körpers wieder füllen.

Ist die Eisenaufnahme durch den Darm gestört, zum Beispiel aufgrund einer Darmerkrankung, helfen Tabletten nicht. In diesem Fall kann die Ärztin oder der Arzt Eisen über eine Vene verabreichen.

Wichtig: Eisenpräparate sollte man nur bei nachgewiesenem Mangel einnehmen. Sonst droht ein Überschuss an Eisen im Körper, der zu verschiedenen Beschwerden führen kann.

Ernährung bei Eisenmangelanämie

Bei einer Eisenmangelanämie spielt die Ernährung eine wichtige Rolle. Die Betroffenen sollten so viele eisenhaltige Lebensmittel zu sich nehmen, dass sie ihren täglichen Bedarf decken. Dieser liegt für Erwachsene zwischen 10 und 20 Milligramm:

  • Frauen im gebärfähigen Alter benötigen 15 mg Eisen am Tag, Schwangere 30 mg und Stillende 20 mg. Frauen nach den Wechseljahren brauchen nur noch 10 mg Eisen am Tag.
  • Männer sollten täglich 10 mg Eisen zu sich nehmen.

Fleisch, Fisch und Getreide, aber auch grüne Gemüsesorten und Pilze enthalten viel Eisen. Vitamin C hilft dem Körper, Eisen aufzunehmen. Es steckt zum Beispiel in Paprika, Äpfeln, Zitrusfrüchten und Kohl.