Mann hält sich den Po, weil er Schmerzen aufgrund von Hämorrhoiden hat.
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Hämorrhoiden: Symptome, Ursachen und Hausmittel

Ob Juckreiz, Brennen oder Nässen – vergrößerte Hämorrhoiden sind unangenehm. Je früher man sie erkennt, desto besser lassen sie sich behandeln. Was genau sind Hämorrhoiden und welche Symptome können sie auslösen? Und wie kann man vorbeugen?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

FAQ: Fragen und Antworten zu Hämorrhoiden

Als Hämorrhoiden werden Gefäßpolster am Enddarm bezeichnet, die mit den Schließmuskeln des Afters den Darmausgang abdichten. Wenn sich das Blut in den Hämorrhoiden staut und sie dadurch größer werden, entsteht ein Hämorrhoidalleiden.

Die häufigsten Ursachen und Risikofaktoren sind Verstopfung, zu starkes Pressen auf der Toilette, Bewegungsmangel, eine ballaststoffarme Ernährung und geringe Flüssigkeitsaufnahme, Übergewicht, Schwangerschaften sowie ein schwaches Bindegewebe. All diese Faktoren begünstigen eine Vergrößerung der Hämorrhoiden.

Vergrößerte Hämorrhoiden führen häufig zu folgenden Symptomen: Blut im Stuhl oder auf dem Toilettenpapier, Brennen, Juckreiz und Nässen im Analbereich, Fremdkörpergefühl am After oder das Gefühl einer unvollständigen Darmentleerung.

Es gibt spezielle Salben, Cremes oder Zäpfchen, um Beschwerden wie Juckreiz oder Schmerzen zu lindern. Bei dauerhaft vergrößerten Hämorrhoiden ist dagegen unter Umständen eine Operation notwendig.

Hämorrhoidale Erkrankungen sind weitgehend ungefährlich, können aber sehr unangenehm sein. Die Behandlung von vergrößerten Hämorrhoiden ist in den meisten Fällen erfolgreich. Es kann aber sein, dass die Beschwerden nach einer Weile erneut auftreten.

Bei wiederkehrenden Beschwerden wie Schmerzen, Nässen und Jucken im Analbereich sollte man einen*eine Arzt*Ärztin aufsuchen. Bei – auch einmaligen – Blutungen aus dem Anus ist der Besuch in der Praxis unbedingt erforderlich.

Was versteht man unter Hämorrhoiden?

Hämorrhoiden (griech. haíma = Blut, rhoos fließen; auch: Hämorriden) sind Schwellkörper, die in der Schleimhaut des unteren Enddarms (Analkanal) ein dichtes Gefäßpolster bilden. Arterien und Venen versorgen diese Schwellkörper mit Blut. Jeder Mensch hat von Natur aus Hämorrhoiden. Zusammen mit dem inneren und äußeren Schließmuskel des Afters dichten sie den Darm nach außen hin ab. Hämorrhoiden tragen dazu bei, den Darmausgang auch bei Belastung verschlossen zu halten, so zum Beispiel beim Niesen oder Lachen.

Krankhaft werden Hämorrhoiden erst, wenn sich in dem Gefäßpolster das Blut staut und nicht mehr ungestört abfließen kann. Die Hämorrhoiden vergrößern sich und machen sich durch unterschiedliche Symptome bemerkbar (Hämorrhoidalleiden). Schätzungen zufolge haben fast 70 Prozent der Erwachsenen im Laufe ihres Lebens mindestens einmal Beschwerden durch vergrößerte Hämorrhoiden. Betroffen sind nicht nur ältere Menschen, sondern auch viele jüngere.

Hämorrhoiden: Typische Symptome

Vergrößerte Hämorrhoiden bereiten anfangs oft keine Symptome. In diesem Stadium kann man die krankhaften Ausstülpungen des hämorrhoidalen Schwellkörpers von außen noch nicht sehen. Erst im weiteren Verlauf treten häufig Symptome auf:

  • Schmerzlose Blutungen bei der Stuhlentleerung, die entweder als Stuhlauflagerung oder als tropfende Blutungen auftreten
  • Brennen, Juckreiz, entzündlich gerötete Haut und Nässen im Afterbereich
  • Gefühl unvollständiger Entleerung nach dem Stuhlgang
  • Unwillkürlicher Abgang von Schleim oder Stuhl (Stuhlschmieren)
  • Druck- oder Fremdkörpergefühl im Analbereich
  • Im fortgeschrittenen Stadium: (starke) Schmerzen, wenn Hämorrhoiden aus dem After austreten und thrombosieren (Inkarzeration), sodass sich Blut staut

Diese Symptome können auf vergrößerte Hämorrhoiden hinweisen. Sie können aber auch viele andere Ursachen haben. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden sollten Betroffene daher immer ärztliche Hilfe aufsuchen. Wer Blut im Stuhl oder auf dem Toilettenpapier entdeckt, sollte dies rasch ärztlich abklären lassen.

Hämorrhoiden oder Marisken?

Patient*innen verwechseln vergrößerte Hämorrhoiden oft mit Marisken. Das sind sehr häufig vorkommende, harmlose äußere Hautfalten an der Afteröffnung. Sie können gelegentlich Beschwerden bereiten, wenn die Haut gereizt und entzündet ist.

Video: Vergrößerte Hämorrhoiden

Schweregrade: Hämorrhoiden Grad I bis IV

Je nach Ausprägung kann man vergrößerte Hämorrhoiden in vier Grade einteilen. Grad I entspricht einem leichten, Grad IV einem weit fortgeschrittenen Hämorrhoidalleiden.

Hämorrhoiden Grad I

In diesem Stadium sind die Hämorrhoiden zwar vergrößert, aber noch relativ klein und von außen nicht sichtbar. Nur mithilfe einer Spiegelung des Analkanals und des Enddarms (Proktoskopie) kann der*die Arzt*Ärztin die Vergrößerung erkennen. Betroffene haben in der Regel noch keine Beschwerden.

Hämorrhoiden Grad II

Im zweiten Stadium eines Hämorrhoidalleidens sind die Knoten bereits größer. Deshalb sind sie bei der Untersuchung mit dem kurzen Proktoskop deutlich sichtbar. Allerdings treten sie beim Pressen noch nicht komplett vor die Afteröffnung.

Hämorrhoiden Grad III

In diesem Stadium "fallen" die Knoten bei der Stuhlentleerung, manchmal auch spontan, teilweise oder vollständig vor die Afteröffnung. Meistens ziehen sich die vergrößerten Hämorrhoiden aber spontan wieder in den Analkanal zurück oder können leicht mit dem Finger zurückgeschoben werden.

Hämorrhoiden Grad IV

Im letzten Stadium eines Hämorrhoidalleidens liegen die Gefäßpolster permanent vor der Afteröffnung. Sie können nicht mehr manuell zurückgeschoben werden (fixierter Prolaps) und sind somit ständig sichtbar.

Ursachen und Risikofaktoren von Hämorrhoiden

Krankhaft vergrößerte Hämorrhoiden entstehen, wenn sich die Gefäße im sogenannten hämorrhoidalen Schwellkörper am Darmausgang vorwölben. Dies passiert vor allem dann, wenn der Analbereich unter einem hohen Druck steht.

Welche Einflüsse ein Hämorrhoidalleiden begünstigen, ist noch nicht abschließend erforscht. Als mögliche Risikofaktoren werden – teils kontrovers – diskutiert:

  • Verstopfung/starkes Pressen auf der Toilette
  • Ballaststoffarme Ernährung
  • Bewegungsmangel, überwiegend sitzende Tätigkeit
  • Wenig Flüssigkeitsaufnahme
  • Übergewicht
  • Angeborene Schwäche des Bindegewebes, die zur Erschlaffung der Haltemuskeln führt
  • Schwangerschaft

Vergrößerte Hämorrhoiden in der Schwangerschaft

Viele Schwangere haben Probleme im Analbereich. Dazu gehören unter anderem vergrößerte Hämorrhoiden, Analthrombosen oder Marisken. Oftmals bilden sich die Hämorrhoiden nach der Schwangerschaft von allein wieder zurück.

Durch die Gewichtszunahme und die größer werdende Gebärmutter erhöht sich der Druck auf den Beckenboden und den Enddarm. Hinzu kommen hormonelle Veränderungen während der Schwangerschaft, die möglicherweise ein Hämorrhoidalleiden begünstigen. Die Hormone Progesteron und Gestagen sorgen dafür, dass sich die Gefäße weiten, dehnbarer werden und sich dadurch leichter vergrößern. In der Schwangerschaft ist die Verdauung verlangsamt. Der Darm wird träger und die Nahrung verbleibt länger im Körper. Dadurch kann sich schnell eine Verstopfung bilden.

Schwangere sollten in ihrer gynäkologischen Praxis um Rat fragen, bevor sie ein Produkt gegen vergrößerte Hämorrhoiden verwenden. Hilfreich kann es auch sein, sich von der behandelnden Hebamme beraten zu lassen. Klingen die Beschwerden nach der Geburt nicht ab, sondern halten auch nach dem Wochenbett weiter an, kann der*die Arzt*Ärztin weitere Therapiemaßnahmen empfehlen.

Diagnose bei Verdacht auf Hämorrhoiden

Symptome wie Blut im Stuhl oder Juckreiz im Analbereich geben bereits erste Hinweise darauf, dass ein*e Patient*in vergrößerte Hämorrhoiden haben könnte. Zunächst wird der Analbereich mit dem Finger abgetastet, sodass knotige Veränderungen leicht festgestellt werden können. Anschließend werden der Analkanal und der Enddarm mit der Rektoskopie gespiegelt. In der Regel sind die Untersuchungen schmerzlos und risikoarm.

Wichtig ist, dass bei den Untersuchungen ein bösartiger Tumor im Bereich des Dick- und Mastdarms (kolorektales Karzinom) ausgeschlossen wird. Im Zweifel kann nur eine Spiegelung des Dickdarms (Koloskopie) Gewissheit verschaffen. Insbesondere bei Blutauflagerungen auf dem Stuhl ist eine solche Untersuchung erforderlich.

Hämorrhoiden: Wirksame Hausmittel

Wer Probleme mit vergrößerten Hämorrhoiden hat, kann in leichten Fällen zunächst selbst versuchen, die Beschwerden zu lindern. Häufig kommen dabei Cremes, Salben oder Zäpfchen zum Einsatz. Geeignete Wirkstoffe sind zum Beispiel Substanzen zur Wundheilung (Adstringenzien) oder entzündungshemmende Präparate mit Zink, Panthenol oder Hamamelis. Der Wirkstoff Lidocain hat eine betäubende Wirkung, sodass Schmerzen gelindert werden.

Als Hausmittel gegen Hämorrhoiden kommen auch Sitzbäder mit klarem Wasser infrage. Bei Bedarf können Badezusätze mit entzündungshemmenden Stoffen wohltuend sein:

  • Kamille
  • Hamamelis
  • Eichenrinde
  • Arnika

Hämorrhoiden-Zäpfchen werden direkt in den After eingeführt. Die entsprechenden Wirkstoffe werden dann im oberen Darmabschnitt freigesetzt. Eine spezielle Variante des Zäpfchens ist der Analtampon: Das Zäpfchen ist mit einem Mullstreifen versehen, der seine Wirkstoffe direkt in den Analkanal abgibt.

Was hilft gegen Hämorrhoiden?

Bei länger anhaltenden oder stärkeren Problemen durch Hämorrhoiden empfiehlt sich eine medizinische Behandlung in einer Hausarztpraxis oder Praxis für Proktologie. Hausmittel gegen Hämorrhoiden reichen dann nicht mehr aus, da sie nur die Beschwerden lindern. Vergrößerte Hämorrhoiden bilden sich dadurch jedoch nicht zurück. Welche Therapie infrage kommt, richtet sich vor allem danach, wie sehr das Hämorrhoidalleiden fortgeschritten ist.

Hämorrhoiden veröden oder abbinden

Hämorrhoiden der Grade I und II können mit der Sklerosierung verödet werden. Hierbei spritzt der*die Arzt*Ärztin an den Gefäßzuflüssen der Hämorrhoiden ein Mittel mit dem Wirkstoff Polidocanol, welches das Gewebe schrumpfen und verfestigen lässt.

Auch die Gummibandligatur kann bei Hämorrhoiden helfen. Bei dieser Behandlung werden die Hämorrhoidalknoten mithilfe eines Gummibands abgeschnürt. Gegebenenfalls muss der behandelte Bereich betäubt werden, damit nach dem Eingriff keine Schmerzen entstehen. Die abgeschnürten Knoten sterben innerhalb weniger Tage ab, sodass der Körper sie abstößt. Die Gummibandligatur kommt insbesondere bei Hämorrhoiden vom Grad II und bei Blutungen, in Ausnahmefällen bei Hämorrhoiden vom Grad III in Betracht.

In schweren Fällen erfolgt Hämorrhoiden-OP

Bleibt die bisherige Behandlung erfolglos oder liegen Hämorrhoiden im weiter fortgeschrittenen Stadium ab Grad III vor, müssen die Knoten möglicherweise operativ entfernt werden (Hämorrhoidektomie). Zum Einsatz kommen meist folgende Operationsverfahren:

  • Hämorrhoiden-OP nach Milligan-Morgan: Diese Technik wird besonders häufig angewandt. Sie zählt zu den offenen Operationsverfahren. Der*die Chirurg*in schneidet mit Schere, Laser oder Skalpell die vergrößerten Hämorrhoidalknoten und die zuführenden Blutgefäße heraus und lässt die Wunde anschließend offen heilen.

  • Hämorrhoidektomie nach Ferguson: Dabei handelt es sich um eine geschlossene Operationstechnik. Wie bei der Milligan-Morgan-OP werden die vergrößerten Knoten entfernt, die Wunde anschließend jedoch vernäht.

  • Hämorrhoidektomie nach Parks: Nach einem Y-förmigen Schnitt in die Schleimhaut von Analkanal oder Enddarm werden die freigelegten Hämorrhoidalpolster entfernt und die Wundränder T-förmig vernäht. Die äußere Wunde in der Analschleimhaut bleibt hingegen offen.

  • Stapler-OP (Longo-OP): Sie ist vor allem bei Hämorrhoiden dritten Grades geeignet. Mit dem Stapler, einem speziellen Gerät, wird ein Ring aus überschüssigem Schleimhautgewebe entfernt, sodass die Hämorrhoidalknoten nicht mehr durchblutet werden. Die Schnittränder werden anschließend wieder an die Schleimhaut des Analkanals geklammert.

Verlauf und Prognose bei Hämorrhoiden

Beschwerden durch leicht vergrößerte Hämorrhoiden (Grad I bis II) klingen manchmal von selbst wieder ab. Ein ausgeprägtes Hämorrhoidalleiden schreitet ohne Behandlung jedoch weiter fort, sodass die Symptome an Intensität zunehmen. Vergrößerte Hämorrhoiden können meist gut behandelt werden. Es ist allerdings möglich, dass die Beschwerden mit der Zeit zurückkehren (Rezidivbildung).

Mögliche Komplikationen

Nur in äußerst seltenen Fällen haben vergrößerte Hämorrhoiden ernstzunehmende Folgen. Allerdings kann ein Hämorrhoidalleiden sehr unangenehme Komplikationen und Beschwerden mit sich bringen, wie zum Beispiel:

  • Hämorrhoidalknoten vierten Grades, die permanent vor der Afteröffnung liegen, sind durch das Wischen mit Toilettenpapier häufig wund. Nässende Hautveränderungen (Analekzem) und Geschwüre können entstehen.

  • Da der Stuhl viele Bakterien enthält, bilden sich an wundgeriebenen Knoten leicht Infektionen. Daraus können größere Eiterherde (Abszesse) werden oder sich Analfisteln bilden. Dies sind tiefe, ständig entzündete Gänge, die zur Haut, zum Mastdarm oder in das Becken führen können.

  • Werden die vergrößerten Hämorrhoiden verletzt, können stärkere arterielle Blutungen entstehen, die medizinisch behandelt werden müssen. Hauptsächlich Personen mit arteriellem Bluthochdruck (Hypertonie) oder Patient*innen, die blutverdünnende Medikamente einnehmen, sind gefährdet.

  • Werden aus dem After heraustretende Hämorrhoiden eingeklemmt, können starke Schmerzen die Folge sein. Da die Gefäße des Knotens eingeengt sind, staut sich das Blut. Bedingt durch diesen Blutstau durchströmt das Blut die Venen des Schwellkörpers langsamer, wodurch sich Blutgerinnsel (Thrombosen) bilden und zum Verschluss der Venen führen können.

Wie kann man Hämorrhoiden vorbeugen?

Der Entstehung vergrößerter Hämorrhoiden kann man nicht vollständig vorbeugen. Allerdings lässt sich die Wahrscheinlichkeit für ein Hämorrhoidalleiden senken beziehungsweise das Fortschreiten der Erkrankung hinauszögern. Besonders wichtig ist hierbei, eine geregelte Stuhlentleerung mit einem weichen Stuhlgang zu erreichen.

Tipps, um Hämorrhoiden vorzubeugen:

  • Ballaststoffreiche und ausgewogene Ernährung

  • Mindestens 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit am Tag trinken, am besten Wasser, Kräuter- oder Früchtetee

  • Bei Stuhldrang zur Toilette gehen. Weder langes Aufschieben noch ein forcierter Gang zur Toilette sind förderlich. Regelmäßiger Stuhlgang bedeutet nicht zwangsläufig, dass er täglich erfolgen muss. Alles im Bereich von zwei- bis dreimal am Tag bis zwei- bis dreimal in der Woche ist normal.

  • Stundenlanges Sitzen auf der Toilette sowie starkes Nachpressen sollte man vermeiden.

  • Wer tagsüber lange sitzen muss, sollte sich in der Freizeit regelmäßig bewegen, zum Beispiel Rad fahren, spazieren gehen oder schwimmen. Der Beckenboden kann zusätzlich mit Beckenbodentraining gestärkt werden.

  • Übergewicht möglichst vermeiden, da ein hohes Körpergewicht den Enddarm belastet und dort den Blutkreislauf erschwert. Die Gefäße im Analbereich können sich dadurch weiten.